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Dalai Lama: Ehrung in Münster, politische Aufwertung in Berlin
[250]

Kalkül oder Dummheit?

Der Dalai Lama erfährt in diesen Tagen ungewöhnliche politische Aufwertung durch Deutschland. In Münster erhielt er Ehrendokor-Würden und hielt zwei Reden. In Berlin trifft er am Sonntag Bundeskanzlerin Merkel.

Von Simone ten Breck (2007-09-22) Update siehe unten.

Als der 14. Dalai Lama zuletzt in Münster war, um eine Ehrung entgegen zu nehmen, war der 11. September 2001 noch drei Jahre entfernt. Chinas Beitritt zur Welthandels-Organisation am 11. Dezember 2001 ebenso. Die Welt war eine andere, China noch in der take-off-Phase.

 1998, aus Anlaß des 350. Jahrestages des Westfälischen Friedens, pflanzte der Dalai Lama einen Friedensbaum in Münster. Am vergangenen Donnerstag erhielt er vom Fachbereich Chemie und Pharmazie der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) die Doktorwürde honorus causas.

Zwar trat Seine Heiligkeit, der 14. Dalai Lama von Tibet, im Bereich wissenschaftlicher Chemie oder Pharmazie bisher noch nicht herausragend in Erscheinung, doch in der nach Paderborn wertkondervativsten Universitätsgegend Nordrhein-Westfalens störte dieser Umstand nicht weiter.

"Große Ehre für den Dalai Lama, noch größere Ehre für die WWU", titelte die Presseabteilung der Uni Münster. Hans-Jürgen Galla, Biochemiker, lobte in seiner Laudatio "das große Engagement des buddhistischen Führers für die Natur- und Lebenswissenschaften". Der Pressemitteilung zufolge organisiere der Dalai Lama "am Sitz seiner Exil-Regierung im indischen Dharamsala nicht nur alle zwei Jahre "wissenschaftliche Konferenzen", sondern habe "auch in die Ausbildung an buddhistischen Klöstern naturwissenschaftliche Inhalte eingebracht."

Daten bleiben die Laudatoren schuldig. Die Pressemitteilung der WWU klingt beinahe nach Hörensagen, was gestandene Wissenschaftler jedem Erstsemester mit n.b. (nicht bestanden) attestierten. Nicht so, wenn es um die Verteilung von Dr. h.c.'s geht.

 Als handelte es sich um ein Staatsoberhaupt, verstiegen sich die Laudatoren in Huldigungen. Und als seien sie nun alle vom Buddhismus bekehrt worden, schmolzen sie in ihren Reden dahin. Allen voran NRW-Landeschef Jürgen Rüttgers. "Wir ehren einen Menschen des Friedens, einen Mahnder für interreligiöse Harmonie (...)", so Rüttgers. Daran ist nicht auszusetzen.

Leicht diffus wird es, wenn Rüttgers dem Dalai Lama attestiert, er habe "als Einzelner die Weltgesellschaft verändert". Das ist natürlich Quatsch und Rüttgers wird es wissen. Aber es hindert ihn nicht, gleich noch auf die Tränendrüse zu drücken. "Für Ihren Traum von einem selbständigen Tibet, für Ihre Diplomatie im Sinne des 'Mittleren Weges' mit China, aber vor allem für ihren strikten Kurs der Gewaltlosigkeit haben Sie 1989 (...) den Friedensnobelpreis bekommen".

Letzeres stimmt. Alles andere erscheint träumerisch. Was aber neben dem Laudatoren Galla auch die Rektorin der WWU, Ursula Nelles, nicht darin hinderte, sich ergebendst zu präsentieren. "Das ist nicht nur eine Ehrung für Sie, sondern eine noch größere Ehrung für unsere Universität".

Universitären Austausch befördert dies kaum. Die Autonome Provinz Tibet, deren Hauptstadt Lhasa ist, unterhält keine Partnerschaften mit deutschen Unis. Allenfalls sind Studenten und Doktoranden tibetischer Herkunft an deutschen Unis anzutreffen, die nach erfolgreichem Abschluß später in Indien oder - bestenfalls - in Tibet Karriere machen. Ohne Beten.

So manche deutsche Universität publiziert darüber lieber selten. Rund 400 deutsche Unis sind mit chinesischen in Partnerschaft. Etwa die Ruhr-Universität Bochum (RUB), die seit vielen Jahren mit der Tongji-Uni in Shanghai liiert ist, oder die Uni Dortmund mit gleich sechs (Tongji und Jiaotong, Shanghai; Technische Uni Dalian; Jiaotong, Xi'an; National-Uni Taiwan, Taipeh).

 Am Geographischen Institut der RUB störte es zum Beispiel den inzwischen emeritierten Professor für Geographie, Dirk Bronger, wenig, China zu desavouieren. Bronger - Verfechter eines freien Tibet - hielt sich einen tibetischen Doktoranden, der inzwischen im Staatsdienst - nicht im Kloster - tätig ist, und war Gastprofessor an der Universität Tibet in Lhasa.

Die in Münster abgehaltenen Laudatien haben bestenfalls Geschichtsbuch- Charakter. Sie wären wohl anerkennend aufgefallen, wenn sie nicht zwischen den Zeilen den Anspruch auf die Eigenstaatlichkeit Tibets - den der Dalai Lama nicht mal betont hatte - hätten einfließen lassen.

Offenbar muß man der Chemisch-Pharmazeutischen Fakultät der WWU hier zugute kommen lassen, daß sie mit politischen oder theologischen Themen wenig zu tun hat. Sonst hätte sie wohl kaum derart vor jemandem auf den Knien gelegen, der nicht ihr Gott ist.

Mag es der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster noch um sich selbst umzuhängendes Lametta gegangen sein, so hat die Würdigung des Bestsellerautors aus Dharamsala durch die Bundeskanzlerin Angela Merkel, die den Dalai Lama am Sonntag empfängt, eine andere Qualität. Erstmals öffnet sich für den Dalai Lama, dessen Linie seit 616 Jahren den buddhistischen Tibetern vorsteht, das Kanzleramt.

Nachdem Beijing vom beabsichtigten Treffen erfuhr, bestellte es den deutschen Botschafter Michael Schaefer ins Außenministerium ein. Schaefer, erst seit August dieses Jahres in Beijing tätig, mußte sich die Verstimmung Beijings anhören und hatte sich seinen Einstand sicherlich gemütlicher vorgestellt.

 Angesichts des vor knapp einem Monat eher durchwachsenen Staatsbesuchs der Bundeskanzlerin in China, während dem sie die guten Beziehungen seit Einrichtung gegenseitiger Botschaften vor 35 Jahren lobte, erscheint der laut Kanzleramt "private Gedankenaustausch" kontraproduktiv, zumal Beijing "Sanktionen" angekündigt hat.

Entsprechend frostig reagierte die deutsche Wirtschaft auf Merkels Privataudienz für den Lama. Sie befürchtet Nachteile, die sich erst im Laufe der kommenden Monate zeigten. Dies kann von Terminverschiebungen zu Vertragsverhandlungen über das Hinauszögern von Genehmigungen bis zum konsequenten Liebesentzug führen.

Schlimmstenfalls litte die Reputation Deutschlands, was der bis zum Jahr 2010 anhaltenden deutschen Roadshow durch chinesische Metropolen schaden könnte, die während Merkels Besuch in Nanjing mit dem Joint Venture des Stuttgarter und des chinesischen Staatsballetts mit dem Stück 'Romeo und Julia' eröffnet wurde.

Mehrfach schon hatte Beijing sich mit der Bitte an Berlin gewandt, dem Dalai Lama die Einreise nach Deutschland zu untersagen und jedesmal zu Recht eine Abfuhr kassiert, ohne daß dies meßbare Folgen für die diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen nach sich gezogen hätte. Andere Länder waren da schwächer. Belgien etwa, das dem Dalai Lama mit fadenscheinigem Hinweis auf dessen Einreisebestimmungen im Mai des Jahres die Teilnahme an einer EU-Konferenz in Brüssel versagte.

 Merkel, der aufgrund ihrer DDR-Vergangenheit von chinesischer Seite ein "falsches China-Bild" attestiert wird, ist kaum Dummheit nachzusagen, wenn sie sich mit dem Dalai Lama trifft. Eher Kalkül. Sie weiß, daß er bei den Deutschen vorwiegend beliebt ist und sichert mit der geplanten Audienz ihren Platz auf der Beliebtheitsskala ab.

Es allen Seiten recht zu machen - und sich selbst gleich auch noch -, endet schnell in der Glaubwürdigkeitsfalle. Während die Bundeskanzlerin in Beijing auf die Menschenrechtssituation in China hinwies und auch unters Volk ging - stets dabei: Wen Jiabao -, empfängt sie nun ein religiöses Oberhaupt, dem von Beijing nachgesagt wird, er betreibe Separatismus.

Tatsächlich ist der Dalai Lama laut Spiegel-Redakteur Erich Follath auch mit der Aussage unterwegs, Tibet werde von den Han-Chinesen überfremdet. Zitat laut Spiegel Online zum Treffen des Dalai Lama mit dem österreichischen Bundeskanzler Gusenbauer: "(...) als sicher kann gelten, daß der tibetische Gottkönig anspricht, was er nach Informationen aus seinem Umfeld auch mit Frau Merkel diskutieren will: die weiter fortschreitende Überfremdung der sogenannten "Autonomen Region Tibet" durch Han-Chinesen und die Zerstörung der tibetischen Kultur (...)".

 Das ist schwer nachvollziehbar, betrachtet man die demographischen Daten zu Tibet. Von den 2,62 Millionen Einwohnern in der Autonomen Provinz sind knapp 93 Prozent Tibeter (Zensus 2000) und gut 6 Prozent Han-Chinesen.

In den Präfekturen Lhasa und Nyingchi stellen die Tibeter mit knapp 82 bzw. 77 Prozent (Zensus 2000) die Mehrheit der Bevölkerung. Was nicht heißt, daß sie auch proportional in entscheidenden Positionen innerhalb der Regierung oder der Wirtschaft vertreten sind.

Überfremdung aber sieht anders aus. Insofern riecht zumindest diese Aussage nach Propaganda, und das müßte auch die Bundeskanzlerin wissen.

Bisher hat Beijing darauf verzichtet, den Empfang des Dalai Lamas bei Bundeskanzlerin Merkel massenmedial in China zu verkünden. Das ist ein ungewöhnlicher und enormer Dienst. Nichts sägte am deutschen Ansehen unter der chinesischen Bevölkerung schlimmer als der Verlust an Glaubwürdigkeit ans Land Goethes. Daß das offizielle China richtig sauer über Merkel ist, ist verständlich.

© Simone ten Breck

© GeoWis (2007-09-22; 15:18:42)

© Fotos - soweit nicht anders angegeben - vom China-Besuch Merkels: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung; Fotos zur Ehrung des Dalai Lama in Münster: NRW.de

Update (2007-09-23; 10:31:35): Inzwischen macht China Nägel mit Köpfen. Wie verschiedene Nachrichtenagenturen gestern abend und heute früh meldeten, habe China den Rechtsstaat-Dialog, der heute in München beginnen sollte, aus "technischen Gründen" abgesagt. In chinesischen Blogs und Internetforen wird mittlerweile hitzig über das Treffen Merkels mit dem Dalai Lama diskutiert. In den englischsprachigen Ausgaben von Xinhua, China Daily und Shanghai Daily wird zur Stunde kein Wort über das Treffen verloren.

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