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Mit dem Film 'Russland - Im Reich der Tiger, Bären und Vulkane' kommt Deutschlands aufwändigste Naturdokumentation in die Kinos
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Auf einem anderen Planeten

Russland - Im Reich der Tiger, Bären und Vulkane ist ein Kino-Highlight, das einem die Sprache verschlagen kann.   

Von Uwe Goerlitz (2011-01-12)

Natur-, Landschafts- und Tierfilmer sind eine besondere Gattung Filmschaffender. Sie nehmen so ziemlich jede Strapaze und Gefahr in Kauf, um Bilder zu bekommen, die gleich mehreren Anforderungen entsprechen müssen: Tiere, möglichst auch seltene und wenn möglich erstmals, in Situationen einzufangen, in denen man sie bisher nicht gesehen hat; Landschaften zu zeigen, die man bislang noch nicht oder so noch nicht zu Gesicht bekam; Stimmungen zu vermitteln und damit beim Zuschauer ein Gefühl auszulösen, das ihn bannt, übermannt und zum Nachdenken anregt. All dies ist Jörn Röver und seinem Team mit Russland - Im Reich der Tiger, Bären und Vulkane gelungen. 

 600 Stunden Rohmaterial, davon 50 Stunden Flugaufnahmen, haben Röver und die unter Chef-Kamermann und Mitproduzent Henry M. Mix arbeitenden zehn Kamera-Teams - nebst einer Reihe zusätzlicher Kameramänner - produziert.

Rund dreieinhalb Jahre und 1200 Drehtage habe die Produktion in Anspruch genommen, während der zirka 100.000 Kilometer durch und über Russland gereist worden sei, wie es laut Presseheft heißt, das eine Ahnung vom Making of ... vermittelt.

Dabei hatten sie mit einer Reihe von Unwägbarkeiten, physischen Herausforderungen und - der Wildnis geschuldeten - Missgeschicken fertig zu werden. So wurden dem "Kaukasus-Team" durch Sturzregen Teile der Ausrüstung und Proviant weggeschwemmt. Nachschub sei "erst Tage später" angekommen. Zu dieser Zeit habe seitens der Russen die "Militäraktion gegen Georgien" stattgefunden, weshalb auf Grund der Luftaufnahmen zum Film "der Kameramann und kurzfristig das gesamte Filmmaterial beschlagnahmt" worden sei.

Es war nicht die einzige Herausforderung, mit der Regisseur, Produzent und Mannschaft umzugehen hatten. Im Ural-Gebirge stürzte das Aufnahme-Team mit einem Heißluftballon ab und "der Kameramann fiel aus dem Korb und brach sich das Schulterblatt." Mit dem Schlauchboot sei man "mitten im Winter" gekentert und habe die Kameraausrüstung verloren. Willkommen in der Wildnis, mag man da gedacht haben.

 Naturburschen wie Röver, von Haus aus Diplom-Biologe, und Mix, strapazenerprobter Tierarzt, Naturforscher und -filmer, ließen sich trotz dieser bereits herausragenden Widrigkeiten ebenso wenig unterkriegen wie die Vorortmannschaften.

Während 1200 Drehtagen kann viel geschehen, zumal in einem Land, das nicht nur das größte der Erde ist, sondern auch - aus westlicher Perspektive - eines der vegetationsgeographisch, zoologisch, geomorphologisch und klimatisch unbekanntesten.

Der Kameramann vom "Sibirien-Team wurde fast von einem stürzenden Pferd erdrückt." Dessen größte Sorge galt der Sache: "Funktioniert die Kamera noch?" Der zuständige Kameramann für die Filmaufnahmen in der russischen Arktis, der mit seiner Mannschaft auf der dortigen Wrangel-Insel vier Monate verbrachte, hatte eine höchst bedrohliche Begegnung mit einem Eisbären und litt hernach an heftigen Zahnschmerzen. Übers Satellitentelefon hat er sich von einem Zahnarzt erläutern lassen, wie er sich selbst einen Zahn ziehen konnte.

Auf der Halbinsel Kamtschatka, "im Tal der Geysire", entkam das dortige Kamera-Team "nur knapp einer Schlammlawine." Seit dem Lawinenabgang sei das Tal zur Hälfte verschüttet. In Ussurien wurde ein Mitarbeiter von einer Giftschlange gebissen. Die Sache ging glimpflich für den Gebissenen aus. 

All diese Informationen sind dem aufwändigen, 36-seitigen Presseheft entnehmbar, das in hochwertigem Vierfarbendruck auf Querforformat DIN-A-4 herausgegeben wurde. Es ist ein erstes Zeugnis darüber, für wie wichtig Regisseur, Produzenten, Mannschaft und Verleih diesen Film halten, der ohne erhobenen Zeigefinger auskommt. Um es vorwegzunehmen: Der Film ist wichtig.

 Dank der beruhigenden - Film und Sache dienlichen - Erzählstimme des inzwischen 78-jährigen Schauspielers Siegfried Rauch in Verbindung mit den fulminanten Bildern ist das Eintauchen in die weite und grandiose Welt der Naturlandschaften und Tierwelt Russlands ein cineastisches Erlebnis, wie man es in dieser Form nicht alle Jahre genießen kann.

Vielfach ist es den Machern dieser auf 35 Millimeter Zelluloid abgedrehten, einzigartigen Aufnahmen gelungen, Russland in einem Licht abzubilden, das mit den urbanen Verhältnissen in diesem Land nicht das Geringste zu tun hat. Zeit- bzw. flächenweise drängt sich dem Betrachter auf, es sei auf einem anderen Planeten gefilmt worden - so phantastisch sind die realen Bilder.

Mit mehr als 17 Millionen Quadaratkilometern nimmt Russland fast elfeinhalb Prozent der gesamten Landmasse der Erde ein, weist verschiende Klimazonen auf, und eine Artenvielfalt, die erstaunlich ist. Den Filmemachern gelang es nicht nur, einige dieser Arten, von denen manche endemisch sind, vor die Kamera zu bekommen, sondern sie in herausragenden Situationen ihres tierischen Alltags zu filmen.

 Ein Großteil davon im Winter, wobei manche Spezies erstmals überhaupt gefilmt wurde. Etwa Auerhähne bei der Balz, Elche auf der gemächlichen Flucht durch hohen Schnee vor einem Bären im Uralgebirge, einen Riesenseeadler im Kampf mit einem Steinadler am Kurilensee im Süden der Halbinsel Kamtschatka, Streit unter Chinesischen Weichschildkröten in Sibirien, einen Polarfuchs beim Erwischen eines Lemmings, in der russischen Arktis die erfolglose Jagd eines Eisbären nach einer Robbe und ihrem Nachwuchs, schockgefrorene Frösche nach einem plötzlichen Kälteinbruch, einen wachsamen Zobel vor seinem Bau.

Erstmals wurden auch kämpfende Moschusochsen auf der im Arktischen Meer liegenden Wrangelinsel gefilmt und der extrem seltene Russische Desman, ein Wassermaulwurf. Rentiere, Schnee- und Wildgänse, Lummen- und Hornlundkolonien am Nordpazifik, einen Braunbären verjagende Wildbienen, Ture (Kaukasische Steinböcke), Bergwisente, Baikalrobben im und Baikalschwäne auf dem gleichnamigen See, Reiher, Geier, Raben, gewaltige Dickschnabelkrähen und viele weitere Kreaturen sind den Filmern vor die Kameras gekommen.

Zu den beeindruckenden Aufnahmen zählen auch ein Amurtiger beim Fressen am Strand, ein Dagestanigel beim Erhaschen seiner Mahlzeit, einer Heuschrecke, die Paarung von Wüstenschildkröten, das Kräftemessen zwischen Steinböcken, Sikahirsche an der pazifischen Ostküste und die erfolgreiche Lachsjagd eines Kamtschatkabärs.

Und immer wieder Landschaften und Naturräume, die so von Russland noch nie gezeigt wurden. Ob es nun die schneereichen oder kargen Bergregionen und Gipfel des Kaukasus sind, Europas größtem Gebirge, ob Tundra, Taiga, die Polarregion, ob die dichteste Vulkanregion der Erde, die auf der 370.000 Quadratkilometer großen Halbinsel Kamtschatka zu finden ist, ob die rauhen Zonen des Ural oder ob die schneebedeckten Nadelwälder in den borealen Zonen - es sind faszinierende Bilder.

Bilder, die einen selber winzig erscheinen lassen und erwachsenen Betrachtern, die sich vielleicht schon mal gefragt haben, weshalb Russen eine gewisse Schwermut an den Tag legen, wenn sie über Mütterchen Russland sprechen oder an es denken, eine Antwort geben könnten. Dazu trägt auch die musikalische Untermalung bei, die von Kolja Erdmann komponiert worden ist. 

 Sie ist tragend und emotional, und geeignet, Sehnsüchte zu erzeugen. Erdmann hat sie mit dem Staatlichen Akademischen Symphonischen Orchester Belarus, dem hierzu gehörenden Chor und der Sopranistin Alexandra Seefisch unter Dirigent Bernard Fabuljan eingespielt.

Dass eine derart fulminante und langwierige Produktion in Angriff genommen wurde, ist neben Rövers und Mix' Engagement auch dem Norddeutschen Rundfunk und seines Ablegers NDR Naturfilm zu verdanken. An der Finanzierung und Unterstützung waren zudem der WDR, National Geographic International, Studio Hamburg DocLights, Animal Planet US, Polyband, Channel One Russland und weitere beteiligt. Dass nicht nur der Fernseh-Doku-Gedanke hierbei eine Rolle spielte, sondern genauso die große Leinwand, ist bemerkenswert.

Der Film habe "kein Zielpublikum bestimmten Alters oder Geschlechts", sagt Jörn Röver und verweist darauf, dass jeder, "dem die großen Kino-Naturfilme Die Reise der Pinguine und Unsere Ozeane gefallen haben, auf seine Kosten" kommen werde. Das darf angesichts der spektakulären Aufnahmen, die sich nicht nur aufs Bild beschränken, getrost als Understatement aufgefasst werden.

 Auch der Ton gehört dazu. Neben dem Balzgesang des Auerhahns hört man das durch schrille Kälte verursachte Knacken von Bäumen, kann das Verspeisen der Heuschrecke durch den Dagestanigel wahrnehmen, das Äsen der Elche, das Summen der Wildbienen. Und vieles mehr.

Rövers Film setzt somit Maßstäbe in dieser Hinsicht, denn das natürliche Schmatzen von Tieren wie Igeln oder das witterungsbedingte Knarzen von Bäumen hat noch niemand zuvor über Zelluloid gehört.

Anderthalb Stunden dauert der ohne Alterseinschränkung eingestufte Film, der in der deutschen Kino-Doku-Landschaft seinesgleichen sucht. Drei Stunden wären auch in Ordnung gewesen. 

Alle Fotos außer gr. Titelbild: Screenshots. Kleines Titelfoto: Zobel. © Polyband

Russland - Im Reich der Tiger, Bären und Vulkane. Kinostart: 13. Januar 2011

© Uwe Goerlitz

© GeoWis (2011-01-12)

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