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Rainer Brüderle - Bundesminister ohne Profil und Strategie
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El Pálido - Der Blasse

Mit Rainer Brüderle sitzt ein Chef im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, der nahezu unsichtbar ist. Impulse zu setzen, ist nicht sein Ding.

Von Gregor Gehrkes (2010-06-08)

Was waren das für Zeiten, als die Freie Demokratische Partei Deutschlands (FDP) mit Otto Graf Lambsdorff (1926-2009) sozusagen die Richtlinienkompetenz im Bundeswirtschaftsministerium besaß. Lambsdorff, ein Wirtschaftsliberaler wie Hans Friderichs (FDP; ehemaliger Dresdner Bank-Chef) und Helmut Schmidt (SPD; Alt-Bundeskanzler), war sicherlichkein Freund von Gewerkschaften und sozialer Gerechtigkeit, aber er hatte Profil.

Die FDP, die von sich stets behauptete, wirtschaftskompetent zu sein und spätestens seit Graf Lambsdorff davon überzeugt ist, einen historischen Anspruch auf dieses Amt zu besitzen, obwohl sie bis zum Regierungswechsel 1998 (Rot-Grün) mit Martin Bangemann, Helmut Haussmann, Jürgen Möllemann und Günter Rexrodt munter Nieten auf dessen Sessel gesetzt hatte, mutet den Deutschen seit der gewonnenen Bundestagswahl vom 27.09.2009 den blassesten Wirtschaftsminister zu, den dieses Land seit Gründung der Bundesrepublik je hatte: Rainer Brüderle.

Der am 22. Juni 1945 in Berlin geborene Rheinland-Pfälzer, der Publizistik, Rechtswissenschaften, Volkswirtschaft und Politikwissenschaft in Mainz studiert hat, rheinland-pfälzischer Wirtschaftsminister (unter Bernhard Vogel, CDU; und Minister für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau unter MP Kurt Beck (SPD) war, macht in der breiten Öffentlichkeit so gut wie nicht kompetent von sich Reden. 

Zwar ist er in Unternehmensverbänden tätig (Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft), sitzt in Bei-, Aufsichts- und Verwaltungsräten (Deutsche Bank AG; Proaktiv Holding; IVA Evaluation & Advisory Wirtschaftsprüfungsgesellschaft; Provinzial Versicherung Rheinland) und hat Funktionen in Körperschaften und Anstalten des Öffentlichen Rechts (Bundesnetzagenturen für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen; Zweites Deutsches Fernsehen/ZDF), doch Impulse für den Wirtschaftsstandort Deutschland sind von ihm bisher ausgeblieben.

Er mag regional eine Politik des geringstmöglichen Schadens betrieben haben, doch nun, da er Bundeswirtschaftsminister ist, betreibt der meist fröhliche und gemütliche Fast-Rentner immer noch lieber regionale Politik, und man muss die Frage stellen: Weshalb ist ein solcher Mann in einer ministralen Bundesposition?

Er wollte es. Er hatte stets den Anspruch, Bundesminister zu werden. Und nun ist er es und sitzt da wie ein Buddha. Nett, lieb, aber strategielos. Genauso gut könnte dort Lieschen Müller sitzen und sich vom ministerialen Beamtenapparat briefen lassen und gelegentlich meckern oder mit platten Weisheiten aus der Mottenkiste aufwarten.

Denn Rainer Brüderle, der Blasse, der Regionalist mit Fokus auf Rheinland-Pfalz, scheint nicht die geringste Ahnung zu haben, wie man als Bundeswirtschaftsminister unter Kanzlerin Merkel und in diesen Zeiten radikaler Umbrüche Wirtschaftspolitik betreibt, weshalb er sich aufs Korn nehmen lassen muss, wie es etwa Ralf Husmann im Kultur Spiegel (Juni 2010) unternimmt. Husmann meint, Brüderle sei "Michael Glos in lustig" und legt Brüderle satirisch in den Mund: "Ich guck mir das mit den Hedgefonds, und wie das alles heißt, demnächst sehr sorgfältig an. Da können sich die Wählerinnen und Wähler drauf verlassen (...)."

Der Blasse - El Pálido - befindet sich in netter wie wirtschaftspolitisch ahnungsloser Gesellschaft. Kanzlerin Merkel, Außenminister Westerwelle und Arbeitsministerin von der Leyen - sie alle blamieren sich dieser Tage als bloße Erfüllungsgehilfen übergeordneter Kräfte des Kapitals und verstecken sich hinter Direktiven der EU-Kommission. Brüderle, der nette Opa aus Mainz, reiht sich ordentlich ein.

© Gregor Gehrkes

© GeoWis (2010-06-08)

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