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Der Film zur Denke in Konzernen, Beratungsfirmen und vielfliegenden Managern: Up in the Air von Jason Reitman
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Mär vom leeren Rucksack und schönem Schein

Jason Reitmans neuer Film Up in the Air, am 4. Februar 2010 in die deutschen Kinos gekommen, passt gut in die Zeit. Der Film ist für sechs Oscars nominiert.

Von Jonas Littfers (2010-03-02)

Jeder, der schon mal die Kündigung seines Arbeitsplatzes ausgesprochen oder schriftlich mitgeteilt bekommen hat, kennt das Gefühl vom sich auftuenden Abgrund, des ersten Schocks und der Hilflosigkeit, mit der aus seinem Innersten heraus plötzlich konfrontiert wird. Es kann - vor allem in außereuropäischen Ländern und dort vor allem in den USA - jeden treffen, egal welche Stufe auf der Karriereleiter bereits erreicht wurde.

 Es ist ein Gefühl, das einem sozialen Abstieg in Nullkommanichts vor Augen führt. Vor allem in den USA, wo es eine Sozial- und Arbeitslosigkeitsgesetzgebung gibt, die man sich in Deutschland kaum vorstellen kann - es sei denn, man lauscht den Worten des deutschen Außenministers Westerwelle aufmerksam.

Was auch hier im Kommen ist, hat sich in den USA längst zu einem profitablen Geschäftszweig entwickelt. Unternehmen und feige Chefs, die es sich leisten können, heuern Profis an, die ihnen den mitunter dreckigen, peinlichen oder auch nur unangenehmen Job abnehmen, Mitarbeitern die Kündigung aussprechen.

Ryan Bingham, gespielt von George Clooney, ist ein solcher Profi. Semantisch gut verpackt, aber hart in der Sache, teilt er den Betroffenen in Einzelgesprächen mit, dass sie nicht mehr gebraucht werden.

Es lässt ihn kalt, welche auf Verzweiflung beruhenden Argumente und Reaktionen sie ihm entgegenschleudern. Er meint sie alle zu kennen, schließlich hat er schon viele Leute vor die Tür gesetzt, ohne dabei vergessen zu haben, ihnen zuvor noch ein Dossier und einen eingeübten Spruch mit auf den neuen Lebensweg zu geben. Bingham macht seinen Job, und er macht ihn sehr zur Freude seiner Firma, bei der er angestellt ist, ausgezeichnet.

Dazwischen hält er Seminare ab, in denen er mittels Westentaschenpsychologie seine Masche vom Ballast, den jeder unnötig mit sich herumtrage, an seine Zuhörer verkauft. Ein leerer Rucksack sei besser als ein voller. Wer zu viel mit sich herumschleppe, bekomme einen krummen Rücken und komme nicht vorwärts, so die Kernaussage seiner Seminare. 

Bingham, der Wert darauf legt, mit einem kleinen Rollcase und einem verwaisten Appartement in Omaha, Nebraska, auszukommen, ist ein Star unter den Entlassungsspezialisten in der Firma. Er ist überzeugter Junggeselle und fühlt sich am wohlsten in Fliegern und erstklassigen Hotels. Die meiste Zeit des Jahres ist er in der Luft, im Hotel oder in Unternehmen, nur möglichst nicht zu Hause.

 Er besitzt sämtliche First- und Exklusivkarten von Hotels, Mietwagenfirmen, Airport-Lounges. Sein infantiles Ziel sind zehn Millionen Flugmeilen. Diese zu erreichen, brächte ihm die Zugehörigkeit zu einem kleinen Kreis von Vielfliegern (frequent flyers). 

Eines Tages lernt er in einer der exklusiven Lounges die offenbar Gleichgesinnte Alex Goran kennen (gespielt von Vera Farmiga), mit der er erst seine Plastikkarten vergleicht, dann sexuelle Leidenschaften und Exkursionen teilt. Beide sehen die Sache zunächst professionell wie auch pragmatisch, versuchen, ihre kommenden tête-à-têtes ihren jeweiligen Einsatzorten und -zeiten anzugleichen.

Alles läuft prächtig, bis Ryans Chef die junge, agile und etwas nassforsch-aufgekratzte Natalie Keener, gespielt von Anna Kendrick, einstellt, die mit einem neuen Rotstiftkonzept antritt, in dem Ryan einen Angriff auf seine privilegierte Tätigkeit sieht. Der gewohnte und verwöhnte Vielflieger soll seinen Job - ginge es nach der Neuen - künftig vom Büro in Omaha aus erledigen. Online. Das spare enorme Kosten.

Klar, dass Ryan nicht begeistert ist und klarzumachen versucht, dass das persönliche Entlassungsgespräch im Gegensatz zu einem über Videokonferenz vorgenommen doch noch so etwas wie Würde und Anstand beinhalte. Sein Chef, gespielt von Jason Bateman, überzeugt vom neuen Konzept, stellt es auf die Probe und verdonnert Ryan, sich der Kleinen anzunehmen und ihr auf seinen Touren etwas beizubringen.

Die sich daraus ergebenden Konflikte geben einen guten Einblick in die Denkweisen von Kündigungsvollstreckern und hernach von deren inneren Konflikten, sobald sie mit einer Realität konfrontiert werden, die nicht in Lehrbüchern nachzulesen ist. Es dauert nicht lange, bis aus der eiskalten Praktikantin der ganz normale, Gefühle an den Tag legende Mensch zum Vorschein kommt.

 Ryan, der bis dahin ebenso eiskalt war, erkennt langsam, dass seine zuvor aus innerer Überzeugung an die Geschassten vermittelten Schablonen nichts weiter als einstudierte Phrasen sind, die Niemandem, dem gekündigt wird, wirklich helfen. Er, der überzeugte Kinderlose und Junggeselle, für den das Konstrukt Familie etwa so weit entfernt liegt wie Saturn von der Erde, entwickelt nunmehr Pflichtgefühl für seine eigene Verwandschaft.

Seit ihm von der älteren seiner beiden Schwestern aufgetragen wurde, mit den Pappmaché-Konterfeis seiner jüngsten Schwester und deren Bräutigam - beide stehen kurz vor ihrer Hochzeit - Fotos von bestimmten Orten zu machen, da er sei ja Vielflieger sei und an Orte gelange, an die das Brautpaar wohl nicht so schnell gelange, reift in ihm der Gedanke nach Zugehörigkeit.

Der smarte Ryan hat entdeckt, dass er zu kleine Eier hat, um allein auf der Hochzeit seiner kleinen Schwester zu erscheinen und lädt Alex ein, ihn zu begleiten, zumal er sich in seine Gleichgesinnte verliebt hat und die Zuneigung offenbar auf Gegenliebe trifft. Seine Fassade beginnt zu bröckeln.

Jason Reitmans Film, zuerst auf vor einem halben Jahr auf dem Telluride Film Festival im US-Bundesstaat Colorado vorgestellt, dann auf weiteren Festivals und in ausgewählten US-Städten, bis er einen Tag vor Heiligabend in die US-Kinos kam, ist eine Tragikomödie mit Anspruch und Sexappeal, die anders als Michael Moores Frontaldokumentationen das sensible Geflecht aus Status, Jobverlust, Liebe, Benutzwerden und Heimat- bzw. Zugehörungslosigkeit darstellt.

Der für sechs Oskars nominierte Film zeigt, wie schnell smarte Überflieger an die Grenzen eines Systems geraten können, von dem sie bis dahin glaubten, es sei das einzig wahre, weil es Sorglosigkeit und Privilegien vermittelte. Ein Trugschluss, der sich ihnen erst dann auftut und als a-sozial offenbart, wenn die smarten Jungs und Mädels selbst davon betroffen sind. Dann knicken sie ein.

 Gut 81 Millionen Dollar hat Up in the Air bis vergangener Woche in den USA eingespielt. Außerhalb der USA - Europa und Australien - sind es bisher rund weitere 20 Millionen. Dabei hat der Film einen Independent-Touch. Der Spannungsbogen mäandert zwischen Drama und Komödie, und ist der europäischen Filmschule näher als der Hollywoods.

George Clooney erweist sich einmal mehr als Star in dieser Tradition. Spätestens seit er in Stephen Soderberghs The Good German (2006) spielte, kennt man ihn als Charakterdarsteller. Zuvor hatte er beireits in Solaris (2002), Good Night, and Good Luck (2005), Syriana (2005), dann in Michael Clayton (2007) und Burn After Reading (2008) unter Beweis gestellt, dass er sich nicht nur charmant durch einen Film bewegen und Frauen um den Finger wickeln kann, sondern auch, dass er sein Metier aufs Beste beherrscht.

Auch Vera Farmiga, noch keine 37, im Film aber auf satte 40 getrimmt, spielt ihre Rolle mit so viel Bravour wie es etwa die Französin Isabelle Huppert nicht besser zu tun vermocht hätte. Der Youngster aber, Anna Kendrick, ist die noch größere positive Überraschung. Wie ihr einstmals junges Pendant Tom Cruise - etwa in Die Firma - hat sie die schwierigste Rolle: die des überzeugten Überfliegers, zuweilen Fieslings, der letztlich Konsequenzen aus seinem Tun zieht. Sie spielt sie grandios.

© Jonas Littfers

© GeoWis (2010-03-02)

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