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Pynchon, Thomas: Against The Day. Rezensiert von Tom Geddis

Der Meister meldet sich wieder zu Wort

Von Tom Geddis (2006-10-10)

Endlich! Für der englischen Sprache mächtige Pynchon-Leser ist es bald soweit. 1120 Seiten wird die amerikanische Ausgabe seines neuen Romans Against The Day umfassen, wenn sie wie angekündigt am 21. November 2006 erscheint. Es ist der dritte Tausender des publikumsscheuen Autors, und wenn er auch diesmal wieder das gewohnte Niveau hält, ist es nach V., Gravity’s Rainbow und Mason & Dixon sein vierter großer Roman, neben etlichen Kurzgeschichten, Novellen, Vorworten und kleinen Romanen.

Wo hat er ihn wohl diesmal geschrieben? Irgendwo an der Karibikküste Quintana Roos, oder an einem schönen Flecken des Pazifiks, etwa zwischen Mazatlán und Puerto Vallarta? Die einsamen Weiten Montanas könnten ihm ebenso Inspiration geboten haben wie die Berge und Täler Colorados. Niemand außerhalb des Thomas-Ruggles-Pynchon-Clans und -Freundeskreises weiß es.

Ist er ein Stadtmensch? Dann wären Seattle, Chicago, New York oder Bosten Orte, in denen er sich vorübergehend eine Schreibstube eingerichtet haben könnte. Durchaus möglich ist aber, daß er inzwischen heimat- und ortsverbunden ist und auf Long Island, vielleicht sogar in seinem Geburtsort Glen Cove lebt. Oder doch noch in Mexiko? Von diesem seit den 1970er Jahren sich hartnäckig haltenden Gerücht, das darauf gründet, daß er damals einige Jahre im Bundesstaat Quintana Roo irgendwo an der Riviera Maya verbrachte, auch mal in Mexico City, sollte man sich verabschieden.

Liest man Pynchons dichte Romane, erkennt man, daß er Zugang zu einer gut ausgestatteten Bibliothek benötigte, die es auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán schlicht nicht gibt. Internet? Noch längst existieren viele Quellen und Texte in diesem Medium nicht. Dafür, daß er sich in seiner Heimat aufhält, spricht vieles. Etwa, daß er seine Stimme einigen Episoden des Formats The Simpsons geliehen hat. Dazu fliegt man nicht von weither ein. Und neuerdings kursiert unter mehreren der einskommavier Millionen „Pynchon“-Webseiten gar eine Art Insider-story, für die er freilich nicht verantwortlich zeichnet.

Stimmt sie, dann hat seine Nichte schwesterlicherseits - Tristan Taormino, in der New Yorker Village Voice als Kolumnistin zuständig für Pikantes - in The Ultimate Guide To Anal Vols. 1 and 2, und danach als Regisseurin mit House of A---- reüssiert. Ihr neuestes Video, Chemistry, ging vor zwei Wochen an den Start. Tristan hatte Onkel Tommy zur Party eingeladen.

Ob er zugegen war, weiß niemand so recht. Gut möglich, daß er dort war, schließlich sprechen Teile seiner Romane dafür, daß er Frivolem nicht abgeneigt ist, und außerdem sind Einblicke in Verhaltensweisen jüngerer Generationen für einen Schriftsteller von unschätzbarem Wert. Sollte er dagewesen sein, wird ihn außer seiner Nichte wohl niemand erkannt haben. Denn wie sollte man jemanden erkennen, dessen einziges der interessierten Öffentlichkeit bekanntes Foto aus den 1950er Jahren stammt?

Worum geht es in Against the Day? Soweit bekannt, unternimmt der Autor erneut eine Zeitreise, diesmal von der jüngeren sozio-politischen Geschichte des ausgehenden 19. bis ins gut erste Fünftel des 20. Jahrhunderts (Kann auch etwas mehr sein!). Die Weltausstellung in Chicago 1893 sei ein Ausgangspunkt für die Fahrt, die Pynchon dann aufnimmt, von der noch nicht bekannt ist, wohin sie den Leser inhaltlich tatsächlich führen wird. Nur wenig sickerte bisher durch. Arbeiteraufstände im Bundesstaat Colorado zu dieser Zeit werden thematisiert, wie auch das New York zur damaligen Jahrhundertwende.

Doch damit offenbar nicht genug (Ein Narr, wer anderes dächte!). TRP nimmt den Leser bald mit auf eine seiner schon aus seinen anderen Romanen berühmten Odysseen, indes auch an einige andere Orte, und wie stets in geschichtsträchtige Regionen. Nach Venedig und Wien, London und Göttingen, auf den Balkan, nach Zentralasien und Sibirien, nach Mexiko während der Revolution von 1910-17, ins Paris nach dem 1. Weltkrieg, ins Stummfilm-Hollywood.

Against the Day - es ist zu hoffen, daß der deutsche Titel wörtlich übersetzt wird - hat demzufolge wieder episches Ausmaß. Und das ist gut so. Denn wie sonst, wenn nicht episch, sollte TRP seine Helden durch diese damalige Zeit sozialpolitischen Schwachsinns und desaströser Unfähigkeit, falscher Propheten und korporativer Gier in höchsten Klassen mäandern lassen? So die Verlautbarung, ergo die Annahme.

Wie es heißt, kommen auch reale Namen der Zeitgeschichte und manche gut identifizierbare Figuren vor, und wenn es am 21. November nachgelesen werden kann und sich bestätigt, sollten wir Leser dafür dankbar sein - und James Michener, dem alten Meister des kognitiven und erbauenden, absolut an der Realität sich orientierenden Romansstils, im Geiste zuprosten. Bela Lugosi, Groucho Marx, Nikola Tesla, durchgedrehte Wissenschaftler, Dekadente, Unschuldige, Spione, Killer, Abenteurer, willige Frauen, Schamanen, Anarchisten und viele andere finden in Against the Day Platz. Wir dürfen gespannt sein, was der Autor da verwoben und Penguin Books verlegt hat.

Die deutsche Übersetzung plant der Rowohlt Verlag, der bisher alles von Pynchon in die deutsche Sprache erstveröffentlicht hat - auβer V. (Karl Rauch Verlag, Düsseldorf, 1968) -, fürs Frühjahr 2008. Das ist noch eine Weile hin, berücksichtigt man allerdings Thomas Überhoffs (Rowohlt) Aussage gegenüber GeoWis eBooks, wonach Against the Day in der deutschen Ausgabe etwa 1800 Seiten umfassen wird, darf man nicht ungeduldig sein. TRP kann nicht jeder übersetzen. Große Literatur, wie auch deren Übersetzung, braucht seine Zeit.

Mit Against the Day meldet sich der Meister des Virtuosen wieder zu Wort. Wird es das letzte Werk des Autors gewesen sein? Pynchon, nun 69, weiß es wohl am besten. Doch wir, die Leser, gehen lieber davon aus, daß es nicht ein sein Werk abschließender Roman ist. Solange Thomas Pynchon sich guter Gesundheit erfreut, wird er (hoffentlich) weiterhin schreiben. Oder, was nachvollziehbar, aber Privatsache wäre, auf den Parties seiner Nichte erscheinen. Ohne Rechercheambitionen. Einfach, um sich zu amüsieren.

© Tom Geddis

© GeoWis (2006-10-10)

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