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Alex Gibney: ENRON - The Smartest Guys in the Room

Das von Super-Tramps begangene Verbrechen des Jahrhunderts

Von Tom Geddis (2006-12-28)

Journalistin Bethany McLeanGibneys spannende, einem Wirtschaftskrimi in nichts nachstehende Dokumentation basiert auf dem Sachbuch-Thriller ENRON - The Smartest Guys in the Room von Bethany McLean und Peter Elkind. McLean, Journalistin beim Magazin Fortune, die im Frühjahr 2001 die einfache Frage stellte, womit ENRON sein Geld verdiene, kann als Schmetterling bezeichnet werden, dessen Flügelschlag einen Wirbelsturm in Gang setzte, denn diese simple Frage konnte weder ENRON-CEO Jeffrey - Jeff - Skilling, noch Präsident Kenneth - Ken - Lay beantworten.

Der Film zeichnet nach, wie ENRON-Manager und deren fürs Tagesgeschäft zuständige Trader aus Wasser Wein machten, freilich ohne über die dazu notwendigen Rebstöcke zu verfügen. ENRON war im Energiesektor unterwegs und handelte mit Gas, Elektrizität und - nicht überragend - Öl. Daran ist nichts Anrüchiges. Die Umsätze und Profite aber reichten ENRON nicht, die Aktie dümpelte, warf nicht genug Rendite ab. Bis ENRON-Manager ihr Kreativpotential entdeckten.

Ende der 1990er Jahre gingen im Sonnenstaat der USA, Kalifornien, im Dezember die Lichter aus. Der sich bis dahin noch als sechstgröβte Volkswirtschaft der Welt verstehende 'Staat' unter der Regierung Gray Davis hatte in signifikanten Teilen des Staatsgebietes plötzlich keinen Strom mehr. Darüber freute sich noch am Tage ENRON und kurz danach machten deren Anteilseigner und Verantwortliche Luftsprünge, stieg doch der Energiepreis - und dadurch jede einzelne Aktie.

Ausgerechnet einer der wohlhabendsten und modernsten Flächenstaaten der USA hatte ein Versorgungsproblem. Was dem der Demokratischen Partei angehörenden Davis schadete und dem austro-amerikanischem Bewerber um die Governeursscherpe, Arnold Schwarzenegger, in die Hände spielte. Dahinter steckte ENRON. Völlig unpolitisch, so mag man meinen, hingegen aus schierer Profitgier und Not handelnd, klemmte ENRON den Kaliforniern den Saft ab und gab sich unwissend.

Mit kaum nachvollziehbarer Offenheit gesteht der für ENRON-California seinerzeit verantwortliche Trader, Tim Beldon, ein der Pubertät gerade entwachsenes, brillentragendes Milchgesicht im Unschuldskorsett, das sich zu Zeiten der ENRON-Heydays nicht um Menschen, sondern nur um Zahlen gekümmert hatte, vor der Kamera das hinter der kalifornischen Gaskrise steckende ökonomische Kalkül. Den Sonnenstaat kostete die künstlich herbeigeführte Gaskrise 30 Milliarden Dollar.

Jahre zuvor schon hatten ENRON-Verantwortliche entdeckt, wie sich aus wenig viel machen läβt. Mitte der 1980er Jahre hatte das Management des Konzerns nach erfolgreicher Lobbyarbeit beim damaligen, inzwischen verstorben, amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan und bei der Familie des seinerzeitigen Vizepräsidenten George Herbert Bush zum Crime of the Century angesetzt, wie der Film zeigt. Das Kunststück war, über Einnahmen zu reden, ohne welche zu haben, und so Investoren und Anleger anzulocken. Luftbuchungen und Bilanzbeschönigungen wurden intern vorgenommen ('cooking the books'), worüber die in diesem Metier jahrzehntelang erfahrenen Wirtschaftsprüfer von Arthur Anderson, die schon so manche Firma gesundgerechnet hatten, stolperten und am Ende samt AA untergingen.

Das "Pump-and-Dump"-Spiel der Manager und Trader, die aus ENRON ein Casino machten und satte Provisionen einstrichen, konnte deshalb so lange und gut funktionieren, weil noch unter der Reagan-Administration die Privatisierung von staatlichen Energieversorgungsunternehmen eingeleitet worden war. Die "Magic Power of Deregulation", die man Reagan damals eingeflüstert hatte, war der Zaubertrank für ENRON.

Jeffrey Skilling, ENRON-CEOENRONs Protagonist und CEO, der die "Idee" hatte, über nicht vorhandene Einnahmen zu reden, Jeff Skilling (Foto li.), war ein ambitionierter Hasadeur, der schon zu seinen Harvard-Zeiten als Student - in den 1970ern - auf die Frage seines Professors, ob er smart sei, geantwortet haben soll: "I'm fucking smart."

Er wird vielleicht die seinerzeit mit radikalen Texten und interessanten Kompositionen Erfolge feiernde Rockband Supertramp gehört haben, die mit den Alben Crime of the Century und Crisis? What Crisis? auf die Business crooks der 1970er hinwies.

Doch, sollte er sie gehört haben, interpretierte er deren Texte zumindest sehr eigenwillig und hatte sich vielleicht nur Easy Does It oder Ain't Nobody But Me so lange angehört, bis ihm die gute Fee erschien und ihm mitteilte, es gehe um viel Geld. Vor dem Untersuchungsausschuβ zur ENRON-Pleite bestätigt Skilling dem Beobachter seine 'Fucking-smart'-Haltung.

Die gute Fee ist nicht zugegen. Reue, mehr als zwei Milliarden Pensionsgelder, etwa 1,2 Milliarden Fondgelder und eine ordentliche Zahl an Arbeitsplätzen vernichtet zu haben, gibt Skilling in Gibneys Film eher sachlich zu Protokoll. Den Mut, sich die Kugel zu geben, hat Skilling entgegengesetzt des ENRON-Mannes Cliff Baxter, der sich in seinem schmucken Mercedes Benz erschoβ, nicht.

Bevor die ENRON-Blase platzte, setzten sich manche Manager ab, einer, Lu Pi, von Jetzt auf Gleich. Lu, besessen von Stripperinnen und Table-Dancers, die er schon mal in seinem opulenten ENRON-Büro auftreten lieβ, zog 250 Millionen Dollar ab und ist heute der zweitgröβte Landbesitzer im Bundesstaat Colorado.

Ken Lay Ken Lay brachte um die 300 Millionen Dollar auf die Seite. Lay, den zwischen 20 und 30 Jahren Haft erwarteten, verstarb im Juli 2006, woraufhin das Gericht seinen Fall zu den Akten legte. Auf die Frage, wo das Geld geblieben sei, antwortet seine Witwe in Gibneys Film: "It's gone."

Wann immer etwas zu den wundersamen Einnahmen innerhalb des ENRON-Konzerns gefragt wurde, vor allem, wenn die Frage an Jeff Skilling gerichtet war, lautete die Antwort: "Ask Andy." Das paβte zu ENRONs Unternehmensslogan Ask Why!. Als Skilling auf einer Versammlung erneut zu den "Numbers", den erbaulichen Zahlen, befragt wird, gefriert ihm die Miene für kurze Zeit. Dann legt er ein smartes Lächeln auf und komplimentiert zum Abschied. Leise, sich der Abschaltung des Mikros sicher, tituliert er den Fragesteller als "Arschloch". Doch die Mikros sind noch an. Spötter ergänzen später den Firmenslogen: "Ask Why, Asshole!"

Andrew Fastow vor dem Untersuchungsausschuss zu ENRONAndrew - Andy - Fastow, der Magier der Blase, wurde zum Kronzeugen und sagte gegen Jeff Skilling, den Messias der Blase, aus. Skilling wurde - fucking smart - in 19 von 28 Anklagepunkten schuldig gesprochen, darunter wegen Betrugs, Insiderhandels und Verschwörung. Am 13. Dezember 2006 trat er seine Haft an, aus der er nach jetzigem Ermessen nicht mehr entlassen werden wird. Bethany McLean, der Sentimentalität schon aus Berufsgründen fernliegt, spricht im Film von einer "menschlichen Tragödie" und meint damit nicht nur das Top-Management ENRONs, sondern auch die von der Pleite Betroffenen, die vielen tausend privaten Anleger, deren Alterssicherung flöten gegangen ist.

Mit dem Schauspieler Peter Coyote (Bitter Moon) hat Gibney einen hervorragenden Erzähler eingesetzt, der in toto und in Nuance das Ohr des Betrachters dieser herausragenden Dokumentation auf der ENRON-Akteure Aussagen lenkt. Ihm in Konkurrenz stehen lediglich die menschenverachtenden Äuβerungen, die aus Telefonmitschnitten stammen. Danach traute man den ENRON-Tradern jederzeit auch Kinderschändung zu, stiegen dadurch die Aktienkurse.

Gibneys Film ist so betrachtet nicht nur eine Offenbarung, wie es im Management nationaler und multinationaler Konzerne zugehen kann, sondern weist auch definit darauf hin, daβ mit einfachsten Mitteln gröβtmöglicher Bauernfang auch im vermeintlich aufgeklärten 21. Jahrhundert kein Problem ist.

TRAILER


© Tom Geddis

© GeoWis (2006-12-28; 19:01:28)

© Fotos: http://www.diegesellschafter de ; http://www.journalismjobs.com; http://www.wikipedia.org

Originaltitel: The Smartest Guys in the Room. USA, 2005. Regie: Alex Gibney. 109 Minuten, US-Englisch. Filmpartner: DGB-Jugend

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