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Portrait: Barenaked Ladies, Teil 2
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Impulse 

"Meine Damen und Herren - sie sind nicht splitternackt und sie sind ganz bestimmt keine Damen - sie sind die Barenaked Ladies!"¹

Von Uwe Goerlitz (2011-06-16)

Ihr Repertoire reicht von Rock über Jazz, Country, Folkrock, Beebop bis zu gewaltiger Gesangskunst vor allem von Steven Page, der mühelos zwischen Sopran, Tenor und Bariton zu wechseln in der Lage ist, während der wichtige Rest der Band spielerisch mitmusiziert.

 Waren die Alben Stunt und Maroon nicht nur erfolgreich, sondern auch wichtige Meilensteine im Œuvre von BNL, ließ sich die Truppe auch die Freiheit nicht nehmen, weiterhin brutalsttmöglichen Spaß an ihrer Arbeit zu haben. Bei Live-Auftritten beweisen die Barenaked Ladies gelegentlich, dass es ihnen sichtlich Freude bereitet, manchen Hit vergangener Tage zu covern.

Georges Michaels Careless Whisper - mit Page und Robertson als kongenialen Stimmvirtuosen wie aus dem Steggreif -, Soft Cells Tainted Love, Duran Durans Rio, B 52's Rock Lobster oder Fox On The Run von Manfred Mann bzw. den Country Ramblers interpretieren sie mühelos und keinen Deut schlechter als die damit berühmt gewordenen Kollegen. Selbst vor Leonard Cohens Bird On The Wire machen sie, wenn es ihnen in den Sinn kommt, nicht halt.

Inzwischen frei von Reprise Records, bringen sie 2004 unter ihrem eigenen Label Desperation Records ein Album mit Weihnachtsliedern heraus (Barenaked For The Holidays). Ein Jahr später folgt ihr zweites Themenalbum, diesmal eine BNL-Interpretation zu Shakespeares Pastoralkomödie As You Like It (dt.: Wie es Euch gefällt). Mit beiden Alben hatte die Band keine Chart-Platzierungen im Sinn. Gekauft wurde es trotzdem wie blöd.

Ihr Hang zu modernen Medien bescherte der Musik hörenden Internet-Gemeinde und BNL-Fans 2005 die EP Barenaked For Hanukkah und 2006 eine Zusammenstellung von 27 Songs unter dem Titel iTunes Originals. Im gleichen Jahr gingen sie ins Studio, um 29 Songs einzuspielen, die mindestens für eine Doppel-CD gereicht hätten. Doch die Band entscheidet sich, sie im Hinblick auf Kosten und mögliche Überfrachtung auf zwei Alben zu verteilen.

Es befiel die Band offenbar ein Anflug von Unsicherheit. Trotz ihrer vorangegangenen Erfolge und Beständigkeit, wusste sie offenbar nicht, wo sie steht, ob die Fans noch interessiert an ihrer Musik seien. "Interessiert sich jemand dafür, was wir machen?", zitiert die Online-Ausgabe der Vancouver Sun sie am 1. Februar 2007. Und ob sich jemand dafür interessierte!

 Auf das erste der beiden Alben - Barenaked Ladies Are Me - packte sie 13 Songs, darunter die vielbeachteten Stücke Easy, The Sound Of Your Voice, Bull In A China Shop, Bank Job sowie die herausragenden Hits Maybe You're Right und Everything Had Changed.

Letzteres ist ein mit melancholisch wirkenden Akkordeontönen (Kevin Hearn) versehenes Lied, bei dem Jim Creeggan am Cello, Steven Page am Banjo und Roberto Menegoni an den Cymbals ihr Bestes geben. Erstmals kam neben der CD auch eine Vinylversion auf den Markt (Doppel-LP). Are Me rückt in Kanada bis auf Platz 7, in den USA auf 17.

Die verbliebenen 16 Songs brachten BNL wenige Monate später, im Februar 2007, unter dem Titel Barenaked Ladies Are Men heraus, ebenfalls als CD- und Vinylversion. Schwer zu sagen, welches der 16 Stücke herausragt. Down To Earth, Angry People, The New Sad, What A Letdown oder Why Say Anything Nice? - und alle anderen können sich hören lassen.

Dass es sich bei der Arbeit der Band stets um absolute Qualität handelt - wozu auch die Hundertschaften an Gastmusikern beitrugen, die über die Jahre eingeladen wurden -, ist ihren Anhängern und der Fachwelt spätestens seit Gordon bekannt. Achtzehnmal wurde die Band für den Juno Award nominiert. Siebenmal gewann sie ihn. Dazu zweimal den US-Billboard Award, viermal den MuchMusic Award, einmal den Word Music Award, und jede Menge weiterer Preise.

 Mitte 2008 veröffentlichten BNL ihr drittes Themenalbum Snacktime!, das 24 Kinderlieder enthält und mit einem Juno in dieser Kategorie ausgezeichnet wurde. Es war das letzte Album mit Steven Page, der damit nicht durch und durch zufrieden gewesen sein soll. Wie er zudem der Nachrichtenagentur Associated Press sagte, sei er als Songwriter nicht mehr so zur Geltung gekommen wie es in der Vergangenheit der Fall gewesen sei.

Ein erster Schatten auf das bis dahin saubere und skandalfreie Image der Band warf ausgerechnet kurz nach Veröffentlichung von Snacktime! eine Drogenaffäre. Page, dessen Freundin und deren Zimmergenossin wurden im Staat New York mit Drogen erwischt, kamen mit einem kurzzeitigen Arrest und der Auflage, sich in den folgenden sechs Monaten nichts zu schulden kommen zu lassen, jedoch glimpflich davon.

Im Dezember des gleichen Jahres, zwanzig Jahre nach ihrer Gründung, erhielt die Band gar höchste Weihen von einem, der bekannt für seine Zurückhaltung und Egomanie ist: Sir Paul McCartney höchstselbst äußerte sich auf ianundercover.com, die Barenaked Ladies gehörten zu seinen Lieblingsbands und seien jederzeit in der Lage, uns (womit er die Beatles meint; Anm. d. Vf.) an die Wand zu singen. "Ich glaube nicht, dass John (Lennon) und ich jemals diese Bandbreite an den Tag legten wie sie das tun." McCartney bekundete, künftig gerne mal mit BNL musizieren zu wollen.

Die Band ging jedoch erst mal ohne Sir Paul ins Studio, um ihr neuntes Album - All In Good Time - einzuspielen und fand währenddessen noch Zeit, Pate für drei unter dem Rubrum If I Had A 1000000 Flavours kreierte Speiseeismischungen der US-amerikanische Kette Ben & Jerry's zu stehen. Lustig wie die Truppe ist, benannte sie die drei Sorten nach Musikerkollegen.

 So heißt in Anlehnung an die US-Rockband Phish eine Sorte Phishfood, eine Kirscheismischung benannte BNL in Respekt zum verstorbenen Grateful-Dead-Musiker Jerry Garcia sinnigerweise Cherry Garcia.

Die dritte Sorte heißt One Sweet Whirl in Anlehnung an One Sweet World, einem Song der Dave Matthews Band. Der Verkaufserlös der drei Eissorten geht an die Alphabetisierungs-Hilfsorganisation ABC Canada Literacy Foundation.

Schon früh haben sich BNL vielfältig abseits des Künstlerischen engagiert. So für Umweltprobleme und -belange. Steven Page etwa ist im Vorstand des kanadischen Ablegers des WWF. Die Band engagiert sich darüber hinaus für Umweltprojekte und unterstützt beispielsweise Öko-Dörfer, wozu sie das Projekt Barenaked Planet ins Leben gerufen hat, und tankt ihre Fahrzeuge mit Bio-Sprit - nicht aus brasilianischem Raps gewonnen, sondern aus eigener und zugelieferter Kompostierung.

Mag dies auf den ersten Blick als Marketing-Instrument erscheinen, so legen BNL deutlich nahe, dass derartige Projekte zum Einen aus ihrer Überzeugung entstanden sind und zum Anderen eine moralische Bedürfnisbefriedigung hinsichtlich ihrer Anhänger bedeuten.

 Spaß ist nicht alles, aber ohne Spaß ist alles nichts, könnte das Motto der BNL lauten, zumindest dann, wenn man sich anschaut, was sie alles veranstalten und bisher veranstalteten.

Legendär sind ihre Ships & Dip-Touren, die sie bisher viermal seit 2007 mit Freunden, Kollegen und - vor allem - Fans unternommen haben, zuletzt 2010. Jeweils für einige Tage wurde ein Schiff gemietet, darauf musiziert und gefeiert.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass die Band von Beginn an großen Wert auf die künstlerische Gestaltung und Bestückung ihrer Veröffentlichungen gelegt hat. Von Gordon bis All In Good Time versah sie ihre Alben mit aufwändigen Booklets, mal mit Heftung, mal als doppelseitig bedruckte Ausklapper. Und stets mit den Lyrics der Songs. Häufig beauftragte sie dafür prädestinierte Künstler, nicht selten aus dem eigenen Umfeld. "Wir geben ihnen aber Impulse", sagte Steven Page in einem Interview mit einem kanadischen Sender. "Klar", bestätigte Ed Robertson.

¹ Übersetzung der Ansage der Anchorwoman der Canadian Broadcasting Corporation.

© Uwe Goerlitz

© GeoWis (2011-06-16)

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