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Alles, was wir geben mussten - Mark Romaneks Film nach dem Roman von Kazuo Ishiguro ist ein beklemmendes Schauerspiel zu einer Welt, in der wir leben
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"Ihr armen Kreaturen"

Mark Romanek hat mit Never Let Me Go Kazuo Ishiguros Roman verfilmt. Am vergangenen Donnerstag lief er unter dem Titel Alles, was wir geben mussten in deutschen Kinos an.

Von Hubertus Molln (2011-04-15)

Louise Joy Brown war der erste Mensch, der in vitro, im Reagenzglas, durch künstliche Befruchtung gezeugt wurde und herangereift ist. Im Juli 1978 war das. Vielfach - und fälschlicherweise - ist das über die seitdem vergangenen Jahrzehnte immer wieder mal mit dem Klonen von Menschen in Zusammenhang gebracht worden. Doch der erste Klon eines Säugetiers gelang erst 18 Jahre später. Sein Name: Dolly. Seine Gattung: Ovis, Schaf. Dolly verstarb im Februar 2003.

Der bisher vornehmlich auf Musikvideos mit herausragendem Anspruch aufgefallene US-amerikanische Regisseur Mark Romanek, Jahrgang 1959, hat sich bei Never Let Me Go, so der Originaltitel von Alles, was wir geben mussten, an ein Genre und Thema gewagt, das man ihm kaum zugetraut hätte. Das Resultat ist beeindruckend.

 Die Geschichte basiert auf dem 2005 erschienenen gleichnamigen Roman von Kazuo Ishiguro, eines Briten japanischer Herkunft, der 1960 mit seinen Eltern von Nagasaki nach England übersiedelte und sich in den 1970er Jahren als Songschreiber und Musiker umtat, bevor er sein Faible fürs Romaneschreiben und Erzählen entdeckte. In Deutschland wurde er durch die Verfilmung seines Romans The Remains of the Day (1989; Was vom Tage übrig blieb; Regie: James Ivory) bekannt.

Wie in The Remains of the Day, in dem aus der Rückschau und in Rückblenden erzählt wird, ist auch Ishigurus Roman Never Let Me Go und Romaneks daraus entstandenem Film aus der Rückschaupespektive einer der Protagonistinnen, der 28-jährigen Kathy (Carey Mulligan), angelegt. Es ist großes Kino, gefühlvoll, schauderhaft, dramatisch, verstörend und zeitgemäß.

Es geht ums Klonen von Menschen. Im Internat Hailsham wachsen geklonte Knirpse zu jungen Erwachsenen heran, deren einziger Daseinszweck ist, als Ersatzteillager für Nicht-Geklonte zu dienen - ganz normale Menschen mit extrem hoher Lebenserwartung. Von klein auf werden sie darauf konditioniert, sich gesund zu ernähren, wobei sie lieblos drapiertes Essen vorgesetzt bekommen. Von klein auf auch finden sie sich damit ab, dass sie geschichtslos sind und irgendwann als Organspender zu dienen haben, was in der Originalversion des Film als Donation bezeichnet wird.

Als Kinder freunden sich Kathy, Tommy und Ruth an. Tommy (Andrew Garfield) und Ruth (Keira Knightley) werden später ein Paar, während Kathy und Tommy eine tiefe Freundschaft und Zuneigung pflegen. Im Alter von 18 Jahren müssen alle drei Hailsham verlassen und aufs Land in so genannte Cottages, Landhäuser, ziehen. Dort warten sie, bis sie Organe spenden müssen.

Ruth und Tommy erfahren, dass Liebespaare eine Lebensverlängerung erhalten, wenn sie ihre Liebe zueinander glaubhaft machen können. Dass sie irgendwann ausgeschlachtet werden, steht jedoch fest. Kathy verlässt das Cottage, nachdem sie sich erfolgreich als Betreuerin für Spender beworben hat. Auch sie wird irgendwann spenden müssen. Jahre später trifft sie Ruth, die inzwischen zweimal gespendet hat und von Tommy getrennt ist, im Krankenhaus wieder.

 Das Thema Klone als lebende Ersatzteillager ist auch in Michael Marshall Smiths Roman Spares verarbeitet worden. Das Buch erschien 1996, ist aber lange nicht so subtil strukturiert wie Never Let Me Go. Michael Bay machte aus Spares 2005 einen ordentlichen Action-Thriller unter dem Titel The Island, mit Scarlett Johannson und Ewan McGregor in den Hauptrollen.

1994 veröffentlichte der britische Autor Gordon Thomas den Roman Organ Hunters, der die Problematik des kriminellen Organhandels als Thriller verfasste. Doch das erste Buch zum Thema stammt aus deutscher Feder. Kein Roman, sondern ein Drehbuch von Rainer Erler, nach dem unter seiner Regie 1979 der Thriller Fleisch - mit Jutta Speidel, Wolf Roth und Herbert Herrmann in den Hauptrollen - entstand.

Mark Romanek nimmt sich in Alles, was wir geben mussten des Themas auf tiefschichtigere Weise an, indem er Ishiguros Kerngedanken, die Aufzucht von lebenden Ersatzteillagern, dramatisch und sensibel inszeniert. Star des Films, so mag man zunächst annehmen, sei Keira Knightley, die in den vergangenen Jahren in einer Reihe erfolgreicher Filme gespielt hat, darunter in den Pirates-of-The-Caribbean-Blockbustern. Die bessere Rolle aber hat die Britin Carey Mulligan, die zu einer beachtlichen Charakterdarstellerin herangereift ist und dem Film ihren Stempel aufdrückt.

© Hubertus Molln

© GeoWis (2011-04-15)

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