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Marshall-Inseln nach den Fallouts
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Erst Radioaktivität, nun Kohlendioxid

Vor 45 Jahren führten die USA ihre offiziell letzten Atombombentests im Hoheitsgebiet der Marshall-Inseln durch. Nun sieht sich die Inseln-Republik auch mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert.

Von Maik Mensing (2007-03-05)

Weit über tausend Atombomben haben die USA zwischen 1945 und 1992 zu Testzwecken subterrestrisch, submarin, terrestrisch und atmosphärisch gezündet, die meisten davon im US-Bundesstaat Nevada und im Westpazifik im Hoheitsgebiet der Marshall-Inseln. Zu letzteren stand ihnen eine Seefläche von mehr als drei Millionen Quadratkilometern zur Verfügung. Doch die meisten Tests, die sie in dieser Region durchgeführt hatten, fanden im engeren Einzugsbereich der Inseln und Atolle von etwa der Hälfte der Fläche statt.

Atombombentest auf Bikini, 1946Besonders oft traf es die Atolle Bikini, Enewetak und Rongelap. Zehn Monate nach dem Abwurf der Atombomben auf Nagasaki und Hiroshima begann unter Vize-Admiral W.H.P. Blandy die Operation Crossroads mit der Bombe 'Able', einem 23-Kilotonnen-Exemplar, das 160 m über dem Meeresspiegel der Lagune des Bikini-Atolls von B-29-Bombern abgeworfen wurde.

Es war der vierte Test - nach Nagasaki, Hiroshima und dem Projekt Trinity (1945 in New Mexico) -, und der erste im Westpazifik. Ziel dieses Tests war, herauszufinden, welche Auswirkungen die nukleare Explosion auf Schiffe, Flugzeuge und Fauna hätten.

Gut 70 Schiffe ankerten damls im Atoll oder waren zwangsverankert worden, darunter die eroberte deutsche Prinz Eugen und die japanische Nagato. Die meisten aber gehörten zur US-Pazifikflotte, so die USS Saratoga, USS Arkansas oder USS New York.

Operation REDWING. AtompilzWas militärwissenschaftlich ein Erfolg war, wurde für Blandy und die USA zum ersten militärpolitischen Desaster der noch jungen Nachkriegszeit, die auch im tropischen Westpazifik schon vom Kalten Krieg beherrscht worden war.

Durch die Detonation sank die USS Gilliam, ein halbes Jahr später auch die durch den Test stark angeschlagene Prinz Eugen. Die B-29-Bomber hatten 'Able' dummerweise nicht koordinatengerecht fallen lassen.

Bevor die Testserie startete, waren die Bewohner der 1529 von den Spaniern entdeckten, ab 1886 von den Deutschen, anschlieβend (ab 1914) von den Japanern und (ab ca. 1943) von den Amerikanern annektierten Atolle, auf der Siedlungsstrukturen bis 2000 v. Chr. nachgewiesen wurden, zwangsumgesiedelt worden.

Erst 1973 durften sie für wenige Jahre zurückkehren, nachdem Messungen den zuvor massiven radioaktiven Fallout für unbedenklichen erscheinen lassen hatten. Zu voreilig, wie sich herausstellen sollte. Vielleicht auch auf Grund der technisch eingeschränkten Messmittel.

Operation Redwing, 1956Crossroads wurde einen Monat nach dem Desaster fortgesetzt, diesmal mit der Bombe 'Baker', knapp 30 m unter dem Meeresspiegel. Dabei sanken etwa die Saratoga, Arkansas, Nagato und die U-Boote USS Apogon und Pilotfish. Friendly Fire oder Kollateralschäden würde man heute dazu sagen. Und der Kalte Krieg forderte weitere Opfer.

Atombombentests, ob in den Weiten der damaligen sowjetischen Teilrepublik Kasachstan oder in den wenig besiedelten US-Regionen New Mexico und Nevada, vorzugsweise jedoch im Pazifik, in dem auch Frankreich die Gelegenheit erkannte, in unter seiner Herrschaft stehenden Protektoraten Testgebiete zu sehen, nahmen exponentiell zu.

Die Operationen Sandstorm (1948), Greenhouse (1951), Ivy (1952), Castle (1952), Redwing (1956) und Hardtack I (1958) bescherten dem Enewetak- und Bikini-Atoll mit rund hundert weiteren Tests das Vergnügen.

Vor allem nahmen die Explosiv- und Verheerungskräfte zu. Von anfangs 23 Kilotonnen (Able, Baker) steigerten sie sich auf das Vierzigfache. So setzte die unter der Operation Hardtack I am 29. Juni 1958 gezündete Bombe 'Oak' in der Enewetak-Lagune bereits 8.9 Megatonnen Sprengkraft frei.

Radioaktiver Niederschlag (Fallout) nach REDWING-Bombe 'Seminole'Bezahlt hatten diese - wie auch die jahrzehntelang in anderen Regionen durchgeführten - Testreihen die US-amerikanischen Steuerzahler, von deren Geldern das Verteidigungsministerium (DoD) kaufkraft- und inflationsbereingt in summa mehr als eine Billion Dollar an ein operationelles Verflechtungssystem auskehrte, etwa an das Los Alamos Scientific Laboratory (LASL) oder - neben einer Vielzahl anderer Körperschaften - an das University of California Radiation Laboratory (UCRL).

Das Enewetak-Atoll gilt bis auf weiteres als radioaktiv verseucht, hingegen durften 1997 die in den 1940er Jahren und nach 1973 erneut Zwangsumgesiedelten des Bikini-Atolls wieder zurückkehren, nachdem es für bewohnbar erklärt worden war. Seitdem wird versucht, die Region abseits der unbewohnbaren Atolle und Inselchen Touristen schmackhaft zu machen.

Das ist gar nicht so einfach. Noch immer haftet der Region das Stigma an, radioaktiv kontaminiert zu sein. Auf Messergebnisse, zumal von den Insulanern selbst oder von den USA vorgenommen, mag man sich als im Westen ansässiger Tourist, wozu auch die Australier und Neuseeländer gehören, noch nicht massenhaft verlassen. So lebt die Bevölkerung in erster Linie noch vom Hauptexportgut Kopra und der Subsistenzproduktion von Nahrungsmitteln.

Hardtack-I-Juniper-Operation, Bikini, 1958Zwar wurden der den USA assoziierten Republik seitens ihres nachhaltigsten Umweltverschmutzers inzwischen - recht bescheidene - Reparationszahlungen geleistet, wobei die Forderungen der Insulaner noch lange nicht erfüllt sind, aber am Stigma vermag dies so schnell nichts zu ändern.

So ist mittlerweile China ein willkommener Partner, sorgte er bislang doch dafür, dass die Insulaner eine bescheidene Fischverarbeitungsindustrie aufbauen konnten. Der radioaktiven Verseuchung von Fisch wird dabei - wenn überhaupt - nur marginale Bedeutung beigemessen. Die Fallouts von vor 35 oder 60 Jahren sind - soweit bekannt - in heutigen Fängen noch nicht nachgewiesen. Fische schwimmen ja auch gelegentlich in andere submarine Regionen. Bei Gemüsen und Früchten mag dies vielleicht anders aussehen

Doch wird normalerweise nicht dort gefangen oder geerntet, wo das US-Militär seine Atombombentests durchführte. Manche Inseln und Gewässer sind so auch nach wie vor militärisches Sperrgebiet. Und manche Region ist weiterhin Testgebiet, etwa für Marschflugkörper.

Paradies nach nuklearer VergewaltigungHierzu haben die USA das Atoll Kwajalein seit den 1960er Jahren bis zum Jahr 2016 gepachtet - und zum Sperrgebiet erklärt. Dort betätigen sie sich als Job-Motor, indem sie in der Verwaltung Marshallianer bzw. Mikronesier beschäftigen. Prinzipiell gute Voraussetzungen für mehr oder weniger geordnete Familienplanung.

Dennoch ist die demographische Entwicklung rückläufig. Lebten 1999 noch mehr als 62.000 Einwohner in der Republik, waren es sechs Jahre später nur noch etwa 59.000. Demographische Tendenz: weiter abnehmend. Australien und Neuseeland sind die Haupt-Zielländer der Migranten.

Es sind vor allem junge Leute, die weggehen. Mit einer offziellen Alphabetisierungsrate von 90 Prozent - eines der vorbildlichen Dinge, die die amerikanische Präsenz für sich verbuchen kann - kein Wunder.

Kaum aber hat sich die aus 31 Atollen und etwa 1200 aus der Wasseroberfläche herauslugenden Landflecken bestehende Inseln-Republik leidlich vom nuklearen Stigma des Test-Tube-Babys erholt, droht ihr neues Ungemach, das mit Halbwertzeit oder Regeneration nichts zu tun hat. Die höchste Erhebung der in der meteorologischen Zugrichtung von Taifunen gelegenen Republik beträgt gerade mal zehn Meter. Damit kann man auf Dauer keinen Staat machen.

Logo des 'Bikini Atoll Divers Club'Der Feind von einst ist - auf Grund der Emmissionen neben Indien, China, Russland, Europa - derselbe. Indes, er zeigt sich nicht vor Ort, sondern feuert fossile Brennstoffe vorzugsweise vom Heimatland aus in die Luft. Insofern hat die winzige Republik mit viel Hoheitsgebiet Angst. Der Klimawandel, neuerdings das Thema in den Industrienationen, wird die Marshall-Inseln in 50 Jahren wahrscheinlich der submarinen Landkarte zuweisen.

Trotzdem sind Regierung und Bewohner der Inseln-Republik daran interessiert, im Jetzt zu leben, denn bis 2060 ist es noch hin. Was mitunter zu seltsamen, beinahe schon sarkastisch-fatalistischen Ideen führt.

So ist Wracktauchen eine der - wenn auch noch vorwiegend von verwegenen, mutigen Touristen gebucht - Attraktionen und spült etwas Geld in die kargen Kassen. Vornehmlich sind es Amerikaner, die sich der untergegangenen Zeugnisse einer Ära vergewissern wollen.

Auch die Ruhe Suchende leisten sich mitunter die weite Reise genauso wie Frischvermählte. Was all diese Touristen mit nach Hause nehmen und bringen, weiβ niemand.

Bikini-AtollDer radioaktive Fallout galt seinerzeit als geographisch-regional begrenzt. Allerdings wurden nach jetzigem Kenntnisstand die inzwischen bekannt gewordenen seinerzeitigen meteorologischen Kenntnisse kaum aktualisiert.

Anzunehmen ist, dass die Fallouts auch Landregionen erreicht hatten. Etwa China, die Philippinen, Papua Neu-Guinea, den Norden von Australien.

Die Unfruchtbarkeits- und Missbildungsraten von Föten oder bis zur Geburt ausgetragenen Säuglingen ist vergleichsweise hoch.

© Maik Mensing

© GeoWis (2007-03-05)

© Fotos: Nuclear Weapon Archive

 

 

 

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