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"Nachgeordnetes Niederwild"

Die Absage Günter Jauchs zur Nachfolge der Polit-Talkshow Sabine Christiansen entwickelt sich zur Schlammschlacht und wirft grundsätzliche Fragen auf.

Von Nina Brenthäuser (2007-01-13; 19:40)

"Wir neun Intendanten waren jederzeit auf der Höhe der Information und hatten überhaupt keine Probleme mit den Vorgängen", sagt der seit Anfang des Jahres als ARD-Vorsitzender fungierende Fritz Raff im Interview mit Fiete Stegers von tagesschau.de, einem ARD-eigenen Medium. Es mutet an, daβ ihm die Worte davongallopierten. Doch Raff, ein Mann des Saarländischen Rundfunks, versucht die Dynamik, die die Absage des Noch-RTL-Moderators Günter Jauch als schon designierter Nachfolger von Sabine Christiansens Sonntagsabend-Polit-Talk Sabine Christiansen bisher bewirkt hat, etwas zu bremsen. Zwar bestätigt Raff den bereits entstandenen Imageschaden für die ARD, vermeidet es aber, daraus zu ziehende Konsequenzen zu benennen. Dabei muβ ihn das Heckenschützen-Vorgehen fest im Sattel sitzender ARD-Plaudertaschen schmerzen.

G. Jauch in 'Wer wird Millionaer'Raff versucht zu retten, was zu retten ist, doch ist längst unübersehbar geworden, daβ die von politischem Proporz und sich im - teils fortgeschritten - Rentenalter befindenden Platzhirschen dominierte ARD dringender denn je eine Blutauffrischung und Verjüngungskur benötigt. Fritz Pleitgen, Chef des WDR, ist 68, Jobst Plog, NDR-Chef, bald 66, um mal zwei zu nennen.

Vielleicht ist radikales Umdenken bei der ARD, bei der man angeblich in der ersten Reihe sitzt, angesagt.

Mit - nach eigenen Angaben - 23.600 festangestellten Mitarbeitern erreicht die ARD eine Opulenz, wie man sie vergleichsweise von den Megabehörden der EU kennt. Und es sieht so aus, als säβen in den Sendern der ARD eine Menge Leute, die Aufpasser- und Intrigantenfunktion in sich vereinen. Mein Gott, 6,1 Milliarden Euro zieht die ARD jährlich ein und bietet eine Farce nach der anderen.

Erst die Pleiten um Schleichwerbung, dann die Posse um die Vertragsgestaltung mit dem Tour-de-France-Sieger von 1997, Jan Ullrich, und dessen ARD-Beistand und Ex-Zoni Hagen Boβdorf (2006), dann das Gerangel - im Verbund mit dem Zweiten Deutschen Fernsehen/ZDF - um die Gebührenerhebung für ans Internet angeschlossene PCs (2006). Man muβ sich fragen, ob die Öffentlich-Rechtlichen, die einen staatsvertraglichen Informationsauftrag haben, jedoch keinen zur Unterhaltung, noch satzungsgemäβ operieren.

Bietet etwa die Pseudo-Intellektuellen-One-Man-Harald-Schmidt-Show Informationen, die dessen Zielgruppe nicht bereits schon morgens bekannt war, wenn er sich abends am schon Bekannten delektiert? Zeugt es von der Einhaltung des satzungsgemäβen Auftrags, wenn kritische Informationssendungen wie etwa Monitor, Panorama, Report und andere beschnitten werden? Steht in den Satzungen, daβ Seifenopern zum Informationsauftrag gehören? Oder steht in irgendeinem Kleingedruckten oder einer Fuβnote, daβ ARD und ZDF eventuell vorhandene Lethargie ihrer Gebührenzahler mit Schmonzetten und Trivialem manifestieren müssen? Und wo steht geschrieben, daβ sich die gebührenfinanzierte öffentlich-rechtliche Opulenz an Quoten zu orientieren habe?

Nirgendwo.

Die Absage des Geschäftsmannes Jauch ist im Prinzip nicht hoch genug einzuschätzen. Sie wirft indes die Frage auf, ob ein Sonntagabends-Polit-Talk angesichts der anderweitig evidenten, viel kritischeren und aussagekräftigeren Informationen im Internet oder in Dritten Programmen der Sender nicht antagonistisch erscheint. TV-Polit-Talk ist ein Format aus dem vergangenen Jahrhundert.

Die Absage Jauchs wirft in tieferer Betrachtung auch die Frage auf, ob es notwendig sei, zweit-, dritt-, viertklassigen SchauspielerInnen gebührenfinanziert ein Auskommen zu sichern. Wer sieht sich die Produktionen an? Oma und Opa, klar. Mit dem Traumschiff sind vor allem die Schauspieler in der Welt herumgekommen.

Oma und Opa freuen sich darüber, als Zaungäste etwas von der weiten Welt zu sehen. Mit der Verfilmung von Rosamunde Pilchers (ZDF) Romanen können sie dann auch ergriffen ins Tüchlein tränen. Kein Zweifel: die Öffentlich-Rechtlichen produzieren und senden vorwiegend für die Altersheime und verschwenden Geld. GEZ-Gebühren sollten daher auch nur von den Personengruppen 60-Plus oder marginalen Intelligenzien entrichtet werden.

Auch die Frage, was die Sabine-Christiansen-Talkshow noch soll, stellt sich (Ebenso stellt sie sich beim Pendant des ZDFs, Berlin Mitte, mit dessen Moderatorin Maybrit Illner). Erkenntnisgewinn gleich Null auf beiden Kanälen. Denn das Publikum, das etwa diese beiden Formate ansprechen soll, liest die Tagespresse und braucht kaum Nachhilfe am Donnerstag- oder Sonntagabend.

Vielleicht hatte auch Günter Jauch so seine Vorahnungen. Der Mann mag die Unabhängigkeit, dabei nicht mal nur die journalistische, denn als Journalist arbeitet er schon seit Langem nicht mehr. Nein, Jauchs Unabhängigkeit zielt aufs Business, was ihm nicht zu neiden sei. Einer wie er, der es rein finanziell, aber auch reputativ so weit gebracht hat, mag es schlicht nicht akzeptieren wollen, sich in rückständige, der Obrigkeit verhaftete Korsette zwängen zu lassen.

Gut so. Aufrecht. Notwendig. Jederzeit nachvollziehbar.

Nachtreten steht ihm allerdings nicht gut zu Gesicht. "Das nachgeordnete Niederwild reißt mit dem Hintern ein, was die Chefs mit dem Kopf gerade aufgebaut haben", so Jauch im Interview mit dem Spiegel. Der Stachel ob der ARD-Indiskretionen hinsichtlich Jauchs angepeilten Engagements bei selbigem Sender scheint bei ihm tief zu sitzen. Kaum anders ist das die Verantwortlichen treffende, schmähende Nachtreten des in Werbeangelegenheiten geübten Eklektikers zu interpretieren. Die mitunter unpolitischste, bundesweit mit besten Einschaltquoten bedachte Figur in der deutschen Fernsehlandschaft hat mehr zu verlieren als ein kaum kündbarer, auf öffentlich-rechtlichem Sessel sitzender Proporzfuzzi, dessen Leistung womöglich allein darin besteht, stets auf dem Posten gewesen zu sein.

Jauch hat gut daran getan, abzusagen. 'Journalistische Einvernahme', wie er verlautbart, mag nur ein Aspekt sein, der ihn dazu bewog. Wichtiger ist ihm, sich als Geschäftsmann nicht voreschreiben lassen zu wollen, wie er gedächte, eine Sendung zu machen.

Die ARD wie auch das ZDF müssen in Klausur gehen und sich vom Althergebrachten, vor allem aber vom Proporz verabschieden. Eine radikale Verjüngung muβ ins Haus stehen. Sonst ernten sie bald keinen Blumentopf mehr.

Mit Plan B, Frank Plaβberg von Hart, aber Fair, der ultimativen Polit-Sendung auf WDR, steht zwar eine Alternative zu 'Christiansen/Jauch' bereit. Doch wäre damit niemandem gedient, am wenigsten Plaβberg, und an zweiter Stelle dem WDR.

Der Fisch stinkt immer noch vom Kopf her. Die Frage ist auch: Braucht das deutsche Fernsehpublikum die in Rede stehende und einen Nachfolger suchende Sendung noch? Wenn ja, warum nicht ein neues, unverbrauchtes Gesicht nehmen? Statt auf Sandra Maischberger zu setzten, oder auf Frank Plaβberg, sollte sich die ARD intensiver im eigenen Haus umschauen. Vielleicht kommt ja jemand auf Jutta Neumann (Titelfoto), die beim WDR in Dortmund moderiert.

© Nina Brenthäuser

© GeoWis (2007-01-13; 19:40:45)

© Fotos/Abbildung: ARD; GeoWis

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