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Jason Kohn: Manda Bala/Send a Bullet/Schick eine Kugel
[410]

Desillusioniert vom Justizsystem

Eine der beeindruckensten Dokumentation jüngerer Zeit über Korruption, Organisierte Kriminalität und Armut in Brasilien liefert Jason Kohn mit seinem Film Manda Bala (dt.: Schick eine Kugel). Auch dieser Film ist im Rahmen des Filmfests 'ueber Macht' in Deutschland unterwegs.

Von Tom Geddis (2009-01-31)

In Brasilien dürfe der Film nicht gezeigt werden, wird dem Betrachter zu Beginn per Untertitel mitgeteilt. Das macht Sinn, denn womöglich überlebten die im Film zu Wort kommenden Personen keine drei Vorstellungen. Tatsächlich ist er dort sogar verboten. Somit macht Regisseur Jason Kohn schon zu Anfang klar, wie es um das größte lateinamerikanische Land - sowohl hinsichtlich seiner Fläche, als auch seiner Bevölkerungszahl - und das flächenmäßig fünftgrößte der Welt steht: schlecht. Äußerst schlecht.

 Brutalität ist an der Tagesordnung. Sie beginnt oben und endet unten. Sie zieht sich durch die brasilianische Ober- und Unterschicht wie ein blutiger Faden.

Auf der Strecke bleiben dabei die Bewohner großstädtischer Slums (favelas) und ruraler Regionen. Zu den Gewinnern gehört die Kaste der Nachkommen der portugiesischen Raubritter, die vor 500 Jahren ins Land eingefallen waren.

Sie haben sich festgesetzt in einflußreichen Positionen von Politik, Justiz, Wirtschaft, sitzen an den Fleischtöpfen und wissen, wie man auch Jahrhunderte nach der Konquista den Status quo der Ausbeutung aufrechterhält.

Der Film beleuchtet dieses immer noch die Macht vereinigende und haltende konquistadorische System, an dem sich trotz des pseudosozialistischen Präsidenten Luiz Inácio da Silva, genannt Lula, der seit 1. Januar 2003 als Nachfolger des Abwirtschafters Fernando Henrique Cardoso (77; Amtszeit: 1995-2002) Brasilien regiert. 

Er zeigt, welcher Konzepte und Machenschaften sich Politiker bedienen, um sich auf kriminelle Weise zu bereichern. Beispielhaft am - soweit bekannt - bisher korruptesten brasilianischen Governeur und Senator, Jadar Barbalho, aus dem nordöstlichen Bundesstaat Pará, der später in die Mikrophone von Reportern wie ein Übergeschnappter rufen wird, er werde wieder Senator, wenn er es wolle.

Barbalho gehören Rundfunk- und Fernsehstationen, Verlage, Agenturen und anderes Gewerbe. Mit seinen Medienunternehmen steuert er zumindest in seinem Bundesstaat einen Großteil der öffentlichen Meinung. Finanzieren konnte das der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Politiker nur mit unlauteren Mitteln.

 Zwei Milliarden US-Dollar soll er im Laufe seiner Amtszeiten als Governeur des Bundesstaates Pará und Kongressmitglied unterschlagen und für eigene Zwecke verwendet haben; einen Großteil davon habe er laut Dokumentation aus dem noch unter der Präsidentschaft Cardoso aufgelegten Regionalentwicklungsprogramm SUDAM (Superintendência do Desenvolvimento da Amazônia) generiert.

Mit SUDAM habe die brasilianische Regierung unterfinanzierte Bauern, Klein- und Mittelunternehmen genauso fördern wollen wie Betriebs- und Existenzgründer im eher armen Norden und Nordosten des Landes. Ob dieses Programm in erster Linie dazu vorgesehen war, parteipolitische Mehrheiten schaffenden Regionalpolitikern eine Option zum Zugreifen zu ermöglichen, wird im Film nicht gesagt.

Barbalho aber habe sich als findig in der Verwendung der Mittel und der nachträglichen, fiskalischen Legalisierung eines Großteils seines unlauter zustande gekommenen Einkommens gezeigt, indem er aus dem SUDAM-Programm Mittel für einerseits fiktive Betriebe und Projekte genehmigte, andererseits Unternehmen damit gründen ließ, die ihm Geld wuschen.

Beispielsweise eine Froschfarm, die weltgrößte. 300.000 Dollar seien dafür vorgesehen gewesen. Barbalho habe neun Millionen abgezweigt, so Helbio Diaz, zum Zeitpunkt der Filmaufnahmen Bundespolizei-Direktor und Chefermittler in Sachen SUDAM. Kohn bekommt den Betreiber der Froschfarm vor die Kamera, der aber will sich zu den näheren Umständen nicht äußern, solange die Kamera läuft, sagt aber auch so genug.

 Die Frösche stehen für eine Methapher, die kein Drehbuchautor der Welt sich wohl besser hätte ausdenken können. Sie werden, sobald sie hungrig sind und keiner ihnen leicht zu erbeutender Nahrung - etwa Insekten - habhaft werden können, zu Kannibalen, fressen ihresgleichen, vorzugsweise noch nicht erwachsene Exemplare. Doch auch die erwachsenen Frösche werden verspeist, von Omnivoren, Allesfressern wie uns.

So labt sich etwa die brasilianische Mittel- und Oberschicht an frittierten Fröschen aus der als Geldwaschanlage dienenden Froschfarm, während in den Ballungszentren die Armut in den Favelas grassiert, Brutalität und Kriminalität produziert - im Film am Beispiel Sao Paulo dargestellt -, wie man sie in städtischen Großräumen westlicher Länder oder Chinas gar nicht kennt.

Was seit Jahren wesentlich aus Kolumbien, Mexiko und einigen wenigen afrikanischen und arabischen Staaten bekannt ist und meist von Rebellenorganisationen betrieben wird, hat sich in Sao Paulo zum Geschäftsmodell Organisierter Kriminalität entwickelt: Entführungen.

Die Entführer gehen dabei mit konsequenter Brutalität vor, wie der Film zeigt. Dabei wenden sie ein Prinzip an, das im Sommer 1973 die internationale Öffentlichkeit schockierte. Damals war der Enkel des amerikanischen Ölmoguls Jean Paul Getty (1892-1976), John Paul Getty III., kurz nach seinem 17. Geburtstag in Rom entführt worden.

Knapp dreineinhalb Millionen Dollar Lösegeld forderten die Entführer vom alten Getty, der als Geizkragen bekannt war. Er weigerte sich zu bezahlen, woraufhin die Kidnapper seinem Enkel ein Ohr abschnitten und es der Familie zuschickten. Nach fünf Monaten kam Getty III. frei, nachdem sein Großvater endlich gezahlt hatte.

 So lange warten die Entführer in Brasilien nicht. Nicht selten schneiden sie ihrem Opfer, das in der Regel aus einer wohlhabenden Mittel- oder Oberschichtsfamilie stammt, sofort ein Ohr oder einen Teil des Ohres ab, schicken es der Familie mit der Lösegeldforderung zu und drohen an, wenn nicht gezahlt würde, werde das Entführungsopfer getötet.

Meist zahlt die Familie recht schnell, aber es gibt auch solche Familien, die sich wie Gettys Großvater verhalten, erst mal nicht zahlen, die Polizei einschalten, auf Zeit spielen. Meist sehen sie das Entführungsopfer dann im Leichenschauhaus wieder.

Kohn gelingt es, einen Entführer vor die Kamera zu bekommen. Er tritt maskiert auf und gibt einen Einblick in die Strukturen und Strategien, die sich - schaut man genauer hin - kaum von jenen unterscheiden, die bei Typen wie Barbalho zu finden sind.

Der Unterschied: direkte Gewalt seitens der Entführer, strukturelle Gewalt seitens des brasilianischen politisch-ökonomisch-juristischen Komplexes, wobei nicht ausgeschlossen ist, dass die Barbalhos auch direkte Gewalt als Option im Portfolio haben.

Magrinho, wie der aus einer Favela Sao Paulos stammende und dort aufgewachsene Killer heißt, der in Kohns Film zu Wort kommt, habe mit neun Jahren begonnen, kriminell zu werden. Diebstähle, dann Raube, später Bankraube. Letztere hätten ihm so zwischen 30.-40.000 Dollar in der Woche eingebracht, was zu wenig gewesen sei.

 Emotionslos teilt er mit, dass er sich dann auf Entführungen spezialisiert habe, die mehr einbrächten, wozu es aber einer ganz anderen Vorgehensweise bedürfe, als es beim Bankraub der Fall sei. Observation des in Betracht kommenden Opfers, um Gewohnheiten, Wege, soziale Kontakte und berufliches Umfeld zu studieren. Dafür gebe es Leute. 

Vor dem Ausbaldovern müsse ein Zeitplan festgelegt werden und klar sein, wo das künftige Opfer versteckt und malträtiert werden könne. Räumlichkeiten müssten angemietet werden. Dafür gebe es Leute.

Dann müsse überlegt werden, wie man des ausgeguckten Opfers habhaft werden könne und welche Waffen man einsetzen wolle oder müsse. Auch dafür gebe es Leute.

Was er auch erzählt: er habe neun Kinder, das zehnte sei unterwegs. Er beanspruche das Lösegeld nicht für sich, sondern bezahle die Leute, die an der Entführung beteiligt gewesen seien und sorge zudem dafür, dass in der Favela, in der er wohne, Verbesserungen eintreten. Er bezahle Strom- und Gasrechnungen für die Leute, finanziere Baumaßnahmen, Lebensmittel, Medikamente, Schulen, Kindergärten.

Es ist das Pablo-Escobar-Prinzip¹, das er durchführt. Und gleichzeitig, so der durchweg ohne Kommentierung, nur mit Originalton und deutschen Untertiteln daherkommende Film, eine Weise, mit der sich die von den Nachkommen der portugiesischen Eroberer Brasiliens unterdrückte und im Stich gelassene autochthone Bevölkerung etwas zu nehmen versucht, das ihnen bisher verwehrt wird: Ausstieg aus der Armut und Gleichheit vor dem Gesetz. Sie sind desillusioniert vom Justizsystem und dem, was ihnen die Regierung anbietet.

Kohn zeigt in seinem Film, wie es zugehen kann, wenn der Großteil einer nationalen Bevölkerung unter der Saftpresse liegt. Moral, Ethik, Vertrauen in den Rechtsstaat existieren kaum oder gar nicht. Niemand lebt es vor. Das Gegenteil ist der Fall, betrachtet man Barbalho und dessen Macht, die so weit reicht, daß Richter sich scheuten, ihn zu verurteilen.

Längst hat sich rund um die Entführungen jede Menge Gewerbe etabliert. Um die Opfer, denen ein Ohr -oder beide - ganz oder teilweise abgeschnitten, manchmal auch abgebissen wurde, kümmern sich später Plastische Chirurgen, von denen im Film einer zu Wort kommt, der sich aufgrund seiner Künste mit Gott vergleicht.

 Wer sich keinen Hubschrauber leisten kann, mit denen die Oberschicht von Dach zu Dach fliegt - nirgendwo seien mehr Hubschrauber unterwegs als über den Dächern von Sao Paulo -, muss sein Auto panzern. KFZ-Umrüster leben gut davon.

Genauso wie das Bodyguard-Gewerbe und Firmen, die spezielle Fahrverhaltenstrainings mit gepanzerten Autos anbieten, wobei beispielsweise mit Farbmunition Entführungsszenarien simuliert werden.

Manchen Teilnehmer schockt das. So 'Mr. M', einen jungen Unternehmer, der in der IT-Branche unterwegs ist. Er fährt einen gepanzerten Porsche, der ihn fast ein halbe Million Dollar gekostet habe.

Weshalb er nicht fortgehe aus Sao Paulo, wird er im Interview gefragt. Er habe hier seine Freunde, seine Existenz und mag Sao Paulo. Jeden Tag aber fährt die Angst mit, wenn er in seinem Flitzer unterwegs ist, und sie steige, sobald er an einer Ampel anhalten müsse.

Kohn, der mit Manda Bala 2007 auf dem Sundance Film Festival sein Regiedebüt gab und gleich den Grand Jury Prize erhielt, dokumentiert ein grausames Brasilien. Fünf Jahre habe er an diesem Film gearbeitet, der auch aufgrund der von Heloísa Passos geführten Kamera Kinoqualität hat.

Das ernste, ja düstere Dokument der Zeitgeschichte, das bis weit in die erste Amtszeit von Lula da Silva reicht, zeichnet ein Brasilien, das die Welt so nicht braucht. Trotz Präsident Lula - der Gastgeber des diesjährigen Weltsozialforums, dem Gegengipfel zum Weltwirtschaftsform in Davos, ausgerechnet im Barbalho-Bundesstaat Pará in der Amazonas- und Favela-Metropole Belém war -, sind Korruption und Verbrechen noch allgegenwärtig.

 Mutige Leute, wie der im Film zu Wort kommende, inzwischen ehemalige Generalstaatsanwalt Cláudio Fonteles, kämpfen gegen Windmühlenflügel. "Korruption ist das Bindeglied zu allen Verbrechen", sagt der selbst von den Portugiesen abstammende, zur gehobenen Mittelschicht gehörende Fonteles. Er ist ein Mann des Rechts und auf der Seite der Gerechtigkeit.

Dass Recht und Gerechtigkeit und soziale Integration statt Segregation oder Ausgrenzung in Brasilien nicht an erster Stelle auf der Agenda stehen, ist immer noch offensichtlich. Am 29. Juni 2005 war Fonteles seinen Posten los. Sein Nachfolger ist der blasse Antonio Fernando Barros e Silva de Souza, der auch sein Vorgänger war. Ordem e Progresso, Ordnung und Fortschritt, hat sich Brasilien auf die Nationalflagge geschrieben. Wer den Film gesehen hat, stellt fest, dass das Land von beidem weit entfernt ist.

¹ Der Terminus ist vom Verfasser gewählt. Pablo Emilio Escobar (1949-93) war ein kolumbianischer Drogenzar, der seine zweifelhafte Karriere in den frühen 1970er Jahren begann und später Chef des Medellín-Kartells war. Er ließ Richter, Staatsanwälte, Politiker und Polizisten ermorden und gehörte zu den von den USA meist gesuchten Verbrechern und wurde zum Staatsfeind Nummer 1. Escobar finanzierte mit seinen Drogengeldern Siedlungsbau für die Armen, gab ihnen legale Jobs, indem er Unternehmen gründete - die auch als Geldwaschanlagen funktionierten - baute Schulen, Kindergärten usw. Am 2. Dezember 1993 wurde er von einer Spezialeinheit, bestehend aus US- und kolumbianischen Kräften, erschossen. Seiner Beerdigung sollen mehr als 20.000 Menschen beigewohnt haben.

© Tom Geddis

© GeoWis (2009-01-31)

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