GEOWIS Logo
GeoWis ONLINE-MAGAZIN
21. September 2017
Home |  Login | Kontakt | Verlag | Links   
Download-Archiv
eBook/eText Downloads
Science & Technology
Selected Portraits
Artikel & Reportagen
Deutsche Sprache
Meinungen
Musik
Rezensionen
Film
Interviews
Schnellsuche
 
Verwenden Sie Stichworte, um einen Beitrag zu finden.
Erweiterte Suche
Ankündigung

Kostenlose Downloads (Auswahl)

Demographie: Que sera, sera. The future's not ours to see. Die BBR-Bevölkerungsprognose in Konfrontation mit der Realität. Von Hansjörg Bucher und Claus Schlömer

Stefan Z. Dmochowski - The Olowo of Owo

Klaus von Bröckel - Djibouti: 18. März 1987

Lesetipps

Tourismus

Wohin geht die Reise? >>

Reisen im Geburtsland Makesis >>

China-Reportagen

Chongqing - Stadt im Nebel >>

Chongqings Altstadt Ciqikou >>

Carrefour in China >>

Diaoyucheng, Hechuan >>

Beijing by Bike >>

Der chinesische Traum 1 >>

Der chinesische Traum 2 >>

Der chinesische Traum 3 >>

Spanien-Reportagen

Paxe Ryanair, Iberia! >>

High Speed Tag und Nacht >>

Der Tod kommt zweimal >>

Tarragona - Baila conmigo >>

Málaga - Glut des Südens >>

Japan-Reportagen

Hakone >>

Hakone Open Air Museum - Im Reich der Skulpturen >>

Frankreich-Reportagen

Nizza - Zwischen Arm und Reich >>

Vence - Kultort der Kultur ... >>

Nizza - Champagner muss sein >>

Côte Basque - Saint-Jean-de-Luz >>

Mauerfall-Reportagen

"Ich werd' bekloppt!" >>

"Keine Ahnung, wie die lebten" >>

"Wir wollen die D-Mark!" >>



Portrait: Paris - Eine Band, die zwei bemerkenswerte Rock-Alben herausbrachte und dann aufgab
[985]
paris_big_towne 2061_cover_double_big.gif

Zwei Alben für die Ewigkeit

Sie brachten binnen eines Jahres zwei Alben heraus und lösten sich kurz danach auf: Paris. Was sie der Musikwelt hinterließen, sind Highlights der Rockmusik-Geschichte.

Von Uwe Goerlitz (2012-11-12)

Schon die Cover-Artwork von Roy Kohara besticht. Kohara, jahrzehntelang Art Director bei Capitol Records, hatte bereits - um nur einige zu nennen - Cover für die Beach Boys (Endless Summer, 1974), Candi Staton (Stand By Your Man, 1971) und Buck Owens (Live At The White House, 1972) entworfen, bevor er sich Paris annahm.

Er entwarf ihren Neon-Schriftzug mit dem als Eiffelturm stilisierten 'A', der sich auf dem ersten Album Paris im Wasser spiegelt, womit die durch Frankreichs Hauptstadt fließende Seine gemeint sein dürfte, und zeichnet für das Dalieske von Big Towne, 2061 verantwortlich.

Paris war ein so genanntes Power Trio, bestehend aus Gitarrist, Drummer und Bassist, das vom ehemaligen Fleetwood-Mac-Gitarristen Bob Welsh, der sich leider im Juni dieses Jahres im Alter von 66 Jahren erschoss, von Glenn Cornick, vormals Bassist bei Jethro Tull, und von Thom Mooney, der bei Todd Rundgrens Nazz getrommelt hatte, 1976 gegründet worden war.

Paris - First Album - SameIhr erstes Album, produziert von Jimmy Robertson, setzte sich deutlich von dem ab, was sie zuvor als Mitglieder ihrer jeweiligen Bands gemacht hatten.

Kerniger, schnörkelloser, teils auch sphärischer Rock ohne großen Bimbam, unterlegt mit sozialkritischen und die Beziehungen zwischen Mann und Frau betreffenden Texten; geprägt von Bob Welshs vielfach in die Höhen von Jimmy Page (Led Zeppelin) oder Rick Davies (Supertramp) heranreichende Stimmlagen. So in Narrow Gate, Rock Of Ages, Beautiful Youth, Black Book, Starcage, Solitaire, Red Rain und dem seit den ersten Jethro-Tull-Alben gewohnt guten Bass von Glenn Cornick.

Geprägt auch von Thom Mooneys Trommelspiel, das sich genauso wenig hinter dem des legendären Led-Zeppelin-Drummers John Bonham (1948-80) zu verstecken brauchte wie Welshs Leadgitarre hinter der von Page, etwa auf Beautiful Youth. Es scheint, als hatten Paris den damaligen Hardrock-Größen Led Zeppelin (Atlantic Records/Swan Song) und Black Sabbath (Vertigo) und deren Plattenfirmen mal zeigen wollen, dass man musikalisch-künstlerisch locker mithalten könne.

Kommerziell hinkte das erste Album den um das Mannigfache erfolgreicheren Alben ihrer Konkurrenten mächtig hinterher, obwohl es ein formvollendetes ist und jedes Stück überzeugt. Capitol Records hatte es seinerzeit allerdings an Geld für umfangreiche Promotion fehlen lassen.

Thom Mooney stieg nach dem ersten Album aus. Für ihn kam Hunt Sales, der zuvor in der eher unbekannten Band seines Bruders - Tony and the Tigers - und bei Todd Rundgren getrommelt hatte, nach Paris bei Iggy Pops Lust For Life und dann beim Bowie-Projekt Tin Machine mitwirkte.

Big Towne, 2061 wurde von Bob Hughes produziert, der am Sound von Paris nur wenig änderte, lediglich partiell neuere Misch- und Aufnahmetechnik einsetzte und noch etwas mehr Hall als zuvor Robertson reinbrachte, was bereits am hitverdächtigen, aber nicht zum Hit gewordenen Eingangsstück Blue Robin deutlich hörbar ist, in dem Bob Welsh auf knapp drei Minuten demonstrierte, was er - schon damals - drauf hatte und ein bahnbrechendes Gitarren-Intro darbot.

Diese Demonstration zieht sich durchs komplette Album, auf dem neben Blue Robin die Stücke 1 In 10, Slave Trader, Janie, Heart Of Stone und Pale Horse, Pale Rider auch noch herausragen. Während 1 In 10 inhaltlich auf den Umstand des abgelegten Lovers abhebt, Heart Of Stone auf die Kälte in einer Beziehung, Pale Horse, Pale Rider auf das Träumerische eines Verliebten und Janie auf das Schmerzliche, fokussieren die Songs New Orleans, Slave Trader und Outlaw Game auf gesellschaftlche Thematiken, darunter auch falsch verstandenen Patriotismus und evidenten Rassismus.

paris_big_towne_2061_article_and_coverOutlaw Game weist einige wenige Funk-Zupfer aus, Money Love sogar durchgehend, doch daraus abzuleiten, dass Paris sich "später zum Funk entwickelte" ("later developed to Funk"), wie es der englischsprachige Wikipedia-Eintrag ausweist, ist einigermaßen abwegig, zumal Money Love grandios von Rock-Elementen überlagert wird.

Lange Jahre waren die beiden Alben (Vinyl) nur auf Plattenbörsen, gelegentlich auch auf Flohmärkten erhältlich. Seit das Internet ins Rollen kam, sind sie auch über Online-Auktionen zu bekommen, nachdem sie bereits 1978 mit dem Cut-out-Makel versehen wurden. Der wird heute abseits der Sammlerszene nicht mehr als solcher wahrgenommen. Hauptsache, es gibt die Scheiben überhaupt noch als Vinyl. Manche Liebhaber dieser Band haben sich nach Möglichkeit zuweilen doppelt eingedeckt.

Für alle, die sich nicht auf Vinyl einlassen wollen oder ihren Plattenspieler gegen einen CD-Player ersetzt haben, gibt es beide Alben glücklicherweise seit September 2007 (Paris) und September 2008 (Big Towne, 2061) auf CD. Seit Juli 2012 ist sogar eine Limited Collector's Edition erhältlich.

Offenbar hat die nachgefolgte Generation bei Capitol Records erkannt, was in den Archiven verstaubt liegt und einen qualifizierten Sichtungstrupp in den Keller geschickt. Wenn dem so gewesen sein sollte, war das keine allzu verkehrte Idee.

© Uwe Goerlitz

© GeoWis (2012-11-12)

Anzeige