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Littfers, Jonas: Der Western atmet noch
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Littfers, Jonas: Der Western atmet noch

Archetypen gesucht

Das oft schon totgesagte Film-Genre Western atmet noch.

Von Jonas Littfers (2007-01-10)

Auf zwölf Filmfestivals wurde der unter der Regie von Tommy Lee Jones 2005 gedrehte Western The Three Burials of Melquiades Estrada gezeigt, darunter in Cannes, Toronto, Moskau und Rotterdam. In 25 Ländern ist er seitdem angelaufen, etwa im deutschsprachigen Teil der Schweiz, in Finnland, Taiwan, Frankreich, Italien, Spanien, Australien. The Three Burials of Melquiades Estrada, 2005Jedoch bisher nicht in Deutschland. Es scheint, als sei das Genre nicht mehr ausreichend geeignet, deutsche Filmtheater zu füllen, wenn es sich nicht um die klassische Variante der Gute gegen die oder den Bösen handelt.

Epen wie Ang Lees Brokeback Mountain (2005) und Anthony Minghellas Unterwegs nach Cold Mountain (Cold Mountain; 2003), oder Kevin Costners Der mit dem Wolf tanzt (Dances with Wolves; 1990), waren zwar Kassenerfolge in Deutschland, aber eine bis in die Zehenspitzen reichende Spannung beim Betrachter zu bewirken, schafften sie nicht oder nur selten.

Die wirklich groβen Western der Filmgeschichte stammen von Regisseuren, die die Dramaturgie aufs Beste beherrschten und sie bis auf die kleinste Rolle glaubwürdig mit Archetypen besetzten. Arthur Penn, über den der Chronist Neil Sinyard schrieb, er sei ein intelligenter Regisseur, bewies dies mit Little Big Man (1970), in dem Dustin Hoffman (s. Titelfoto) und Faye Dunaway brillieren. Trotz seiner Länge von 147 Minuten hängt der Film an keiner Stelle durch.

Doch die spannungsgeladensten Western, entstanden in der Dekade von 1966 bis 1976, sind auch mit Penns Epos nicht vergleichbar. For a Few Dollars More (Per qualche dollaro in più; 1965) von Sergio Leone, der den Aufstieg Clint Eastwoods und Lee van Cleefs beförderte, und The Good, the Bad, and the Ugly (Il Buono, il brutto, il cattivo; 1966) von Sergio Corbucci, zum Beispiel, begründeten nicht nur den Italo-Western, sondern verdichten die zu erzählende Geschichte dermaβen zu einem durchgehenden dramatischen Spannungsbogen, daβ kaum Zeit bleibt, sich ein Erfrischungsgetränk zu gönnen.

Zuvor wegweisend in Dramaturgie und Hochspannung in diesem Genre waren John Hustons Der Schatz der Sierra Madre (The Sierra Madre Treasure; 1948), in dem Humphrey Bogart als von Goldgier zerfressener Habenichts in einer seiner eindrucksvollsten Rollen zu sehen ist, und 12 Uhr mittags (High Noon; 1952) von Fred Zinneman, mit Gary Cooper in der Rolle des einsamen Sherrifs Will Kane.

Franco Nero als Keoma, 1976Leone und Corbucci aber fügten der Spannung, menschlichen Abgründen und gefühlten Brutalität ein Element hinzu, das unmittelbar danach auch in die US-Western einfloβ: sichtbare Grausamkeit, und damit ein hohes Maβ an Authentizität, was sich bereits in den Django-Filmen mit Franco Nero andeutete. Daran mangelt es High Noon.

Überaus deutlich wird diese Grausamkeit etwa in Leones Meisterwerk Spiel mir das Lied vom Tod (C'era una volta il West; 1968), in dem Charles Bronson, Henry Fonda, Jason Robards und Claudia Cardinale zur Höchstform schauspielerischer Kunst gelangen. Das gelang auch Ernest Borgnine in Sam Peckinpahs The Wild Bunch (1969) oder Richard Harris in Ein Mann, den sie Pferd nannten (A Man Called Horse; 1970) von Elliot Silverstein. Zu den an Brutalität, Grausamkeit und Drama nichts zu wünschen übriglassenden Filmen des Genres gehört ebenso Ralph Nelsons Wiegenlied vom Totschlag (Soldier Blue; 1970). Von diesen Vorbildern profitierte auch Alejandro Jodorowskys Freak-Western El Topo (1970), der in den USA ein Renner als Midnight-Movie war.

Ernest Borgnine (re.) in The Wild BunchFast alle Western jener Dekade waren von tragenden Filmmusiken geprägt, wobei die Italiener auch hier den Takt vorgaben. Ohne Ennio Morricone, der für Leone und Corbucci komponierte, wären einige der Meisterstücke kaum denkbar. Zu den wichtigen Komponisten dieses Metiers zählt zweifellos auch das Bruderpaar Guido und Maurizio de Angelis, das für Enzo G. Castellaris Western Keoma (Keoma il vendicatore; 1976) die Musik erschuf.

Nach Keoma verschwand das Genre in dieser Form aus den Kinos und wurde durch Klamaukwestern ersetzt, die sich schnell abnutzten. Streng genommen gelang erst wieder zu Beginn der 1990er Jahre ein Box-Office-Erfolg mit einem Western, den es sich lohnte, anzusehen: Michael Manns Der letzte Mohikaner (The Last of the Mohicans; 1992), der die dramaturgischen Vorgaben etwa Leones und das Epische von Penns Little Big Man synergierte. Clint Eastwood hatte noch mittleren Erfolg mit Unforgiven (1992), und mit Tombstone (1993) von George P. Cosmatos ebbte die Qualität bereits wieder ab. Mit Jim Jarmuschs Dead Man (1995), hervorragend gespielt von Johnny Depp, kam noch mal ein ordentliches Westerndrama in die Kinos. Dann lange wieder nichts.

Franco Nero als KeomaKevin Costner versuchte es acht Jahre später mit Open Range (2003). Doch nimmt man Eastwood, der die männliche Hauptrolle seiner Filme gern selbst spielt, den Loner und Archetypus trotz fortgeschrittenen Alters noch einigermaβen ab, verkehrt sich diese Vorgehensweise bei Costners Western ins Gegenteil. Auch The Proposition (2005) von John Hillcoat, zu dem der Rockpoet Nick Cave das Drehbuch schrieb, konnte nicht überzeugen, obwohl er bei der letztjährigen Berlinale nicht die schlechtesten Kritiken bekam.

Nach derartig viel fehlgeschlagenen Versuchen, das Genre dauerhaft zu revitalisieren, ist es nicht verwunderlich, daβ deutsche Verleiher schon mal zurückhaltend reagieren. Tommy Lee Jones' Film hingegen lohnt. Jones, ein Archetyp für dieses Genre, hat sich an die Regeln gehalten. Franco Nero, der in diesem Jahr 66 wird, wäre als gealterter Keoma durchaus auch noch denkbar.

© Jonas Littfers

© GeoWis (2007-01-10; 19:14:20)

© Fotos/Abbildungen: Javelina Film Company; Warner Bros./SevenArts; Uranos Cinematografica

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