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Kult-Klassiker der Animation: Heavy Metal aus dem Jahr 1981
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Das Böse ist eine Kugel

Vor 29 Jahren kam der Science-Fiction-Fantasy-Film Heavy Metal in die Kinos und gilt seitdem als Kult-Klassiker dieses Genres.

Von Jochen Henke (2010-11-11)

Dass es den Film gibt, ist zwei kongenialen Franzosen zu verdanken, die ihre Passion und künstlerischen Fähigkeiten auslebten, indem sie nicht-jugendfreie Comix zeichneten und betexteten. Philippe Druillet und Jean Henri Gaston Giraud gründeten im Dezember 1974 den Verlag Les Humanoides Associés und den Science-Fiction-Comix Métal Hurlant. Beide hatten zuvor bereits französische Comix und diverse Illustrationen gezeichnet. Druillet etwa seinen Helden Loane Sloane (ab 1966), Giraud seinen Cowboy Blueberry (ab 1965).

 Dank der inzwischen auch in Frankreich aufgekommenen sexuellen Revolution und der vom Franzosen Jean-Claude Forest im V-Magazine schon 1962 eingeführten kämpferischen Science-Fiction-Busenwunders Barbarella (anatomisches Vorbild: Brigitte Bardot; 1968 verfilmt mit Jane Fonda in der Titelrolle) war die illustrierte Erotik in Form von knapp bekleideten, freizügigen und mal mehr, mal weniger martialischen Amazonen ein Kernelement von Métal Hurlant.

Als der US-amerikanische Verleger des braven Comix National Lampoon Mitte der 1970er Jahre in Paris weile, um - so die Legende - eine französische Edition vorzubereiten, entdeckte er Métal Hurlant und erwarb die Lizenz für die US-Ausgabe, die dort seitdem Heavy Metal heißt.

Wie der von Robert Crumb erfundene Kater Fritz the Cat, der tierisch alles vögelte, was nicht schnell genug wegkam, wurde auch Heavy Metal in den USA mit einem X-Rating (nicht jugendfrei) belegt. Vorwürfe, es handele sich um Pornographie, kamen wesentlich aus dem Bible-Belt und der republikanischen Ecke. Im Laufe der Jahre verging die Freizügigkeit im US-amerikanischen Kinofilm, hingegen lebte - und lebt - sie in den Comix weiter.

Heavy Metal als Film setzte Maßstäbe für alle Comic-Verfilmungen, die danach kamen. Dies lag vor allem an der technischen Weiterentwicklung im Animationsgenre und an der Auswahl der Geschichten. Unter Hauptregisseur Gerald Potterton und Produzent Ivan Reitman versammelten sich acht weitere Regisseure, die ihrerseits auf fulminante Weise in Szene setzten, was man bis dahin nicht kannte: eine schier unglaubliche Transformation der gezeichneten Illustrationen in bewegte Bilder. 

 Das Böse in Heavy Metal heißt Loc-Nar, schimmert grün, ist rund und besteht aus Schwermetall. Astronaut Grimaldi bringt es aus den Weiten des Universums mit nach Hause auf die Erde, wo es schnell Unheil anrichtet. Als erster bekommt Grimaldi dies zu spüren. In weiteren sechs Episoden dann Unholde und Unholdinen in unterschiedlichen Welten.

Zunächst im dystopischen New York City des Jahres 2031. Dort ist der mit allen Wassern gewaschene Harry Canyon Fahrer eines Taxis mit manch besonderer Ausstattung, die es ihm ermöglicht, allzu aufdringliche Fahrgäste loszuwerden.

Nachdem er einen Punk pulverisiert hat, rettet er eine von Bösewichten verfolgte Brünette. Sie ist die Tochter eines gerade umgekommenen Archäologieprofessors, der Loc-Nar bei Ausgrabungen gefunden hatte und im Metropolitan Museum of Art ausstellen wollte.

Die Brünette hat sich das Ding geschnappt, bevor es die Mörder ihres Vaters tun konnten. Und nun hat Harry ein Problem, weshalb er sich der Kleinen schnell wieder entledigen will. Diesmal nicht auf die übliche Art. Er versucht sie bei der Polizei abzuladen, doch in der verwahrlosten Station, in der ihn ihm bekannte Huren begrüßen, will der Cop von ihm tausend Dollar pro Ermittlungstag. Nichts für Harry.

Er nimmt das Mädel mit in seine Wohnung. Dort dankt es ihm die Professorentochter und Harry zeigt's ihr auf seine unschlagbare "gute alte amerikanische Art". Die Bösen sind hinter der Kugel her und die Brünette stielt einen Deal mit ihnen ein. 300.000 Dollar. Harry will die Hälfte, wenn er sie zur Übergabe fahren soll. Der Deal klappt, aber plötzlich will die Kleine nicht mehr teilen. Das gefällt Harry nicht. 

 Die Geschichte wurde von Dan Goldberg und Len Blum geschrieben und von Pino Van Lamsweerde umgesetzt. Die Figur Harry Canyon lieferte Jahre später die Vorlage für den von Bruce Willis gespielten Taxifahrer Korben Dallas in Luc Bessons Science-Fiction-Thriller Das fünfte Element (1997).

Anders als in Heavy Metal dient sich Leeloo Minai Lekarariba-Laminai-Tchai Ekbat De Sebat, gespielt von Milla Jovovich, dem hilfsbereiten Dallas jedoch weder direkt noch so freizügig an. Es war die Mitte der 1990er, als Sex im US-amerikanischen Kino in die 1950er Jahre zurückfiel, obwohl Bill Clinton sich offenbar von der damaligen Praktikantin Monica Lewinsky einen blasen ließ.

Traurige Zeiten, diese 1990er. Sozusagen ein Rückschritt in Bezug auf die Freizügigkeit und ein zwanghaftes Bekenntnis zum Prinzip 'No sex'. Lächerlich, klar. Aber die Stimmung in den USA war damals so und schwappte auch nach Europa.

Glücklicherweise entpuppte sich West-Europa als einigermaßen resistent gegenüber der bigotten Prüderie der USA, weshalb Heavy Metal hinsichtlich seiner erotischen Elemente in der Heimat allen Geschichtlichens und aller Eroberungskriege bereits 1981 keine große Sache war.

In der nächsten Episode, die auf Richard Corbens Comic-Figur basiert und von Jack Stokes in Szene gesetzt wurde, findet der jungfräuliche Hänfling Den die Kugel in erloschenem Zustand. Den ist ein Nerd, ein Elektrobastler, der für ein Experiment auf ein Gewitter wartet, das prompt eintritt und das Böse wieder zum Glühen bringt. 

 Hänfling Den wird in eine andere Welt katapultiert, in der er sich als gut gebauter Glatzkopf mit Gerechtigkeitsempfinden wiederfindet und zu seinem Entsetzen mitansehen muss, wie gerade eine dralle Jungfrau (Wer's glaubt!) von der Königin eines Reichs rituell geopfert werden soll, damit Loc-Nar erscheint. Den rettet das Opfer und verliert sodann an ihr seine Jungfräulichkeit.

Die Freude über den guten Sex währt nur kurz, denn Den und die Schöne fallen in die Hände des fast allmächtigen, extrem durchgeknallten, an einen griechischen Adoleszenten erinnernden Kontrahenten der Königin. Um ihr Leben zu retten, muss Den der Königin den Loc-Nar entreißen. Die aber ist nicht dösig.

Den wird gefangen und sieht sein Ende schon gekommen, als sie ihn plötzlich attraktiv findet und ihm suggeriert, dass er sein Leben retten könnte, wenn er sich von ihr vernaschen ließe. Sie lässt es gut angehen. Währenddessen klauen Dens Freaks, die ihm der durchgeknallte Widersacher der Königin als Begleitung verordnete, die Kugel.

Es kommt zum Showdown zwischen der Königen und ihrem Widersacher. "Das ist mein Loc-Nar, ganz allein meiner", heißt es in der deutschen Version seitens des durchgeknallten Herrschers, während die Königin ihm mit wippenden Brüsten in einem Gekabbel um die grüne Kugel entgegnet: "Du musst immer alles haben." Währenddessen zerfleischt sich das Gefolge der Beiden Kontrahenten und Den beendet das ganze, indem er einen magischen Speer wirft.

Die nackte, von Den gerettete Schöne schlägt vor, zurück zur Erde zu kehren, aber Den mag nicht und sagt: "Auf der Erde bin ich ein Niemand, aber hier bin ich Den." So schweben sie hinweg ins Irgendwo. Das Böse bleibt unbeeindruckt. "Auch wenn jemand die Stärke hat, mich zu verschmähen, wird meine Kraft nicht geringer", spricht es aus dem Off. "Irgendjemand findet mich immer."

 Als nächste folgt eine von Bernie Wrightson geschriebene Geschichte zu seinem Protagonisten Captain Lincoln F. Sternn, umgesetzt von den Regisseuren Paul Sabella und Julian Szuchopa.

Loc-Nar hat sich auf der interstellaren Bühne eingekullert und wird vom dullen Hanover Fiste gefunden, der hinsichtlich seiner Physiognomie wie Sternn aussieht und an Averell Dalton aus der von Maurice de Bevére und René Goscinny 1952 entworfenen Viererbande Die Daltons erinnert - langes, vorstehendes Kinn, das etwa doppelt so groß wie der Rest des Kopfes ist, und Kleingeistigtum. 

Sternn, genauso physiognomiert, gibt den Intellektuellen, ist total von sich überzeugt. Aus seiner arroganten Sicht kann die Gerichtsverhandlung nur zu seinen Gunsten ausgehen, wobei erst nicht klar ist, worauf sich diese Annahme gründet.

Er steht in voller Captain-Montur vor einem interstellaren Gericht, dessen Richter und Ankläger die weiß-grauen Perücken von Großbritanniens herrschender juristischer Klasse tragen (die dort auch im real begonnenen 21. Jahrhundert noch Haarprachtpflicht bei Gericht ist), und ist wegen mannigfachen Mordes und anderer, ebenso mannigfach begangener Verbrechen angeklagt.

Vor einem müden Richter und einer Horde von skurrilen Freaks soll er sich für schuldig bekennen. Macht er aber nicht. Sein Anwalt Charly ist bestürzt. "Nicht schuldig? Sind Sie bescheuert?" Sternn, ganz cool: "Kein Grund, sich aufzuregen, Charly. Ich habe einen todsicheren Dreh."

 Den glaubt er in dem gekauften Zeugen Hanover Fiste - gleiche Hackfresse wie Sternn und auf den ersten Blick debil bis zum Erbrechen - gefunden zu haben. Hanover spielt im Zeugenstand mit der murmelgroßen grünen Kugel. Er lobt Sternn als den allerliebsten Menschen des Universums, doch dann befällt ihn immer wieder das Böse in Grün und Hanover ledert mächtig über Sternn ab. 

Je mehr die Kugel Besitz vom zuvor friedlichen Dummbatz Hanover ergreift, desto mehr mutiert er zum überdimensionierten Boxmonster, mischt das Gericht auf und bedroht Sternn aufs Trefflichste.

Sternn erweist sich als veritabler Feigling und flüchtet so schnell er kann. Sternns Freund, das Auge, erweist sich hierbei als Helfer. Am Ende bleibt Sternn gelassen und Hanover wird wieder der devote Winzling, der er war, bevor er mit der grünen Murmel spielte.

In der folgenden Episode - B 17 -, kreiert von Dan O'Bannon, macht sich das Böse in einem B-17-Bomber im Zweiten Weltkrieg breit. Die zum Glück nur kurze Geschichte unter der Regie von Barry Nelson ist der einzige Schönheitsfehler in Heavy Metal und völlig überflüssig. Außer dem Captain, wird die Crew des Bombers von Loc-Nar befallen und mutiert zu Zombies. Der Captain kann sich mit dem Fallschirm retten und landet auf einer Insel, die ein gigantischer Flugzeugfriedhof ist und von Soldatenzombies bevölkert wird. Mehr nicht.

 Da hat die vorletzte Geschichte - So Beautiful & So Dangerous -, erdacht von Angus McKie, umgesetzt von John Halas, eine entschieden bessere Qualität. Im Pentagon sorgt man sich darüber, dass massenhaft Mutationen unter der Bevölkerung vorkommen und verspricht sich von dem Wissenschaftler Dr. Anrak eine Lösung des Problems.

Anrak, ein steifer Android, redet den üblichen Stuss - so wie man es heutzutage auch noch von manchen Wissenschaftlern und Politikern kennt - und entdeckt an der Stenotypistin Gloria den Loc-Nar in Miniaturform an ihrer Halskette baumelnd.

Sofort stürzt er sich wie ein Besessener auf sie und will ihn ihr entreißen. Irgendwie wie ein in Rage geratener Innenminister des frühen 21. Jahrhunderts. Über dem Pentagon aber schwebt ein gigantisches ovales Raumschiff, das eine Saugröhre durchs Dach in den Konferenzraum stößt und Anrak und Gloria hinauf ins Raumschiff saugt.

Obwohl bisher nirgendwo öffentlich verbrieft, scheint Roland Emmerich für seinen Film Independence Day (1996) hier Anleihen genommen zu haben, ähnelt der zerstörerische senkrechte Strahl aus seinem Raumschiff doch dem Saugrohr. Aber mal ehrlich: Wer würde ungefragt zugeben, sich bei einem Zeichentrickfilm bedient zu haben?

 Anrak kommt im Raumschiff als Elektroschrott an, Gloria ein wenig zerzaust und in zerissener Kleidung. Während die beiden Piloten des Schiffs wenig angetan von Gloria sind, gehen beim professoralen Roboter sofort die Ich-will-dich-flachlegen-Glühbirnen an. Er zieht mir ihr zu einem Schäferstündchen ab.

Währenddessen verteilt einer der Piloten die letzte Giga-Ration Kokain mittels eines ins Gegenteil verkehrten Industriestaubsaugers auf dem Boden, das sich die zwei dann mit ihren Nasenrüsseln im Eiltempo einsniefen und das Raumschiff ultra-high und witzige Dialoge führend weiterfliegen bis es scheppert.

Ein ähnlicher Wortwitz entwickelt sich zwischen dem Roboter und Gloria. Die Maschine will Gloria nach dem "interstellaren Hochleistungssex" heiraten, sie aber ziert sich. "Mischehen gehen meist schief", sagt sie. 1981 durfte man das noch sagen, ohne sofort die Gralshüter des politisch Korrekten oder die Anti-Diskriminierungs-Phalanx auf dem Pelz zu haben. 

Doch damit nicht genug der Zweifel. "Eines Tages komme ich nach Hause und erwische dich dabei, wie du die Brotschneidemaschine bummst", sagt Gloria, doch die professorale Fuck Machine lässt nicht locker und Gloria willigt schließlich ein, sie zu heiraten.

Pure, farbenreiche Fantasy ist die letzte Geschichte - Taarna - in Heavy Metal. Gezeichnet und geschrieben von Dan Goldberg und Len Blum behandelt sie unter der Regie von John Bruno den ultimativen Kampf zwischen dem Guten und dem Bösen. Ohne Sex, aber mit einer ordentlichen Portion Erotik.

 Das Volk der Taaraker wurde von den Barbaren, die von Loc-Nar befallen sind, ausgelöscht. Der Ältestenrat, einer Regierung der Taaraker gleichkommend, kann die Heroine Taarna um Hilfe rufen, bevor er selbst massakriert wird. Taarna ist die letzte Überlebende ihres Volkes.

Silbern schimmernd ihre Haarpracht, wohlgeformt ihr Körper, üppig ihr Busen und aufrecht ihr Gang, fliegt Taarna auf ihrem Vogel zunächst zu einem Tempel, in dem sich eine aus Gestein gemeißelte Gottheit befindet. Um zu ihr zu gelangen, muss Taarna durch ein riesiges Wasserbecken schwimmen. Sie legt ihre Kutte ab, durchschwimmt nackt das Becken und schreitet den Weg hinauf zur Gottheit.

Auf der Ebene angekommen, öffnet sich eine Bodenluke, worin sich ihre - knappe - Kriegerinnenkleidung befindet. Stück für Stück legt Taarna sie an und nimmt dann das an Excalibur erinnerde magische Schwert entgegen, mit dem sie ihren Rachefeldzug gegen die Barbaren bestehen will. Dann macht sie sich auf ihrem Vogel auf den Weg, überfliegt eine von Kratern und Schluchten durchzogene Landschaft, bis sie in einer Siedlung landet, in der sich ein paar Barbaren befinden.

Keine Gegner für Taarna. Doch ist es nicht der Hort, wo sich das Volk der Bösen befindet. Also fliegt sie weiter und entdeckt ihn, wird aber gefangen genommen. Der Ober-Barbare lässt sie in einen unendlich tiefen Krater werfen, aber Taarna hat das Glück, auf einem Felsvorsprung liegen zu bleiben. Ihr Vogel kann sich aus seinen Fesseln befreien und rettet sie.

Doch die Barbaren können Taarna folgen. Es kommt zum Kampf zwischen dem Ober-Barbaren und Taarna, den sie schwer verletzt gewinnt. Dann will sie Loc-Nar erledigen. Die Kugel hat sich in einem Berg versteckt. Taarna opfert sich, indem sie in den Berg fliegt und Loc-Nar zerstört. Das Gute hat gesiegt.

 Entsprechend des Titels ist der Film mit Heavy Metal- und Rockmusik jener Zeit unterlegt. Nazareth, Riggs, Blue Oyster Cult, Don Felder, Sammy Hagar, Grand Funk Railroad, Black Sabbath, Journey, Cheap Trick und Trust steuern hierzu Songs bei. Stevie Nicks, Devo und Donald Fagan ebenso. Die Album-Produktion und damit das Supervising unterlag Bob Destocki.

Indes, nicht nur die Rockmusik bereichert diesen Kultfilm der Animation. In gleichem Maße steuert das Londoner Royal Philarmonic Orchestra unter Dirigent Elmer Bernstein seinen Teil dazu bei. Für die insgesamte Orchestrierung zeichnen Christopher Palmer, Peter Bernstein und David Spear verantwortlich.

Der Film, der am 29. Juli 1981 in den USA und am 7. August 1981 in seinem Heimatland Kanada Premiere hatte, aber erst am 18. Februar 1982 in die deutschen Kinos kam, hat - ohne den Verkauf des Soundtracks - innerhalb eines halben Jahres über 20 Millionen Dollar (zum Kurs von 1981: ca. 20 Millionen Euro) an den Kinokassen eingespielt, und damit etwas mehr als das Doppelte seiner Produktionskosten.

Nach 1982 verschwand der Film jahrelang aus den deutschen Kinos und wurde auch im Fernsehen nicht gezeigt, obwohl es eine Zielgruppe dafür gibt. Selbst heute, bald 29 Jahre nach seinem Erscheinen in Deutschland, hat sich noch kein Programmdirektor deutscher TV-Sender dazu durchringen können, den Film oder das Genre insgesamt für sendungswürdig zu erachten. Verwunderlich, gelangte doch der kaum minder erotisch und brutale, allerdings weniger phantasiereiche Animationsfilm Sin City (Regie: Frank Miller, Robert Rodriguez, Quentin Tarrantino) aus dem Jahr 2005 inzwischen mehrfach ins TV.

 Entgegen jeglicher Marketingpraxis brachte Columbia Pictures auch keine zeitnahe Videokopie auf den Markt. Erst 1996 besann man sich dazu, veröffentlichte eine VHS-Kopie und lieferte auch noch mal Kinokopien aus.

1999 gab eine weitere Veröffentlichung als VHS - und endlich auch eine auf DVD. Viel Geld in Werbung für diesen Klassiker steckte man nicht. 2007 kam Heavy Metal in Estland in die Kinos.

Sicherlich war es ein Wagnis, diesen Film in Angriff zu nehmen. In den je nach politischer Lage prüden USA war es seinerzeit nicht opportun. Die Kanadier waren da schon weiter, mussten sie doch nicht auf irgendeinen Bible-Belt Rücksicht nehmen. Papst Wojtyla war auch weit weg. Qualität setzt sich abseits jeder Sekte durch. Inzwischen ist das Meisterwerk in erstklassiger Bildqualität und sehr gut aneinanderknüpfenden zehnminütigen Abschnitten auf Youtube eingestellt (auch auf Deutsch).

© Jochen Henke

© GeoWis (2010-11-11)

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