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Mexiko: Eine Tonne Cash
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Eine Tonne Cash

Vor einem Monat wurde Michelle Wong, Konkubine von Zhenli Ye Gon, mexikanischer Geschäftsmann chinesischer Herkunft, in Las Vegas verhaftet. Während Ye Gon Verbindungen zu mexikanischen Drogenkartellen nachgesagt werden, wird Wong der Geldwäsche für ihn verdächtigt.

Von Grisel Ojeda (2007-08-25)

Als die mexikanischen Fahnder am 15. März dieses Jahres mit einem Durchsuchungsbefehl in die Residenz von Zhenli Ye Gon in Mexico Citys noblem Stadtteil Las Lomas de Chapultépec eindrangen, staunten sie nicht schlecht über das, was sie kurze Zeit später fanden. Gut gebündelt und auf eine Höhe von mehr als einem halben Meter gestapelt, tat sich ihnen neben einigen Stapeln mexikanischer Pesos und etwas Kleingeld in Euros ein Meer von Dollarnoten auf, insgesamt über 200 Millionen. Es war der bislang größte Bargeldfund im Zusammenhang mit Geldwäsche.

 Zhenli, der für wenige Jahre im Pharmabusiness eine ordentliche Nummer war, trafen sie nicht an. Vier Monate später setzten ihn Fahnder der amerikanischen Drug Enforcement Agency (DEA) in Wheaten, US-Bundesstaat Maryland, fest und führten ihn dem Richter in Washington D.C. vor.

Vorwurf: "Verschwörung und Anstiftung zur Produktion von wenigstens 500 Gramm Methamphetamin unter Kenntnis, dass es in die USA importiert würde", so die DEA in einer Presse-Information vom 24. Juli 2007.

Zhenli Ye Gon hatte seit spätestens 2006 im Fokus von mexikanischen Strafverfolgern gestanden. Er galt als protzig und fiel auf. Im US-Spielerparadies Las Vegas (Bundesstaat Nevada) zockte er und verlor siebenstellige Summen. Nach DEA-Angaben mehr als 125 Millionen Dollar seit 2004.

Im Casino des Hotels Mirage lernte er im selben Jahr die damals 23-jährige Chino-Amerikanerin Michelle Wong kennen, die ihm erst das Rien n'est va plus ansagte, dann seine Mätresse, Abgesandte fürs Einkaufen in den USA und schließlich von ihm schwanger wurde. Zhenli habe Wong eine halbe Million Dollar gegeben, um Klimaanlagen zu kaufen, die sie an seine Firma in Mexico City liefern sollte, so einer der Vorwürfe der Ankläger.

 Ein weiterer ist, dass Michelle Wong 1,1 Millionen Dollar in bar hingeblättert haben soll, um in Las Vegas eine Bleibe und zwei Luxuskarossen vom Typ Mercedes-Benz zu bezahlen. Auch soll sie Juwelen mit Zhenlis Geld bezahlt haben. Das scheinen die groben Fakten zu sein. Doch die Rolle Zhenlis und Wongs im Hinblick auf Organisiertes Verbrechen ist mit den Geldwäschevorwürfen der Ankläger längst nicht umfassend ergründet.

Der 1963 in Shanghai geborene, 1991 nach Mexiko gekommene und 2002 unter der Nummer 1389502 eingebürgerte Geschäftsmann gründete 1997 in Mexico City die Firma Unimed Pharm Chem de México, die sich auf den Import von Pseudoephedrin, einem Derivat von Phenethylamin oder Amphetamin, spezialisierte. Die Substanz wird häufig in Erkältungsmedikamenten verwendet und ist etwa in den Arzneien Aspirin™Complex und Rhinopront™Kombi enthalten. Mit wenig Aufwand kann mit dem Rohstoff die Droge Methylamphetamin hergestellt werden.

Bevor Zhenli seine Unimed gründete, lag die Pseudoephedrin-Herstellung bzw. deren Import fest in der Hand der Major Players BASF Mexicana und Schering Plough. Noch im Jahr 2000 betrug die Produktion bzw. der Import des Rohstoff Angaben der mexikanischen Zollbehörde zufolge etwas mehr als 60 Tonnen. Nach Schering Plough (22 Tonnen) gesellte sich der Importeur SICA hinzu, der 21 Tonnen importierte. BASF Mexicana kam auf 15 Tonnen, Zhenlis Unimed auf null.

Vier Jahre später hatte sich die Gesamtmenge vervierfacht. Größter Importeur mit 68 Tonnen war plötzlich die SICA, die nicht mal über eine Webseite verfügt. BASF Mexicana brachte es auf 52 Tonnen, Zhenlis Unimed Pharm auf 32 und Schering Plough auf nur noch 20. Weshalb der Bedarf an Pseudoephedrin derart anstieg und in den Folgejahren wieder auf das Niveau des Jahres 2004 sank, gehört noch zu den ungelösten Rätseln.

Gegenwärtig wird nur Zhenli Ye Gon verdächtigt, mexikanische Drogenkartelle mit Rohstoffen zur Amphetaminherstellung versorgt zu haben, was erklären könnte, woher die mehr als 200 Millionen Cash stammen. Mit diesem Geld wollte er mexikanischen Medien zufolge angeblich eine 14.000 km² große Produktionsstätte in Toluca, Hauptstadt des Bundesstaats Morelos, bauen. Hierzu hatte er beim norddeutschen Präzisionsmaschinenhersteller Fette acht Tablettenpressen gekauft und nach Mexiko eingeführt.

Damit hätte er mehrere Millionen Pillen pro Tag produzieren können, allerdings konnten die mexikanischen Fahnder nur eine der acht Pressautomaten lokalisieren. Der Verbleib der anderen sieben ist bisher noch unbekannt. Nicht auszuschließen ist daher, daß die Maschinen an Drogenkartelle durchgereicht wurden.

Im Dezember 2006 kamen Fahnder des mexikanischen Zolls und der Generalstaatsanwaltschaft (PGR) Zhenlis verdächtigem Importgehabe auf die Schliche. So stellten sie fest, dass im Hafen des Seebads Lázaro Cárdenas, Bundesstaat Michoacán, 19 Tonnen Pseudoephedrin gelöscht wurden, die für Unimed Pharm bestimmt waren. Anhand der sichergestellten Dokumente verfolgten die Fahnder den Weg der Ladung zurück.

Bevor die Ladung in Lázaro Cárdenas gelöscht wurde, hatte das Schiff den Hafen der Touristen-Hochburg Manzanillo, Bundesstaat Colima, angelaufen. Davor war es im kalifornischen Long Beach. Abgelegt hatte es in Hong Kong. In der ehemaligen britischen Exklave war Zhenli mit der Unimedic Hong Kong zugange. Die ominöse Schiffsroute führte schließlich zur Hausdurchsuchung.

 Zhenli ehelichte 1995 die Chino-Mexikanerin Tomoiyi Marx Yu, mit der er zwei Kinder hat. Die Familie seiner Frau war durch den Betrieb des Restaurants Hong Kong in Mexico City zu bescheidenem Wohlstand gelangt. Zhenli selbst ging es bis zum Jahr 2002 eher mäßig, heißt es aus seinem chino-mexikanischen Umfeld.

Dann schwamm er plötzlich offenbar im Geld. Innerhalb der chinesischen (Unternehmer)-Gemeinde der mexikanischen Hauptstadt habe man ihn als "Mega-Empressario" bezeichnet, so Fu Huaxin, Mitglied dieser Gemeinde, gegenüber der Generalstaatsanwaltschaft. Das Seltsame sei, wie er das alles geschafft habe, so Fu weiter, denn er habe nichts gehabt. Anfang 2003 habe er sich mehrere Autos gekauft und sei viel gereist, nach Europa, nach Hawaii. Reisen nach China habe er gemieden.

Stattdessen habe er dafür gesorgt, dass seine chinesischen Kollaborateure - darunter Zhan Yin Fu, Ge Yin Bo, Ye Yong Ping, Hu Zhan, Wu Xo Gozan Yin Wa, Fu Huaxin, Le Xu Xue - in Sachen Pseudoephedrin notwendige Reisen unternahmen, so ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft gegenüber der Tageszeitung El Universal.

Während sich Zhenli auf der Flucht befand und von Interpol gesucht wurde, beteuerte er - inszeniert von seinen Anwälten - per Video-Schaltung seine Unschuld. Nach seiner Festsetzung in den USA gab er zu Protokoll, die in seinem Haus gefundenen 207 Millionen Dollar Cash seien für die Pflege der politischen Landschaft vorgesehen gewesen.

Generalstaatsanwalt Eduardo Medina Mora hat noch kein Auslieferungsgesuch beantragt, für das er 60 Tage Zeit hat, um in Mexiko ein Verfahren gegen Zhenli anzustrengen. Wie es der Zufall wollte, war Medina Mora, dem wie vielen mexikanischen Generalstaatsanwälten zuvor nachgesagt wird, er habe zu wenig Abstand von undurchsichtigen Freunden, vor kurzem in "anderer Angelegenheit" in Washington, die nichts mit Zhenli zu tun gehabt habe, so die Online-Zeitung seguridad y defensa.com. Am 3. August entschied das zuständige US-Gericht, dass Zhenli weiter in Untersuchungshaft bleibe. Eine vorläufige Freilassung auf Kaution lehnte es ab.

Möglicherweise ist dies für den chino-mexikanischen Shooting-Star besser als in Mexiko einzusitzen. Angesichts der langen Arme mexikanischer Drogenkartelle wäre er dort weit weniger seines Lebens sicher. Weist man ihm jedoch in den USA nach, dass er tatsächlich Drogen illegal in die USA verbringen wollte, wird er dort sehr lange bleiben müssen.

Ähnlich könnte es Michelle Wong ergehen. Sollten ihr die ihr gemachten Geldwäsche-Vorwürfe nachgewiesen werden können, stünde ihr ebenfalls ein hohes Strafmaß bevor. Immerhin gab sie gegenüber den amerikanischen Strafverfolgern bisher Erhellendes zu Protokoll. Danach habeZhenli Ye Gon ihr erzählt, "die Gruppe" habe ihm aufgegeben, "das Geld in Las Vegas zu waschen, mit dem Geld zu spielen und teure Gegenstände zu erwerben."

Zu dumm nur, dass Zhenli Ye Gon ein lausiger Gambler war und einfach massenhaft Geld am Spieltisch vernichtete. Am 7. September hat Michelle Wong Gelegenheit, ihre Aussagen zu verfeinern. Dann steht sie in den USA vor Gericht.

© Grisel Ojeda

© GeoWis (2007-08-25)

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