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Ordentlicher Reibach

Von Tom Geddis (2011-09-12)

Auf jede Nacht folgt ein Morgen, es sei denn, man verschläft ihn. Ich hatte die Nacht in Túxpans Diskothek Mantarraya verbracht, bei ziemlich viel Tequila - einem Reposado der Marke Corralejo (Mia Hidalgo), abgefüllt in Pénjamo, Guanajuato. Ein teurer Tropfen, der seine Wirkung nicht verfehlte. Also änderte ich an jenem 12. September meine Gewohnheiten. Statt des morgendlichen Kaffee-Omelett-Frühstücks und der Planung des Tages, spazierte ich in Badeshorts direkt zum Wasser, um mich zu erfrischen. Es war bereits kurz vor Mittag.

 Der einzige Ort, an dem ich anschließend sein wollte, war Mexico City, schon wegen der vielen dort erscheinenden Zeitungen, aber auch um zu sehen, wie die Stimmung dort war. Nachdem ich ausgecheckt hatte, fuhr ich ins Zentrum von Túxpan, setzte von einem Internet-Café aus einige E-Mails ab und machte mich auf den 320 Kilometer langen Weg zur Hauptstadt.

Auf der Strecke gab es die üblichen Straßensperren und Kontrollen (revisiones) durch die Procuraduría General de la República (PGR). In Mexico City, wo ich am späten Nachmittag ankam, waren am Palacio de Bellas Artes, vor der Börse und am Torre Latinoamericana auffällig viele Polizisten und Militärs postiert, ganz so, als wollte man der Bevölkerung demonstrieren, dass sie sicher wäre. Indes, man konnte sicher sein, dass kein noch so durchgeknallter Islamist einen Anschlag in Mexiko verüben würde. Gefährlicher waren Mexikos kriminelle Eigengewächse.

Ich kaufte einen Stapel Zeitungen und Magazine und verbrachte damit den Rest des Tages bei laufendem Fernseher im Hotelzimmer. Hauptthema: 9/11. Titel, Thesen und Temperamente in Hülle und Fülle, und – natürlich – Bilderstrecken vom Ort des Geschehens, wobei die Druckqualität immer in Relation zum Preis des Mediums zu setzen war.¹

Guillermo Prieto Treviño, seit Mai 2001 Präsident der mexikanischen Börse (Bolsa Mexicana de Valores/BMV), weilte in Costa Rica, um mit den Präsidenten der anderen lateinamerikanischen Börsen im Rahmen der Federación de Bolsas einen Kongress abzuhalten, als er von den Anschlägen aufs WTC und das Pentagon erfuhr. Gegen zehn Uhr vormittags (Ortszeit Mexico City) veranlasste er am Tag der Attacken die Schließung der BMV. Chile, Brasilien und Argentinien folgten seinem Beispiel. Was blieb Ihnen auch anderes übrig? Kurz zuvor hatte Treviños Amtskollege William R. Johnston die New Yorker Börse (New York Stock Exchange/NYSE) geschlossen. Bis zum Freitag, dem 14. September, wurde der Handel ausgesetzt. Erst am Montag, dem 17., sollte er wieder aufgenommen werden.

Die vorübergehende Schließung der NYSE schien der einzig denkbare Schritt zu sein, denn die technische Infrastruktur lag in einem gigantischen Schuttberg auf Ground Zero, ebenso die vieler Finanzdienstleister. Ungeachtet dessen waren weltweit die Kurse abgesackt, an der Börse in Mexico City um gut 5,5%. In den USA sollten die Verluste um ein Mehrfaches höher ausfallen.

Geld an der Börse zu verlieren, war für US-Bürger und institutionelle Investoren schon damals nichts Neues mehr. Anderthalb Jahre vor 9/11 platzte die Dot-Com-Blase. Wie Dominosteine purzelten die Kurse von Start-ups, und während unzählige Kleininvestoren ihr Erspartes oder per Kredit finanziertes Zockerkapital verloren, füllten sich die Taschen einiger weniger Start-up-Gründer und Risikokapitalgeber. Erstaunlich gut weg kam der Star unter den Venture-Kapitalgebern, Sequoia. Die Geldeinsammler und -verteiler hatten Atari, Apple, Cisco Systems, Google, Yahoo, PayPal, Oracle, Facebook und vielen anderen auf die Beine geholfen und verdienen sich seit 40 Jahren dumm und dämlich. Dass vielfach auch Rohrkrepierer darunter waren, schmälerte das Profit-Portfolio Sequoias kaum empfindlich.

Auch die Anleger bei MCI WorldCom und Enron machten durch die heroischen Bilanzfälscher Bernie Ebbers und Scott Sullivan (WorldCom), Kenneth Lay, Jeffrey Skilling und Andy Fastow (Enron) mächtig Verluste. Immerhin wurden die Betrüger verurteilt. Ebbers sitzt seit 2006 eine 25-jährige Haftstrafe ab, Sullivan hat fünf Jahre bekommen; Fastow bekam 2006 sechs, Skilling 24 Jahre aufgebrummt, gegen die er Berufung eingelegt hat. Einzig Enron-Gründer Lay, lange ein Freund von George Herbert und George Walker Bush und deren Freunde – Ex-Außenminister James Baker und Ex-Handelsminister Bob Mosbacher standen auf der Enron-Paylist -, musste trotz Verurteilung nicht hinter Gitter. Er verstarb vor Verkündung seines Strafmaßes im Juli 2006.

 Doch die Geldverbrennung und -umverteilung durch die Bubble burster und Bilanzfälscher war geradezu Kleingeld gegen das, was anderswo verschwand. Etwa im Pentagon. Am 10. September 2001 hatte US-Verteidigungsmi- nister Donald Rumsfeld laut CBS News auf einer Pressekonferenz erklärt, der Verbleib von 2,3 Billionen Dollar (!) aus dem Pentagon-Budget könne nicht belegt werden. Zu diesem Zeitpunkt standen gut zweieinhalb Millionen Menschen bei den US-Streitkräften im Sold. Hätte man das Geld unter ihnen verteilt, wären es pro Kopf 920.000 Dollar gewesen. So blöd aber ist kein Buchhalter. Wo die Billionen von Rumsfelds Behörde abgeblieben sind, interessierte ab dem nächsten Tag niemanden mehr. It's simply gone.

Prächtig verdient hatten auch jene Insider, die zwischen dem 6. und 10. September 2001 put options von Unternehmen kauften, deren Aktienkurse nach den Anschlägen drastisch an Wert verlieren würden. Bei put options gewinnt bekanntlich der Inhaber dieser Wettscheine, wenn der Aktienkurs fällt. Manche Wetter verfügten offenbar über seherische Fähigkeiten und kauften wie wild put options von den Betreibern der 9/11-Flieger United Airlines und American Airlines; auch die Papiere der Versicherungsgesellschaften Münchner Rück (Munich Re), Swiss Re und der französischen AXA Group waren kurz vor den Anschlägen begehrt.

Im Fokus der wettenden Hellseher waren auch Papiere der Finanzdienstleister Merrill Lynch und Morgan Stanley. Auf Lynch wurde binnen der vier Handelstage vor 9/11 mehr als das Achtundvierzigfache an put options gekauft, statt wie durchschnittlich 252 pro Tag. Insgesamt 12215 Stück – bezogen aufs Mittel eine Steigerung von 4850 Prozent. Morgan Stanley, die 22 Etagen im Nordturm des WTC belegt hatte - Gott habe die Angestellten selig -, erlebte einen Run um das Achtzigfache. Von durchschnittlich 27 put options vor 9/11 wurden zwischen dem 6. und 10. September 2157 Stück gekauft, aufs Mittel eine Steigerung von knapp 8000 Prozent. Als die NYSE ihre Pforten wieder öffnete und den Handel aufnahm, lösten die Hellseher ihre Wettscheine ein. Lynch-Papiere verloren 11,5%, Morgan Stanleys 13%.² Ein ordentlicher Reibach für die Wettbrüder.

In den ersten Tagen nach 9/11 kümmerte sich niemand um diesen möglichen Insiderhandel, der immerhin voraussetzte, dass die eifrigen put-options-Käufer über Vorabinformationen oder einen besonderen Draht zum Börsengott zu den kommenden Anschlägen verfügten. Stattdessen sprang die Desinformationsmaschinerie der US-Dienste an, nachdem die eigentlichen Aufgaben sträflich vernachlässigt worden waren, und versorgte die Nachrichtenagenturen und Leitmedien vor allem der westlichen Welt mit Dossiers zu Osama bin Laden, al-Qaida und Dauerfeuer zur Katastrophe. In den zehn Jahren des zuvor von den Sowjets geführten Krieges gegen Afghanistan erfuhr die Welt nicht halb so viel über das Land und dessen Bevölkerung, wie in den Tagen nach den Anschlägen; hinsichtlich der erst zu Beginn der 1990er Jahre in Erscheinung getretenen al-Qaida ebenso.

 Das linksdemokratische Nachrichtenmagazin Proceso³ widmete dem Thema allein im September 2001 drei Titel; sämtliche mexikanischen Tageszeitungen berichteten überbordend. In anderen Ländern das gleiche. Dabei blieb bei einigen zwar nicht unentdeckt, dass die Aktienkurse von Rüstungsunternehmen, deren Zulieferern und die von Sicherheitsfirmen nach oben schnellten; es blieb aber weitgehend verborgen, dass vor 9/11 reichlich call options von derartigen Firmen gekauft worden waren – zum Kurs, der vor der Handelsaussetzung galt. Als der Handel am 17. September wieder aufgenommen wurde, konnte abgesahnt werden.

Mehr Geld versprachen sich auch Larry Silverstein, Chef von Silverstein Properties, jener Immobilienfinancier und -betreiber, der sechs Wochen vor den Anschlägen das WTC für 99 Jahre pachtete, und die New Yorker Hafenbehörde (New York and New Jersey Port Authority), der das Gelände gehörte und die nun mit Silverstein Properties eine Betreiberbeziehung eingegangen war. Der WTC-Komplex warf ja längst nicht mehr die Renditen ab, die in den ersten zwei Jahrzehnten nach seiner Fertigstellung eingestrichen werde konnten. Hohe Wartungs- und Instandhaltungskosten und einige Leerstände minderten die Profite.

Es heißt, Silverstein Properties hatte als Auflage, das WTC gegen terroristische Anschläge zu versichern. Das wirkt isoliert betrachtet zwar seltsam und zieht beträchtliche Policenkosten nach sich, lässt sich aber im Zweifel damit erklären, dass im Februar 1993 der erste Terroranschlag auf das WTC verübt worden war. Doch was Silverstein Properties mit dem WTC vorhatte, inwieweit sie es auf Vordermann zu bringen und zu vermarkten gedachte, weiß nur Larry Silverstein.

9/11 sollte zunächst gut 3,5 Milliarden Dollar Versicherungsentschädigung in Silversteins Kassen spülen, was dem greisen Larry nicht ausreichte. Nach erfolgreicher Prozessführung wird er Jahre später mehr als die doppelte Summe erhalten haben. Seine abstruse Begründung gegenüber dem Gericht: zwei Flugzeuge seien in die Twin Towers eingeflogen, also gebe es zwei Versicherungsfälle. Der Mann verstand sein Geschäft.

¹ Zum Beispiel: Heraldo de México vom 12.09.2001

² Website 9-11-Research

³ Proceso Nr. 1298 vom 16.09.2001; Nr. 1299 vom 23.09.2001; Nr. 1300 vom 30.09.2001

© Tom Geddis

© GeoWis (2011-09-12)

Teil 1: Als die Busfahrer tanzten >>

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