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GeoWis-Serie Politischer Film (4): Syriana
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Rauhe Welt

Stephen Gaghans Film Syriana ist einer jener wenigen politisch glaubhaften Filme aus den USA nach 9/11, die sich am Realismus des französischen Films der 1970er Jahre orientieren und die Realität der US-Doktrin des frühen 21. Jahrhunderts einfangen.

Von Hubertus Molln (2008-04-29)

Es sind Lohnarbeiter und Gehaltsknechte aus armen, oft islamisch geprägten Ländern, die auf den Öl- und Gasfeldern ihrer Bruderländer schuften. Gewerkschaften oder Tarifautonomie existieren ebenso wenig wie Kündigungsschutz oder Arbeitsplatzgarantie. Sie kommen aus Pakistan, Bangladesh, Sri Lanka, Indien, Äthiopien oder Afghanistan.

 Sobald sie ins Land einreisen dürfen, um sich auf den Öl- und Gasfeldern zu verdingen, werden ihre Reisepässe einbehalten und erst wieder für einen Heimaturlaub oder bei Verlust des Arbeitsplatzes in Verbindung mit der zwangsläufigen Heimreise ausgehändigt.

Denn wer nicht spurt, gar aufmuckt, zuviel fragt oder gegen irgendwelche Regeln verstößt, wird kurzerhand entlassen und in sein Heimatland zurückgeschickt. Meist ohne den noch ausstehenden Lohn ausbezahlt zu bekommen.

Es sind die Habenichtse dieser Welt, die das Wort Arbeitsschutz noch nie gehört haben und sich so gut wie alles gefallen lassen müssen, um Einkommen zu erzielen; jene auch, die sich mitunter jahrelang fernab ihrer Heimat und ihrer Familien verdingen, um Letzteren ein Auskommen zu ermöglichen. Ihre Stütze: der Glaube. Ihre Hoffnung: der Armut entkommen.

 Ohne sie, die Massen an Ölfeldknechten, sprössen weder für die Ölkonzerne noch für die Scheichs die Profite ins schier Unermessliche. Und doch sind sie austauschbar. Niemand interessiert sich für sie als Individuen, niemanden interessieren ihre kleinen und großen Träume.

Freiberufliche oder auf der Payroll von Geheimdiensten stehende Killer sind kaum besser dran, obwohl sie das wahrscheinlich selten so sähen. Die im Sinne der Mächte und Konzerne mordenden Figuren sind Leute mit wenig Skrupeln, mit mehr oder weniger politischem Allgemeinwissen, mit speziellen Kenntnissen und oft mit schauspielerischen Fähigkeiten ausgestattet.

Mal ohne, mal mit Schlapphut daherkommende nice guys sind sie, mal unbedachte Manager, die nur ihren nächsten Verkaufsabschluss im Sinn haben, ansonsten aber mit - etwa - Politik nichts im Sinn haben oder haben wollen; mal 'Nach-mir-die-Sintflut'-Manager, die sich auf noch jede Art eines kommerziellen Geschäfts einlassen, solange sie ihre Provision einstreichen und ihr Fixum rechtfertigen können und mal mit Power-Point-Präsentationen und Statistiken ausgestattete Schnösel, die glauben, ihnen gehöre die Welt. Und nicht selten sind sie brave Naive.

 Stephen Gaghan hat sich das Energiegeschäft für seinen Film ausgesucht, und damit einen Bereich, der in jedem Land der Welt zu den Schlüsselsegmenten zählt - sei es als Bereitsteller, Verkäufer oder Abnehmer.

Das als Rahmen. Im Kern allerdings beleuchtet er jene Mechanismen und Figuren, die die Drecksarbeit leisten, und jene, die als Vorgesetzte und Funktionäre oder politische Vollstrecker die Fäden ziehen.

Als böte dies nicht schon genug Stoff für eine zweidimensionale Darstellung, pflegt Gaghan auch die bisher in westlichen Medien, vor allem in Kinofilmen, weitgehend unberücksichtigte Variante des Klüngels und der Machtspiele, der Hahnenkämpfe innerhalb der Klans Erdöl und Erdgas exportierender Länder in sein Drama ein, so dass ein Thriller-Effekt entsteht.

Gleich mehrere, teils miteinander verwobene Handlungsstränge prägen den Film, der keinen Protagonisten, allerdings eine Ansammlung von Stars aufweist. Co-Produzent George Clooney ist einer von ihnen. Er spielt die Rolle des CIA-Agenten Bob Barnes, eines Frontsoldaten sozusagen, der Deals einfädelt, denen kein schriftlicher Auftrag zugrunde liegt.

 Ein Agent, der sich nicht darum schert, wenn eine Autobombe hochgeht; der sich foltern lassen muss, und der das Große Ganze nicht zu überblicken scheint, aber plötzlich Partei ergreift, weil er Ränkespiele erkennt, nicht aber, dass er doch nur eine kleine Nummer ist.

Für einen wie Barnes geht es in Gaghans Film nicht um Geld. Er bekommt seinen Sold, ist eingestuft in eine Gehaltsgruppe. Um Geld geht es beispielsweise der Anwaltskanzlei, die eine Fusion zweier Engergiekonzerne betreut - Connex, ein fiktiver Multi aus Houston, und Killen aus Kasachstan - und mit humanitären oder dem Guten im Menschen wie im Business nichts zu tun hat.

Der der Kanzlei vorstehende Chef Dean Whiting, gespielt vom Kanadier Christopher Plummer, bringt diese rigorose Sachlichkeit und Kühle auf den Punkt. Die Kanzlei vertritt die Engeriefirma, deren Vorsitzender Jimmy Pope, dargestellt von Chris Cooper, keine Verwandten kennt, wenn es ums Business geht.

Das Credo von Connex und deren Anwälten und Vermittlern (einer davon: Bennett Holyday, gespielt von Jeffrey Wright) ist klar: Solange keine Autos gebaut würden, die "mit Wasser laufen", und solange das "Chaos im Nahen Osten" weitergehe, gelte es, sich aktuellen Problemen zu widmen. Hier: der Fusion zweier Energiekonzerne.

 Nicht alle Akteure in diesem Spiel sind so kühl wie sie es vielleicht sein müssten. So der bei einem TV-Sender angestellte Aktienanalyst Bryan Woodman (Matt Damon), der täglich die neusten Ups und Downs der börsennotierten Unternehmen zu verkünden hat.

Er, Vater dreier Kinder, gerät ins Mahlwerk des sich um Macht und Geld drehenden Geschehens, als er den Sohn eines darniederliegenden Ölscheichs berät. Er fühlt sich nicht nur geehrt, als Analyst und Berater gefragt zu sein, sondern auch in der Pflicht für seinen Arbeitgeber.

Als eines seiner Kinder während einer Pflichtveranstaltung für seinen Arbeitgeber in einem Luxusresort zu Tode kommt, ist es mit Woodmans Mittelschichtsidylle vorbei, die er mit seiner Frau Julie (Amanda Peet) bis dahin pflegte. Er realisiert nicht, dass er missbraucht wird, weshalb er nur schwerlich etwas dagegen zu unternehmen in der Lage ist.

 Es gibt sie also, die braven Analysten, die so gar nichts mit jenen Börsen-Weißkragen zu tun haben, wie sie vor allem seit den frühen 1980er Jahren entstanden sind.

Jene nassforschen Einserabsolventen renommierter Wirtschaftsfakultäten eben, denen es ohne Rücksicht auf Verluste nur um ihre Provisionen geht. Woodman bezahlt einen hohen Preis, weil er sich auf Terrain wagt, das nicht für Leute seines Kalibers geschaffen ist.

Woodman ist ein Zulieferer und Anbieter von Dienstleistungen, die auf seiner Ausbildung und seiner Position innerhalb der Firma, für die er arbeit, gründet. Bob Barnes ist ein kleiner Vorarbeiter und Frontschwein für seine Firma, die CIA.

 Dean Whiting und seine Kanzlei sind auch nur Zuträger und Bereitsteller von Dienstleistungen. Und selbst das amerikanische Militär ist nichts anderes als ein logistisch und technisch gut ausgerüsteter Dienstleister, prinzipiell aber auf einer Ebene mit Folterknechten auf allen Seiten.

In diesem Film scheinen sich die Hierarchieebenen zu verweben. Jeder hält sich für wichtig. Gaghan gelingt es, genau diese Scheinbarkeit darzustellen und sie zu entlarven.

Denn zwei Dinge haben alle in diesem Film auftretenden Dienstleister und Zuarbeiter, seien es die auf den Energiefeldern Arbeitenden gemeinsam, seien es die Geheimdienstler jeglicher Ebene, seien es die Folterer disharmonierender Parteien, sei es der Börsenanalyst oder die Anwaltskanzlei: sie sind weder Gestalter, noch Entscheider.

Sie alle sind nichts weiter als Werkzeuge, Instrumente, Puzzleteile, die zu einem Ziel führen sollen, das - dröselte man es in seine vielschichtigen Bestandteile auf - wohl selten das ihre wäre. Entschieden und gestaltet wird anderswo. Etwa bei Connex, stellvertretend für die Belange eines Konzerns, der global agiert und in Geschäftsfeldern tätig ist, die das Leben von Milliarden Menschen betreffen - und beeinflussen.

 In Syriana sind es fossile Energierohstoffe. Anderen Konzernen geht es um Nahrungsmittelrohstoffe, um Trinkwasser, um Saatgut, um IT-Technologien, um Wohnungsbau oder um Edelmetalle. In Bereichen, in denen es um mehrstellige Milliardensummen und -profite geht, braucht es Dienstleister aller Coleur.

Der Markt an diesen Dienstleistern ist üppig bestückt. Mitunter geht man sogar für ein regelmäßiges Einkommen morden, spionieren, sabotieren. Dass sich da jemand mal wehren könnte, ist einkalkuliert.

Gaghans Film, so vielsträngig er auch sein mag, unterstreicht, wer Gestalter und Entscheider sind. Dies allein schon ist den Besuch des Films - oder den Kauf der DVD - wert. Es ist ein Grundsatzfilm.

© Hubertus Molln

© GeoWis (2008-04-29)

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