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A/H1N1-Grippe-Impfung: "Ich bin doch nicht bescheuert!" Wie manche Jugendliche über das Impfprogramm denken
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"Jetzt testen sie's an uns"

Rund zwei Drittel der Deutschen wollen sich gegenwärtig nicht gegen die im allgemeinen Sprachgebrauch als Schweinegrippe bezeichnete A/H1N1-Influenza impfen lassen. Darunter auch so manche Jugendliche nicht.

Von Nina Brenthäuser (2009-11-06)

Es ist Mittwochmorgen, 4. November 2009, 7.30 Uhr, in der U-Bahn-Linie 49 von der Dortmunder Station Stadtgarten in den Ortsteil Hacheney. Es ist die Linie, die zum Berufsschulzentrum führt, das rechts der Endstation Hacheney in Sichtweite ist, und zum Berufsförderungswerk, das gegenüber dem U-Bahnhof liegt und an den Tierpark und den Rombergpark grenzt.

Die U-Bahn, ein Wagen, in dem normalerweise, wenn keine Hauptbelastungszeit ist, um 100 Fahrgäste sitzen und stehen können, ist rappelvoll. Etwa 140 bis 160 Schüler und einige LehrerInnen quetschen sich in ihr. Mädels und Jungen zwischen 16 und 20 Jahren, viele mit Migrationshintergrund oder in der dritten Generation in Deutschland, aber auch viele ohne dieses Stigma, sind aufgebrezelt. 

Es riecht nach unterschiedlichen Parfüms, Haarsprays, Schweiß, und aus manchen Rachen nach dem Essen vom letzten Abend oder eben erst eingenommenen Frühstück. Weil es draußen kühl ist, sind die Kippfenster der U-Bahn geschlossen. Wie an den meisten Tagen kreisen die Gespräche der Schüler um Hausaufgaben, Klausuren, nette, kompetente oder weniger nette und weniger kompetente Lehrer und natürlich um das jeweils andere Geschlecht, mit dem man gerade etwas angefangen oder beendet hat.

An diesem Morgen aber ist auch die neue Influenza Thema. Freilich wird sie von den jungen Leuten als Schweinegrippe bezeichnet. Vier weibliche Teenager diskutieren darüber, ob man sich impfen lassen soll. "Ich bin doch nicht bescheuert", sagt eine der Beteiligten, bebrillt, kurze schwarze Jeansjacke mit schwarzem Kunstfellkragen, und roten Strähnen im schwarzgefärbten Langhaar, das sie zu einer Art hochstehendem Bienenkorb gemäß der B-52's-Sängerinnen Cindy Wilson und Kate Pierson konstruiert hat, die damit in den 1980er Jahren herumliefen. "Gestern ist einer an der Impfung gestorben und der war überhaupt noch nicht alt. Haben sie in den Nachrichten gesagt."

"Echt?", fragt eine der ihr gegenübersitzenden Klassenkameradinnen, die ähnlich modisch gekleidet und frisiert ist, keine Brille trägt, hingegen ein Lippen-Piercing, an dem sie ständig nuckelt. "Wo denn?" "Hab ich auch gehört", sagt die dritte, deren schulterlanges Haar sich im und um den hochstehenden Kragen ihrer Diesel-Jacke verteilt. "War in der Tagesschau oder so."

"Ich glaub', das war in Bayern, oder?", sagt die erste und blickt die dritte an. "In München, glaub' ich", sagt die vierte, die - eingepackt in einen wattierten, schwarzen Parker - neben der ersten sitzt und auch einen schwarzroten Bienenkorb als Frisur trägt. "Der war aber schon älter, über vierzig oder so."

 "Ist doch egal", sagt die erste, "auf jeden Fall ist der an der Impfung gestorben. Hab' ich echt keinen Bock drauf. Meine Mutter nervt mich schon damit." "Meine hat auch genervt, aber jetzt sagt sie nichts mehr", sagt die zweite. Ich lass' es drauf ankommen."

Die anderen nicken. Kurz vor der Endstation stehen die vier auf. Die erste dreht sich um und sagt: "Ich fühl' mich voll verarscht von denen, oder? Die wollen doch nur Kohle machen." "Was sonst?", sagt die hinter ihr stehende dritte, die antwortet: "Die haben das doch nur an Tieren getestet und jetzt testen sie's an uns."

Dann steigen sie aus und diskutieren auf dem Weg zur Schule weiter. Auf die Frage, ob ich ein Foto von ihnen machen darf, blicken sie erst sich, dann mich verdutzt an. Die Wortführerin, die erste, fragt: "Fürs Internet?" Als ich bejahe, lehnt sie mit den Worten ab: "Haben wir keinen Bock drauf."

Ich lächle, während sie im Pulk verschwinden, und freue mich darüber, dass der gesunde Menschenverstand bei diesen Mädchen noch nicht verlustig gegangen ist. Vielleicht habe ich sogar mit vier künftigen Nichtwählerinnen kurze Bekanntschaft gemacht.

Die vier Teenager, Berufsschülerinnen mit bestenfalls durchschnittlichem Bildungsabschluss, bringen in Bezug auf die A/H1N1-Grippe auf den Punkt, was professionelle und akademisch gut ausgebildete Kritiker seit Monaten von der Impfung halten. Manch ebenso gut ausgebildeter Journalist aber verfällt der Propaganda von Pharmalobby, Robert-Koch-Institut (RKI) und Gesundheitsministerium und transportiert sie via Online- und Print-Medien.

Dazu passt, dass der Spiegel-Online-Redakteur Reinhardt Mohr ihr ebenfalls geglaubt hat, insbesondere, weil er eigener Aussage zufolge Risikopatient sei, wie er in seinem Hausmedium am 5.11.2009 mitteilt. Mohr hat sich impfen lassen und ist danach krank geworden.

© Nina Brenthäuser

© GeoWis (2009-11-06)

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