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Winter in Deutschland: Leise rieselt der Schnee, Ski und Rodel gut
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Wandern und wundern

Erstmals seit Jahren zeigt der Winter wieder in ganz Deutschland sein weißes Antlitz dauerhafter als gewohnt. Wunderbar.

Von Mariam Backes (2010-01-09)

Empfehlungen zu Hamsterkäufen, wie sie in den vergangenen Tagen durch manche Medien geisterten, und Szenarios zu Stromausfällen mit dem Hinweis, Kerzen einzulagern, haben sich bisher als unnötig erwiesen. Auch das - vor allem von Konzernmedien - befürchtete Winterchaos, in der Regel hinsichtlich des Verkehrsunfallgeschehens mit übermäßigen Abweichungen vom Normalfall, ist bisher erfreulicherweise ausgeblieben.

Offenbar haben jene Autofahrer, die zu Beginn des kalendarischen Winters (nördliche Hemisphäre: 22. Dezember) noch mit Sommerbereifung unterwegs waren, inzwischen Winterreifen aufgezogen oder ihr Fahrzeug stehen lassen. Auch viele jener sonst mit dem PKW zu Einkäufen in die Innenstädte fahrenden automobilen Verkehrsteilnehmer - unabhängig von der Bereifung - zogen es wohl vor, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen oder per pedes loszumarschieren. Jedenfalls waren die Innenstädte heute besonders PKW-arm und ausgesprochen leer. Zum Leidwesen des Einzelhandels, der einen der umsatzschwächsten Januar-Samstage erlebten musste.

 Andernorts freuten sich Millionen Bürger über den Schneefall. In den leichten Höhenlagen wie etwa im Bergischen Land oder im Sauerland sind Ski und Rodel gut, genauso wie in den Mittelgebirgen, beispielsweise im Riesengebirge, am Kaiserstuhl, im Weserbergland (Solling), Spessart, Odenwald, Hunsrück oder Pfälzer Wald. Viele Kinder erfahren zum erstenmal anhaltenden Schnee und die Bedeutung eines Schlittens oder Rodels und haben wie wild Spaß.

Eltern und alleinerziehende oder mit Besuchserlaubnissen ausgestattete Mütter und Väter nutzen mit ihrem Nachwuchs das schneehafte Wintermärchen, selbst wenn der Hügel nur fünfzig Meter hoch und die Rodelbahn nur hundert Meter lang ist. Jugendliche schnallen sich fast schon ausgestorbene Abfahrtsmittel unters Schuhwerk - Gleitschuhe - oder hochmodernes wie etwa das Snowboard, und genießen das kalte Weiß.

Wer Termine hat und auf die Deutsche Bahn oder ein Flugzeug angewiesen ist, um von A nach B zu kommen, erhält naturgemäß aus seiner individuellen Betrachtungsperspektive ein anderes Bild und bewertet das Winterwochenende negativ. Wem der Schnee das gewohnte Geschäft - und damit verbundene Kosten oder Gewinneinbußen - durcheinanderbringt, wird ebenso wenig ein Gespür für Winterspaß und -romantik aufbringen. Jene, die arbeitsfrei haben und hinausgehen, um sich zu freuen und zu genießen, sehen das anders.

Um den Winterflugplan einigermaßen im Griff zu behalten, ist der Winterdienst auf dem Rhein-Main-Flughafen in Frankfurt mit 300 Leuten aktiv, deren Aufgabe es ist, die Start- und Landebahnen und die Flugzeuge von Schnee und Eis zu befreien. 

"42 Kehrblasgeräte, zwölf Großstreuer, sechs Schneefräsen und weitere Räumfahrzeuge stehen den Beschäftigten zur Verfügung", so die Fraport AG, Betreiberin von Deutschlands größtem Flughafen und wichtigem europäischen Hub. "Die Start- und Landebahnen werden jeweils von einem Konvoi befahren, der aus 17 Fahrzeugen besteht. Die Kolonne benötigt ca. 20 Minuten für eine Bahn", heißt es.

Dass es zu Verspätungen kommt, muss jedem klar sein, der an diesem Wochenende fliegen will. Beschwerden diesbezüglich, gar Unbeherrschtheiten, bringen nichts und zeugten nur von einer naiven Alles-muss-immer-funktionieren-Haltung. "Allein auf dem Vorfeld" bearbeite der Winterdienst des Rhein-Main-Flughafens "eine Gesamtfläche von rund 6,9 Millionen Quadratmetern."

 Das sind 6,9 Quadratkilometer. Als Auftaumittel wird eine Lösung auf Basis von Ameisensäure, die biologisch abbaubar sei, verwendet. Streusalz dürfe im Bereich des Luftverkehrs aufgrund von Korrosionsgefahr nicht eingesetzt werden. Ähnliche Techniken und Mittel werden auch auf anderen deutschen Flughäfen eingesetzt, denen die gegenwärtigen Witterungsbedingungen zu schaffen machen.

Weniger auf Transportmittel abseits des eigenen Vehikels angewiesene Mitbürger und all jene, die keine fixen Termine wahrzunehmen haben, tanken auf. Sie gehen nicht nur zum Rodeln oder Skifahren, sondern in den Wald zum Wandern und Wundern, genießen die Ruhe und entdecken, während der Schnee leise rieselt, manches Kleinod, das sonst im Alltag übersehen wird.

Manchem fällt dann sogar ein Rotkehlchen auf, das auf der Suche nach Nahrung durch den Schnee hopst. Oder eine Telefonzelle in den Farben der ehemaligen Deutschen Post, in der man noch mit der altehrwürdigen Telefonkarte und mit richtigen Münzen zahlen kann.

© Mariam Backes

© GeoWis (2010-01-09)

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