GEOWIS Logo
GeoWis ONLINE-MAGAZIN
12. Dezember 2017
Home |  Login | Kontakt | Verlag | Links   
Download-Archiv
eBook/eText Downloads
Science & Technology
Selected Portraits
Artikel & Reportagen
Deutsche Sprache
Meinungen
Musik
Rezensionen
Film
Interviews
Schnellsuche
 
Verwenden Sie Stichworte, um einen Beitrag zu finden.
Erweiterte Suche
Ankündigung

Kostenlose Downloads (Auswahl)

Demographie: Que sera, sera. The future's not ours to see. Die BBR-Bevölkerungsprognose in Konfrontation mit der Realität. Von Hansjörg Bucher und Claus Schlömer

Stefan Z. Dmochowski - The Olowo of Owo

Klaus von Bröckel - Djibouti: 18. März 1987

Lesetipps

Tourismus

Wohin geht die Reise? >>

Reisen im Geburtsland Makesis >>

China-Reportagen

Chongqing - Stadt im Nebel >>

Chongqings Altstadt Ciqikou >>

Carrefour in China >>

Diaoyucheng, Hechuan >>

Beijing by Bike >>

Der chinesische Traum 1 >>

Der chinesische Traum 2 >>

Der chinesische Traum 3 >>

Spanien-Reportagen

Paxe Ryanair, Iberia! >>

High Speed Tag und Nacht >>

Der Tod kommt zweimal >>

Tarragona - Baila conmigo >>

Málaga - Glut des Südens >>

Japan-Reportagen

Hakone >>

Hakone Open Air Museum - Im Reich der Skulpturen >>

Frankreich-Reportagen

Nizza - Zwischen Arm und Reich >>

Vence - Kultort der Kultur ... >>

Nizza - Champagner muss sein >>

Côte Basque - Saint-Jean-de-Luz >>

Mauerfall-Reportagen

"Ich werd' bekloppt!" >>

"Keine Ahnung, wie die lebten" >>

"Wir wollen die D-Mark!" >>



Portrait: Isabelle Antena Powaga
[925]
carpe_diem_antena_back_big.gif

"Don't worry about tomorrow"

Die französische Musikerin Isabelle Powaga, besser bekannt als Isabelle Antena, hatte in Deutschland nie einen Hit. Außerhalb des größten europäischen Musikmarktes aber machte sie ihren Weg.

Von Hubertus Molln (2012-06-14)

Ihr erstes Lied, eine mittelalterliche Ballade über einen unsterblich in die Prinzessin verliebten Prinzen, habe sie im Alter von fünf Jahren geschrieben, wie sie in ihrer Biographie schreibt. Mit zehn nahm sie Musikunterricht an der Klarinette, kaufte sich mit zwölf ihre erste Akustikgitarre, dann, mit siebzehn eine E-Gitarre, die sie gegen ein E-Piano eintauschte, und verließ mit neunzehn Paris, um in London als Au-Pair-Mädchen beim damaligen Yes-Keyboarder Rick Wakeman und dessen Familie anzuheuern.

 Zwei Dinge habe sie in England gelernt, gibt sie in ihrer Biographie an: fließend Englisch zu sprechen und die Erkenntnis, von Musik leben zu können. Sie ging zurück nach Paris und formierte mit Freunden eine Band, die sie auf Französisch nach dem Stück Antenne nannte, das auf dem Album Radio-Aktivität (1975) der deutschen Kultband Kraftwerk untergebracht ist: Antena.

Demos wurden an verschiedene Plattenfirmen geschickt, darunter auch an die gerade gegründete, noch zum britischen Factory Label gehörende, kleine wie feine belgische Firma Les Disques Du Crépuscule in Brüssel. Das Label, das so renommierte Avantgardisten wie A Certain Ratio, Cabaret Voltaire, Virginia Astley, Soft Verdict, Blaine L. Reininger, Winston Tong, Tuxedomoon, Malaria, The Pale Fountaines, 23 Skidoo oder Josef K verlegte, griff begeistert zu.

Was vor allem an Powagas Neu-Interpretation des von Vinícius de Moraes und Antônio Jobim komponierten und von Astrud Gilberto zu Weltruhm gebrachten Stückes Garota de Ipanema, besser bekannt als The Girl From Ipanema, lag. Bei Antena heißt es The Boy From Ipanema und ist eine Art Elektro-Samba, eingespielt mit einem aus heutiger Sicht geradezu altertümlichen Roland-Instrumentarium: einer TR 808 Drum Machine, einem TB 303 Bass Line Sequencer und einem monophonischen Synthesizer (SH 09).

Nicht nur, dass die damals 22-Jährige sich sozusagen an das berühmteste Lied der brasilianischen Ikone Astrud Gilberto heranwagte - sie setzte dem von Norman Gimbel aus dem Portugiesischen ins Englische übersetzten Text auch noch einige "Ay-Ays" hinzu und machte aus dem Mädchen einen Jüngling. Crépuscule veröffentliche die Single im Juni 1982, allerdings zunächst nur in Belgien und Japan.

Es sollte für Powaga der Startschuss für eine wunderbare Karriere werden, die bis heute andauert, in die sich allerdings auch Rückschläge einbetteten. Doch zunächst ging es vor allem im frankophonen Sprachraum bergauf und später, nachdem sie auf Crépuscule mit Camino del Sol einen weiteren Hit landete, in Japan.

 Ihre berühmte und populäre Zeit hatte sie für etwa eine Dekade ab Mitte der 1980er Jahre. Doch nicht so sehr in Deutschland - oder, besser gesagt, nur unter in Deutschland lebenden Liebhabern ihres Verständnisses von Jazz, Pop und Chanson. Isabelle Antena, die sich anfangs, als sie ihr überzeugendes Album En Cavale (1983) herausbrachte, eine Weile lang nur Antena nannte, war das Gegenstück zum New British Jazz a la Working Week oder Colorbox.

Mit ihrer teils erfrischenden, teils melancholischen und immer auch lyrisch geprägten Vorgehensweise stellte sie unter Beweis, dass Jazz, Samba, Bossa Nova und anverwandte Stile sich auf elegante Weise auch populär vermengen lassen und hervorragend bilingual abseits des Englischen funktionieren. Antena bevorzugt die französische Sprache und bedient auch die Versteher der englischen. Manches Stück singt sie auch auf Spanisch, etwa Camino del Sol (Album: Camino del Sol, 1982) oder Portugiesisch, zum Beispiel Otra Bebera (Album: Hoping For Love, 1986).

Die höchst aktive, vor wenigen Wochen 50 Jahre alt gewordene Künstlerin singt stets darüber, was sie fühlt. Am klarsten zeigt sich dies in der Zeit, als sie die Alben Camino del Sol, Hoping For Love und Tous Mes Caprices (1987) einspielte und zur Niederkunft kam.

Es sind auf allen drei Alben Liebeslieder an ihr Baby entstanden, das sie Achilles nannte - in Anlehnung an den unverwundbaren Held aus der griechischen Mythologie, Achilleus. So das Stück Achilles (auf Camino del Sol) und Sweet Boy (auf Hoping For Love). Die Phase der Mutterschaft hat Isabelle Antena Powaga-Moulin, wie sie inzwischen mit vollem Namen heißt, musikalisch besonders gut getan.

Schon auf Camino del Sol sind von ihr erschaffene Bossa-Nova-Klassiker wie To Climb A Riff, Bye, Bye Papaye und Noelle A Hawai oder von ihr mitkomponierte wie Silly Things und Sissexa verewigt. Auf dem Album Tous Mes Caprices (dt.: Alle meine Launen) wagte sie sich sogar an den Frank-Zappa-Song Village In The Sun heran und interpretiert ihn überragend. Große Vorbilder waren gerade gut genug für die selbstbewusste Musikerin.

 Setzte Antena auf Camino del Sol - offenbar der damaligen Zeit geschuldet - noch viele elektronische Sounds ein, kehrte sie bei Hoping For Love und Tous Mes Caprice zurück zu wenig elektronisch verstärktem und zu akustischem Instrumentarium, gleichermaßen zu originärer Stimmgewalt. 1989 brachte sie gleich zwei Alben auf den Markt (Intemporelle und De L'Amour Et Des Hommes Vol. 1), wobei letzteres ein fünf Stücke enthaltendes Mini-Album ist.

In der französischen belgischen Szene - Jazz, Nu-Jazz, Acid-Jazz, Soul- und Funk-Jazz - war sie längst eine große Nummer. Ende der 1990 lernte sie Dirk Schoufs, Bassist und Mitgründer der Formation Vaya Con Dios ('One Silver Dollar'), kennen und lieben. Schoufs wirkte als Bassist und Produzent am 1991, im Februar, erschienen Album Les Derniers Guerriers Romantique mit.¹

Der Titel des Albums und mindestens zwei Stücke - Sur Ton Ile und I Love You Mr. Hyde - weisen auf eine schwierige Beziehung mit Schoufs hin, der heroinabhängig war und im Mai 1991 an den Folgen einer HIV-Infektion starb. Während Sur Ton Ile im Stile eines fröhlichen Sommer-Sounds arrangiert ist, den man unbeschwert am Strand oder im Cabrio genießen kann, wenn man kein Französisch versteht, ist Mr. Hyde ein fetziges Tanzstück mit Soul-Elementen.

Powaga begab sich nach Schoufs Tod auf Tournee nach Japan, wo sie in Tokyo, Nagoya und Osaka Konzerte gab, die mitgeschnitten wurden. Sie lernte den in der japanischen Jazz-Szene bekannten Musiker und Produzenten Yukihiro Fukutomi kennen, mit dem sie eine lange anhaltende musikalische Liaison einging. Jahre später, im Oktober 2005, brachte sie zwei Alben heraus, auf denen Live-Mitschnitte ihrer Japan-Konzerte zu hören sind.

Zum Einen das Doppelalbum Easy Does It (Issy Does It) mit neun neuen Songs und einigen Cover-Versionen anderer Größen, etwa Nothing To Lose (Thievery Corporation) und Fresh (Yukihiro Fukutomi), zum Anderen A Warm Summer Night, eine Kompilation von Songs früherer Alben (Hoping For Love, Tous Mes Caprices, ...). Bis dahin hatte sie weitere Alben von enormer Qualität eingespielt.

So 1992 Carpe Diem, 1994 Plus Acid Jazz und 1995 Á la belle étoile, auf denen sie neben gehobenen Dancefloor-Stücken (z. B. Funky Jungle) auch Balladen vorstellt. 1997 folgte mit Mediterranean Songs, ein Album zur Entspannung und zum reinen Wohlfühlen. 1999, zehn Jahre nach ihrer EP Vol. 1, kam endlich Vol. 2 von De L'Amour Et Des Hommes heraus.

 2001 legte sie mit Take me to Paradise erstmals ein Album vor, das nur englischsprachige Songs enthält. Im gleichen Jahr veröffentlichte Powaga mit L'alphabet du plaisir eine weitere Kompilation, darauf enthalten das live im Blue Note von Osaka mitgeschnittene Stück Corto prend le large, ein Song, der Dirk Schoufs gewidmet ist.

Die Dame hat es bewiesenermaßen drauf. In Japan hat sie den ersten Preis beim Tokyo Music Festival gewonnen - gegen so herausragende Künstlerinnen wie Sade und die inzwischen verstorbene Whitney Houston. Mit Buscemi hat sie für das Album Camino Real zwei Songs eingespielt, und mit den Soul-Bands Earth, Wind and Fire und Kool and the Gang trat sie im Tokyo Dome auf - und mit sämtlichen Größen in frankphonen Belgien spielt sie regelmäßig.

Wie eine stets auf der Suche Seiende, die sich keine Sorgen über das Morgen macht, dies zumindest in ihrem Song From Day To Day (Album: Tous Mes Caprices) proklamiert, wandert Powaga durch das breite Spektrum des Jazzes, Bossa Novas, Be-Bobs, Jives, Swings und interpretiert diese Richtungen neu. 2008 veröffentlichte sie Bahama Soul Club, eine kolossale Aufforderung zum Tanz. 2010 kam ihr bislang letztes Album, Bossa Super Nova, heraus.

¹  Auf Wikipedia (DE) wird Schoufs auch bei der Mitwirkung am 1992 erschienenen Album Carpe Diem genannt. In den Credits des Albums kommt er nicht vor.

© Hubertus Molln

© GeoWis (2012-06-14)

 

 

 

Anzeige