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Schnee von gestern? Nein, danke! GeoWis-Autorin Mariam Backes fordert Nachschub der weißen Pracht. Ein Plädoyer für Schnee
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"Knietief muss es sein"

Die Wochen vor Weihnachten und das Fest selbst waren in Deutschland und vielen Ländern Europas von Schnee geprägt. Nun taut es seit Tagen und soll Meteorologen zufolge erstmal so weitergehen. Das missfällt GeoWis-Autorin und Schneeanbeterin Mariam Backes.

Von Mariam Backes (2011-01-04)

Was war das für ein Gejammer, als Deutschland im vergangenen Dezember zugeschneit war! Viele Kommunen erklärten den Streugut-Notstand, wie schon im Jahr 2009, als aus dem so genannten heiteren Himmel in der Neujahrsnacht Schnee fiel und bis Ende Januar kaum aufhörte, zu fallen. Diesmal kam die weiße Pracht schon Mitte Dezember und versetzte all jene - Autofahrer, Transportunternehmen, Mainstream-Medien, kommunale Streudienste - erneut in Panik. Oh Gott, lass zwischen den weißen Flocken auch mal Hirn vom Himmel rieseln, wünschte ich mir.

Mein Wunsch blieb unerfüllt. Zu Zigtausenden verursachten kurzsichtige PKW- und LKW-Lenker teils desaströse Verkehrsunfälle. Meist, weil sie weder ihre Fahrweise noch ihre Fahrzeuge den Witterungsbedingungen angepasst hatten, mit billiger oder Sommerbereifung unterwegs waren. Nicht wenige werden bereits im Frühjahr ihren Ski-Urlaub gebucht haben. Da zupf ich mir doch am Zopf und verspüre kein Mitleid mit solcher Art von Dämlichkeit und Heuchlertum.

 Traurig nur, dass die Hasadeure der Straßen Menschen verletzt und in den Tod befördert haben, die sich den Witterungsverhältnissen angepasst hatten. Diese Kamikaze-Kraftfahrzeugführer müssten die Höchststrafe bekommen: mindestens zehn Jahre im Iglu, ausgestattet nur mit Messer, Angel, Schlafsack und entsprechender Winterkleidung. Ein Wunschtraum.

Der moderne, in Deutschland lebende Mensch hat schneereiche Winter hierzulande irgendwie nicht mehr auf dem Schirm. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass immer wieder - wenn auch nicht im ganzen Bundesgebiet - der Schneegott sein Mäntelchen öffnete und es mächtig rieseln ließ. 2003 war so ein Jahr. 1996/97 auch, wenn ich mich nicht irre. Auch 1992/93 war schneereich, vor allem im Vogtland. In Prag feierte man damals bei 20 Grad minus die Unabhängigkeit. Nicht zu vergessen auch der Winter 1978/79, der den bundesdeutschen Norden (und in der DDR Meck-Pomm und Brandenburg) lahmlegte, und natürlich Weihnachten 1986. Waren das tolle, schneereiche Winter! 

Ich habe nichts übrig für Leute, die Schnee nicht mögen. Schon gar nicht für jene Gruppe von Winterverächtern, die dem Schnee in Deutschland mutwillig entfliehen, um in der Schweiz, in Colorado, Österreich oder Südpolen ihren Ski-Urlaub zu genießen. Wahrscheinlich sind es dieselben, die sich während heißer deutscher Sommer in den Süden Europas, den Indischen Ozean oder die Karibik aufmachen und sich dort darüber beschweren, wenn subtropische oder tropische Regenmassen ihnen den Urlaub vermasseln. 

Mit den ewig Jammernden, den stets Unvorbereiteten, den Standard-Ignoranten, den kommunalen Baubehörden und deren Statikern, den in der Nähe von vom Dach abgehenden Schneebrettern Parkenden, den zu dünn Gekleideten und unsachgemäßes Schuhwerk Tragenden, und mit allen anderen, dem Winter und Schnee nicht Angepassten, verspüre ich nicht nur kein Mitleid, sondern mit einem Schuss Süffisanz versehene Verachtung.

Ich liebe den Schnee. Knietief muss er sein - und über den Stiefelschaft reichen -, damit ich mich durchstapfen kann. Ich liebe die Stille, die der Schnee in den Städten bedingt, und ich liebe die absolute Stille, wenn ich durch den Dortmunder Kurler Busch oder die Wälder im Süden der Stadt wandere. Es sind einzigartige Bilder, die sich mir dabei auftun. Etwa wenn ich sehe, dass Sumpf- und Torfbereiche (Kurler Busch) oder zugeschneite Uferlandschaften (Dortmunder Süden; Witten; Wetter) sich wie Gemälde darstellen.

Es geht mir am Oberkörper vorbei, wenn Autos eingeschneit sind. Ich bin in der glücklichen Lage, kein Auto zu benötigen. Ich arbeite in der Innenstadt und komme mit öffentlichen Verkehrsmitteln überall hin. Ein Auto - wenn ich eins besäße - benützte ich bestenfalls, um Verwandte oder Freunde im Umland zu besuchen, und auch nur dann, wenn es keine ÖPNV-Verbindung gibt.

 Jetzt ist Tauwetter eingetreten. Draußen liegen verschmutzte Reste von Schnee und Eis, verziert mit Hundekot und abgebrannten Silvesterböllern. Kein schönes Bild. Andernorts drohen nun Überschwemmungen auf Grund des Tauwetters.

Die Oder und Elbe führen, gespeist durch ihre Zuflüsse, hohe Wasser. Der Rhein ist bald auch so weit. Was interessiert das die Autofahrer? Nichts. Ihr Augenmerk liegt auf dem illusorischen Grundrecht schnee- und matschfreier Fahrwege.

War das ein schöner Anblick, als die Vehikel eingeschneit waren und sich deren Besitzer mit dem ÖPNV oder Taxi fortbewegen mussten! Ob sie ein Gefühl für Schnee hatten? So wie Fräulein Smilla in Peter Høegs Roman? Manche sicherlich, doch die Mehrheit der Automobilisten wird geflucht und ihr Vehikel freigeschaufelt haben. Purer Schnee-Nihilismus, kann ich da nur sagen. 

Dabei waren die Auto-Fetischisten dereinst auch Schneeliebhaber. Als sie Kinder waren, mit dem Schlitten oder Schneeschlittschuhen (vulgo: Gleitschuhen) den Berg hinabgefahren sind und mächtig stolz waren, wenn sie ihren Freunden oder Eltern damit imponieren konnten, unten heil angekommen zu sein. Ich glaube, dass sich die Bewusstseinsdegeneration nirgendwo so ausgeprägt zeigt wie bei Autofahrern bei Schnee. Die früher schon aggressiven Schlittenfahrer sind heute die Leichtsinnigen auf den Autobahnen. Sollen sie sich doch kaputtfahren - solange sie niemanden Unschuldigen mit in den Tod reißen.

Ich will Schnee. Ich will ihn hier und recht bald. Ich bin angetan von ihm. Es ist mir egal, ob meine Mitbürger dadurch in ihrer Mobilität eingeschränkt würden. Ich bin sogar erfreut darüber, dass auch die oftmals rücksichtslosen Fahrradfahrer durch die jüngsten Schneemassen ihre Räder haben stillstehen lassen müssen. War ja kein Radweg mehr auszumachen.

Ja, der Schnee ruft viele dazu auf, sich zu besinnen. Nicht nur an Weihnachten. Er ist eine Naturgewalt, die uns klein und machtlos werden lässt, uns dazu veranlasst, über den eigenen beschränkten Horizont zu blicken und - bestenfalls - uns die Chance bietet, unsere Position und unsere Aktionen in dieser zerbrechlichen Welt zu bestimmen und - hoffentlich - zu justieren.

© Mariam Backes

© GeoWis (2011-01-04)

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