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The Other Guys - Die etwas anderen Cops. Adam McKays Film setzt neue Standards im Comedy-Genre, ohne die Prinzipien des Genres zu verletzen
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"Tampon auf Rädern"

Cop-Action-Komödien gibt es viele. Kaum eine aber ist so starbesetzt wie The Other Guys - Die etwas anderen Cops, die im März in deutscher Fassung als DVD und Blue-Ray erscheint. Wie keine zuvor, widmet sie sich dem kriminellen Element des Weltwirtschafts und -Finanzsystems.

Von Jonas Littfers (2011-02-26)

Der Film beginnt furios mit einer Verfolgungsjagd durch Manhattan, die von den Cops P.K. Highsmith (Samuel L. Jackson) und Christopher Danson (Dwayne Johnson) gestartet wird. Sie sind die Superstars des New Yorker Police Departments (NYPD) und die großmäuligen Helden, die ihre Fälle spektakulär lösen, sich von der Öffentlichkeit feiern lassen, die Mädels abbekommen und den Papierkram von ihren Kollegen erledigen lassen, die ihnen bis auf Terry Hoitz (Mark Wahlberg) ehrerbietend zu Füßen liegen.

 Als Highsmith und Danson eines Tages Juwelendiebe einfangen wollen, die ihren Raub mit einer kugelförmigen Abrissbirne einstielen und entkommen können, geschieht das Unfassbare: die Supercops springen zwanzig Stockwerke nach unten und keine Markise, kein Müllkontainer, kein Glasdach oder was sonst noch als Abfederung ihres freien Falls dienen könnte, beschert ihnen glimpfliches Aufprallen. Die Helden sind in den Heldenhimmel abgetreten. Manche Helden sind echt dumm, verblenet und abgehoben, lautet die Botschaft

Hoitz sieht seine Stunde gekommen. Er versucht seinen Schreibtischpartner, den buchhalterischen, ängstlichen und teilintellektuellen Büro-Cop Allen Gamble (Will Ferrell) mit aggressiven Mitteln davon zu überzeugen, gemeinsam als Cops groß rauszukommen und gewissermaßen in die Fußstapfen der beiden toten Helden zu treten. Hoitz und Gamble sind die etwas anderen Cops. 

Groß rauskommen wollen ihre beiden Konkurrenten im NYPD, Martin (Rob Riggle) und Fosse (Damon Wayans Jr.) auch. Man pflegt eine ausgeprägte Abneigung füreinander und prügelt sich auf der Beerdigungsfeier zu Ehren Highsmith und Danson. In Martin und Fosses Augen ist Gamble eine "Papierpussy", die man möglichst häufig trietzen muss, und Hoitz ein Prolet, der vor lauter Aktionismus nicht weiß, was er tut. Die beiden anderen Anderen lassen keine Gelegenheit aus, ihre Verachtung Hoitz und Gamble spüren zu lassen.

 Auch Gamble und Hoitz mögen sich nicht, wobei die Antipathie von Hoitz ausgeht, der den bürokratischen Gamble, die Papierpussy, für einen verblödeten, feigen und bequemen Erbsenzähler hält, der aber nun mal sein Partner ist.

Sie liefern sich hervorragend absurde Dialoge, die oft aus Beleidungen von Hoitz entstehen, und die Genialität der Drehbuchschreiber - Chris Henchy und Adam McKay (letzterer auch Regisseur des Ganzen) - nur zu gut unterstreicht.

Hoitz beschimpft seinen Partner, wo es nur geht. "Wenn deine Pisse ins Urinal plätschert, klingt das feminin", hält er ihm vor. Daraus entwickelt sich eine Dialogsequenz, die ihresgleichen in der neueren Cop-Comedy-Filmgeschichte sucht und in der es darum geht, ob Löwen eine Chance gegen Thunfische hätten. "Löwen sind wasserscheu", konstatiert Gamble. Hoitz fehlen die Worte.

Durch Zufall und Gambles Erbsenzählerei kommen die beiden einem Wirtschafts- und Finanzbetrug auf die Spur, der mit dem Abrissbirnenjuwelenraub zusammenhängt. Indes, die beiden blicken lange nicht durch, was auch an Hoitz' mangelndem Respekt und der gnadenloser Unterschätzung seines Partners liegt. Er hält ihn für einfältig, vor allem aber hält er ihn für eine Cop, der dieser Bezeichnung nicht würdig ist.

Das ändert sich, als Hoitz widerwillig einer Einladung zum Abendessen bei Gamble folgt und dort dessen dralle und devote, einen Doktortitel führende Gattin (Eva Mendes) erblickt - vor allem deren Titten - und sich nicht erklären kann, weshalb eine so attraktive Wuchtbrumme, der die radikale Hingabe ins Gesicht geschrieben steht, mit einer Papierpussy wie Gamble verheiratet ist. Hoitz geht mit diesem Phänomen eine Weile lang schwanger, während er und Gamble auf Verbrecherjagd sind. Etwas Großes liegt in der Luft.

 Es geht um 32 Milliarden Dollar, die der Finanz- und Investmentberater Sir David Ershon (Steve Coogan) auf betrügerische Weise in den Sand gesetzt hat und die der Firma, die ihm die Kohle gab, nun fehlen. Das geht nicht, ist ein Unding, und - wie im richtigen Leben - muss gewisse Konsequenzen haben.

Die Firma will das Geld schnellstens von Ershon wiederhaben, hat aber Angst, dass sich Ershon absetzen könnte, weshalb ihm deren Vorstandssprecherin Pamela Bordman (Anne Heche) ein kriegserprobtes Aufpasser-Team anheftet, dass vor Mord nicht zurückschreckt.

Ershon, mehrfach entführt, entkommen und bedroht, soll einen Dummen finden, der ein Giga-Investment leistet. Dabei sind ihm auch tschetschenische, nigerianische und asiatische Investoren recht, wie auch der Pensionsfond des NYPD. Ershon hat nicht viel Zeit, um seine Haut zu retten. Er muss eine Lösung finden, die nur auf Bischiss aufbauen kann. Unter Heroin-Junkies nennt man das, jemanden 'abziehen'.

Hoitz und Gamble geraten in ein Intrigenspiel, an dem ihr Captain (Michael Keateon) zwar nicht beteiligt ist, weil er selber nicht durchblickt, sich in seinem Nebenjob als Einbauküchenverkäufer ein Zubrot verdient, um seinem schwulen Sohnemann das Studium bezahlen zu können, und daher in der Defensive ist. Er scheut sich aber nicht, seinen beiden ungeliebten Cops - Hoitz und Gamble - Steine in den Weg zu legen, weil er sie als Cops für völlig unfähig hält, Gamble nach einem "Tischknaller" die Dienstwaffe entzieht und ihm zum Üben erst eine Pistole aus Ebenholz, dann eine Trillerpfeife verordnet. Gamble findet sich mit den Erniedrigungen ab, denn er will nie wieder "die Kontrolle" über sich verlieren.

 Dieser Anspruch, den er letztlich nicht durchhält, geht auf seine College-Zeit zurück, wie er seinem Partner Hoitz während einer Fahrt in Gambles zum Einsatzfahrzeug umdeklarierten roten, kugelsicheren Toyota Prius (ein Schelm, wer hier an Schleichwerbung dächte) - den Hoitz einen "Tampon auf Rädern" zeiht - eröffnet. Er, Gamble, habe eine dunkle Vergangenheit als Buchhalter von Kommilitoninnen, die sich ihr Studium und ihren Lebensstil als Prostituierte finanzierten und ihm Provisionen zahlten. "Du warst ein Zuhälter?", fragt Hoitz. "Ich war ihr Buchhalter und habe aufgepasst", sagt Gamble. "Du warst ein Zuhälter."

Im Zuge der Ermittlungen lernt Hoitz eine von Gambles Ex-Freundinnen kennen, Christinith (Natalie Zea), eine Maneaterin allererster Kategorie mit hochgradig neurotischer Veranlagung und einem mustergültig vor die Wand gelaufenen Ehemann, der will, das "du meine Frau fickst." Hoitz ist fassungslos. Sein Erbsenzähler ist ein Womanizer und er der großmäulige Loser. Hoitz fragt mehrfach nach, was die Frauen an ihm, Gamble, finden, doch Gamble liefert keine nachvollziehbare Antwort.

Irgendwann blicken beide hinsichtlich des Finanzskandals durch, nachdem Hoitz sämtliche Klischees organisierter Kriminalität bezüglich der 32 Milliarden - Drogenschmuggel, Menschenhandel etc. - durchgegangen ist, nur nicht darauf kommt, dass man es mit der politisch legalen Wirtschafts- und Finanzwelt zu tun hat.

Das ist die wirkliche Botschaft dieses Films, die leider erst spät dem unkundigen oder zu jungen Betrachter klar wird, da sie erst im animierten Abspann nochmals verdeutlicht wird. Es ist ein Abspann mit vielen Zahlen, der die 2008 von den USA ausgegangene Wirtschafts- und Finanzkrise und deren Akteure - AIG, Goldman Sachs usw. - an den Pranger stellt und ihr fröhliches Weiter-so dokumentiert. Am Ende leistet der Steuerzahler.

 Vielleicht ist dieses ernste Thema in The Other Guys ein wenig zu überlagert vom Wortwitz, der zum Glück nicht kalauernd daherkommt, und den teuren, herausragenden Action-Szenen, und erreicht sein U18-Publikum daher nicht.

In jedem Fall ist der Film eine bissige Persiflage über die Bernie Madoffs, Enrons, Worldcoms, Leman Brothers, Goldman Sachs' und wie all die Master of Desaster heißen, die die reale Welt an den Rand wirtschaftlichen Ruins gebracht und Millionen Menschen in den existenziellen Abgrund getrieben haben.

Adam McKay ist eine Action-Komödie gelungen, die es insofern in sich hat. In den ersten drei Monaten hat sie in den USA 120 Millionen Dollar eingespielt (bei ca. 100 Millionen Dollar Produktionskosten), weltweit bisher um 170. Trotz der für US-amerikanische, speziell Hollywood-Ansprüche eher mäßigen Umsatzergebnisse setzt der Film neue Maßstäbe in den USA, wie man ernste Themen in großen Produktionen im Genre Komödie unterbringen kann.

© Jonas Littfers

© GeoWis (2011-02-26)

Die etwas anderen Cops erscheint auf Deutsch als DVD und Blu-Ray am 24. März 2011. 

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