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Empire of the Sun - Steven Spielbergs Meisterwerk revisited
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"Ich ergebe mich"

Steven Spielbergs Klassiker Empire of the Sun (Das Reich der Sonne) ist ein Meisterwerk, das einst floppte.

Von Jonas Littfers (2012-10-23)

Die Konkurrenz war groß, als Empire of the Sun 1987/88 in die Kinos kam. Der letzte Kaiser (Regie: Bernardo Bertolucci), Eine verhängnisvolle Affäre (Adrian Lyne), Wall Street (Oliver Stone), Mondsüchtig (Norman Jewison), Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins (Philip Kaufman), Stirb langsam (John McTiernan), Rain Man (Barry Levinson), Full Metal Jacket (Stanley Kubrick) und Im Rausch der Tiefe (Luc Besson) waren einige der Kassenschlager jener Zeit. Spielbergs 2½-stündiges Kriegsepos gehörte nicht dazu.

empire of the sun - choirEs ist der Vorabend der japanischen Besatzung von Shanghai, 1941. Seit vier Jahren führt Hitlers Verbündeter Japan einen nicht erklärten Krieg gegen China. Der 13-jährige Jamie Graham (Christian Bale) lebt mit seinen Eltern, umgeben von chinesischen Bediensteten, in einem großbürgerlichen Anwesen britischen Stils.

Er singt im Kirchenchor, radelt unbeschwert im Garten und stört seinen Vater beim Golfen. Es fehlt ihm an nichts. Die grassierende Armut durch mehr und mehr vom Land in die Stadt migrierende Chinesen nehmen die Grahams nur aus ihrer Limousine heraus wahr, wenn der Chauffeur sie durch die Straßen kutschiert.

Als Bomben auf Shanghai niedergehen und die Japaner in die Stadt einfallen, verliert Jamie während der hastigen Evakuierung der Briten und anderer Ausländer seine Eltern aus den Augen. Er findet zurück ins Anwesen und muss wehrlos zusehen, wie das chinesische Personal das Haus ausräumt.

Tagelang harrt er allein aus und ernährt sich von Konserven, bis er auf die Plünderer Basie (John Malkovich), Dainty (Ben Stiller) und Tiptree (David Neidorf), allesamt Amerikaner, trifft. Jamie drängt sich ihnen auf und gerät kurze Zeit später mit ihnen in japanische Gefangenschaft, zunächst in ein Zwischen-, dann in ein Internierungslager bei Suzhou.

empire of the sun - golfingEr klammert sich an den schrägen Basie - der ihn Jim nennt -, in dem er einen Beschützer findet; an die depressive Mrs. Victor (Miranda Richardson), die ihm als Mutterersatz dienen soll; und an Dr. Rawlins (Nigel Havers) als Vaterfigur. Schnell lernt der pfiffige Junge, sich mit der Lagersituation zu arrangieren. Er wird zum Organisationstalent.

Jamie will überleben und unternimmt alles dafür. Er betreibt einen regen Tauschhandel, wobei ihm seine Chuzpe, Raffinesse, Willenstärke, Sturheit und elitäre Erziehung zu Gute kommen.

Er ist auch hilfsbereit und verteidigt mit Hilfe seiner Sprach- und Kulturkenntniisse seine erwachsenen Freunde vor dem Lagerleiter Sergeant Nagato (Masatô Ibu), der über den kleveren Bengel staunt und ihn respektiert, obwohl im Lager niemand so respektlos wie Jamie auftritt.

Jamie, untergebracht in einem Kabuff im zugeteilten engen Raum der Victors, die er mit altklugen Sprüchen nervt, will ins Männerhaus zu Basie, was ihm schließlich mittels einer bestandenen Mutprobe gelingt. Basie hat auf ihn gesetzt und kassiert von den anderen.

empire of the sun - malkovich - stillerAls einige Piloten zu ihren Kamikaze-Einsätzen verabschiedet werden, übertönt er die Zeremonie, indem er das walisische Wiegenlied Suo Gan inbrünstig vorträgt. Für des Walisischen Unkundige hört es sich an wie Chinesisch.

Das Salutieren während des Singens ist Ausdruck seines Respekts für die feindlichen Piloten. Sie anerkennen es genauso wie Lagerkommandant Nagato.

Doch Jamie ist ein Kind, zwar eines mit enormem Durchhaltevermögen, aber ein Kind, das unter dem Verlust seiner Eltern leidet, zusammenbricht, und über sich hinauswächst, indem es kraft seiner hohen Auffassungsgabe und trotz erkennbarer Not das Beste aus seiner Lage herauszuholen versucht und daran wächst.

Seine Leidenschaft fürs Fliegertum ist ungebrochen, und als ein japanischer Jugendlicher (Takatorô Kataoka), der für einen Kamikaze-Einsatz vorgesehen ist, mit einem Modellflugzeug spielt, das über den Lagerzaun gerät, wirft Jamie es zurück. Er hat einen Freund gefunden, der später, in einer kniffligen Situation, zu ihm hält.

empire of the sun - salutierenDie Jahre vergehen. Jamie weiß nicht mehr, wie seine Eltern aussehen. Er erinnert sich nur noch an das Haar seiner Mutter. Irgendwann wird das Lager von Briten und Amerikanern bombardiert.

Jamie ist außer sich vor Freude, doch eine Befreiung findet nicht statt. Stattdessen sollen die Internierten weiter ins Landesinnere, nach Nantao, verlegt werden und machen sich auf den Trek. In einem mit Kriegsbeute gefüllten Stadion irgendwo im Nirgendwo suchen sie vergeblich nach Essbarem.

Während der Trek weiterzieht, stellen Jamie und die inzwischen schwerkranke Mrs. Victor sich tot - "Pretend you're dead" empfiehlt Jamie ihr -, um nicht in das andere Lager zu müssen. Am folgenden Morgen stirbt Mrs. Victor und Jamie sieht am Horizont einen grellen Blitz, den er für die in den Himmel aufgestiegene Seele von Mrs. Victor hält. Es ist der Blitz der über Hiroshima abgeworfenen Atombombe.

Jamie macht sich auf den Weg zurück ins Suzhou-Lager, hungert, findet dann in abgeworfenen Hilfsgüterbomben Nahrungsmittel und trifft im Lager seinen japanischen Freund wieder. Basie, Dainty und Tiptree, die wieder plündernd unterwegs sind, erreichen das Camp. Tiptree erschießt den Japaner, woraufhin Jamie Tiptree verprügelt. Dann suchen Basie und seine Gang das Weite und lassen Jamie zurück.

empire of the sun - jamie cryingAls amerikanische Soldaten das Lager erreichen und nur auf den wie irre mit dem Fahrrad herumradelnden Jamie treffen, sagt der nur: "Ich ergebe mich" und reicht dem Marine eine Dose Trinkmilch. Er wird in ein Heim für elternlose ausländische Kinder gesteckt, in dem Eltern nach ihren Sprösslingen fahnden.

Schließlich erkennt ihn seine Mutter (Emily Richard), aber Jamie ist zunächst skeptisch. Er betastet ihr Gesicht, nimmt ihr den Hut ab und fühlt an ihrem Haar. Dann hat er Gewissheit und fällt in ihre Arme.

Vielleicht lag es an der Konkurrenz, möglicherweise auch am Thema, dass Empire of the Sun kein Kassenschlager wurde. Obwohl der Film seine Produktionskosten von gut 38 Millionen Dollar letztlich locker einspielte (weltweit um 70 Mio. Dollar; DVD kam erst später), war das Einspielergebnis gegenüber Spielbergs zuvorigen Blockbustern E.T., Die Farbe Lila, Die Goonies, Indiana Jones und Der weiße Hai eher kläglich.

Für US-amerikanische Kinogänger bietet Spielbergs Epos zu wenig Identifikationspotenzial, denn Empire of the Sun hat keine amerikanischen Helden und behandelt nicht die gern als heroisch betrachtete Rolle der amerikanischen Soldaten im pazifischen Raum.

empire of the sun - atomblitzZwar spielten US-Schauspieler mit (Malkovich, Stiller), aber die Hauptrolle hatte ein Brite, dazu noch ein Kind. Und China lag seinerzeit aus US-amerikanischem Blickwinkel weiter entfernt als der Mond.

Indes, der Film, basierend auf J. G. Ballards teils autobiographischem Roman und dem Drehbuch Tom Stoppards, ist eines der wenigen cineastischen Meisterwerke, die Spielberg bisher erschuf, unterstützt von einer eindrucksvollen Kameraführung (Allen Daviau) und einem tragendem Soundtrack (John Williams), der durch das Lied Suo Gan (gesungen vom jungen James Rainbird mit dem Ambrosian Junior Choir), das zu Beginn, im Verlauf des Films und am Schluss eingesetzt wird, Tiefe erhält.

Beeindruckend ist auch die schauspielerische Leistung des jungen Christian Bale, der mit diesem Film seinen Durchbruch im Filmgeschäft schaffte. In seinen nachfolgenden Filmen spielte er zwar meist überzeugend, aber in keiner seiner Rollen (bislang) so hinreißend wie in Empire of the Sun.

empire of the sun - jerzee milkGegen ihn wirken die gestandenen erwachsenen Schauspieler Miranda Richardson (zuvor grandios in Dance with a Stranger, 1985), John Malkovich (The Killing Fields, 1984; Tod eines Handlungsreisenden, 1985), Nigel Havers (Die Reise nach Indien, 1984) und des bis dato nur im TV agierenden Ben Stiller lediglich wie prominentes Beiwerk.

Spielberg verzichtet in diesem detailreichen und große Emotionen hervorufenden Film auf allzu schreckliche Szenen, um die Dramatik des Krieges visuell darzustellen. Es gelingt ihm dennoch, dem Zuschauer eine Vorstellung von den Ereignissen zu vermitteln. Nicht das Schlachtfeld steht im Vordergrund, sondern ein mit unbändigem Überlebenswillen ausgestatteter Junge und die Situation der internierten ausländischen, im Wesentlichen britischen Zivilbevölkerung in China während des Zweiten Weltkriegs. Sie geriet komplett zwischen die Fronten.

© Jonas Littfers

© GeoWis (2012-10-23)

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