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Littfers, Jonas: Wiederentdeckt: Silkwood
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Duschen und Schrubben - und das Banjo

Im April 1984 kam Mike Nichols' Film Silkwood in die deutschen Kinos, ein Film, der die Bigotterie und Skrupellosigkeit von Atomkraftwerksbetreibern, deren Zulieferern und politischen Rahmengebern verdeutlichte.

Von Jonas Littfers (2007-04-10)

Die Welt war, wie man weiβ - und ab der 7. Klasse wissen sollte -, schon in den 1970er Jahren nicht mehr in Ordnung, wenn sie es denn jemals gewesen war. Die Sicherheit der Technik von Atomkraftwerken, einer technologischen Errungenschaft, die Ingenieuren, Mathematikern und Physikern ihrer Zeit das Maximum abverlangt hatte, schon gar nicht.

Meryl Streep als Karen Silkwood (1983). Foto: ABC/Mary Ellen MarkMit dem Störfall im US-amerkianischen AKW Three Mile Island nahe Harrisburg horchte die internationale Öffentlichkeit im Jahr 1979 erstmals auf. Mit dem GAU in Tschernobyl im April 1986 wurde sie - zumindest vorübergehend - wach und wachsam. Es war etwas geschehen, das weltweit lebensbedrohlich war.

Am 13. November 1974 kam Karen Silkwood, eine Metallurgie- Arbeiterin in einer Plutoniumfabrik, bei einem Verkehrsunfallums Leben. Silkwood, gespielt von Meryl Streep, Gewerkschafterin, war mit dem Auto zu einem Reporter mit der New York Times unterwegs gewesen, um ihm Dokumente über mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen und Strahlungsunfälle zukommen zu lassen. Wie es zu diesem Verkehrsunfall kam und weshalb die Dokumente nicht aufgefunden werden konnten, bleibt bis heute rätselhaft.

Der Film beginnt US-allerweltsmäβig. Karen Silkwood, ihr Freund Drew (Kurt Russell) und ihre Freundin Dolly (Cher) hocken in einem typischen Pappmaché-Haus am Rande der Kleinstadt Cimarron, Oklahoma, herum. Sie alle arbeiten in der Plutoniumfabrik 'Kerr-McGee', die Pellets produziert und der gröβte Arbeitgeber am Platz ist.

Die Tage und das Leben sind Routine. Drew pflegt nach getaner Schicht sein Bier, schläft mit Karen, kümmert sich um sein Auto. Dolly kommt ihnen nicht in die Quere. Sie fahren zum Einkauf zum Supermarkt, gehen manchmal, wenn der Schichtdienst es erlaubt, in eine Kneipe. Routine.

Meryl Streep, Kurt Russell, Cher, 1983. Foto: ABC/Mary Ellen MarkKaren, geschiedene Mutter ohne Sorgerecht, liebt ihre Kinder und freut sich auf das kommende Wochenende mit ihnen. Drew findet's in Ordnung. Alles geht seinen gewohnten Gang, bis eine Arbeitskollegin Karens verstrahlt ist und ihre Haut anschlieβend vom dilletantischen Betriebsarzt wundgeschrubbt wird.

Schutzanzüge gab es in den USA damals offenbar nur bei der NASA. In Plutoniumfabriken lief man in Kitteln herum und stellte sich nach Schichtende unter eine Dusche. Die Kollegin stirbt. Die Unternehmensleitung bedauert. Karen trauert und wird skeptisch.

Man ist in der Knüste Oklahomas, wo Gewerkschafter Unternehmensleitungen noch lästiger sind als in den Metropolen. Karen Silkwood ist die Laus im Pelz von 'Kerr-McGee'. Als sie nach einer Wochenendschicht selbst abgeschrubbt werden muβ, beginnt sie zu tiefer in den Pelz zu krabbeln und zuzubeiβen, was Firmenchef Morgan (Fred Ward) heftig juckt.

Meryl Streep als Karen Silkwood (1983). Foto: ABC/Mary Ellen MarkSie sucht die Öffentlichkeit, um die Miβstände in der Firma zu proklamieren, wird aber alleingelassen, weil sie keine Beweise auf den Tisch legen kann. Ein Reporter und ranghohe Gewerkschaftsvertreter greifen die Sache auf und bestärken sie, nicht aufzugeben.

Kollegen meiden sie, womit sie fertig wird, doch daβ auch Drew und Dolly ihr letztlich aktive Unterstützung verweigern, trifft sie ins Gemüt. Niemand mag seinen Job oder die provinzielle Schein-Idylle verlieren wollen. Karen zweifelt, fühlt sich desavouiert, läβt aber nicht locker.

Es ist eine Paraderolle für Meryl Streep, die 1977 in dem Film Julia groβ heraus kam, dann im preisgekrönten Vietnam-Drama The Deer Hunter (1978) neben Christopher Walken, Robert de Niro, John Savage und John Cazale - mit dem sie mal zusammen war -, daran anknüpfte und je einen Oskar für Kramer versus Kramer (1979) als Gegenpart von Dustin Hoffman und für Sophie's Choice (1982) bekam. Bis dato blickt sie auf 14 Oskar-Nominierungen zurück.

Regisseur Nichols zielt in diesem auf Authentisches bezogenen Drama, das deutliche Thriller-Elemente aufweist, recht eindringlich und überzeugend gleich auf Mehreres ab: Auf den zu jener Zeit trotz besseren Wissens skrupellosen Umgang mit radioaktiven Stoffen; auf mangelnde Loyalität oder auch Solidarität von abhängig Beschäftigten gegenüber ihren Kollegen; auf den rigorosen Umgang des menschlichen Störfaktors und den beschwichtigenden zum technischen Störfall. Zu einer Zeit, als Tschernobyl und Three Mile Island noch nicht geschehen waren; und auf die - politische - Publicitysucht von Gewerkschaftsfunktionären.

Meryl Streep als Karen Silkwood (1983). Foto: ABC/Mary Ellen MarkAufs Beste unterlegt ist der Film mit der von Georges Delerue komponierten Musik. Zu Beginn ein fast zartes, traurig-melancholische Banjo, das einen erahnen läβt: hier ist Drama das Genre.

Es ist dieses US-amerikanischste aller US-amerikanischen Instrumente, das den Film stark mitbestimmt, in die Szenen und Sequenzen stimmungstragend hineinstöβt, den Betrachter dees Films wie den Hörer des Soundtracks unvermittelt von Tragik auf Wohlfühlen umzuschalten in die Lage versetzt.

Nur wenige Kinofilme US-amerikanischer Produktion lassen das Banjo im Soundtrack zum Zuge kommen. Einer der bekanntesten ist sicherlich John Boormans Deliverance (1972; deutsche Titel: Fluβfahrt; Beim Sterben ist jeder der Erste), in dem ein jugendliucher Hillbilly - ein sichtbares Ergebnis von Inzucht - das Banjo so virtuos von Langsam auf Schnell behandelt, daβ die musikalische Kraft und teils betörende, ja zuweilen unheimliche Wirkung dieses doch so unscheinbaren Vier-Saiteninstruments einen vom Hocker hebt.

Delerue setzt auch Streicher ein, was szenisch der Tragik das Sahnehäubchen aufsetzt, um dann wieder das so leicht daherkommende Banjo bei 'Down The Highway' erklingen zu lassen. Und wieder Streicher, wenn Drew Karen verläβt. Der Komponist verzichtet auch nicht auf den schrillen Ton des Strahlungsmessers, der den Betroffenen unmiβverständlich signalisiert: That's it! We gotta go, have to do something - or will die.

© Jonas Littfers

© GeoWis (2007-04-10; 17:40:09)

© Fotos: ABC Motion Pictures/Mary Ellen Mark

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