GEOWIS Logo
GeoWis ONLINE-MAGAZIN
17. Oktober 2017
Home |  Login | Kontakt | Verlag | Links   
Download-Archiv
eBook/eText Downloads
Science & Technology
Selected Portraits
Artikel & Reportagen
Deutsche Sprache
Meinungen
Musik
Rezensionen
Film
Interviews
Schnellsuche
 
Verwenden Sie Stichworte, um einen Beitrag zu finden.
Erweiterte Suche
Ankündigung

Kostenlose Downloads (Auswahl)

Demographie: Que sera, sera. The future's not ours to see. Die BBR-Bevölkerungsprognose in Konfrontation mit der Realität. Von Hansjörg Bucher und Claus Schlömer

Stefan Z. Dmochowski - The Olowo of Owo

Klaus von Bröckel - Djibouti: 18. März 1987

Lesetipps

Tourismus

Wohin geht die Reise? >>

Reisen im Geburtsland Makesis >>

China-Reportagen

Chongqing - Stadt im Nebel >>

Chongqings Altstadt Ciqikou >>

Carrefour in China >>

Diaoyucheng, Hechuan >>

Beijing by Bike >>

Der chinesische Traum 1 >>

Der chinesische Traum 2 >>

Der chinesische Traum 3 >>

Spanien-Reportagen

Paxe Ryanair, Iberia! >>

High Speed Tag und Nacht >>

Der Tod kommt zweimal >>

Tarragona - Baila conmigo >>

Málaga - Glut des Südens >>

Japan-Reportagen

Hakone >>

Hakone Open Air Museum - Im Reich der Skulpturen >>

Frankreich-Reportagen

Nizza - Zwischen Arm und Reich >>

Vence - Kultort der Kultur ... >>

Nizza - Champagner muss sein >>

Côte Basque - Saint-Jean-de-Luz >>

Mauerfall-Reportagen

"Ich werd' bekloppt!" >>

"Keine Ahnung, wie die lebten" >>

"Wir wollen die D-Mark!" >>



Deutsche Sprache, schwere Sprache - Horst Köhlers Interview mit Christopher Ricke im Deutschlandradio ist ein Lehrstück über ein Deutsch, wie man es nicht sprechen sollte
[685]
koehler_masar_big.gif

Tränen in den Augen

Bundespräsident Horst Köhler erntete dieser Tage viel Kritik, weil er in einem Interview mit Christopher Ricke vom Deutschlandradio den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr mit wirtschaftlichen Interessen verknüpfte. Auf Satzbau und Grammatik wurde dabei nicht eingegangen. 

Von Nina Brenthäuser (2010-05-28)

Dass Horst Köhler kein so formvollendetes und geschliffenes Deutsch wie etwa Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker spricht, ist spätestens seit seinem Amtsantritt 2004 bekannt. Zwischen Köhlers eigentümlichen Satzbau und dem, was im Deutschunterricht gelehrt wird, liegen allerdings Welten. Grund genug, das Köhlersche Deutsch mit dem normalen zu vergleichen.

Nachfolgend Köhlers Antworten auf Christopher Rickes Fragen. Dazu ein wenig Nachhilfe in Form von Übersetzungsvorschlägen unter Wahrung des Inhalts. Allzu misslungene Konstruktionen sind in Rotschrift markiert.

O-Ton Horst Köhler: Nun, ich habe im letzten Sommer 2009 besucht in Sachsen-Anhalt ein Trainingszentrum der Bundeswehr, Trainingszentrum für den Einsatz in Afghanistan, habe mich also sozusagen dort in der Theorie mit den Soldaten kundig gemacht über ihre Ausbildung, über ihre Ausrüstung, und ich wollte das bei geeigneter Gelegenheit dann auch in der Praxis erkunden. Und jetzt auf dem Rückflug von Schanghai ist das leicht möglich gewesen, und deshalb habe ich die Gelegenheit genutzt, Masar-i-Scharif aufzusuchen, weil es mir wichtig ist, dass wir genauer wissen, was unsere Soldaten beschwert, was sie erreichen können nach ihrer eigenen Einschätzung, was sie erreichen sollen nach dem Mandat der Zielsetzung, der politischen Zielsetzung dieses Mandats und wie das in der Realität aussieht.

Übersetzungsvorschlag: Nun, im vergangenen Sommer habe ich ein Trainingszentrum der Bundeswehr in Sachsen-Anhalt besucht, ein Trainingszentrum für den Einsatz unserer Soldaten in Afghanistan. Ich habe mich bei ihnen über ihre Ausbildung und Ausrüstung kundig gemacht, und ich wollte bei geeigneter Gelegenheit in Afghanistan sehen, wie sich das in der Praxis verhält. Jetzt, auf dem Rückflug von Shanghai, war das leicht möglich, weshalb ich einen Stopp in Masar-e-Sharif eingelegt habe. Es ist mir wichtig, dass wir genauer erfahren, was unsere Soldaten beschwert, was sie ihrer Einschätzung nach gemäß der Zielsetzung des Mandats erreichen können und sollen, und wie das in der Realität aussieht.

O-Ton Horst Köhler: Ich glaube, dass die Soldaten eines in jedem Fall verdient haben: Dass man sie ernst nimmt in der Schwierigkeit ihrer Aufgabe, dass man ihnen Respekt und Anerkennung zollt für das, was sie leisten, weil sie leisten wirklich Großartiges unter schwierigsten Bedingungen - und das wollte ich hauptsächlich mit meinem Besuch dann auch zum Ausdruck bringen.

Übersetzungsvorschlag: Ich glaube, dass unsere Soldaten es verdient haben, in dieser schwierigen Aufgabe ernstgenommen zu werden; dass man ihnen Respekt und Anerkennung für ihre Leistung zollt, denn sie leisten Großartiges unter schwierigsten Bedingungen. Das wollte ich mit meinem Besuch auch zum Ausdruck bringen.

Auf die Frage des Interviewers, ob "wir ein klares Bekenntnis zu dieser kriegerischen Auseinandersetzung und vielleicht auch einen neuen politischen Diskurs" bräuchten, antwortet der Bundespräsident seltsam.

O-Ton Horst Köhler: Nein, wir brauchen einen politischen Diskurs in der Gesellschaft, wie es kommt, dass Respekt und Anerkennung zum Teil doch zu vermissen sind, obwohl die Soldaten so eine gute Arbeit machen. Wir brauchen den Diskurs weiter, wie wir sozusagen in Afghanistan das hinkriegen, dass auf der einen Seite riesige Aufgaben da sind des zivilen Aufbaus, gleichzeitig das Militär aber nicht alles selber machen kann, wie wir das vereinbaren mit der Erwartung der Bevölkerung auf einen raschen Abzug der Truppen. (...).

Übersetzungsvorschlag: Wir brauchen einen politischen Diskurs in der Gesellschaft darüber, woher es kommt, dass Respekt und Anerkennung gegenüber der Leistung unserer Soldaten in Afghanistan, die eine gute Arbeit machen, zum Teil fehlen. Wir brauchen ferner den Diskurs darüber, wie wir in Afghanistan die riesigen Aufgaben des zivilen Aufbaus hinbekommen, zumal das Militär nicht alles selber machen kann, und das mit der Erwartungshaltung der Bevölkerung auf einen raschen Abzug der Truppen vereinbaren können.

O-Ton Horst Köhler: Ich finde es in Ordnung, wenn in Deutschland darüber immer wieder auch skeptisch mit Fragezeichen diskutiert wird. Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen.

Übersetzungsvorschlag: Ich finde es in Ordnung, wenn in Deutschland darüber immer wieder kontrovers diskutiert wird. Meine Einschätzung ist aber, dass wir insgesamt auf dem Weg sind, auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung - und damit Exportabhängigkeit - wissen muss, im Zweifel oder Notfall auch militärisch aktiv zu werden, um unsere Interessen zu wahren und zum Beispiel freie Handelswege zu gewährleisten und regionale Instabilitäten zu verhindern. Letztere schlagen dann mit Sicherheit negativ auf unsere Chancen im Export, bei den Arbeitsplätzen und bei den Einkommen zurück.

Rickes Frage, ob sich Deutschland daran gewöhnen müsse, "dass Soldaten, die in einem bewaffneten Konflikt stehen - manche nennen es einen Krieg - auch tot aus dem Einsatz nach Deutschland" zurückkämen, beantwortet der BP folgendermaßen:

O-Ton Horst Köhler: Wir haben ja leider diese traurige Erfahrung gemacht, dass Soldaten gefallen sind, und niemand kann ausschließen, dass wir auch weitere Verluste irgendwann beklagen müssen. Ich habe mich davon überzeugen können in Marar-i-Scharif, dass von der militärischen Führung wirklich jede Professionalität und Gewissenhaftigkeit sowohl in der Frage der Ausbildung als auch der Ausrüstungsbedürfnisse vorhanden ist. Aber es wird wieder sozusagen Todesfälle geben, nicht nur bei Soldaten, möglicherweise auch durch Unfall, mal bei zivilen Aufbauhelfern. Das ist die Realität unseres Lebens heute.

Übersetzungsvorschlag: Wir haben leider die traurige Erfahrung gemacht, dass Soldaten gefallen sind, und niemand kann ausschließen, dass wir irgendwann weitere Verluste beklagen müssen. Ich habe mich in Masar-e-Sharif davon überzeugen können, dass bei der militärischen Führung wirklich jede Professionalität und Gewissenhaftigkeit sowohl in der Frage der Ausbildung als auch der Ausrüstungsbedürfnisse vorhanden ist. Aber es wird wieder Todesfälle geben, nicht nur unter unseren Soldaten, möglicherweise auch mal durch Unfälle bei zivilen Aufbauhelfern. Das ist heute die Realität unseres Lebens.

O-Ton Horst Köhler: Man muss auch um diesen Preis - sozusagen seine am Ende Interessen wahren - mir fällt das schwer, das so zu sagen, aber ich halte es für unvermeidlich, dass wir dieser Realität ins Auge blicken. Deshalb halte ich es auch nach der Diskussion über den Begriff Krieg oder kriegsähnlichen Zustand oder bewaffneter Konflikt für ganz normal, wenn die Soldaten in Afghanistan von Krieg sprechen, und ich habe es auch für normal gehalten, dass ich auch in dem Gespräch mit ihnen dann nicht eine verkünstelte andere Formulierung gewählt habe.

Übersetzungsvorschlag: Um am Ende seine Interessen zu  wahren - mir fällt das schwer, das so zu auszudrücken, aber ich halte es für unvermeidlich -, muss man auch um diesen Preis dieser Realität ins Auge blicken. Deshalb halte ich es nach der Diskussion über den Begriff Krieg, kriegsähnlichen Zustand oder bewaffneten Konflikt für ganz normal, wenn unsere Soldaten in Afghanistan von Krieg sprechen, und ich habe es auch für normal gehalten, dass ich im Gespräch mit ihnen keine verkünstelte, andere Formulierung gewählt habe.

Das Deutsch des Bundespräsidenten muss jedem Deutschlehrer, Deutsch-Leistungskursler und Germanisten vor Lachen oder Weinen Tränen in die Augen treiben. In jedem Fall ist es ein Jammer, dass an der Spitze des Staates ein Mann agiert, dem die deutsche Sprache fern zu liegen scheint. Könnte Horst Köhler etwa eines der vielen Opfer des dreigliedrigen deutschen Schulsystems sein?

Der oberste Deutsche war einst Staatssekretär, deutscher Interessenvertreter beim Zustandekommen des Maastrichtvertrags, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes sowie der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung und dann Geschäftsführender Direktor des IWF gewesen, bevor er zum Bundespräsidenten gewählt wurde.

Man fragt sich, wie er all das nur geschafft hat, denn für gewöhnlich gilt: Wenn jemand den Satzbau seiner Muttersprache nicht beherrscht, wird er auch mit Fremdsprachen Probleme haben. Herr Bundespräsident: In Deutsch ein Mangelhaft. Setzen!

© Nina Brenthäuser

© GeoWis (2010-05-28)

Zum Interview >>

Anzeige