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Portrait: Modern English - Brit Pop mit Anspruch
[343]

"Someone's Calling"

Was heute unter der Rubrik Brit-Pop veröffentlicht wird, hat nur noch wenig zu tun mit dem, womit der Begriff einst einen Triumphzug durch die Musikszene gestartet hatte. Eine der vergessenen Brit-Pop-Bands ist Modern English.

Von Luzilla Brecht (2008-05-29)

Degeneration des Brit-Pop (DdBP) müßte der Begriff heißen, mit dem die schier unendlich dehnbare Musikrichtung heutzutage zu beschreiben versucht wird. Mäßige Manager, ängstliche Produktionsfirmen und popgeschichtliche Analphabeten sind wohl am Werk, wenn es darum geht, sich in der Beschreibung eines Genres wiederzufinden, dem sie mit ihrem aktuellen Output meistenfalls nicht gerecht werden.

 Der jüngst 50 gewordene Paul Weller, der erst mit The Jam reüssierte, einer Band, die den Mods zugeordnet wurde - den Modernisten - und der dann mit Steve Talbot The Style Council gründete, um den Trend des New British Rhythm'n Blues, New British Soul'n Jazz, New British Pop nicht zu verpassen, und später auch Solo-Platten einspielte, wurde wie kaum einer seiner Zeit geehrt.

Weller war einer unter vielen, einer aber, der zumindest mit The Jam innerhalb der Richtung Akzente setzte. Paul Weller wird bis heute von den Kritikern geliebt.

Die Band Modern English, deren frühe LP Mesh and Lace (1981) hierzulande nur von Insidern und den dem Punkrock Verhafteten wahrgenommen worden war, setzte alsdann mit kaum einer Handvoll Songs ihrerseits Zeichen und hinterläßt sie der Brit-Pop-Geschichte bis heute.

Zuvor aber orientierte sie sich eher an Bauhaus und Joy Division - auch Anleihen bei Tuxedomoon sind erkennbar - und pflegte eine Art musikalischen Dekonstruktivismus, wie er besonders auf der LP Mesh and Lace in Songs gekleidet ist. 

Mit dem 1982 erschienenen Album After The Snow gelingt der Gruppe zum Verdruß ihrer Anhänger ein internationaler Durchbruch, für den der Hit I Melt With You und das eindringliche Stück Life In A Glasshouse verantwortlich zeichnen. 500.000 mal verkaufte sich die LP allein in den USA. Dort hat die Band eigenen Angaben zufolge bis heute rund vier Millionen Tonträger abgesetzt.

 After The Snow ist gleichwohl ihr homogenstes und melodiöstes Album. An diesen gelungenen Wurf konnte die Gruppe nicht mehr anknüpfen. Das 1984 erschienene Album Ricochet Days floppte denn auch kommerziell, und trägt dennoch mit seinen Stücken Heart und Ricochet Days zu den musikalischen Highlights der 1980er Jahre bei. 

In allen angesagten westdeutschen Klubs wurden die Songs von Modern English gespielt. Vorzugsweise jene, die sich vom üblichen NDW-und New Wave-Quatsch und von allzu experimentellen Klangwundern unterschieden, die sich etwa in post-Tangerine Dream-, Kraftwerk oder Klaus-Schulze-Sphären bewegten: After The Snow, I Melt With You, Life In A Glasshouse

Modern English hielt für kurze Zeit, was ihr Bandname versprach. Natürlich hatten sie auch stets Avantgardistisches im Repertoire, wie zum Beispiel die Band Eyeless in Gaza es verkörperte, oder Throbbing Gristle, The Jam und einige andere 80er-Bands aus Großbritannien, die den einen oder anderen Hit schrieben - so die ewig traurigen Chameleons - und ihren gesellschaftspolitischen Frust in Songtexte packten.

So melancholisch wie The Chameleons waren Modern English aber schon aufgrund ihres flotten Gitarrenstils auf ihren Hits nie. Und auch in die doch allzusehr vom damals herrschenden Manchester-Kapitalismus und der Blackpool-Architektur offenbar traumatisierte Band Throbbing Gristle hatte nicht den Mix von eingängiger, tanzbarer und sozialkritischer Musik gefunden.

 Denn das Sozialkritische war zu jener Zeit ein Muß. Margaret Thatcher stand Großbritannien vor. Die von Andy Partridge angeführte Band XTC verstand das, konnte aber ebensowenig massentaugliche Melodien in die meisten ihrer Songs einpflegen.

Richtig wahrgenommen und akzeptiert wurde Modern English in der Musikpresse, die zu jener Zeit von Spex, dem Rolling Stone und Music Express dominiert wurde, erst, als die Band auf das Projekt This Mortal Coil traf, das ebenfalls auf dem britischen Label 4AD lief und inzwischen auch die Cocteau Twins vertrat.

Vom Brit-Pop hatte sich Modern English einstweilen verabschiedet und veröffentlichte neben den Projekten, in denen die Band steckte, respektabel Aufgebrühtes, manch Düsteres. So Gathering Dust.

Nachdem sie sich 1991 aufgelöst hatte, ging sie wenige Jahre später mit neuem Line-up unter Robby Grey wieder ins Studio und brachte 1996 das Album Everything's Mad auf den Markt, das sie im vergangenen Jahr überarbeiteten.

 Ansprechend darauf sind The Planet und I Can't Breathe, die ein wenig an ihr bedeutendstes Album After The Snow anknüpfen können, auf dem der eigentliche Hit, das eigentliche Stück, die eigentliche Virtuosität dieser sich oft selbst im Wege gestandenen Band mit Someone's Calling zum Tragen kommt.

Das Dilemma von Modern English war das musikalisch Unstete. Sie waren schwer einzuordnen, und sind es mit ihrem Œuvre bis zum Tage geblieben. Hinzu kommt, daß sie sich immer wieder Schaffenspausen gönnte, von denen einige selbstverschuldet waren, und in nun bald 29 Jahren schlicht zuwenig komponiert und produziert hat. 

© Luzilla Brecht

© GeoWis (2008-05-29)

Modern English auf MySpace >>

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