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Alt und gut: Bob Dylans einst untergegangenes Album Oh Mercy ist ein Longseller geworden
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"I can handle whatever ..."

Einst von der Kritik missachtet, erfährt Bob Dylans Album Oh Mercy eine Renaissance wie nur wenige vorher. Gehuldigt wird ihm von gestandenen Musikern und Youtublern. 

Von Luzilla Brecht (2010-10-26)

Als am 18. September 1989 Bob Dylans Oh Mercy - es ist sein 34. - erschien, wurde es im Wesentlichen von Dylan-Fans wahrgenommen, obwohl die Kritik sich vielfach mit Lob zurückgehalten hatte. Sie war irritiert. Seit Slow Train Coming (1979) hatte er zwar neun Alben veröffentlicht, Knüller waren jedoch nicht darunter.

Es waren jedoch alles ordentliche Alben, die lediglich jenen Kritikern und Anhängern nicht gefielen, die noch immer an einem Dylan früher Jahre festhielten, als er mit Universal Soldier, Mr. Tambourine Man, Blowin' in the Wind oder The Times, the are a-changing reüssierte; auf der anderen Seite standen jene, die Desire (1976), Street Legal (1978) und das Live-Doppelalbum At Budokan (1978) gut fanden.

Beide Fraktionen konnten mit Dylans Weiterentwicklung zunächst nicht allzu viel anfangen, und so hatte es auch Oh Mercy, sein 26. Studioalbum, nicht leicht, obwohl es als Comeback-Album angekündigt worden war. Das allein war schon seltsam genug, war Dylan doch nie weg. Allerdings erschien es zu einer Zeit, in der einige Bands und Barden schon weg vom Fenster waren und nun Comebacks versuchten.

Paul McCartney veröffentlichte Flowers in the Dirt, nicht gerade ein gelungenes, lediglich ein gefälliges Album, und die Rolling Stones brachten eines ihrer schlechtesten - Steel Wheels - auf den Markt. Dylans Album war der damaligen Zeit entsprechend politisch angelegt. Auf dem Pekinger Tiananmen-Platz forderten Studierende die chinesische Führung heraus; die UdSSR war im Begriff, sich aus dem von ihr angezettelten Afghanistan-Krieg zurückzuziehen; die Berliner Mauer bröckelte bereits (am 11. September 1989 öffnete Ungarn seine Grenze nach Österreich) und in Nordamerika machte man sich daran, den Neoliberalismus zu verfestigen.

Man weiß es nicht genau, indes mag es sein, dass Musik im Herbst nicht das Wichtigste war. Doch längst gehört Oh Mercy zu Bob Dylans besten Alben und zu einem der besten, die in den 1980er Jahren auf den Markt gekommen waren. Wäre es stringent nach Dylans Produzent Daniel Lanois gegangen, hätte das Album nie die dichte, teils mystische Atmosphäre erhalten. Es ging nach Dylan. 

 Einer dieser atmosphärisch-intensiven Songs ist Man in the Long Black Coat, der inhaltlich etwas apokalyptisch daherkommt und eine Gesangsdramaturgie Dylans zum Vorschein bringt, wie man sie bis dahin kaum kannte. Ob es das stärkste Stück auf diesem Album ist, lässt sich angesichts der Fülle an hervorragenden Songs nur schwer sagen.

In jedem Fall wird es vielfach gecovert und es ist eindrucksvoller als etwa Sara (auf Desire) oder Changing of the Guards (auf Street Legal), um nur zwei zu nennen, wenngleich sich hier bestenfalls die den Stücken innewohnenden Melancholien mit Man in the Long Black Coat vergleichen lassen. Man könnte sogar den Eindruck gewinnen, dass Dylan seine besten Songs geschrieben hat, wenn ihn die Frauen verließen oder verlassen wollten. In diesem Song geht es allerdings ums ultimative Verlassen.

Mindestens ebenso eindringlich ist Most of the Time, ein Liebeslied allererster Güte, mit dem Dylan all seine zuvorigen Liebeslieder nicht nur übertrifft, sondern ein Zeichen setzt, wie man Liebe, Abschied und - zum Beispiel - Seelenschmerz auf eine musikalisch tragende, hingegen niemals schnulzige Art und Weise behandeln kann.

Kaum Dichtung, stattdessen klare Aussagesätze, die das Stück bestimmen, etwa: "I can handle whatever I stumble upon, I don't even notice, she's gone" (...); oder: "I can smile in the face of mankind, don't even remember what her lips felt like on mine" (...); oder: "I don't compromise, and I don't pretend, I don't even care, if I ever see here again (...)".

Beide Songs sind inzwischen generationenübergreifender Cover-Kult auf Youtube. Manche Interpretationen sind recht ausgefallen, etwa die des Japaners Ogata Kazuhiko, der Most of the Time öffentlich vorträgt, wie auch die Version von Man in the Long Black Coat des Pianisten Joris Lyland, vorgetragen in De Hofmakerij im hollänischen Emmen.

Der italienische Klassik-Gitarrist Luigi Catuogno bringt eine Instrumentalversion des Stücks und die beiden angetörnten niederländischen Klangkünstler Thijs Heij und Ravian Arp spielen eine recht psychedelische, durchaus gelungene Version. Das wohl professionellste Cover neben dem von Joan Osborne - auf ihrerm Album Relish (1995) verewigt - bringen Emerson, Lake & Palmer, eine der Mega-Bands der späten 1960er und frühen 1970er Jahre, die sich Anfang 2010 wiedervereinigt hat.

© Luzilla Brecht

© GeoWis (2010-10-26)

Webseite Bob Dylan >>

Most of the Time (Bob Dylan) >>

Most of the Time (Ogata Kazuhiko) >>

Man in the Long Black Coat (Bob Dylan) >>

Man in the Long Black Coat (Luigi Catuogno) >>

Man in the Long Black Coat (Joris Lyland) >>

Man in the Long Black Coat (Thijs Heij, Ravian Arp) >>

Man in the Long Black Coat (ELP) >>

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