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Alt und gut: Klaus Hoffmann - Ein Konzert
[989]
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Encore!

Im Frühjahr 1980 brachte Klaus Hoffmann mit Ein Konzert sein zweites Live-Album auf den Markt, das bis heute - neben weiteren - zu seinen äußerst erfolgreichen Tonträgern zählt.

Von Jochen Henke (2012-11-20)

Vorangegangen war dem (Doppel-)Album eine ausgedehnte und meist ausverkaufte Tournee im Jahre 1979. Hoffmann, der als einer der bedeutendsten deutschen Interpreten von Chansons des früh verstorbenen Belgiers Jacques Brel (1929-78) gilt, hatte seit 1975 vier Studio- und ein Live-Album (Ich will Gesang, will Spiel und Tanz; 1977) veröffentlicht.

Bereits auf seinem Debüt-Vinyl (Klaus Hoffmann; 1975) sorgte er mit der deutschen Version des Brel-Chansons Le Moribond (1961), das er gemäß der besungenen Hauptfigur mit Adieu Emile¹ betitelte, für Aufhorchen. Liedermacher mit politischen Texten hatten damals noch Hochkonjunktur in der Bundesrepublik, weshalb Hoffmann in den Plattenläden meist in diese Kategorie einsortiert worden war.

klaus_hoffmann_ein_konzertDie Rubrik Chanson war französischsingenden Künstlern und Hilde Knef vorbehalten. Doch Hoffmann war kein Liedermacher seinerzeitiger Klassifizierung - also mit richtungspolitischen Aussagen in seinen Texten. Wie zum Beispiel Reinhard Mey und Stefan Sulke, beide um acht Jahre älter als Hoffmann, pflegt(e) er die feine Note und eine nuancierte, hingegen durchdringende Sozial- und Gesellschaftskritik, dekliniert bis auf Lokale.

Seine Texte behandelten zudem schon früh zwischenmenschliche Beziehungen, Einsamkeit, Sehnsucht, den Tod, die Liebe und seine Geburtsstadt Berlin. Zur damaligen Frontstadt hatte er ein geradezu inniges, wenn auch mitunter ambivalentes Verhältnis, was sich auf dem Album Was fang ich an in dieser Stadt? (1978) heraushören lässt. Ein Studio-Album, das allein durchs Musikalische zeitlos sanft, fast schon schwermütig klingt.

So beschreibt er in Estaminet das Fortgehen aus der geteilten Stadt - zu einem Zeitpunkt, als sie Ziel und Fluchtpunkt für viele Westdeutsche ist. Die Desintegration und Desolation ausländischer Mitbürger am Beispiel junger Türken in West-Berlin greift er mit dem Stück Der Boxer auf. Auch eine textuell wie musikalisch bislang unerreichte Liebeserklärung an (West-)Berlin, die längst Einzug in manches Deutsch-als-Fremdsprache-Übungsbuch gefunden hat, lieferte er: Berlin.

In Die Mittelmäßigkeit dolcht er die Passivität der Durchschnittsdeutschen im Politischen und spiegelt das Fade in eingefahrenen, ehemaligen Liebesbeziehungen, wie auch das Hamsterrad, in dem sich die von genügend Futter genährten Deutschen befinden. Die Mittelmäßigkeit leitet Hoffmann mit dem einminütigen Sprechstück Ich möchte nicht stören ein.

28 Stücke befinden sich auf diesem Doppelalbum, darunter auch das gefühlvolle, noch heute Frauen zu Tränen treibende - folgt man Kommentaren dazu auf Youtube - Die Frau am Fenster. Und Salambo, benannt nach den seit Mitte der 1960er Jahre bis 1997 existierten Burlesque-Lokalen in Hamburg und West-Berlin. Ein flottes, humoriges und die Travestie behandelndes Stück.

klaus_hoffmann_201Hoffmann hatte es schon früh in die lange klassischer Musik und Jazz vorbehaltenen 'heiligen Hallen' der Bundesrepublik geschafft und tritt dort aktuell wieder auf. So in der Tonhalle zu Düsseldorf, die in den frühen 1980er Jahren ihr Jungfernhäutchen freigab, indem sie mit Ry Cooder einen Vertreter populärer Musik auftreten ließ, und im Mozartsaal der Alten Oper zu Frankfurt/Main.

43 Alben hat Klaus Hoffmann, der auch gelernter Schauspieler ist und etwa für seine Rolle in Die neuen Leiden des jungen W. (1976) ausgezeichnet wurde, inzwischen veröffentlicht. Es findet sich keines darunter, das nicht lobenswert wäre. Wer noch nie von Hoffmann gehört hat, dem sei Ein Konzert als - durchaus anspruchvoller - Einstieg empfohlen.

Sein aktuelles Album - Berliner Sonntag -, mit dem er gerade auf Tournee ist, kann sich allerdings auch hören lassen.

¹ Übersetzung: Hans Riedel

Konzerte 2012: 21.11.: Augsburg; 23.11.: Saarbrücken; 24.11.: Düsseldorf (Tonhalle); 25.11.: Siegen; 29.11.: Köln; 30.11.: Frankfurt/Main (Alte Oper, Mozartsaal); 3.12.: Berlin (Friedrichstadtpalast); 6.12.: Pforzheim.

© Jochen Henke

© GeoWis (2012-11-20)

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