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Alt und gut: Alben zu Weihnachten und darüber hinaus - GeoWis empfiehlt Ihnen alternative Musik, die Sie auch verschenken können. Teil 1: Cowboy Junkies, The Gist, Art Of Noise, Shriekback, Leftfield ...
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Oldies für Newbies

Für alle, die Weihnachten nicht O Tannenbaum und andere einschlägige Shanties hören oder sich Weihnachtslieder von Popstars antun möchten, empfehlen wir einige Alben, die sich lohnen.

Von Mariam Backes, Luzilla Brecht, Nina Brenthäuser, Uwe Goerlitz, Jochen Henke, Martin Jasper, Hubertus Molln, Ralf Tenhagen (2012-12-20)

Ganz gleich, ob Sie Weihnachten allein, zu Zweit, mit Familie oder mit wem und wie auch immer verbringen möchten - wir machen es ganz unkompliziert und stellen Ihnen siebzehn Alben aus der Musik-Historie vor, die sich auch als Geschenk eignen. Hier die ersten neun.

Cowboy Junkies

cowboy_junkies_trinity_revisitedKeine Frage - für all jene, die es ruhig angehen lassen wollen oder sich daran erinnern, dass Weihnachten auch das Fest der Liebe genannt wird, sollte man sich die Cowboy Junkies anhören. Nicht irgendein Album - obwohl … sie sind ja alle gut bis sehr gut -, sondern am besten das 2007 erschienene Trinity Revisited, das neben der CD auch eine DVD enthält.

Margo Timmins sanfte Stimme kann einen in den ruhigen Tagen des Jahres auf eine besinnliche wie auch traurige Ebene hieven, zumal dann, wenn sie das alte Elvis-Stück Blue Moon (Revisited) singt, das als eines der besten Cover dieses Songs gilt, vor allem in der Version mit dem am 1. Weihnachtstag 2009 verstorbenen Vic Chesnutt. Klar, auch Chris Isaak hat das gesungen, und gar nicht mal schlecht, doch zu sehr auf den King gemacht.

Wem die Cowboy-Junkies mit Blue Moon zu ruhig sind, der kann ja mal in die Reggae-Version von Reggaesta hineinhören, die dem 1977 verstorbenen King damit eine Huldigung von ebenfalls außergewöhnlicher wie einfallsreicher Güte darbieten.

The Gist / Young Marble Giants / Weekend

the_gist_weekend_nipped_in_the_budSanft geht es auch bei The Gist zu, vor allem in deren Song Love At First Sight vom Sampler Nipped In The Bud, auf dem auch die Young Marble Giants und Weekend vertreten sind. Für alle frisch oder noch immer Verliebten ist das ein Muss, zumal dann, wenn es wirklich Liebe auf den ersten Blick war und man sich daran gern erinnert.

Alison Statton, die Gründungsmitglied der Young Marble Giants (YMG) war, ist bei The Gist nicht mit von der Partie. Die Brüder Stuart und Philip Moxham schulterten The Gist ganz allein. Nur drei Songs steuerten sie zu diesem Sampler bei (neun stammen von den YMG, sechs von Weekend), prägen in aber.

Wer nach Hören von Love At First Sight noch unschlüssig sein sollte, sich zu reproduzieren - und damit wohl oder übel zur negativen Bevölkerungsentwicklung beitrüge, ließe er/sie sich nicht auf den Bestandserhaltungsakt ein -, der kann unterm Tannenbaum oder angrenzendem Sofa Drumbeat For Babys aufdrehen und auf Vermehrungsmodus umstellen.

Art Of Noise

Für ausgiebige Akte sind die als Hintergrund- oder Begleitmusik vorgeschlagenen Songs vielleicht zu kurz, für Denkanstöße aber sollten sie allemal reichen. Für Musikgenießer, die ihr Durchhaltevermögen länger musikalisch begleitet wissen möchten, eignet sich Moments In Love der Künstlertruppe Art Of Noise (AON). Selbst im Jahr 2012, fast dreißig Jahre nach Veröffentlichung der Alben Into The Battle und Close The Edit und mehrer Moments-In-Love-Maxi-Singles.

Art_Of_Noise_Close_To_The_Edit_Moments_In_LoveDie seinerzeit publikumsscheue Band, die zuvor Henri Mancinis Komposition zur in den USA gelaufenen TV-Serie Peter Gunn neu interpretierte und damit berühmt wurde, waren wahre Meister der Reproduktion in musikalischem Sinne. So meisterlich, dass ihre Anhänger bald kaum noch zu unterscheiden wussten, welche Version eines Songs die gelungenere war und wann welche wo veröffentlicht wurde.

Lange bevor die weltweit verbreiteten Scharade-Protestler der Anonymus-Bewegung die Maske des britischen Offiziers Guy Fawkes entdeckten, der kurz nach Beginn des 17. Jahrhunderts ein Attentat auf seinen König versuchte, hatten Art Of Noise eine stilisierte Version als eines ihrer Markenzeichen gewählt.

Moments in Love kann man sich natürlich immer anhören. Doch am besten an Tagen, die sich zur Besinnlichkeit eignen. Weihnachten eben. Dem Einen oder Anderen fällt dann vielleicht auf, dass diese Künstler gut zehn Jahre vor Beginn des I-net-Zeitalters in Sachen Video-Performance revolutionär waren.

Laurie Anderson

Aus der Abteilung Klangkunst kommt auch Laurie Anderson, die 1982 im Alter von 35 Jahren mit O Superman vom Album Big Science als eine der ersten Avantgarde-Künstlerinnen einen Hit hatte. Das Feuilleton von Süddeutscher Zeitung über Zeit bis Frankfurter Allgemeine überschlug sich damals mit Huldigungen für die Amerikanerin, zumal das Stück eine Adaption von Jules Massenets Ô Souverain, ô juge, ô père aus der Oper Le Cid ist.

Laurie_Anderson_Mister_HeartbreakBeim damaligen Bildungsbürgertum mit Hang zu Musiken abseits von Klassik kam das an. Avantgarde geht, wenn sie im Feuilleton gewürdigt wird. Andersons Musik diffundierte auch in andere Gesellschaftsschichten, weil das, was sie mit Big Science brachte, etwas Neues war und sogar im Radio gespielt wurde.

Big Science kann man genauso hören oder verschenken wie Andersons 1983 entstandenes Opus magnum United States (live), ein im Original aus fünf LPs bestehendes Boxset, das sie dem 1984 im Alter von 52 Jahren an Krebs verstorbenen Warner Brothers Records-Vizepräsidenten Rob Regehr widmete.

Unser Favorit aber ist das Stück Gravity’s Angel von Andersons zweitem Studio-Album Mister Heartbreak (1984), auf dem Peter Gabriel beim Song Excellent Birds mitwirkt. Zwar mag Gravity's Angel ein wenig apokalytisch anmuten, aber wie jeder klare Kopf weiß, fällt der Weltuntergang dieses Jahr aus. Warum? Weil die Maya schlicht nur bis zum 21. Dezember 2012 rechnen konnten. Insofern kann man durchaus noch in den Plattenladen (real oder online) laufen, um sich die Scheibe zu sichern.

Shriekback

Anfang bis Mitte der 1980er Jahre machten Shriekback mit ungewöhnlichen Stücken wie My Spine, Mercy Dash und Achtung auf sich aufmerksam und traten mehrfach in Deutschlands angesagten gröβeren Klubs und mittleren Hallen auf, etwa in Bochums Zeche oder dem dortigen ehemaligen Logo. Mitte der 1980er Jahre gelang ihnen ein großer Wurf.

Shriekback_Big_Night_Musiv_Artists_Against_ApartheidBig Night Music heißt das Album, das 1986 erschien und in jede anspruchsvolle Musiksammlung gehört. Es beinhaltet nur Stücke, die "ohne Drum-Computer oder andere digitale Geräte" eingespielt wurden, wie es im Booklet heißt. Das Album bietet Songs aus zwei unterschiedlichen Nächten, in denen es teils flott, teils bedächtig zugegangen sein muss, lauscht man den Songs.

Zu den mitreißenden und eher schnellen zählen Black Light Trap, Running On The Rocks (bei dem die Post laut abgeht) und Sticky Jazz; zu den ruhigen The Shining Path, Exquisite und Cradle Song; zu den vollends ungewöhnlichen Underwaterboys und The Reptiles And I. Mit Underwaterboys ist der Band zugleich eines der harmonischsten Stücke der 1980er gelungen - mit wunderbar durchgedrehtem Text.

Shriekback, 1981 in London von Barry Andrews (Keyboards, Vocals; Ex-XTC und Ex-League of Gentlemen) und Dave Allen (Bass; Ex-Gang of Four) als Duo gegründet, werden auf diesem Album von Mike Cozzi (Acoustik Guitar), Steve Halliwell (Electric Yamaha Piano), Martyn Barker (Drums, Congas, Marimba, Sandpaper, Cymbals), Gavin Mackillop(Cobol explosion), Mark Chandler (Trumpet), Ian Fraser (Tenor Saxo), Sarah & Wendy Partridge (Star-Trek Vocals) und anderen Künstlern begleitet. Die Band gehörte zu der heute noch existierenden Vereinigung Artists Against Apartheid. Und was sagt die Band zu ihrem Album? "We Shrieks are well pleased with our record (...)."

Leftfield

Leftfield_Leftism_geowisWer will, dass sein Weihnachtsbaum schon an den Festtagen zu rieseln beginnt, kauft sich entweder eine vertrocknete Fichte aus dem vergangenen Jahr oder legt Leftism (1995) auf, das Debüt von Leftfield. Die Band, die eigentlich keine ist, es sei denn, sie tritt live auf, hat zu Konzerten immer wieder mal Besuch von den Ordnungsbehörden bekommen, weil sie zu laut aufdrehte. Vor Jahren, so die Legende, haben ihre Bässe den Staub von den Straßen gehoben.

Leftfield gelten als Dub-, Progressive House- und Breakbeat-Pioniere. Sie begannen als Duo (Neil Barnes, Paul Daley), haben aber fürs Debütalbum Earl Sixteen, Papa Dee, Danny Red, John Lydon und - und das zeigt sich als gelungener Kniff für Live-Auftritte - die Sängerin Toni Halliday rekrutiert, die das Stück Original prägt und live das Publikum in Ekstase versetzt. Was wohl auch mit ihrer Erscheinung zusammenhängen könnte. Wer seine Nachbarn nicht in Rage bringen möchte, der setze sich Kopfhörer auf oder - falls keine zur Hand seien - drehe einfach nicht so laut auf.

Will Oldham a.k.a. Bonnie ‘Prince’ Billy

Der Kauz aus Kentucky, der unter verschiedenen Künstlernamen seit mehr als 20 Jahren Alben veröffentlicht, macht im Grunde Musik für sich selbst. Immer wenn er etwas veröffentlicht hatte, diente es offenbar nur der Finanzierung seines nächsten Musikprojekts. Das hat sich bis heute kaum geändert.

Bonnie_Prince_Billy_I_See_A_DarknessManchmal hat Oldham sich aus seinem Eremitentum herausbegeben und mit international bekannteren Musikern zusammengearbeitet. So mit Polly Jean Harvey, David Byrne (Talking Heads), Björk oder dem späten Johnny Cash.

Wir haben es auf zwei Alben abgesehen, von denen eins eher duster ist, weshalb es auch für behandelnde Ärzte in psychiatrischen Kliniken oder Abteilungen empfohlen wird, gewissermaßen als akustische Lektüre, aber natürlich zu allererst an jene Zielgruppe gerichtet ist, die an Weihnachten und darüber hinaus vor lauter Fröhlichkeit und Überschwang schlicht nicht weiß, wie man davon wieder herunterkommt.

Insofern ist I See A Darkness (1999) als Gegenmittel ganz gut geeignet. Zunächst das Titelstück, dann - ganz klar - Another Day Full Of Dread und Death To Everyone. Nicht zu verachten sind auch Today I Was An Evil One und Black. Das Album eignet sich als Geschenk, wenn man jemanden so richtig schlecht drauf bringen oder sich selbst am eigenen Leiden laben möchte. Wer klar im Kopf ist, dürfte sich von diesem Album nicht einschüchtern lassen.

bonnie_prince_billy_ease_down_the_roadEtwas aufgeräumter geht es beim Album Ease Down The Road (2001) zu. Hier hat der Kauz aus Kentucky offenbar einen Anfall von Überschwänglichkeit gehabt, denn mit dem Titelstück, Just To See My Holly Home, Sheep und Mrs. Williams sind ihm für seine Verhältnisse recht gute Rhythmen gelungen. Inhaltlich bleibt sich der grandiose Musiker hingegen weitestgehend treu.

Das Album ist vor allem für Anhänger des gepflegten Sarkasmus‘, für Waldschrate, Alm-Öis und Leute des stillen Genießens von nichts als Musik um der Musik willen ein ehrwürdiger Kontrast zu Leise rieselt der Schnee.

Wenn der Schnee tatsächlich rieselt und man sich am Kaminfeuer wärmen kann, gehört man zu den Glücklichen des Planeten, selbst wenn man den Songs The Lion Lair und Grand Dark Feeling Of Emptiness lauscht. Die herauszuhörende Einsamkeit eines Will Oldham wünschen wir niemandem, den Genuss seiner Musik aber jedem.

Martha and the Muffins

Ihre größten Hits heißen Echo Beach, Danseparc und 1984. Ihre - aus unserer Sicht - besten Songs sind This Is The Ice Age, Swimming und One Night In Paris, alle vom Album This Is The Ice Age (1981). Das Juwel ist in den vergangenen 30 Jahren regelrecht missachtet worden. Allein das Titelstück, siebeneinhalb Minuten lang, gehört zum Besten, was die Truppe um Martha Johnson je eingespielt hat.

Martha_and_the_Muffins_This_Is_The_Ice_AgeKeiner ihrer vorherigen und anschließenden Songs besitzt eine derartige, teils ins Sphärische reichende Steigerung und musikalische Ausdruckskraft wie This Is The Ice Age. Man sollte es entweder richtig laut spielen, vorausgesetzt, man ist im Besitz einer passablen Stereoanlage, oder sich gute Kopfhörer aufsetzen, um alle Sounds wahrnehmen zu können.

Mit dem Stück Swimming (Refrain: "We’re afraid to call it love, let’s call it swimming"), eines der wenigen, das im Original nicht auf einschlägigen Musik-Portalen in Gänze zu finden ist (dafür aber eine nicht uninteressante Interpretation von Wagner & Pohl), hat die Band einen Song erschaffen, der genauso wenig tanzbar ist wie beispielsweise die Lieder von Will Oldham.

Doch anders als der Schwermütige aus Kentucky ist Swimming ein Lied, das Beziehungskitt anbietet und schon aus diesem Grund bei jenen Zeitgenossen und -genossinnen unter den Weihnachtsbaum gehört, die gerade Kitt benötigen. Zur Veredelung kann dann noch One Night In Paris angehört werden.

© Mariam Backes, Luzilla Brecht, Nina Brenthäuser, Uwe Goerlitz, Jochen Henke, Martin Jasper, Hubertus Molln, Ralf Tenhagen

© GeoWis (2012-12-20)

Teil 2 >>

Weitere Musiktipps finden Sie in unseren Rubriken Literatur/Kunst/Medien/Musik und Selected Portraits.

Links zu Hörproben zur Kaufentscheidung (Auswahl)

This Is The Ice Age >>

Love At First Sight >>

Original >>

Ease Down The Road >>

Underwaterboys >>

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