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Architektur: Ingenhovens Keule
[291]

Anspruch und Wirklichkeit

Der Architekt Christoph Ingenhoven will nicht in Ländern mit undemokratischen Regimen bauen und begründet dies mit einem moralisch-politischen Standpunkt. 

Von Hao Feng und Uwe Goerlitz (2008-01-07)

Für "Repräsentationsbauten eines nicht-demokratischen Regimes" möchte Christoph Ingenhoven "auf keinen Fall verantwortlich sein." So lässt sich der geachtete Architekt aus Düsseldorf im Spiegel (Nr. 1/2008) vernehmen. Ihm gehe es dabei nicht um Neid auf all jene deutschen Architekten, die in China, Libyen oder anderen, nicht auf westliche Demokratiemuster anspringende Staaten bauen. Ihm gehe es "um das grundsätzliche Politikum repräsentativer Architektur."

 Es gehört eine Menge Mut dazu, als (deutscher) Architekt in Zeiten der Prosperierung so deutlich politisch Position zu einem gestalterisch-technischen Thema zu beziehen. Das gab es lange nicht und verdient allein aus diesem Grund, mit Respekt gewürdigt zu werden.

Ingenhovens Kritik am Bauverhalten deutscher Architekten im Ausland gehört aber zu Teilen in die Kategorie Erstsemester. Geradezu naiv echauffiert er sich über einige seiner deutschen Kollegen, watscht sie ab. Den Dortmunder Architekten Eckhard Gerber ebenso wie die Hamburger von Gerkan, Marg & Partner (GMP) und die Frankfurter (Main) des Büros Albert Speer (AS & P).

Abgesehen davon, dass Gerber im Dortmunder Raum und im Ruhrgebiet, Speer im Raum südlich des Mains und GMP in Norddeutschland deutlich architektonische Zeichen gesetzt haben, ist der Fokus seiner Kritik die von deutschen Architekten entworfenen und errichteten Repräsentationsbauten in undemokratischen Ländern. Aber: Baut man in Deutschland und Europa etwa nicht für sich inzwischen in fulminanten Erosionsprozessen befindenden Demokratien? Er werde "so lange nicht in China arbeiten, bis man ihm glaubwürdig" mache, "dass ich das auf höchstem Niveau tun kann", so Ingenhoven.

 Im Gegenzug könnte man den Düsseldorfer Baumeister fragen, ob es anständig ist, einem Quasi-Energiemonopolisten eine schmucke - wenngleich ökologisch wegweisende - Mini-City mit Turm gebaut zu haben, wie er es für das Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk, besser bekannt als RWE-Konzern (heute: Evonik), in Essen gegenüber des dortigen Hauptbahnhofs, Südseite, vor gut zehn Jahren getan hat (Foto re.).

Ingenhoven hat nach eigenem Bekenntnis in den 1990er Jahren im Reich der Mitte schlechte Erfahrungen gemacht. Das ist betrüblich und niemandem zu wünschen.

Hieraus aber nährt sich seine Kritik wesentlich und er hat sich einen speziellen Bereich der Architektur dafür ausgesucht. Diesen Bereich deckt so ungefähr jedes mittlere Architekturbüro ab. Einzig der Wettbewerb hindert manche daran, zu entsprechenden Aufträgen zu kommen.

Architekten planen – Städtebauern gleich – auch Siedlungsteile, Industriegebiete und in bevölkerungsreichen Staaten wie China oder Indien Entlastungsstädte nach bewährten Mustern und müssen dafür so manche Kröte schlucken, die sich gelegentlich in Form eines Repräsentationsobjektes zeigt. Auch in China.

Deutsche Architekten liegen im internationalen Vergleich, der weniger auf Repräsentationsbauten zielt, sondern mehr auf Städtebau, ziemlich gut im Rennen. Nicht selten im Sinne des deutschen Gartenstadtmusters, das nun auch schon mehr als 100 Jahre alt ist und im Prinzip vom Briten Ebenezer Howard übernommen worden war. Nicht selten auch im Sinne des Internationalen Stils, zu dessen Mitbegründern Ludwig Mies van der Rohe gehörte.

 Ganz klar, Ingenhoven hat moralische Bedenken, die sicherlich nicht ohne ein Darübernachdenken von der Hand zu weisen sind. Sie aber mit einem Rundumschlag unter die Leute zu bringen und damit im Merkelschen Stil beispielsweise potentielle Auftraggeber aus China und die Kollegenschaft zu brüskieren, ist, gelinde gesagt, nicht hilfreich. Schon gar nicht für die Messlatte, die der Düsseldorfer anlegt, falls er sich jemals wieder für Projekte in China bewerben sollte.

Man kann Ingenhoven den soziologischen Aspekt der Architektur zugestehen, wie ihn etwa Manuel Castells, Richard Sennet oder Nathan Glazer häufig zur Diskussion gestellt haben. Indes, sein Beitrag im Spiegel ist nicht dazu geeignet, formalistisch oder gar wissenschaftlich darauf zu reagieren.

"Das Gewissen des Auges" (Sennet), mag deutlicher wirken als politische Ausrichtungen. Sennet schreibt in seinem 1990 erschienenen Buch The Conscious of the Eye. The Design and Social Life of Cities (dt.: Civitas, 1991, Piper, München), dass in "der Spaltung zwischen der inneren, subjektiven Erfahrung und dem äußeren, materiellen Leben eine große Angst zum Ausdruck" komme, "die sich unsere Zivilisation nie eingestanden hat (...)".

Sennet zielte damit auf die Lebensqualität und Lebensräume in Städten ab. Weitergedacht bedeutet dies heute die Notwendigkeit von Qualitätsarchitektur unter Einbeziehung neuester ökologischer und stadtsoziologischer Erkenntnisse, wie sie auch Ingenhoven verfolgt. Sie wird nicht nur von deutschen Architekten erbracht.

 Platitüden aber, möglicherweise von Enttäuschung geleitet, helfen nicht weiter. Genauso wenig wie begrenzte, subjektive Wahrnehmungen, die man aus Agenturmeldungen beziehen kann. "In so einem Land zählt das einzelne Leben, zählen individuelle Rechte offenbar nicht viel", so Ingenhoven zu China.

Die Frage ist, was man von einem 1,3-Milliarden-Staat erwarten kann, der sich erst seit wenigen Jahren in der take-off-Phase befindet. Alles auf einmal und direkt so, wie es etwa die Gesetzgebung in Deutschland vorsieht?

Mit Jahresbeginn 2008 hat China sich ein erweitertes, arbeitnehmerfreundlicheres Arbeitsrecht zugelegt. 2006 und 2007 gab es progressive Änderungen zum Eigentum- und zum Urheberrecht. 2007 auch erweiterte Regelungen zum Umweltschutz.

Ingenhoven beklagt den mangelnden Respekt chinesischer Auftraggeber zum Urheberrecht und er beklagt ihn zu Recht. Gerade dieser Aspekt ist wohl einer der im Westen am wenigsten verstandenen, indes heftig diskutierten. Aus der chinesischen Geschichte und Tradition erwachsen, gilt es als ehrwürdig, Meister zu kopieren.

Es galt als Kunst, wenn der Copist es dem Meister nachzumachen vermochte. Auf Deutschland bezogen könnte man diese Copisten-Kunst wohl am ehesten mit der Lehrlingsausbildung vergleichen, getreu der Doktrin: Lerne von mir.

 Natürlich ist eine solche Vorgehensweise im 21. Jahrhundert nicht mehr so modern. Doch bis das westliche Denken vollständig in östliche Köpfe diffundiert ist, vergehen wohl noch einige Jahrzehnte.

Ingenhovens Kritik beherzigt diesen kulturellen Unterschied nicht. Dass dieser Unterschied seitens etwa chinesischer Auftraggeber mitunter auch trefflich ausgenutzt wird, dürfte außer Frage stehen.

Repräsentationsbauten hätten häufig etwas Politisches, so der Architekt Thomas Jocher, Mitinhaber vom Büro Fink und Jocher, München, das den Masterplan für die Hangzhou New Gulf City, Provinz Zhejiang, entworfen hat, im Telefonat mit GeoWis.

Allerdings haben Prachtbauten nicht nur in undemokratisch regierten Ländern etwas Politisches. Wer sich jemals näher mit der Thematik beschäftigt hat, müsste im Bilde sein, dass Architekten und Städtebauer - auch nach Wettbewerbsgewinn - noch eine Vielzahl von Leuten überzeugen müssen, ganz gleich ob auf lokaler, regionaler oder nationaler Ebene. "Bei fast allen Architekturprojekten" säßen Politiker mit am Tisch, so Jocher.

Die Münchner, die auch die 275 km² große Shangyu New Industrial Area (Synia) in Zhejiang beplanen, sind in China wie die Frankfurter Architekten AS & P (Albert Speer) oder die Hamburger von Gerkan, Marg & Partner (gmp) angesehen.

gmp hat für die Lingang New City, Provinz Shanghai, einen Masterplan erstellt und einen Entwurf für das neue Verwaltungszentrum in Wuxi, Provinz Jiangsu. AS & P errichten den neuen Strafgerichtshof in Riad (Saudi-Arabien) und beplanen in Changchun, Hauptstadt der in Chinas Nordwesten gelegenen Provinz Jilin, ein 120 km² großes Gebiet für die ortsansässige Automotive Industry. Später sollen dort 300.000 Leute wohnen.

Alle hatten sie Kröten schlucken müssen, die ihnen aber letztlich nicht im Halse stecken blieben, weil sie sich chinesischer Partner bedienten, die mit den Verhältnissen vor Ort vertraut sind.

 Wer allein in fremde Lande geht, ohne Karte und kulturelle Vorkenntnisse, kann sich schnell verirren. Das gilt nicht nur für Touristen. Das gilt offenbar auch für Architekten, deren Geschäft ein durchaus schwieriges zu sein scheint. Und nicht nur für im so genannten undemokratischen Ausland engagierte deutsche Architekten.

Auch im Inland ist es mitunter kompliziert. Bauvorhaben können sich aus den unterschiedlichsten Gründen in die Länge ziehen. Manche verlassen die Planungsphase nie.

Allein für die Um- und/oder Neuplanung des Dortmunder Hauptbahnhofs wurden in den vergangenen 15 Jahren mehrere Wettbewerbe ausgeschrieben, ohne dass bisher auch nur ein Spatenstich vorgenommen wurde.

Die Entwürfe waren allesamt vielversprechend und der futuristischste hatte die Form einer Fliegenden Untertasse. Indes, mal fehlte es an der Mehrheitsakzeptanz im Stadtrat, mal an der gesicherten Finanzierung oder an Bürgschaften, mal am mangelnden Interesse der Deutschen Bahn.

Vielleicht waren auch nicht ausreichend Anreize für die politischen Entscheider dargeboten worden. Ingenhoven jedenfalls - und das ist besonders zu würdigen - weigerte sich, Nachfragen zu Gefälligkeiten zu bedienen, als es um den Bau eines in Turmform (350 Meter hoch) "großen Kaufhauses in Shanghai" ging. Beispielsweise seien "von unserem Honorar" an "bestimmte Funktionäre 50 Flüge Business-Class nach Europa" erwartet worden.

Damals hätte Ingenhoven noch ohne Strafverfolgung in Deutschland zahlen können. Heute sieht es anders aus, und das wissen inzwischen auch chinesische Auftraggeber und Bauherren aus anderen Ländern. Ob es dennoch zu Gefälligkeiten oder Unter-der-Hand-Zahlungen zwischen den Parteien im Architektursegment kommt, ist ein anderes Thema.

 Tatsächlich aber muss man sich diese Frage wohl stellen. Doch betrifft es kaum - zumindest in China - die obersten Repräsentanten eines Staates. Eher lauert die Gefahr bei Provinzfürsten oder lokalen Kadern.

Inzwischen aber können diese auch in China nicht mehr sicher sein, unentdeckt zu bleiben. Seit einigen Jahren statuiert China Exempel und lässt seine Justiz harsch urteilen. Da rollen auch schon mal ganz real Köpfe oder verottet ein Funktionär im unwirtlichen Knast.

Sollten Baumeister, in diesem Fall deutsche Baumeister, sich ihrem ureigensten Ansinnen, nämlich Gebäude zu entwerfen und zu errichten, verschließen, indem sie sich von Aufträgen aus undemokratischen Regimen fernhalten? Und wenn ja, bewirkte es etwas?

In welche politisch-architekturale Kategorie wären von privaten Bauherren finanzierten Fabrikhallen, Produktionsstätten und die dazu gehörigen Verwaltungsgebäude einzuordnen, wenn davon ausgegangen werden kann, dass in ihnen Menschen zu Niedrigstlöhnen beschäftigt würden. Änderte sich durch Baumeister-Verweigerung irgendein Regime? Wohl kaum.

 Aus Ingenhovens Kritik spricht Enttäuschung, die zuweilen auch gekünstelt vorgetragen wird. In Bezug auf Libyen sehe er nicht ein, warum er sich "für ein absolut nicht satisfaktionsfähiges Regime einsetzen" solle. So ein Land kann man schon mal links liegen lassen, und auch Nigeria oder Simbabwe kann man ignorieren. Doch China?

Hier wäre wohl die subjektive Wahrnehmung einer objektiven Betrachtungsweise im Hinblick auf das UN-Sicherheitsrat-Mitglied und besonders auf dessen künftige Entwicklung zu unterziehen.

Es sei denn, man mag sich in entwickelten Ländern und Regionen festsetzen, wie es Ingenhoven vorzuziehen scheint. Etwa im Ländle. Dort ist sein Büro mit der Umgestaltung des Stuttgarter Hauptbahnhofs beauftragt.

Dann aber erscheint es als schier unangebracht, mit der Moralkeule gegen die Kollegen vorzugehen. Umso mehr, wenn diese sich neben einigen Repräsentationsbauten auch um städtebauliche Entwicklung kümmern. Umso mehr auch, wenn diese im Ausland mit einheimischen Baumeistern konkurrieren.

Die Entscheidung, in von undemokratischen Regimen beherrschten Ländern zu bauen oder für sie Entwürfe zu erstellen, dürfte wohl bei jedem selbst liegen. Neue 'Germanias' sind jedenfalls von deutschen Architekten in jüngerer Zeit für kein Regime mehr entworfen worden.

© Hao Feng und Uwe Goerlitz

© GeoWis (2008-01-07)

Abbildungen u. a. mit freundlicher Genehmigung von Gerber Architekten, von Gerk, Marg & Partner/gmp, Fink + Jocher, Reklameklub.

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