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Dortmund: Cancer Positiv - Häutungen durch den Krebs. Tirzah Haase fotografiert von Eva Horstick-Schmitt. Eine Foto-Reportage, ausgestellt im Museum für Kunst und Kulturgeschichte
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"Seelenreise zweier Künstlerinnen"

Die Dortmunder Fotografin Eva Horstick-Schmitt hat die Schauspielerin Tirzah Haase auf deren Weg durch den Brustkrebs fotografisch begleitet. Nun werden die Bilder im Rahmen einer Ausstellung erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 

Von Uwe Goerlitz (2010-04-25)

Er könne sich nicht erinnern, wann die Eröffnung einer Fotoausstellung im Studio des Museums für Kunst und Kulturgeschichte je solchen Andrang erfahren hätte, gab Museumsleiter Dr. Weick am vergangenen Freitag auf der Vernissage zur Ausstellung Cancer Positiv begeistert zu Protokoll. Zu betrachten gibt es eine Foto-Reportage der besonderen Art, die ursprünglich nicht für die Öffentlichkeit gedacht war.

Im November 2008 hatte Tirzah Haase die Diagnose Brustkrebs erhalten. Sie habe den ihr bevorstehenden Weg als persönliches Bilder-Tagebuch festhalten wollen, sagt sie im Gespräch mit GeoWis. Eva Horstick-Schmitt, 52, mit der die in Hamburg aufgewachsene Schauspielerin seit zehn Jahren befreundet ist, gelang es eindrucksvoll, über einen Zeitraum von elf Monaten und drei Chemotherapien, atmosphärisch dichte und ausdrucksstarke Situationen und Momente dieses Weges einzufangen.

Die erfahrende Dortmunder Fotografin, die seit mehr als drei Jahrzehnten mit der Kamera unterwegs ist - meist mit Leica und Nikon - und im Bereich Mode für Magazine und Zeitschriften wie Penthouse, Clique, Focus, Zeit oder Extract London gearbeitet hat, fällt seit Jahren mit herausragender Fotografie und preisgekröntem Fotodesign auf und hat vielfach im In- und Ausland ausgestellt. Vieles davon ist in ihrem 2005 erschienenen Fotoband Déjà-vu/Spirit of Inspiration enthalten.

 Zu ihren thematischen Werken, die häufig einen sozialen und gesellschaftlichen Impetus aufweisen, gehören die Fotoserien Das Revier ist weiblich, Polit fashion, Portraits für den Frieden, Schräge Blicke oder Das Programm hat Eltern. Anlässlich der Fußballweltmeisterschaft 2006 gab es von Horstick-Schmitt eine Installation mit Schaufensterpuppen unter dem Motto: Die Welt zu Gast bei Freundinnen.

Sie blicke gerne hinter die Kulissen, sagt die Fotografin, die ihr Studium an der FH in Dortmund absolvierte. Seit zehn Jahren dokumentiert sie das soziale und Familienleben der Revierbevölkerung. Sie lichtet quer durch die sozialen und gesellschaftlichen Schichten auf dem Sofa versammelte Familien und Paare ab, produziert gemeinsam mit der Zeichnerin Tania Schubert fantastische Fotokompositionen in der Reihe Photo meets Manga und dokumentiert aus eigenwilligem, teils burleskem Blickwinkel die Demontage von Hochöfen.

So würdigte die Laudatorin der Ausstellungseröffnung, die Kunsthistorikern Dr. Sabine Weicherding, in ihrer erhellend persönlich gehaltenen Rede die Fotografin, die mit Tirzah Haase eigenen Angaben zufolge eine "Seelenreise" unternommen habe: "Eva Horstick-Schmitt stellt die Kamera so ein, dass das Bild so wird, wie sie es vor Augen hat. Sie drückt einmal auf den Auslöser, und verzichtet auf das Blitzlicht, um die Situation nicht zu verfremden. So entstehen diskrete Aufnahmen, ohne Voyeurismus. Nicht sensationslüstern, sondern einfühlsam, mitunter auch sachlich."

Das sensible Thema Brustkrebs in einer Weise darzustellen, die dem Betrachter etwas von den Gefühlen und Stimmungen der Betroffenen zu vermitteln versucht, ist Horstick-Schmitt gelungen. Nichts Prätenziöses, nichts sichtbar Brutales, nichts womöglich Abstoßendes. Stattdessen Ästhetisches, Bedrückendes, Fröhliches.

Dass sich einzuigeln, gar auf ihre Arbeit zu verzichten, für Tirzah Haase keine Option gewesen ist, sondern zu versuchen, sich der Situation zu stellen, lässt sich den Bildern ebenso entnehmen wie manches Bangen und manche Ausgelassenheit.

"Tirzah Haase hat ihrer Angst ins Gesicht geblickt, mitunter frech und eigensinnig. Und trägt damit dazu bei, anderen Betroffenen Mut zu machen, ihre eigene Einstellung zu Krankheit und Gesundheit zu finden, auch Schönes nicht zu vergessen, wenn Gefühle wie Wut und Verzweiflung, Abhängigkeit von Ärzten und Medizin an der Tagesordnung sind", so Laudatorin Weicherding.

Die durch ihre Bühnen- und Fernsehengagements, aber auch durch ihre Chanson- und Jazz-Liederabende bekannte und geschätzte Schauspielerin, die insgesamt sechs Chemotherapien und eine Operation durchgestanden hat, spielt und singt wieder und bekennt lächelnd und entspannt: "Mein Arzt hat mir das Leben gerettet."

Cancer Positiv - Häutungen durch den Krebs. Tirzah Haase fotografiert von Eva Horstick-Schmitt. Studio im Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Hansastraße, Dortmund. 24. April - 6. Juni 2010

Weitere:

Missing Steel. Hoesch-Museum, Dortmund. Ab 6. Juni 2010.

Webseite Eva Horstick-Schmitt >>

Laudatio von Dr. Sabine Weicherding >>

© Uwe Goerlitz

© GeoWis (2010-04-25)

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