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Klinger, Nadja/Jens König: Einfach abgehängt

Volltitel: Einfach abgehängt. Ein wahrer Bericht über die neue Armut in Deutschland

Erschienen: September 2006

Verleger: Rowohlt Berlin Verlag, Berlin

ISBN: 3-87134-552-0

Seiten: 258

Die Autoren zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Buches: Nadja Klinger, geboren 1965 in Berlin, schreibt als freie Autorin vor allem Portraits und Reportagen. 1997 publizierte sie ihr Buch Ich ziehe einen Kreis. Jens König, Jahrgang 1964, Berlin, ist Leiter des Parlamentsbüros der tageszeitung (taz) in Berlin. Von ihm erschien 2005 der Bestseller Gregor Gysi. Eine Biographie.

Rezension von Jochen Henke (2006-10-09)

Was für ein Timing! Die Armuts- und 'Unterschicht'-Debatte, vor zwei Wochen wie aus dem Nichts emporgeschossen, beherrscht die deutschen Talk- und Medienshows, die Leitartikel, ja sogar die Schulhöfe. Hätte nicht die Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung den Anlaβ dazu gegeben - wer weiβ, ob dieses wichtige Buch die Aufmerksamtkeit bekäme, die ihm zweifellos gebührt?

Klinger/König arbeiten sich nicht an Zahlenreihen ab oder brillieren mit Diagrammen. In diesem in drei Segmente unterteilten Buch stellen sie zwar die Frage, was Armut (in Deutschland) sei und geben sieben Thesen für eine intelligente Armutspolitik zur Diskussion, doch die von ihnen präsentierten zwölf Beispiele aus der bundesdeutschen Bevölkerung sind das, worauf es in Einfach abgehängt... ankommt.

Es sind keineswegs zwölf Fallstudien. Es sind Tatsachenberichte, von denen jeder einzelne eine Ohrfeige in die Gesichter von politischen Entscheidern und in sicheren Sesseln und Amtsstuben sitzenden Verwaltungsfuzzis ist.

Zum Beispiel der zwanzigjährige Bayer Patrick, der von der Grundschule an auffällig wurde und nun in Köln seine wahrscheinlich letzte Chance auf einen wenigstens mittleren Bildungsabschluβ wahrnimmt; oder der Wirtschaftswissenschaftler Markus, 41, der seit Jahren ein stattliches - und angemessenes - Gehalt bezieht, aber als Altersversorgung Immobilien in bescheidener Dortmunder Lage und in Lüneburg finanziert hat und dann die Macht der Banken kennenlernte; oder die in Dresden gestrandete Jana, 33, die sich mit einer Körpergröβe von 1,57 und drei Kindern nicht nur gegen den Ermittler der ARGE, der die Zahnbürsten zählen kommt, und das in der Ex-DDR noch immer verbreitete Denuziantentum aus der Nachbarschaft wehren muβ - sie hat einen Freund, der übers Wochenende bleibt -, sondern auch von den drei Vätern ihrer Kinder keinen Unterhalt sieht; oder das Dortmunder Ehepaar J., das sich wie wild abstrampelte, sein Auskommen in der Selbständigkeit zu suchen, um nur ja nicht dem Staat zur Last zu fallen, und sich am Ende zwischen Finanzamt, Arbeitsagentur und Bank hin- und herhecheln sieht.

Sie alle geben dem Staat keine Schuld, doch der Leser merkt schnell, der Staat trägt Schuld. Und nicht erst seit der Wende. Das griffe ja auch zu kurz. Seit 25 Jahren wird gepredigt, der Gürtel müsse enger geschnallt werden, und als die Wende kam, gesellte sich Pathos hinzu. Mit der Machtübernahme von Rot/Grün im Jahr 1998 dann waren wählerseits Unmengen Hoffnungen verbunden, soweit es die Verbesserung der sozialen Situation einer schon immer dagewesenen Unterschicht - soziologisch gab und gibt es hierzu auch den Terminus Lumpenproletariat! - betraf.

Das Ergebnis ist bekannt. Der Staat Deutschland hat sich zu lange Regierungen geleistet, die gerade für jene, die nicht die besten Startbedingungen hatten und haben, und für jene, die etwas riskierten und riskieren nicht viel getan haben und tun, die sich stattdessen an der Zivilprozeβordnung von vor hundert Jahren orientierten und orientieren und über Globalisierung und damit verbundene Sachzwänge schwadronieren und dabei nicht mal mit der Wimper zucken.

Das auch kann man als Essenz dieses Buches mitnehmen, und man darf den Autoren dankbar dafür sein, daβ sie zwölf Personen haben zu Wort kommen lassen und deren Umstände in ernüchternder und eindrucksvoller Weise schildern. Ein weiterer Schluβ, den man nach der Lektüre dieses Buches geneigt zu ziehen sein könnte, ist der nach der Rolle des Staates, speziell aber seiner Regierung.

Es mag vereinzelt noch Anarchisten in Deutschland geben, doch die maβgeblichen Anarchisten scheinen längst in der Regierung zu sitzen, die die Mehrzahl der deutschen Bevölkerung bekämpft. Friedrich-Ebert-Stiftung? Schön, daβ es sie und das Tagungshotel in Bonn-Bad Godesberg gibt. Nicht schön, das der Terminus Unterschicht in die Welt gesetzt wurde. Umso besser hingegen, daβ Klinger/König rausgegangen sind und sich Zeit für die Armut in Deutschland genommen haben.

© Jochen Henke

© GeoWis (2006-10-09)

 

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