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Frank Zappa: Am 21. Dezember 2010 wäre der Komponist 70 Jahre alt geworden. Eine Hommage
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Der Unvergleichliche

Am 4. Dezember 1993 verstarb Frank Zappa an Prostatakrebs im Alter von knapp 53 Jahren. Seine Musik indes bleibt unvergänglich.

Von Jochen Henke (2010-12-21)

Mit Superlativen wird in der Musikbranche selten zurückhaltend umgegangen, zumal, wenn sich erfolgreiche Bands aufgelöst haben oder wichtige ihrer Mitglieder plötzlich dem Sensenmann endgültig begegnet sind. So war es Genre-übergreifend beim Tod von Buddy Holly (3.02.1959), beim King of Rock'n Roll Elvis Presley (16.08.1977), beim King of Pop Michael Jackson (25.06.2009), bei John Lennon (8.12.1980), George Harrison (29.11.2001), John Bonham (25.09.1980), Miles Davis (28.09.1991), Ray Charles (10.06.2004), Jim Morrison (3.07.1971), Jimi Hendrix (18.09.1970), Janis Joplin (4.10.1970).

 Nach dem Ableben von Künstlern dieses Kalibers vergießen nur Familienangehörige, Freunde und Fans echte Tränen, während die Industrie sich die Hände reibt. Die Umsätze steigen, meist auf Jahre, in ungeahnte Höhen.

Das ist normal und man kann es der Industrie nicht mal verdenken. Zuweilen ist mit toten Stars mehr zu verdienen als während ihrer letzten Jahre, in denen sie sich als etablierte Künstler entweder längst von den Majors der Industrie abgenabelt oder ihnen das Leben schwer gemacht hatten. Oder beides.

Der Tod von Elvis Presley und Michael Jackson bahnte sich auf Grund deren medikamentenintensiver Lebensweise an. Joplin, Hendrix, Morrison und Bonham haben gedrückt und gesoffen, bis ihnen kein Arzt mehr helfen konnte. Buddy Holly stürzte mit dem Flugzeug ab, Ray Charles starb an Leberkrebs, Miles Davis an den Folgen eines Schlaganfalls, George Harrison an Lungenkrebs, Frank Zappa an Prostatakrebs. John Lennon wurde erschossen.

Only the Good Die Young, heißt es in einem Song von Billy Joel aus dem Jahr 1977. Das ist natürlich nur eine Phrase, die sich gut für einen Song oder Smalltalk auf Parties eignet. Frank Zappa war nicht mehr jung, als er starb. Er war aber auch noch nicht alt. Er war 26 Jahre erfolgreich im Musikgeschäft. Ungefähr in diesem Alter hatte er angefangen, von sich und den Mothers of Invention nachhaltig Reden zu machen.

Während in England und auf dem Kontinent The Who zu diesem Zeitpunkt noch von ihren Alben My Generation, A Quick One und The Who Sell Out im Rock-Pop-Genre unterwegs waren und Pete Townshend regelmäßig auf Gigs teure Gitarren zertrümmerte, die Rolling Stones mit Aftermath, Between The Buttons und Their Satanic Majesties Request sich ebenso wie die Fab Four genannten Beatles in die Sphären von Suff und LSD begaben, um ihr Bewusstsein zu erweitern und sinnlos Geld, Groupies und Gurus verschwendeten, legte Frank Zappa mit den Mothers of Invention los. 

 Sie waren Underground und die absoluten Durcheinanderbringer des US-amerikanischen Mainstream. Sie traten an, das Establishment und die Hippie-Szene auf die Schippe zu nehmen und boten dabei komplizierte bis skurrile Kompostionen an, womit der Mainstream, vor allem der in Europa, so gut wie nichts anfangen konnte. Zappa und die Mothers machten von Beginn an Musik für Erwachsene und für junge Leute, die erwachsene Musik verstanden.

Ausgeschlossen, dass bei den Kompositionen auch Bewusstseinserweiterndes mit im Spiel gewesen war, denn Zappa nahm außer Nikotin und Kaffee keine Drogen zu sich. Er konnte Noten nicht nur lesen, sondern auch kompositorisch und virtuos mit ihnen umgehen. Wie Stockhausen, Mozart, Beethoven oder Schostakowitsch. Und er konnte arrangieren und dirigieren. Wie Brecht sein Berliner Ensemble oder Karajan seine Philharmonker. 

Anders als seine Zeitgenossen aus der mitunter durchaus anspruchsvollen Populär- und Rockmusik, machte Frank Zappa nur wenig Kompromisse. Er wurde in Fachkreisen der so genannten ernsten Musik schon früh wahrgenommen, indes, er war auch ein Entfant terrible in Sachen Musik. Er war politisch. Eine Eigenschaft, die in den USA während seiner Heydays gar nicht gut ankam.

Delikate Texte, teils mit hocherotischen oder schlicht pornösen Aussagen, gehörten stets zu Zappas Repertoire. Mitte der 1980er Jahre liefen besorgte bibelfeste Eltern und Mütter gegen seine und die Musik anderer Sturm, was Zappa dazu veranlasste, das Album Frank Zappa Meets The Mothers Of Prevention herauszubringen, auf deem sich auch der Song Porn Wars befindet. Jahre zuvor hatte er auf dem Live-Doppelalbum Zappa in New York mit Titties and Beer einen für die puritanische Welt skandalträchtigen Song.

 Na und? Es hatte ihn nicht davon abgehalten, seiner Linie treu zu bleiben. 1979 kam sein Doppelalbum Sheik Yerbouti heraus, das phonetisch auch als Shake your booty (Wackle mit deinem Hintern) durchging, mit dem Stück I Have Been In You beginnt und als letztes Stück auf Seite eins mit I'm So Cute endet. 

Es war die für eine Reihe von Jahren anhaltende Bariton-Phase von Frank Zappa. Auf Sheik Yerbouti bestens eingeführt mit einem seiner weltweit erfolgreichsten Hits - Booby Brown. Es sollten weitere folgen. So auf seinen Konzeptalben Joe's Garage mit dem gleichnamigen Song. Joe's Garage, eine zweistündige Opera, brachte ihm erneut von Bibelfesten Kritik ein. Niemand weiß, wie viele Leute sich auf dem bis heute unerreichten Neun-Minuten-Instrumental-Stück Watermelon In Easter Hay gepaart haben.

Fünf Jahre später, auf seinem 32. Album Them Or Us, hält Zappa noch immer die Stellung und setzt seinen Bariton ein, etwa in dem Stück The Closer You Are, einem Cover der Band The Channels aus dem Jahr 1956. Eigentlich hätten die Bibelfesten der Welt, und die der USA im Besonderen, zu und auf Grund Zappas Musik reihenweise Suizid begehen müssen. Haben sie nicht.

Ebenso hätten US-Politiker, vor allem jene aus dem republikanischen Lager, sich lautlos von der politischen Bühne verabschieden müssen. Haben sie nicht. Stattdessen haben die Entlarvten des Establishments und deren Anhänger versucht, Zappa zur Unperson zu erklären, ohne zu sich darüber im Klaren zu sein, dass sie es mit einem der wichtigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts zu tun haben.

Letztlich anerkannten und respektierten sie ihn, zumal er ernsthaft mit dem Gedanken spielte, für das Amt des US-Präsidenten zu kandidieren. Von diesem Plan rückte er ab, nachdem er die Krebsdiagnose erhalten hatte. Die Welt wäre heute wohl eine andere, wenn Frank Zappa US-Präsident geworden wäre.

Zu Lebzeiten hat Frank Zappa 53 Alben veröffentlicht. Im Schnitt zwei pro Jahr seit 1966. Das ist einsame Spitze. Nicht jedes gelang ihm, aber fast jedes hatte den Zeitgeist und dessen kritische Betrachtung zum Inhalt. Viele seiner Vinylalben kosten heute, so sie mint und Originalausgaben sind, unter Sammlern viel Geld.

 Außerhalb seiner Heimat wurde Frank Zappa stets geschätzt, weshalb der Maestro etwa in Europa neben einer stabilen Fangemeinde auch immer Bezüge zu Jazz- und Klassikmusikern hatte. Der Maestro des Unkonventionellen und anstrengend Virtuosen schien stets einen Schritt weiter zu sein als seine Umgebung.

Die kommerziellen Erfolge - Bobby Brown, Joe's Garage, The Closer You Are, Lucille - nahm er gerne mit. Geld, und zwar viel Geld, hatte er längst mit seinen vielen zuvor erschienenen Alben verdient. Mit den Hits kam zwar noch mehr hinzu, doch Frank Zappa scherte sich nicht mehr allzu sehr darum. Geradezu antagonistisch zu seinem 1968 erschienenen Album We're Only In It For The Money. Als seine neu hinzugekommenen Anhänger durch Sheik Yerbouti und Joe's Garage dachten, so gehe es weiter, machte Frank Zappa Jazz.

Zwischen seinem letzten Studioalbum - Guitar (1988) - und seinem letzten zu seinen Lebzeiten erschienenen Album The Yellow Shark (1993) veröffentlichte er vierzehn Live-Alben, darunter die Serie You Can't Do That On Stage Anymore (Volume 1-6). 

In den progressiven Kreisen so genannter ernster Musik war Frank Zappa bereits anerkannt, als dessen Gegner sich noch darum bemühten, seine Musik zu verstehen. In Nachbetrachtung kann man - ohne allzu viel Zynismus an den Tag zu legen - anzunehmen geneigt sein, dass insbesondere das US-Establishment der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen seiner größten Gegenwartskomponisten jahrzehntelang unterschätzt hat.

Frank Zappa war ein Komponist, Musiker und Dirigent, der sich als nichts anderes verstand. Er war ein Provokateur hinsichtlich seiner Lyrics, ein mitunter Schwerverständlicher in Bezug auf seine Kompositionen, ein Grenzgänger im Hinblick auf sein Begabungen, zu denen auch seine Cover-Art gehörten. Er hat nie ein Blatt vor den Mund genommen und seine musikalischen Ansprüche bis zum bitteren Ende gelebt.

Viele großartige Bands und Solisten beziehen sich auf Zappa. So Alice Cooper, The Tubes, die Beatles oder Devin Townsend. Es sind Kenner, allesamt, und in der Szene sind sie anerkannt. Es erscheint fast müßig, Zappas Œvre aufzuzählen. Er hat so viele herausragende Album gebracht. So Overnite Sensation (1973), auf dem sich der Hit Camarillo Brillo und das enorm intensive Stück Montana befinden.

 1992 ging Frank Zappa mit dem seit 1985 in Frankfurt/Main beheimateten Ensemble Modern gewissermaßen ins kompositorisch wie musikalische Rigorosum. Das aus einer Vielzahl renommierter und an ihren jeweiligen Instrumenten bestens ausgebildeten Künstlern bestehende Ensemble Modern kam für Frank Zappas Projekt The Yellow Shark zusammen, das unter Kennern als ein absolutes Highlight anspruchsvoller Musik gilt. Zu jener Zeit wusste Frank Zappa bereits von seinem Krebsleiden. Entsprechend gezeichnet, absolvierte er die Proben, versuchte sich aber nichts anmerken zu lassen. 

Eine Woche nach der Veröffentlichung des Albums The Yellow Shark verstarb Frank Zappa. Eineinhalb Jahre später kam das noch vor seinem Tod fertiggestellte und aufwändig gestaltete Doppelalbum (CD) Civilization Phaze III heraus, auf dem das Ensemble Modern ebenfalls vertreten ist.

© Jochen Henke

© GeoWis (2010-12-21)

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