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Appelt, Henning: Mein Führer

Dienen unter Helge

Dany Levys neuer Film Mein Führer hat das Zeug dazu, ein Kino-Hit des Jahres 2007 zu werden.

Von Henning Appelt (2007-01-03)

Wenn zwei Komiker aufeinandertreffen, kommt oft etwas Komisches dabei heraus. So auch diesmal. Regisseur Dani Levy (Alles auf Zucker) und Musikperformer Helge Schneider (Shanty: Schachtelhalme), der Adolf Hitler parodiert, persifliert und schizophriert, machen dort weiter, wo Alan Johnson (To Be or Not to Be) mit Mel Brooks in der Rolle des Frederick Bronski 1983 aufgehört hatte: Der totalen Verarsche eines Massenmörders, einen der gröβten des 20. Jahrhunderts.

Schauspieler Helge Schneider als Adolf HitlerDie Kritik ist - wie so oft - nicht durchgehend zufrieden, hält Levy fehlende "konsequente Lässigkeit im Umgang mit dem Stoff" vor (Hans Mentz, Titanic) oder "küchenpsychologische Analyse des Dritten Reichs" (Sonja M. Schultz, critik.de). Manches im Film wirkt sicherlich etwas überdreht und zu sehr auf Lacher abgestellt. Es hätte durch einen im deutschen und deutsch-jüdischen Humor sich auskennenden Script-doctor knapper und subtiler dargestellt werden können. Doch diese Feinheiten werden von der Symbolik, die dieser Film ins Zwerchfell jener Betrachter, die sich ein wenig in der deutschen Geschichte dieser Epoche auskennen, locker übertüncht.

Erfreulich ist, trotz angeblich fehlender konsequenter Lässigkeit, daβ endlich auch aus deutscher Produktion ein despektierlicher, parodierender Umgang mit der zeitgeschichtlichen Person Adolf Hitler abseits jeglicher wissenschaftlicher, pseudowissenschaftlicher oder dokumentarischer Intention möglich ist.

LP-Cover der Rock Opera 'Der Fuehrer'Das war in Deutschland, speziell im Westen, nicht immer so. 1977, 32 Jahre nach Kriegsende immerhin, kam die Rock-Oper Der Führer auf den bundesdeutschen Musik-Index. Die Autoren und Komponisten, Lothar Siems und Walter Quintus, hatten alles andere im Sinn, als Hitler und dessen Regime in ein gutes Licht zu rücken. Die bei den Hamburger Rüssl Studios - Mitgesellschafter: Otto Waalkes - aufgenommene Produktion, groβ angelegt und auf dem EMI-Label Odeon vertrieben, war in Westdeutschalnd ihrer Zeit voraus.

Damals war das offizielle Westdeutschland unter Bundeskanzler Helmut Schmidt nicht bereit, die in Musik gefaβte Ironie gegenüber dem Hitler-Regime begreifen zu wollen. Was wohl auch daran gelegen haben könnte, daβ die Musiker, Texter und Darsteller ihre Sache gut machten.

Marti Webb, 1977.Marti Webbs klare, einfühlsame, schier betörende und hochmusikalische Stimme muβte die zur damaligen Zeit in der Bundesrepublik noch institutionell verankerten Nazis verwirren. Webbs Part war Eva Braun. Sie sang wie eine Elfe. Obwohl die Akteure unverkennbar im Post-Hippie-Look auftraten und das Musical international besetzt war, wurde das als Dopplel-LP auf den Markt gekommene Werk kurze Zeit danach verboten.

Lothar Siems und Walter Quintus, die das Musical in der Auffassung geschrieben hatten, daβ deutliche Kritik an Hitler und dem gescheiterten Dritten Reich noch immer notwendig sei, stieβen auf Beton. National und international.

Was für eine Verblendung, mag man geneigt sein, zu konstatieren. Was für eine Verblendung insbesondere der institutionellen Demokratie, die damals auch schon in der Bundesrepublik herrschte.

Komponist Lothar Siems, 197730 Jahre später sind die meisten Nazi-Fossile aus den Amtsstuben verschwunden, jedoch fühlt sich in Bezug auf 'Hitler' augenscheinlich eine Kritikergilde zu (unsubstantiierten) Besprechungen berufen, der die Nach-68er-Zeit und alle Relation abzugehen scheint. Wo durchgehendes Lob ob der bar jedes historischen Anspruchs auf Celluloid fixierten wild-frechen Überwindung des nationalen Traumas - Hitler - angebracht wäre, kommt aus den aufgeräumtesten Satire-Ecken wesentliches Miβverständnis, und aus unaufgeräumten auch Quatsch.

Wer sich in Levys Film nicht mit küchenpsychologischen Weisheiten konfrontiert sehen will, sollte sich etwa an Guido Knopps Geschichtshappen halten. Oder an den Untergang, in dem noch vor einem Jahr der Schweizer Bruno Ganz als Hitler glänzte und ihn 1:1 zu übersetzen versuchte. Derartiges, national wie international gut angekommen, war keine Bereicherung zur Thematik, da Sachlich-Ernstes von Historikern abgedeckt wird. Hingegen ein - auch das erfreulich - ein Box-Office-Erfolg.

Doch: Parodie, Persiflage, Satire, Ulk und Voll-Idiotie verkörpern die Bereicherung zu jeglicher Thematik nachhaltiger. Es auf die Spitze zu treiben mit dem Sujet sei angebracht. Dani Levys Versuch in dieser Hinsicht mag nicht das Ende der Fahnenstange sein, ist aber allemal ein respektables Kino-Vergnügen, bei dem man sich auch an Charly Chaplins The Great Dictator (1942) erinnert fühlt.

Allroundprofi Helge Schneider, 2006All das ficht den schon seit eh und jeh in Mülheim an der Ruhr verweilenden Barden Helge Schneider ohnehin kaum an. Er, der Junge von der Ruhr, der vor Zeiten hin und wieder und dann auch mal nicht im Mühlheimer Winkhaus auftrat, der spätere Doc Snyder, und, wie man im Pott sagt, Hans-Dampf in alle Gassen, oder wat?, macht den Adolf, den Hitler.

Er nimmt ihn hoch. Er macht ihn gut. Besser geht zwar immer, muβ aber erst noch gedreht oder inszeniert werden. Schneider, der laut Slogan und Untertitel gezwungenermaβen die "wahrste Wahrheit" zu Hitler präsentiert, brilliert. Wahrscheinlich hat er das - bescheiden, wie er ist - gar nicht vorgehabt. Ein Komödiant wie er, ernster Ruhrie, kann ja auch anders. Zum Beispiel. Oder?

Jedenfalls besser als Michael Degen, der glaubte, durch Hitlers Schäferhund Blondie romanesk etwas zum Thema beitragen zu können, indem er die Sicht des Köters wählte. Jaja.

Am Thema Hitler arbeiten sich seit 70 Jahren Künstler mit mehr oder weniger Erfolg ab. Dani Levy gehört nun auch dazu. Zum richtigen Zeitpunkt - nämlich zum Zeitpunkt der sich ob des Überdrusses aller dokumentarisch-belehrenden Medien regenden Menschen - weckt er das Interesse an der durch und durch durchgedrehten Person Adolf Hitlers.

Derartige Aufmerksamkeit zur Thematik erreicht kein noch so ambitionierter Geschichtslehrer. Leider.

© Henning Appelt

© GeoWis (2007-01-03; 19:06:13)

© Fotos: X-Film; Helge-Schneider-Homepage; EMI (Odeon)

Update (2007-01-04; 13:33:24): Wie heute bekannt wurde, mag Schneider die aktuelle Fassung des Films nicht.

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