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David Bowie ist 65 geworden. Eine Hommage
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Der Kosmische

David Bowie hat die 1970er Jahre musikalisch und als Stilikone mitgeprägt. Ein kurzer Blick auf sein Werk.

Von Uwe Goerlitz (2012-01-08)

Bevor David Bowie am 8. April 1976 in der Düsseldorfer Philipshalle auftrat, hatten nur die optimistischsten seiner Anhänger gehofft, er träte in verrückten Klamotten auf, in Netzstrümpfen vielleicht, oder mit Gesichtsbemalung. In irgendeiner Weise optisch spektakulär jedenfalls. Doch den Gefallen tat er seinen Fans nicht. Die Ära des Glitter-, Glam- und Space-Rocks, mit der er jahrelang so erfolgreich war wie kaum einer seiner musikalischen Zeitgenossen war, war für ihn schon vorbei.

 Im Juli 1969 betraten Neil Armstrong und Buzz Aldrin, betrat der Mensch erstmals den Mond. Knapp fünf Monate später kam Bowies Album Space Oddity auf den Markt. Es sollte nicht nur die Popmusik revolutionieren -ähnlich wie der Rock'n Roll das zuvor geschafft hatte -, sondern auch Bowies darauf folgenden Ruhm einleiten.

Plötzlich ließen sich eingefleischte Pink Floyd-, Nice- und sogar Collosseum-Fans auf Bowie ein, summten bei This is ground control to Major Tom ... mit und hoben ab in den Weltraum. Ihr Treibstoff: Kiff und LSD.

Mit The Man Who Sold The World legte Bowie 1970 ein lange unterschätztes Album nach, das nicht an den Erfolg von Space Oddity heranreichte. Er hakte den erst mal Mond ab, nicht aber den Weltraum, ließ sich die Haare wachsen, reiste weiter zum nächsten Planeten und kam ein Jahr später mit Hunky Dory zurück. Ein Knülleralbum, auf dem so hinreißende Stücke wie Life On Mars?, Oh! You Pretty Things, Quicksand und die Ode Andy Warhol verewigt sind. Von nun an sollte er für eine Reihe von Jahren nur noch herausragende Alben machen.

Dass er bereits 1972 mit The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars sein international bekanntestes herausbrachte - mit dem Ohrwurm Starman, dem vom Titel her gut in die damalige Emanzipationswelle passenden Suffragette City und dem Rockknaller Moonage Daydream -, mag auch daran gelegen haben, dass es ein Konzeptalbum ist, dazu eines zum aufklappen.

 Den Erfolg toppte er 1973 mit einem weiteren Konzeptalbum - Aladdin Sane -, auf dem er etwa die Rockhymnen The Jean Genie und Panic in Detroit und das lyrisch gehaltene Stück The Prettiest Star platzierte.

Während der Großteil seiner Anhänger noch in kosmischen Sphären unterwegs war und sich an das erdige Album erst gewöhnen musste, fiel auf, dass Bowie einen Imagewechsel einleitete, indem er Androgynität ins Zentrum rückte und dem Schizophrenen mehr Spekulationsraum gab.

Mit Pin Ups, ebenfalls 1973 erschienen und wie Aladdin Sane in Britannien auf Platz eins gelangt, lieferte ein Album ab, das wie eine Hommage an einige seiner Kollegen wirkt. Durchgehend Cover-Versionen von Songs der Yardbirds, Easybeats, Who, Pretty Things, Pink Floyd und Them, ist es eher etwas für Liebhaber als für längst im Ziggy-Stardust- oder Alladin-Sane-Outfit die Londoner City bevölkernde Bowieisten.

Die kamen 1974 wieder auf ihre Kosten, als der Meister das düstere Zukunftsszenario Diamond Dogs vorstellte und George Orwells Visionen aus 1984 mit dem gleichnamigen Song in die Popmusik einführte. Es gehörte für Bowieisten zum guten Stil, die einminütige Einleitung des Albums (Future Legend) auf Konzerten mitzusprechen.

 Im selben Jahr brachte Bowie das Doppelalbum David Live heraus, das am 14. und 15. Juli 1974 im Tower Theatre von Philadelphia mitgeschnitten wurde und - so der Text im Innen-Cover, "ohne Studio-Dubs" abgemischt sei. Lediglich einige Backing Vocals mussten reingemischt werden, weil sie in Philadelphia auf Grund von technischen Schwierigkeiten nicht auf Band gelangt seien.

David Live gehört zu den eindrucksvollsten Live-Alben seiner Zeit und entzieht einem schon deshalb regelrecht den Boden unter den Füßen, weil der Meister nach 1984, mit er aufmacht, und seinem Diamond-Dogs-Hit Rebel, Rebel - eine Reminiszenz an alle Transen, Androgynen, Schwulen und Lesben - die bis heute ausgefeilteste und einnehmendste Version von Moonage Daydream vorträgt.

Gitarrist Earl Slick wächst dabei genauso über sich hinaus wie die Saxophonisten David Sanborn und Richard Grando. Wie Bowie damals sagte, sei mit diesem Album der endgültige Abschied von "Ziggy" erfolgt, was auch daran zu erkennen ist, dass er im Anzug auftrat, Schulterpads im Jackett. 

Mitte der 1970er Jahre prägten auch Soul- und Funkmusiker wie Barry White und die O'Jays die Charts. Bowie, der bei 1984 bereits angedeutet hatte, dass er das auch konnte, nur anders, legte mit Young Americans dann ein Album vor, auf dem er das mit dem Stück Fame bestätigte. Es landete auf der Insel wie David Live auf Platz zwei. Und es hielt Überraschungen bereit - mittlerweile eines von Bowies Markenzeichen. Das Titelstück gehörte zum Aufregendsten, was 1975 in die Charts gelangte. Young Americans bot aber auch einen Vorgeschmack auf das, was Bowieisten später bemängelten, als der Meister seine Let's-Dance- und Serious-Moonlight-Phase hatte: zu sehr Popmusik, zu wenig kreative Kraft. Dachte man so.

 Er erlaubte sich alles, arbeitete mit angesagten Künstlern zusammen, für Low beispielsweise mit Brian Eno, zog ins damals wilde West-Berlin, experimentierte, nahm Heroes auf, und Lodger - alle drei Alben musikalische Kunstwerke, und verblüffte mal eben 1980 die Welt und die Kritiker mit Scary Monsters. Peng!

Kaum ein Musiker war seinerzeit derart kreativ und gleichzeitig damit global erfolgreich. Was auch seinem langjährigen RCA-Produzenten Tony Visconti geschuldet war. Der verabschiedete sich erst mal für über 20 Jahre, als der Meister seine Disco-Phase bekam, mit Let's Dance und China Girl Welthits hatte und im Juni 1983 die Berliner Waldbühne zum Kochen brachte.

David Bowie war überall unterwegs: in der Rockmusik, dem Tanzschuppenpop, der Disco, im Funk, Soul und Jazz, dem Experimentellen, dem Sphärischen und Ambient, der Ballade, und - mit Baal - auch bei Brecht. Wenn er es darauf angelegt haben sollte, einfach allen Kollegen zu zeigen, dass es im Prinzip nichts gäbe, das er nicht könnte, dann ist ihm das gelungen.

 Für die 1976er Tour hatte er Station to Station, ein Rockalbum, im Gepäck. Es war also einigermaßen absehbar, dass er in der Philipshalle nicht als Ziggy Stardust aufträte. Unter uns Bowianern herrschte allerhöchste Anspannung, die vom Warten auf den Künstler, dem dämmrigen Licht auf der Bühne und irgendwann einsetzender Einleitungsmusik ins Unerträgliche stieg. Dann betrat er sie, in weißem Hemd und dunkler Weste, eine Gauloise rauchend, und legte los. Er spielte das Album, brachte viele seiner vorherigen Stücke und rockte die Halle.

Heute kann er auf 85 Alben, 108 Singles, drei Soundtracks und auf eine Reihe von - nicht immer erfolgreichen - Filmen zurückblicken, darunter aber das Meisterwerk Der Mann, der vom Himmel fiel von Regisseur Nicolas Roeg.

© Uwe Goerlitz

© GeoWis (2012-01-08)

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