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Maria Teresa Camoglio: Die dünnen Mädchen
[405]

"So ein leeres Gefühl"

Von Magersucht, einem Thema, das häufig mit Models der Modebranche in Zusammenhang gebracht wird, handelt Maria Teresa Camoglios Film Die dünnen Mädchen, der auf dem bundesweiten Filmfest 'ueber Macht' gezeigt wird. Ganz ohne Mode und andere Klischees.

Von Liz Bremer (2009-01-24)

Sie sind durchweg hübsch und sympatisch, können sich artikulieren und kommen aus unterschiedlichen Regionen. Sie alle eint, daß sie an Anorexie oder anderen lebensbedrohlichen Eßstörungen litten und teils noch leiden. Sie alle sind Patientinnen in der Klinik Lüneburger Heide im niedersächsischen Bad Bevensen. Die Klinik ist auf Aneroxie und Bulimie spezialisiert. Dort und in deren Umgebung wurde gedreht.

 Elf junge Frauen, zum Zeitpunkt des Drehs (September bis November 2007) Patientinnen in dieser Klinik, stellen sich, erzählen reflektierend, wie es ihrer Auffassung nach dazu gekommen war, daß sie an sich dramatisch auswirkenden Eßstörungen zu leiden begannen und wie diese sie zu Wracks werden ließen, zu Schatten ihrer selbst. Sie heißen Lisa, Madalena, Isi, Curly, Susanne, Karin, Sonja, Anne, Cora, Elisa, Hilke. Sie öffnen sich, sprechen über ihre Geschichte.

Auf eine erläuternde oder kommentierende Erzählstimme hat Regisseurin Camoglio verzichtet. Was dem Film sehr zugute kommt, ihm ein wesentliches Moment von Authentizität verleiht. "Vor allem wollte ich die Mädchen erzählen lassen, wie sie die Krankheit erleben. Ich wollte sie zu Wort kommen lassen. Das hat ihnen gefallen", sagt Camoglio im Interview mit dieGesellschafter.de.

Der Film beginnt sachte, zeigt die Frauen unter professioneller Anleitung von Alessandra Cercola beim Einstudieren von Flamenco-Tänzen. Alle sind konzentriert, alle wirken graziös. Es sind nicht die schauerlichen Bilder von Ausgemergelten, obwohl einige Stills, die an die abgemagerten Häftlinge von Hitlers KZs erinnern, kurz gezeigt werden. Die jungen Frauen haben sich alle bereits erholt, stehen nicht mehr am Abgrund. Aber sie alle waren ausgemergelt, dem Tode nah, bevor sie in diese Klinik kamen.

 Manchen von ihnen ist Traurigkeit anzusehen, manchen Gleichmut, manchen ein winziger Anflug von Frohsinn. Der Flamenco-Workshop ist nicht Bestandteil der Therapie, wie im Abspann des Films mitgeteilt wird, aber er scheint den jungen, immer noch äußerst grazilen Damen durchaus zu gefallen. 

Magersucht beginne "wie ein Spiel" und werde "bald zu einer Sucht", sagt Camoglio. Das bestätigt der Film, der völlig frei von Einspielern, Statistiken, Grafiken und Gesprächen mit Fachleuten ist. "Es ist eine der schlimmsten Suchtkrankheiten unserer Zeit. Etwa 10% sterben infolge der Anorexie."

Eine Faustformel, um sich vor der Krankheit zu schützen, scheint es nicht zu geben. Hingegen sind die Ursachen, in sie hineinzugeraten, vielfältig. Am in der Model-Welt so vorherrschenden Body-Maß-Index (BMI) hat sich dem Film zufolge keine der Patientinnen orientiert. Eher waren einschneidende persönliche Erfahrungen und Ereignisse der Auslöser für den Weg in die Krankheit.

Madalena etwa, die im April 2004 ihr 1. Staatsexamen in Medizin gemacht hatte, sagt: "Auf einmal war es da, und es ging nicht wieder weg." Sie wirkt vor der Kamera genauso gefaßt wie alle anderen Patientinnen und hat wie die anderen bereits an Gewicht zugenommen. Sie berichtet, daß sie damals Veränderungen bemerkt habe, "die Zehnägel" abgefallen seien, und sie trotz ihrer medizinischen Ausbildung nicht gesehen habe, wie sehr sie von ihrer Krankheit befallen gewesen sei.

Sie kann ihre Krankheit in druckreifer Ausdrucksweise erklären, wie alle jungen Damen. Kein Gestammel, keine syntaktischen Brüche oder Verrenkungen. Sie spricht ruhig, wirkt ausgeglichen, und doch spricht sie über sich aus der Distanz. Als spräche sie über jemanden anders, über eine andere Madalena, eine, die ihr zwar bekannt, dennoch fremd zu sein scheint.

 Sie ist ernst, nur spärlich entweicht ihr ein Anflug von Lächeln. Diese Ernsthaftigkeit und dieses Spärliche wirken wie eine halbtransparente Kälkung, ein Übertünchen des hinter ihr zu liegen scheinenden Leidenswegs.

Später im Film bricht es aus ihr heraus, ringt sie um Fassung. Madalena ist sich bewußt, daß sie eine Überlebende ist. Sie ist erst 26.

Isi ist erst 18, und damit eine der jüngsten der elf Frauen. Auch sie ist wieder zu Kräften und Gewicht gekommen. Auf Normalgewicht ist sie noch nicht.

Sie sagt in Reflexion auf ihre Anorexie: "Die Welt ist entweder zu hart für uns oder wir sind zu weich für die Welt. Deshalb sind wir in eine andere Welt gegangen." Auslöser ihrer Eßstörung sei der 11. September 2006 gewesen, "als meine Schwester gestorben ist."

Es sind einfache, aber eindringliche Worte, die die junge Frau sagt. Sie ließen sich wissenschaftlich prägnant formulieren, um in Dissertationen einzufließen, aber notwendig wäre das nicht. Es sind klare Worte, die jeder Mensch versteht und in einer Dissertation jederzeit verwendet werden könnten.

 Sechs Wochen lang habe sie gar nichts gegessen. Binnen eines Jahres habe sie 28 Kilo abgenommen. "Ich habe versucht, zu sterben (...)." Mit dem Tod ihrer Schwester sei der "wichtigste Mensch" weg. Isi wird später im Film lächeln, wenn sie in der Lehrküche mit anderen ein Essen zubereitet.

Camoglio gelingt es, die jungen Frauen über etwas sprechen zu lassen, das äußerst intim ist. Dem Betrachter mag es gar vorkommen, als wäre der Film ein Beitrag zur Therapie. Wenn er es wäre - umso besser.

Die Reflexion über die Krankheit, das zuvor Erlebte, die möglichen Auslöser und die Art, wie mit allem umgegangen wurde, ist Teil des methodischen Vorgehens der Klinik Lüneburger Heide. Sich sehen als man dem Tode nah war, auch in Bezug auf seine Umwelt, ist einer der Ansätze dieses bemerkenswerten Films.

"Der Film wäre ohne Zustimmung der Mädchen und der Leiterin der Klinik nicht erschienen. Mit Herzklopfen haben wir ihnen den Film gezeigt. Nach der Vorführung waren die Mädchen stolz und glücklich. Sie waren überrascht zu sehen, dass man einen verständlichen Film über die Krankheit machen kann", sagt die Regisseurin.

Sie hatte es vom Alter her mit erwachsenen, intelligenten und gebildeten jungen Frauen zu tun, die sich teils mit dem Erwachsenwerden so sehr schwertaten, daß sie in Aneroxie oder Bulimie verfielen. So Susanne (22), die sagt: "Man kann nicht immer stark sein." Sie habe ganz lang nicht mehr gelacht.

 Auch sie spricht ruhig, reflektiert präzise, und als den Film betrachtender Laie könnte man sich fragen: Wie konnten diese jungen Frauen nur in eine derartige Krankheitsspirale gelangen? 

Oder Lisa, die mit 16 Jahren für ein halbes Jahr nach Südafrika ging und sich dort einsam fühlte. Sie "kann keinen festen Zeitpunkt" ausmachen, wann die Krankheit angefangen habe. Aber sie wisse, daß sie "mit dem Erwachsenwerden überfordert" gewesen sei. Sie sei "seit sieben Jahren magersüchtig", es sei nun ihr "sechster Klinikaufenthalt" und sie hoffe, daß es ihr "letzter" sei.

Sie spricht wie ihre anderen im Film zu Wort kommenden Leidensgenossinnen formvollendet, und so wird neben der Dramatik der Krankheit klar, daß potentielle Leistungsträgerinnen der deutschen Gesellschaft schon früh durch psychosomatische Krankheiten daran gehindert werden, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden.

Von Schwierigkeiten, sich zurechtzufinden, erzählt auch Sonja. Nicht im Großen Ganzen, sondern wie alle im Kleinen, Persönlichen. Sie habe immer gewußt, wie dünn sie sei, sagt sie. Einfachste Dinge - mag man meinen - konnte sie nicht einschätzen.

"Ich wußte nicht, wieviel ich essen mußte." Sie sei seit mehr als 24 Wochen "hier" und habe über 20 Kilo zugenommen, und das sei "ein ganz neues Lebensgefühl." Vorher sei sie sich "selber egal" gewesen, habe sich nicht entscheiden können, ob sie leben oder sterben wolle. Und so habe sie gar nichts gemacht und einfach weitergelebt, "solange, bis ich nicht mehr konnte." Eine kurz eingeblendete Aufnahme zeigt sie als Haut-und-Knochen-Mensch.

 Unweigerlich stellt sich beim Betrachten des Films die Frage, inwieweit unsere Gesellschaft negative Voraussetzungen schafft, die Menschen in Anorexie und Bulimie - oder, in Kontrast, Adipositas (Übergewichtig- und Fettleibigkeit) - drängt.

Doch Camoglios Film ist keine Studie. Vielmehr ist er eine Offenbarung abseits auktorialer Erkenntnis. Er ist ein erschreckendes Dokument über eine Krankheit, das ohne Pathos oder Zeigefinger auskommt.

Es ist auch ein Film, der in der Ausbildung von mit Anorexie sich befassenden Studierenden einschlägiger Fachrichtungen - Sozialpädagogik, Medizin, Psychologie - Berücksichtigung finden sollte.

Anorexie und Bulimie sind, das wird in Camoglios Film deutlich, keine in ein straffes Schema einzuordnenden Krankheiten. Hinter jeder Eßstörung steht ein individueller Auslöser. Manchmal sind es die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die Angst und Unsicherheit verbreiten und zur Orientierungslosigkeit junger Menschen beitragen, manchmal ist es die Beschädigung von Seelen.

Die im Film zu Wort kommenden elf jungen Frauen bestätigen dies auf bisher kaum gekannte Weise.

© Liz Bremer

© GeoWis (2009-01-24)

Sämtliche Bilder sind Screenshots mit freundlicher Genehmigung von dieGesellschafter.de

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