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Deutsche Studenten: StudiVZ: Stalker unterwegs?

Peinlich und dumm

In der angeblich erfolgreichsten deutschen Studenten-Webseite StudiVZ.de sind offenbar Dilettanten am Werk.

Von Mariam Backes (2006-11-29; 17:26)

Studenten und Studentinnen wollen nur das Eine, vor allem im Alter zwischen 18 und 30. Das ist eine normale Angelegenheit. Fachschaftspartys werden nur zu diesem Zweck veranstaltet. Das ist auch in Ordnung. Erstsemester, ganz egal ob weiblich oder männlich, werden auf diesen Partys rigoros abgepflückt, und sie wissen schon Tage vor der Party, daβ es um nichts anderes als das Flachlegen gehen wird.

Noch vor zehn Jahren brachten die Partygänger Kleinbildkameras mit, um Szenen festzuhalten. Wenige Wochen später wurden Treffen anberaumt, um sich gemeinsam per Diaprojektion oder Fotoprints die besten Fehltritte anzuschauen und sich ordentlich darüber zu amüsieren. Der nackte, leicht unscharf festgehaltene Popo von Julia verdeckte das emsige Gemächte von Peter; ebenso unscharf festgehalten, lachte man über den nur von hinten fotografierten Schopf von Betty, die sich in den Lenden von Hannes vergrub. Und ging man aufs Klo, um einfach seinem Bedürfniss nach zu vielen Bieren nachzukommen, muβte man anklopfen. Es wurde rumgemacht, und da sollte man nicht stören. Pinkeln aber muβte man dennoch. Irgendwie, irgendwo.

Alles klar, alles wahr. Alles zehn Jahre her. Internet war gerade erst im Kommen. Nun aber, 2006, ist nichts mehr privat. Die Jugend nutzt das Netz, um sich zu produzieren und sich lächerlich zu machen, ohne es zu merken - ist ja kein Lektor oder sonstwie Profi da -, und um sich so richtig in die Nesseln zu setzen. Was mit AOL begann und zu unzähligen Kontaktbörsen in fast allen Sprachen führte, modifizierten einige und nennen sich nun myspace oder youtube. Oder, etwas frivoler, collegehumor. Für Immatrikulanten an deutschen Hochschulen ist es also die abgespeckte, hauptsächlich erotikfreie Kontaktbörse studivz.

Ja, wow! Gut gemacht, studivz. Bueno, bueno. Nichts mit Frauen auf die Kette kriegen und dann ein Studi-Portal ins Leben zu rufen, muβ ja enormes Selbstbewuβtsein verursacht haben. Und dann überragt die Dummheit der Macher die Peinlichkeit deren Statements und Handlungen. Da helfen auch die ins Unerträgliche reichenden devoten Entschuldigungen des Vertretungsberech- tigten Ehssan Dariani nicht viel. Der Knabe ist durch.

Das Studentenverzeichnis wirf ein Schlaglicht auf die deutsche Studentenschaft und läβt zumindest erahnen, wieviel Infantilismus selbst bei Mittzwanzigern noch vorhanden ist. Richtig süβ, wie unter der Rubrik 'Was bringt mir das? Entdecke die Möglichkeiten' künftige StudentInnen angesprochen werden, ganz so, als handelte es sich um die Zielgruppe der 11-15-Jährigen. Zitat: Bald-Student und möchtest aus erster Hand erfahren, was dich demnächst an deiner Uni erwartet? Was für Profs, welche Dozenten sind cool oder geben gute Noten?

Cool also ist ein Kriterium, und Dozenten, die gute Noten geben (nicht etwa gute Arbeiten schätzen), ein weiteres, und mit dem Satzbau ist's auch nicht weit her. Was das wohl bringen wird? Hauptsache, es kann gegruschelt werden. Vielleicht sollte man wirklich wieder die gute alte Anmache rauskramen und dann Telefonnummern austauschen, anstatt sich des Vorwurfs des Stalkens erwehren zu müssen. Meinen belästigten Geschlechtsgenossinnen kann ich auch noch raten, sich mal einige von diesen jungen, angeblichen Zuchtbullen zum kollektiven Gruscheln vorzunehmen. Um mal zu seh'n, wie lang er durchhielte.

© Mariam Backes

© GeoWiseBooks (2006-11-29; 17:26:26)


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