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Neldner, Maja: Öttinger - Durchtriebener Schwabe

Durchtriebener Schwabe

Bei Günther Öttinger, Noch-Ministerpräsident von Baden-Württemberg, scheint das Pandämonium in Gestalt rechter Gesinnung beheimatet zu sein.

Von Maja Neldner (2007-04-20)

Was eben noch aussah wie ein Blackout - die Grabrede des Günther Öttinger für Hans Filbinger -, nimmt nun Ausmaβe an. Wie mehrere deutsche Medien seit gestern berichten, darunter Stern, FAZ und Spiegel, sei der forsche MP aus Stuttgart Mitglied einer rechtsnationalen Denkfabrik - Weikersheim - und lasse seine Mitgliedschaft darin nun ruhen.

Abgesehen davon, daβ Öttinger längst ums politische Überleben kämpft, sein Rücktritt vom Amt des Ministerpräsidenten prinzipiell nur noch eine Frage der Zeit sein sollte, muβ man sich fragen, für wie dämlich er nicht nur die Bevölkerung seines Bundeslandes, sondern auch die der Bundesrepublik hält? Was geht im Kopfe des MP vor, daβ er etwa annehmen könnte, er würde nach dem deutlichen Fauxpax zu Filbingers Ableben nicht unter kritischer Beobachtung stehen?

Er kann gut mit der Wirtschaft, vor allem mit den Granden der im Ländle beheimateten Konzerne und groβen Mittelständler. Auch seine Vorgänger Erwin Teufel und Lothar Späth konnten das, und - ach ja - Hans Filbinger. Waren es noch Schatten und Geist des Ex-Marine-Richters Filbinger, die Öttinger jüngst umwaberten - so mochte man glauben -, gelangt nun ein Teil seiner eigenen Geisteshaltung peu-à-peu an den Tag, indem ihm die Mitgliedschaft in eine extrem rechts gerichteten Vereinigung nachgewiesen wurde.

Wie ein im Moor Rudernder unternimmt der waidwunde Ministerpräsident nun seinen eigenen Rettungsversuch. Er relativiert hier, entschuldigt sich dort, will seine Aussagen so nicht gemeint haben, distanziert sich nach endlosen Tagen von diesen und - tritt nicht etwa aus der Weikersheimer Veranstaltung aus, sondern läβt seine Mitgliedschaft ruhen. Man kann ja nie wissen, wofürs gut ist. Doch das erscheint im Moment nicht nur als das Nach-Luft-Schnappen eines Ertrinkenden, sondern gibt ein klägliches politisches Bild ab.

Der klassische Nationalsozialismus Hitlerscher Prägung ist in Deutschland unter Strafe gestellt. Ebenso neo-nazistische Anwandlungen wie auch die Proklamation nationalsozialistischer Prämissen und dergleichen Gedankengut. Auch das Tragen von Nazi-Symbolen ist verboten - Ausnahme die Swastika (Hakenkreuz) in Verbindung mit anderen Kulturkreisen, etwa Indien, sofern man einem dieser Kulturkreise angehört. Öttinger ist kein Inder.

Eher mutet an, er sei ein durchtriebener Schwabe - und beschädigt das Ansehen seines Landes -, ist ein durch viel Protektion an die Macht gelangter, lange sein politisches Naturell bedeckt gehaltener Spezi, der nun seine wahre politische Überzeugung nicht länger unterm Tisch zu verbergen vermochte. Muβ er deswegen sein Amt niederlegen und sich von der demokratisch geprägten politischen Bühne verabschieden?

Ja. Was denn sonst? Filbingers Enkel im Denken - als so einer hat sich Öttinger entlarvt - sollten kein Amt, schon gar nicht das eines Ministerpräsidenten, bekleiden dürfen. 

© Maja Neldner

© GeoWis (2007-04-20; 17:54:04)

© Foto: Öttingers Webseite

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