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Debatte zu Helene Hegemanns Roman Axolotl Roadkill: Fräulein Hegemanns Gefühl für Sprache. Susanne Alberti rühmt und warnt ihre junge Kollegin
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Fräulein Hegemanns Gefühl für Sprache

Susanne Alberti rühmt und warnt ihre junge Kollegin

Von Susanne Alberti (2010-02-15)

Darf ich Du zu Ihnen sagen? Ich riskiere es, nicht etwa, weil ich bislang mehr als dreimal so lange auf diesem Planeten lebe wie Du. Auch nicht, weil Du mit Deinem ersten Buch eine meiner Kolleginnen geworden bist. Ich riskiere es einfach, weil Du mir wie jene Tochter vorkommst, die ich nicht hatte.

Dein Roman lag auf meinem Schreibtisch, bevor er in die Buchhandlungen kam. Sein Schutzumschlag machte mich ebenso neugierig wie der Titel, den Du Deinem Erstling gegeben hast. Ich fing an, Deine Geschichte zu lesen. Vieles erinnerte mich an meine Jugend. Der Alk, der Genuss auch anderer Drogen, das bed hopping mit Jungen, die ich schon am nächsten Tag vergessen hatte - nein, neu oder gar schockierend war das für mich nicht. Traurig wurde ich nur, wenn ich immer wieder las, wie wenig Liebe die Eltern Deiner Protagonistin Mifti zu geben vermochten. Vielleicht, weil sie auch zu wenig geliebt wurden.

Was mich am meisten beeindruckte, ist Dein unvergleichliches Gefühl für unsere Sprache, die aus Dir sprudelt wie ein klarer Quell, lebendig, einfallsreich, fröhlich plätschernd und dabei lakonisch. Manchmal verspielt wie ein Trapezartist, der hoch über dem Publikum seine Kunststücke vorführt und keinen Gedanken darauf verschwendet, dass er jeden Augenblick abstürzen könnte.

Diese Sprache ist es, was ich am meisten an Dir bewundere. Diese Sicherheit beim Gebrauch von Wörtern, dieser Satzbau, der immer wieder in andere Rhythmen findet, das ist große Kunst, die man in unserer Zeit der Emails und SMS nur noch sehr selten findet. Bei einer Autorin Deines Alters so gut wie nie. Du hast, das ist offensichtlich, wie die meisten guten Autoren, alles gelesen, was Dir zwischen die Finger kam. Berge von Prosa und Theorie. Jede Menge Kino hast Du Dir reingezogen, und so viel Pop Musik, dass es in Deinem Kopf gesummt haben wird wie in einem Bienenstock. Und das Theater!

Ein liebevoll zubereitetes Frühstück hast Du von diesen Eltern wohl nur selten bekommen. Aber durch den Beruf Deines Vaters bekamst Du Zugang zum Theater. Es wurde zu Deiner Heimat, und Du hast auch dort sehr gut aufgepasst. Du hast Kultur aufgesaugt wie ein Blatt Löschpapier (so was gab es früher im analogen Zeitalter) die Tinte, und hattest schließlich so viel gespeichert, dass es irgendwann wieder raus wollte und es zuerst in einen Film eingebracht, der ausgezeichnet wurde und eine Saison in einigen alternativen Kinos lief, dann Material für jenes Buch lieferte, das jetzt auf den Bestsellerlisten an die Spitze gewandert ist.

Wir kennen den Kulturbetrieb beide gut genug um zu wissen, dass dies wenig mit Deinem kunstvollen Umgang mit der deutschen Sprache oder der Geschichte zu tun hat. Es hat damit zu tun, dass Du eine junge Frau bist, nahezu noch ein Kind warst, als Du Dein Manuskript schriebst und den meist zynischen Literaturmuftis wie ein unerwartet entdeckter Diamant vorkommen musstest, den es zu schleifen galt.

So selten Jungfrauen heute inzwischen sogar in Berlin-Kreuzberg geworden sind - wenig erregt im Literaturbetrieb mehr als ein junges frisches Talent, an dem die Medien ihre Implantate wetzen, das sie bespringen, besabbern und sich zu Eigen machen können. Und so schlampig manche Literaturagenten und Verlagslektoren meistens sind, wenn es um Manuskripte unbekannter Autoren geht, wurde sofort erkannt, dass Du und Dein Text der Stoff sind, aus dem sich Bestseller machen lassen. Dein Text wurde lektoriert und zwischen zwei Buchdeckel gebunden, für die Grafiker einen guten Schutzumschlag gestalteten.

 Die Kulturredaktionen wurden großzügig mit Vorausexemplaren versorgt. Die literarischen Vorkoster schmeckten Deine Buchstabensuppe, und sie muss ihnen köstlich erschienen sein. Endlich mal wieder ein Buch, das es ihnen ermöglichte, die eigene Wichtigkeit und Macht zu beweisen, die sie im Zeitalter des Internet immer mehr zu verlieren fürchten. Ein literarisches Wunder hatte sich ereignet! Eine Newcomerin! Eine zweite Françoise Sagan! Eine moderne junge Schwester Holden Caulfields, dessen Erfinder gerade gestorben war!

Da wurde gelobt und gepriesen, wurden Hymnen gesungen, wurden die Mikrophone und Fernsehkameras in Stellung gebracht und wurde zum Buchpreis vorgeschlagen. Die mit der Vermarktung von Büchern beschäftigen Medienhuren veranstalteten einen Hype, der sogar den Wirbel um die schmaleren Feuchtgebiete der Charlotte Roche übertraf. Doch dann, welch Wunder und Chance, diesen Hype zu toppen und eine weitere Stufe des Marketings zu zünden.

Ein Blogger fand heraus, dass Du, die alles schluckte und aufsaugte, was ihr auf den Teller kam, auch den Roman eines jungen Kollegen gelesen, aber in der Eile so wenig verdaut hattest, dass ziemlich viele seiner Sätze nur geringfügig verändert in Dein Buch gerieten. Du hattest ein wenig geschlampt bei der Einverleibung fremden Gedankenguts. Du hast die fremden Texte zwar verändert und sprachlich oft entschieden verbessert, doch es war deutlich erkennbar, wo Du Dich bedient hattest.

Du hast es nicht für nötig gehalten, in Deinem Buch darauf hinzuweisen, und diese Nachlässigkeit erweist sich jetzt als schädlich. 'We can make you, we can break you', hallt es Dir jetzt aus den Medien entgegen. Jene Rezensenten, die Dich zuvor einhellig gelobt und gepriesen haben, bezichtigen Dich nun des geistigen Diebstahls und heucheln große Betroffenheit ob dieses unerhörten Plagiats. Welch enormer, in sich absolut verlogener Schwachsinn!

Jeder halbwegs intelligente und lebenserfahrene Leser Deines Buches muss wie ich bemerkt haben, dass eine bei der Niederschrift dieses Textes siebzehn Jahre junge Autorin die wilden Nächte in der Berliner Clubszene, die Drogenexzesse und durchgefickten Nächte unmöglich selbst erlebt haben konnte. Besonders nicht, wenn sie so gesund und frisch aussieht wie eine soeben von einem Kohlblatt gefallene, frisch geschlüpfte Raupe. Na und?

Wir alle stehen auf den Schultern von Riesen, die vor uns geschrieben haben. Literatur schöpft nicht ausschließlich aus dem eigenen Erleben, sondern auch, und zwar gewaltig, aus anderer Literatur. Es erscheint mir zwar sehr kühn, sich in Deinem Falle auf Shakespeare, Brecht oder James Joyce zu berufen, doch dass wir etwa zwanzig, vielleicht fünfundzwanzig mögliche Plots - immer wieder verändert, mit anderen Figuren in einer anderen Zeit angesiedelt - variieren und neu erzählen, weiß jeder, der wie wir mit Literatur lebt.

Das ändert nichts daran, dass Du ziemlich leichtfertig mit fremdem Material umgegangen bist. Du hast Dir dabei offensichtlich nichts gedacht, weil man im Internet, wo Du Dich viel bewegst, nicht mit dem Urheberrechtsgesetz unter dem Arm herumläuft. Ich nehme Dir ab, dass Du Dir nichts dabei gedacht hast, Dich anderswo zu bedienen. Aber im Verlag hätte man sich etwas dabei denken müssen.

Es muss jedem offensichtlich gewesen sein, dass der Hauptstrang Deiner Story, die Befindlichkeit eines ziemlich lieblos aufgewachsenen Kindes, von eigenen Erfahrungen geprägt wurde. Dieser Strang Deines Buches hat mich am meisten berührt. Dass die Drogenexzesse und die Sexszenen angelesen sein müssen, liegt auf der Hand. Hat Dich im Verlag niemand gefragt, wo Du diese Erfahrungen, die nicht die Deinigen sein können, gefunden hast?

Du hast geschrieben und dabei abgeschrieben. Abschreiben darf man nicht und sollte man auch nicht, denn unsere Urheberrechte sind das einzige, was wir Autoren haben. Was mich betrifft, so gönne ich Dir den Erfolg Deines Buches, und falls Du Dir das nicht verbittest und ich Dir einen Rat geben darf: Mache Dein Abi, lass Dich von den Medien nicht verrückt machen und passe gut auf das Geld auf, das Du mit Deinem Werk verdienst.

Wenn ich an Deiner Stelle wäre… Ich würde nach New York (oder auf eine einsamere Insel) verschwinden und in Ruhe abwarten, bis sich der Wirbel um Dein erstes Buch gelegt hat. Gespannt bin ich auf Dein nächstes, aber das muss nicht sein. Wer einmal A gesagt hat, braucht danach durchaus nicht B zu sagen. Denke an Jerome D. Salinger, der sich gewiss etwas dabei gedacht hat, es - von einigen Nebenarbeiten mal abgesehen - beim Catcher in the Rye zu belassen.

© Susanne Alberti

© GeoWis (2010-02-15)

Susanne Alberti veröffentlichte 2003 im inzwischen insolventen Europa Verlag den Roman Fausts Gretchen, der unter dem Titel Faust und Gretchen später auch bei Weltbild erschien. Seitdem hat sie sich weitgehend aus dem Literaturbetrieb zurückgezogen. Gelegentlich schreibt sie für GeoWis.

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