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Alles wieder normal?

Besser hätte die Rede Wen Jiabaos zu verstärkten Maβnahmen im Umweltschutz nicht unterstützt werden können: am vergangen Wochenende und zu Wochenbeginn gab es von allem etwas - Sandsturm, Schneesturm, Sturmflut.

Von Wang Wei (2007-03-06)

Eben noch fehlte der sonst zu dieser Jahreszeit üppig fallende Schnee und tauten die Eise in den Höhenzügen um Shenyang, Hauptstadt von Chinas im Nordosten gelegener Provinz Liaoning (GeoWis berichtete ). Nun ist mehr als genug Schnee gefallen.

Shenyang am 4.03.2007. Foto: Nanfang DailyAm vergangenen Sonntag und Montag fegten aus Ostsibirien kommende heftige Schneestürme über die Provinzen Heilongjiang, Jilin, Liaoning und den Nordosten der Inneren Mongolei und verursachten in den Städten Verkehrschaos und noch nicht näher bezifferte Sturmschäden. Auch Nordkorea erlebte dadurch einen harschen Wintereinbruch.

Bis zu drei Meter Schnee fielen. Verwehungen erreichten mancherorts bis zu fünf Meter. In Harbin, Hauptstadt der Provinz Heilongjiang, Changchun, Hauptstadt der Provinz Jilin, Shenyang oder Mudanjiang (Heilongjiang) und allen gröβeren Städten ging zeitweise nichts mehr, brach der Verkehr völlig zusammen, wie neben anderen chinesischen Medien die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

Selbst in der Drei-Millionen-Einwohner-Metropole und Hafenstadt Dalian, in der im März normalerweise Durchschnittstemperaturen von 2.4° Celsius herrschen, kam der Schneesturm an und riβ alles um, was nicht niet- und nagelfest war.

Schneesturmschaden in Dalian. Foto: XinhuaDa weitenteils auch der öffentliche Verkehr zum Erliegen kam und auch mit dem Fahrrad kein Durchkommen, gingen Hunderttausende am Montagmorgen zu Fuβ zur Arbeit. Derökonomische Schaden des nicht mehr erhofften Schneewinters dürfte enorm sein.

Der auf einer Fläche von rund 1,2 Millionen Quadratkilometern - was etwa dem Dreieinhalbfachen der Gröβe Deutschlands entspricht - niedergegangene Schnee sorgte für erhebliche Verspätungen im Schienenfernverkehr, lokal auch für Totalausfälle. Kaum besser erging es dem Flugverkehr der betroffenen Metropolen.

Kashi, Provinz Xinjiang, am 1.03.2007. Foto: XinhuaChina erlebt in diesen Tagen erneut Wetterkapriolen, denn während in den vom Schneefall betroffenen Regionen noch eifrig die Schneeschaufel in die Hand genommen wird, atmet man in Kashi und anderen Städten der westlich gelegenen Autonomen Provinz Xinjiang langsam wieder ohne Mundschutz durch. Dort nahm letzte Woche ein ausgeprägter Sandsturm vielen die Sicht. Es war der erste in ganz China in diesem Jahr, und viel zu früh.

Andernorts, etwa in Lianyungang, einer Hafenstadt im Norden der Provinz Jiangsu, tobte gestern eine Sturmflut, berichtete Xinhua. Ob es Opfer gegeben hat, ist nicht bekannt.

Ohne Auto und ohne Fahrrad. Foto: XinhuaDer Süden um die Provinzen Fujian, Guangdong, Taiwan und Hainan, in denen zur Zeit Temperaturen zwischen 15 und 25º Celsius herrschen, ist sich nach Lage der Dinge auch nicht mehr sicher darüber, ob die alljährlich wiederkehrenden Taifune diesmal schon früher eintreffen.

So kann dem Anliegen Wen Jiabaos, mehr Mittel für den Umweltschutz bereitzustellen und mehr Anstrengungen zu unternehmen, nur beigepflichtet werden. Fraglich ist allerdings, inwieweit, vor allem auch wie schnell, das Anliegen des Premiers in die Provinzkader diffundiert.

Das hohe Wirtschaftswachstum der vergangenen Dekade, das im Mittel bei weit über acht Prozent lag - allein in 2006 bei knapp zehn Prozent - und für 2007 mit gut acht Prozent prognostiziert ist, könnte künftig abflauen, wenn China erst auch den volkswirtschaftlichen Schaden durch Wetterkapriolen und klimatische Veränderungen in seine Bilanzen miteinbezieht. Die Vorzeichen dafür stehen nicht schlecht.

Von wegen freischaufeln! Schneemann bauen. Foto: XinhuaBleibt die Frage, ob der sich durch Schneestürme zurückgemeldete Winter in den Nordost-Provinzen normal ist. Aber gewiβ. Nur hatte damit niemand mehr gerechnet.

Einstweilen machen die Kleinen das, was Kinder überall in den nördlichen Breiten machen, wenn Schnee gefallen ist. Sie bauen Schneemänner.

© Wang Wei

© GeoWis (2007-03-06; 17:48:54)

© Fotos: Xinhua; Nanfang Daily; cnsphoto 

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