GEOWIS Logo
GeoWis ONLINE-MAGAZIN
18. Oktober 2017
Home |  Login | Kontakt | Verlag | Links   
Download-Archiv
eBook/eText Downloads
Science & Technology
Selected Portraits
Artikel & Reportagen
Deutsche Sprache
Meinungen
Musik
Rezensionen
Film
Interviews
Schnellsuche
 
Verwenden Sie Stichworte, um einen Beitrag zu finden.
Erweiterte Suche
Ankündigung

Kostenlose Downloads (Auswahl)

Demographie: Que sera, sera. The future's not ours to see. Die BBR-Bevölkerungsprognose in Konfrontation mit der Realität. Von Hansjörg Bucher und Claus Schlömer

Stefan Z. Dmochowski - The Olowo of Owo

Klaus von Bröckel - Djibouti: 18. März 1987

Lesetipps

Tourismus

Wohin geht die Reise? >>

Reisen im Geburtsland Makesis >>

China-Reportagen

Chongqing - Stadt im Nebel >>

Chongqings Altstadt Ciqikou >>

Carrefour in China >>

Diaoyucheng, Hechuan >>

Beijing by Bike >>

Der chinesische Traum 1 >>

Der chinesische Traum 2 >>

Der chinesische Traum 3 >>

Spanien-Reportagen

Paxe Ryanair, Iberia! >>

High Speed Tag und Nacht >>

Der Tod kommt zweimal >>

Tarragona - Baila conmigo >>

Málaga - Glut des Südens >>

Japan-Reportagen

Hakone >>

Hakone Open Air Museum - Im Reich der Skulpturen >>

Frankreich-Reportagen

Nizza - Zwischen Arm und Reich >>

Vence - Kultort der Kultur ... >>

Nizza - Champagner muss sein >>

Côte Basque - Saint-Jean-de-Luz >>

Mauerfall-Reportagen

"Ich werd' bekloppt!" >>

"Keine Ahnung, wie die lebten" >>

"Wir wollen die D-Mark!" >>

Weitere Beiträge:
Bruce Dern ist fr seine Rolle des Woody Grant in Alexander Paynes Film 'Nebraska' fr den Academy Award nominiert. Angesichts seiner schauspielerischen Leistung msste er den Oskar bekommen
Wir die Wand - Ein Film von Klaus Martens ber die Sdtribne des BVB und ihre Bewohner
TV-Kritik: Der Hamburger Premiere-Tatort mit Wotan Wilke Mhring und Petra Schmidt-Schaller berzeugt durch seine Protagonisten
Round-the-World-Trip - The Substance von Martin Witz feiert weltweit Erfolge
TV-Kritik: Die Swingmdchen - Le Ragazze dello Swing. Aufstieg und Fall des Lescano Trios
Empire of the Sun - Steven Spielbergs Meisterwerk revisited
Die Wand - Ein Film von Julian Roman Plsler
Herrlich schrg - Wes Andersons Komdie Moonrise Kingdom
Finchers Verblendung - Nichts fr Rapace-Fans
TV-Kritik: Joseph Vilsmaiers Fernseh-Thriller 'Russisch Roulette' ist gar keiner. Eine Analyse
Alles, was wir geben mussten - Mark Romaneks Film nach dem Roman von Kazuo Ishiguro ist ein beklemmendes Schauerspiel zu einer Welt, in der wir leben
Die Zeit nach Bernd Eichinger - Der deutsche Film hat immer noch das Zeug, national wie international zu bestehen
The Clock - Christian Marclays Marathonwerk ber die Uhrzeiten in Filmen ist vor allem eins: Kunst
Junkyard Dog von Kim Bass - Low-Budget-Produktion mit berfrachtetem Plot und schlechten Schauspielern
The Other Guys - Die etwas anderen Cops. Adam McKays Film setzt neue Standards im Comedy-Genre, ohne die Prinzipien des Genres zu verletzen
Duncan Jones' mit Preisen ausgezeichneter Film Moon liegt nun als DVD und Blue-Ray vor
Mit dem Film 'Russland - Im Reich der Tiger, Bren und Vulkane' kommt Deutschlands aufwndigste Naturdokumentation in die Kinos
Collapse - Michael C. Rupperts Analyse und Ausblick vor dem Hintergrund von Peak Oil. Der fulminant informative Film von Chris Smith kommt nun als DVD und Blu-Ray in den Handel
TV-Kritik: Kommissarin Lund - Das Verbrechen II. Mega-Polit-Thriller der Extraklasse
Kult-Klassiker der Animation: Heavy Metal aus dem Jahr 1981
Kult-Klassiker in Schwarzwei: Das Totenschiff
Der Film zur Denke in Konzernen, Beratungsfirmen und vielfliegenden Managern: Up in the Air von Jason Reitman
Geld korrumpiert und macht nicht glcklich. Oder doch? Stephen Milburn Andersons Film Ca$h gibt darauf eine Antwort
Paul Grignon: Money as Debt - Aussteiger erklrt das Geldsystem
Radio Rock Revolution von Richard Curtis
Politisch inkorrekt: Gran Torino von und mit Clint Eastwood
Jason Kohn: Manda Bala/Send a Bullet/Schick eine Kugel
Maria Teresa Camoglio: Die dnnen Mdchen
Marie-Monique Robin: Monsanto, mit Gift und Genen
Filmfest ueber Macht
TV-Kritik: Kommissarin Lund - Das Verbrechen
GeoWis-Serie Politischer Film (4): Syriana
GeoWis-Serie Politischer Film (3): Dr. Strangelove
GeoWis-Serie Politischer Film (2): Papillon
GeoWis-Serie Politischer Film (1): The Dancer Upstairs
Berlinale: Seltsame Erffnungszeremonie
TV-Kritik: Die Schattenmacht
"Welcome to the Sixties": Neues Kult-Musical Hairspray?
Bremer, Liz/Jonas Littfers: "Hairspray" 2007
Antonioni und Bergman: Zwei Meister tot
Manel Mayol: Abschalten!
Behind the Couch von Veit Helmer
Des Wahnsinns letzter Schrei von B. Schnafinger/T. v. Dahlem
Bremer, Liz: Major 'Hot Lips' ist 70
Littfers, Jonas: Wiederentdeckt: Silkwood
Der Keiser ist tot - Nachruf von Hubertus Molln
Robert Altman - Nachruf von Jonas Littfers
Littfers, Jonas: Arthur Penn - Alice & Bonnie ...
Littfers, Jonas: Der Western atmet noch
Schwarzes Gold von Marc & Nick Francis


Micha Peled: China Blue

"Die Arbeiter nutzen uns aus"

Westliche Produzenten und Verbraucher haben es gerne preiswert. Dass die zu Lasten anderer geht, zeigt China Blue.

Von Jonas Littfers (2006-12-28)

Herr Lam war Polizeichef von Shaxi, bevor er die Firma Lifeng gründete, die im Schnitt 200.000 Jeans pro Monat für ausländische Unternehmen produziert. Er hält sich für einen guten Menschen, gibt er doch mehr als 700 vorzugsweise jungen, weiblichen Menschen Arbeit und Unterkunft. Er ist stolz auf seine bisherige Lebensleistung. Was ihn plagt, ist der harte Wettbewerb um Aufträge, Termindruck und die "Dummheit" seiner Arbeiterinnen, denen man ständig auf die Finger schauen müsse, um die Qualitätsstandards zu halten und die vorgegebenen täglichen Stückzahlen zu erreichen.

Damit Herr Lam nicht nur nicht pleite geht, sondern vor seinen westlichen Auftraggebern, zu denen zum Beispiel der Wal-Mart-Konzern gehört, auch sein Gesicht wahren kann, hat er sich allerlei einfallen lassen. Aufseherinnen schreiten mit strengem Blick durch die Produktionshallen wie zu Maos oder Kaiser Wilhelms Zeiten, jederzeit in der Stimmung, die Lohnknechte mit Drohungen um den Arbeitsplatzverlust anzutreiben. Stolz ist Herr Lam auch auf seine PC-Video-Anlage. Auf ihr kann er rund um die Uhr beinahe jeden Bereich seiner Firma und Teile der Unterkünfte überwachen.

Fadenabschneiderin Jasmin mit KolleginArbeiternehmerrechte und Arbeitsschutz - beides existiert nach Lesart des offiziellen China - interessieren Herrn Lam nicht sehr. Er habe "viele Ressourcen, vor allem menschliche Ressourcen."

Eine dieser Ressourcen ist die 17-jährige Jasmin, die aus einem Dorf der Provinz Sichuan stammt. Ihren Aufbruch nach Shaxi, China's Famous Clothing Town, und die ersten Monate in Herrn Lams Fabrik begleitet der amerikanische Dokumentarfilmer Micha Peled und zeigt exemplarisch am Beispiel der Lifeng-Fabrik, unter welchen Bedingungen für den Export bestimmte Bluejeans produziert werden.

Jasmin kommt voller Hoffnungen, bepackt mit einer groβen Billigtasche und einem Plastikeimer, nach Shaxi und findet einen Job als Fadenabschneiderin bei Lifeng. Schnell lernt sie die Tretmühle kennen, die aus Akkordarbeit zwischen 12 bis 17 Stunden bei einer 7-Tage-Woche, Unterkunft in Mehrbettzellen, mäβigem Essen, für das sie bezahlen muss, und Sanktionen besteht. 20 Yuan (ca. 1,6 €) Strafe kostet ein Ausflug in die Stadt - bei 450 Arbeitsstunden pro Monat und den 65 €, die Jasmin damit verdient, mehr als ein Tageslohn. Schlafen am Arbeitsplatz während der Pause wird ebenfalls geahndet, wobei manche trotzdem vor Erschöpfung einfach vom Schlafbedürfnis übermannt werden.

Arbeiten bis zum Umfallen bei Lifeng Jasmin führt Tagebuch, in das sie ihre Träume und kleinen Ziele schreibt, aber auch Erlebnisse, etwa dass sie noch niemals von so hoch oben aus dem Fenster geblickt habe. Sie ist im vierten Stock untergebracht.

Behutsam zeichnet Peled auf, wie es in Jasmin aussieht, wobei er sie aus dem Off erzählen lässt. Ist sie anfangs noch naiv und unerfahren, was Herr Lam als "dumm" klassifiziert, und nimmt sie es hin, täglich einen Eimer warmen Wassers für die Körperpflege vier Etagen hinaufzuschleppen, beginnt sie bald, Fragen zu stellen - sich selbst und ihren Zimmergenossinnen.

Etwa, wie es komme, dass ein ehemaliger Polizeichef eine so groβe Firma besitzen könne? Oder weshalb es so lange dauere, bis man seinen Lohn bekomme? Warum man so viele Stunden arbeiten müsse?

Peled, der diesen Film unter schwierigen Bedingungen und teils mit versteckter Kamera drehte, gelingt es, das desolate Fabrikleben der jungen Frauen ebenso ungeschönt zu dokumentieren wie deren emotionale Bande zu den in den Dörfern verbliebenen Familien, die auf die kargen Verdienste ihrer in die Stadt gegangenen Kinder angewiesen sind. Einmal im Jahr, zum Frühlingsfest, bekommen die Stückgutknechte zehn Tage frei. Wer es sich leisten kann, nimmt die Mehrtagesreisen mit dem Bus oder Zug in Kauf, um die Familie zu besuchen.

Dokumentarfilmer Micha Peled Der Film schildert auch die enorme Verachtung ausländischer Delegationen und Einkäufer gegenüber den chinesischen Produzenten und den Lohnsklaven. Selbst ein Einkaufspreis von 4,2 US-Dollar (ca. 3,25 €) pro Jeans erscheint ihnen noch zu hoch. Wenn zum Beispiel Herr Lam nicht noch 20 US-Cent nachlasse, ginge man zur Konkurrenz.

In eiligen Betriebsbesichtungen verschaffen sich die Damen und Herren Kontrolleure und Auftraggeber aus Australien, Neuseeland, den USA, Kanada oder Europa einen Eindruck der Produktionsbetriebe und bekommen zur Beruhigung ihres Gewissens gefälschte Stechkarten gezeigt, auf denen von Ausbeutung nichts zu erkennen ist.

Jasmin und ihre Kolleginnen vergnügen sich im Kleinen, etwa wenn sie sich darüber amüsieren, wie groβ oder dick die Menschen sind, die im Ausland die Jeans kaufen; oder wenn Orchidee, die als Reiβverschlussnäherin arbeitet und dadurch mehr Geld als die anderen verdient, Tanzeinlagen und Laufstegdarbietungen in der Mehrbettzelle vorführt.

Dass Gleichmut und Geduld der ArbeiterInnen auch überspannt werden können, zeigt sich bei einer spontanen Arbeitsniederlegung, nachdem Herr Lam, der sich von den Arbeitern ausgenutzt fühlt, ihnen wochenlang den Lohn schuldig beibt. Erst als sie ihm die Zusage zur Zahlung abringen, arbeiten sie weiter.

Wie ausgewechselt wirkt Herr Lam, als das für ihn erfolgreiche Jahr zu Ende ist und das Frühlingsfest bevorsteht, und vergessen sind an Tafeln oder Treppenhauswände in seinem Auftrag geschriebene Slogans wie "Wenn du heute nicht hart arbeitest, wirst du morgen hart nach Arbeit suchen", denn es ist Tombola, es gibt einen Fernseher zu gewinnen, dazu allerlei Nippes. Herr Lam hält eine Dankesrede an die Dagebliebenen und trägt rührselig ein Lied vor. Jasmin aber ist traurig.

TRAILER

© Jonas Littfers

© GeoWis (2006-12-28)

© Fotos/Webseite: http://www.diegesellschafter.de

Zum Interview mit Micha Peled >>

Originaltitel: China Blue. USA, 2005. Regie: Micha X. Peled. 88 Minuten, Chinesisch mit deutscher Untertitelung. Filmpartner: INKOTA-netzwerk e. V.

Anzeige