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Demographie: Que sera, sera. The future's not ours to see. Die BBR-Bevölkerungsprognose in Konfrontation mit der Realität. Von Hansjörg Bucher und Claus Schlömer

Stefan Z. Dmochowski - The Olowo of Owo

Klaus von Bröckel - Djibouti: 18. März 1987

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Demographie: Deutschlands Bevölkerung schrumpft rapide, Frankreichs wächst, wie eine vor kurzem veröffentlichte Studie von Stephan Sievert und Reiner Klingholz nahelegt
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Frankreich bald vorn?

Eine Ende 2009 im Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung erschienene Studie unter dem Titel Ungleiche Nachbarn kommt zu dem Schluss, dass Mitte des 21. Jahrhunderts in Frankreich mehr Menschen leben werden als in Deutschland

Von Uwe Goerlitz (2010-02-22)

Um den Bestand einer Bevölkerung zu erhalten, bedarf es einer Kinderzahl von 2,1 pro Frau. Zudem sollte die Geburtenrate über der Sterberate liegen. Von beidem ist Deutschland schon seit Jahrzehnten entfernt. Anders Frankreich. 

In ihrer Studie Ungleiche Nachbarn legen die Autoren Stephan Sievert und Reiner Klingholz anhand von Daten der vergangenen knapp 60 Jahre dar, wie sich das Bevölkerungswachstum aufgrund unterschiedlicher Geburten- und Sterberaten und Migration in Deutschland und Frankreich bis zur Jahrhundertmitte auswirkt. Ein wichtiger Faktor dabei ist, dass in Frankreich lebende Frauen während ihrer Fruchtbarkeitsphase im Mittel eine höhere Kinderzahl als in Deutschland lebende aufweisen.

Während in Frankreich bereits seit 1952 die Geburten- die Sterberate überwiegt, sterben in Deutschland seit Beginn der 1970er Jahre mehr Menschen als geboren werden. Zwar leidet der Studie zufolge auch Frankreich an einer Überalterung der Bevölkerung - in Deutschland spricht man seit längerer Zeit schon von Vergreisung -, hingegen werden dort mehr Babys auf die Welt gebracht als hierzulande.

Im Mittel beträgt die Kinderzahl pro Frau in Frankreich 1,96, während sie den Autoren zufolge in Deutschland mäßige 1,37 aufweist - rund 43 Prozent weniger. Obwohl die Französinnen und die aus den ehemaligen Kolonialstaaten und aus zu Frankreich gehörenden Protektoraten und Überseegebieten stammenden Migrantinnen insgesamt noch unter der Bestandserhaltungsrate liegen, wächst die französische Bevölkerung.

Grund hierfür ist der Studie zufolge der Umstand, dass die Lebenserwartung in Frankreich höher als die in Deutschland ist. Hinzu kommt, dass in Frankreich lebende Frauen das Kinderkriegen nicht mehr so weit nach hinten schieben wie ihre deutschen Pendante. Dies ist nicht damit zu erklären, dass etwa Französinnen weniger Karrieredenken hätten als Deutsche. Vielmehr hängt die Bereitschaft, früher - oder überhaupt - Babys auf die Welt zu bringen auch mit der unterschiedlichen Familien-, Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik beider Länder zusammen.

Hier hat Frankreich im Vergleich zu Deutschland die Nase vorn. Angefangen bei der Ganztagskinderbetreuung durch Nannis bis zur stillen, aber im Kern praktischen Widersetzung der französischen Regierung gegenüber der Arbeitsmarkt-, Finanz- und Wirtschaftspolitikdirektiven der Europäischen Union (EU). 

Gegenwärtig hat Deutschland gut 20 Millionen mehr Einwohner als Frankreich. Folgt man der Studie von Sievert/Klingholz, dann schrumpft Deutschlands Bevölkerung bis zum Jahr 2050 günstigstenfalls um rund acht Millionen, schlechtestenfalls auf satte 12 Millionen, während Frankreich etwa acht Millionen zulegte. Träfe Letzteres zu, wäre Frankreich Mitte des Jahrhunderts bevölkerungsreichstes Land der EU.

Naturgemäß verschöben sich dadurch die politischen Gewichte. Der demographische Faktor dürfte daher aus Sicht beider Länder auch ein wesentliches Element sein, die Türkei nicht oder noch lange nicht in die EU aufnehmen zu wollen.

© Uwe Goerlitz

© GeoWis (2010-02-22)

Links:

Studie von Stephan Sievert und Reiner Klingholz, Berlin-Institut >>

Josef Schmid und Ralf Mai: Sozialprognose - Die Belastung der nachwachsenden Generationen >>

Hansjörg Bucher und Claus Schlömer: Que sera, sera. Die BBR-Bevölkerungsprognose in Konfrontation mit der Realität - An der Zukunft kommt keiner vorbei >>

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