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"Immer ein Lächeln ..." - Zum Tod von Lee Hazlewood

Immer ein Lächeln auf den Lippen und gesoffen wie ein Loch

Am vergangenen Samstag verstarb der Komponist, Texter, Produzent und Sänger Lee Barton Hazlewood.

Von Jochen Henke (2007-08-08)

"Und dann kommt die Legende leger daher, in schwarzem Jeans-Hemd-T-Shirt-Ensemble, hockt sich auf seinen Barhocker, der Legende nach wohl das natürliche Sitzinstrument des grumpy old man from Oklahoma, und tut so familiär, als säße man mit ihm allein in einer kleinen Bar und plauschte ein wenig aus der Vergangenheit", so Jenni Zylka in der TAZ vom 16. September 2002 anläßlich eines "herausgeputzten Publikums" zu Lee Hazlewoods Auftritt im Berliner Schiller-Theater.

 Im November 2006 Jahres erschien sein letztes Album Cake or Death, ein gelungenes Werk, das nahtlos an seine vielen Alben anschließt und gleichzeitig den Schlußpunkt hinter sein Œuvre setzt. Da wußte der weltbeste Bariton der ausgefeilten Popmusik längst, daß er schwerkrank ist und nicht mehr lange zu leben hat, wie er in einem Interview mit Stéfan Picker-Dressel (Spiegel Online vom 18.12.2006) bekannte.

Für das Album hatte er eine Reihe von befreundeten Musikern eingeladen, darunter Bela B. von den Ärtzen, die schwedische Jazzerin Ann Kirsten Hedmark, seinen alten Kumpel Duane Eddie, nicht aber Nancy Sinatra, Offenbar brauchte er diesen künstlerischen Abstand, hätte Sinatra die anderen doch überstrahlt. So singt er Some Velvet Morning mit seiner Nichte Phaedra.

Nancy Sinatra wird ihm darüber nicht böse gewesen sein. Sie waren Freunde und - wie Hazlewood gegenüber Picker-Dressel bekannte - nicht zusammen im Bett gewesen.

 Vor einigen Monaten schrieb Maja Neldner in ihrem Beitrag (GeoWis vom 9. März 2007) Kissed the Sun, touched the Moon: "Die Musik aber, die er mit Nancy Sinatra machte, Country nur im Kern, von amerikanischen Mainstream-Musikjournalisten auch als Saccharine Underground klassifiziert, von anderen, aufgeweckteren Journos als deutlich psychedelische Musik eingeschätzt - zu einem Zeitpunkt, als The Rolling Stones, The Who oder The Beatles noch auf Findungsreisen waren -, hat den beiden bis zum heutigen Tag niemand nachmachen können."

Auf ihrer Webseite verzichtet Nancy Sinatra auf huldigende Worte. Sie spricht nicht "gewohnt seifig von einem ganz Großen des Rock'n Roll", wie es laut Peter Flore der in seichtem Wasser fischende deutsche Koch- Sport- und Event-Moderator Johannes B. Kerner täte.

Stattdessen hat sie einen Thread auf ihrer Webseite eingerichtet, angereichert mit erstaunlichen Fotos und wenigen Worten. Ihre und Hazlewoods Anhänger scheinen das zu schätzen wissen und ihren Schmerz über den Verlust des Freundes erkannt zu haben. Die Kommentare und Mitgefühlsbekundungen lassen unzweifelhaft darauf schließen.

 Barney Hoskins schreibt in seiner Rezension zu Cake or Death, Hazlewood sei ein "amerikanischer Einzelgänger, der nach seinen eigenen herausragenden 'offbeat rules' operierte, seit er Sanford Clarks Top-10-Hit The Fool vor über einem halben Jahrhundert" produziert habe. Da mag so mancher neidisch werden, so mancher aufschauen, so mancher den Glauben an das Gute im Individualismus wiederfinden.

Die Alben von Hazlewood/Sinatra verkauften sich weltweit, fanden schon bei Erscheinen in den 1960er Jahren in Brazilien und dem spanischsprechenden Teil Südamerikas ebenso begeisterte Anhänger wie in China, Japan oder Russland. Es waren der Rhythmus, die Textur und die beiden von Kontrast geprägten Stimmen - hier die helle Sinatras, dort die dunkle Hazlewoods -, die über die regionalen Sprachräume hinaus ankamen.

Seinen 78. Geburtstag - am 9. Juli - erlebte Lee Hazlewood noch und hat vielleicht damit seine Ärzte erstaunt, die ihm ungünstigere Prognosen gestellt hatten. Es hatte ihm zu schaffen gemacht, daß er Hilfe bei essentiellen täglichen Dingen und Notwendigkeiten benötigte. Wem in seiner Situation hätte es nicht zu schaffen gemacht?

 Doch Hazlewood, Koreakämpfer, war fair zu sich. Er wußte, weshalb er Nierenkrebs hatte und man diesen nicht mehr abschütteln kann. Er war pragmatisch, fand es in Ordnung, daß seine Songs gecovert oder für Werbezwecke eingestzt wurden. "Ich habe für Nichtstun einen Haufen Geld gescheffelt", sagte er im Interview mit Stéfan Picker-Dressel auf dessen Frage, ob ihn die Verwendung von These Boots are made for Walking für einen Werbespots einer Pizza-Kette nicht gestört habe.

In diesem Interview antwortete er auf die Frage, was nicht unerwähnt bleiben solle, wenn später über ihn gesprochen werde, daß er "immer ein Lächeln auf den Lippen gehabt, tolle Songs geschrieben und nie eine Frau geschlagen und wie ein Loch gesoffen" habe. Besser kann man sein Leben nicht zusammenfassen.

Lee Barton Hazlewood starb am 4. August 2007 in seinem Wohnort Henderson, unweit von Las Vegas, Nevada.

© Jochen Henke

© GeoWis (2007-08-08; 07:23:10)

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