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Hamburg: Fotoausstellung der besonderen Art: Photo meets Manga
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Zwei Welten, mindestens

Am 17. September beginnt in Hamburg in der Galerie des Levantehauses mit Photo meets Manga eine Fotoausstellung der besonderen Art, initiiert von der Dortmunder Fotografin Eva Horstick-Schmitt. 

Von Uwe Goerlitz (2010-08-23)

Noch bis zum 31. August 2010 haben junge wie ältere KünstlerInnen Gelegenheit, Fotografien und Computergrafiken zum Thema 'Manga' bzw. 'MangaMySelf'bei der Deutsch-Japanischen Gesellschaft zu Hamburg e. V. (DJG) einzureichen. "Ausdrücklich erlaubt" sei auch "die Mischung von Fotografien und/oder Computergrafiken, die mit Zeichnungen überarbeitet werden", so die DJG.

 Der Wettbewerb ist der eigentlichen Ausstellung der ideenreichen, sensiblen, indes künstlerisch häufig radikal wirkenden Dortmunder Fotografin Eva Horstick-Schmitt, die zeitweise auch in New York lebt, vorgeschaltet.

Horstick-Schmitt, deren Fotografiekonzepte eigener Aussage nach schon das eine oder andere Mal recht frech adaptiert wurden - etwa von der international  gejazzten Josephine Meckseper - zeigt Arbeiten ihrer in den Jahren 2004 bis 2008 entstandenen Fotografien, die sie von der damals 14-, inzwischen 20-jährigen Hamburgerin Tania Schaubhut mit Manga-Motiven überzeichnen ließ. 

Erstmals wurde ein Teil dieser Arbeiten im Februar 2005 in der Dortmunder Galerie Zimmermann & Heitmann gezeigt, dann im von März bis in der Kölner Galerie N. Malamedé und zuletzt in New York. Nun haben sie ihre Premiere in Hamburg.

Das Konzept der Fotografin, die seit dreizehn Jahren im Geschäft ist, zuvor ebenso lange als Choreographin in der Mode-Branche unterwegs war  und für so renonommierte Publikationen wie die kanadische Clique Bilder ablieferte, seit Mitte der 1990er Jahre ihr Augenmerk jedoch auf politisch-soziale und gesellschaftliche Themen ausrichtet, erscheint dabei so einzigartig wie genial.

Hatte sie zuvor meist mit Models gearbeitet, denen sie Bodypaintings verpasste, einen Bauarbeiterhelm aufsetzte und sie spärlich bekleidet auf dem Dortmunder Hoesch-Gelände oder anderswo platzierte, oder Frauen in Männerpissoirs verfrachtete, im Kosovo Vergewaltigungsopfer oder - mal mit, mal ohne Model - Bauruinen ablichtete, immer aber Inszenierungen vornahm - und vornimmt, konzentrierte sie sich bei ihrer Manga-Serie auf das Gegenständliche, Statische und ließ ihren Fotos von der jungen Tania Schaubhut Leben und Emotion, Stimmung und Ausdruck verleihen.

Allein das weist die Fotografin als eine Künstlerin aus, die Kreativität nicht als Alleinanspruch geltend macht. Vielmehr versucht sie Verbindungten und Verschmelzungen zwischen Generationen und Deenkweisen zu schaffen. Mit 'Photo meets Manga' treffen nicht nur zwei Generationen aufeinander, sondern es vermengen sich auch komplett unterschiedliche künstlerische Stile. Der von Horstick-Schmitt vertretene europäische und mit deutscher Note versehene fotografische Realismus - einerseits - mit dem Lieblich-Naiven, teils Melancholisch-Sehnsüchtigen des Fernöstlichen Manga andererseits. Im Ergebnis stehen zwei Welten, mindestens. 

Die Auswahl der bis zum 31. August eingereichten Arbeiten wird von einer Jury getroffen, der neben Horstick-Schmitt Vertreter der Manga-Verlage Carlsen, Artislife Press Hamburg und Tokyopop angehören, sowie die Kunsthistorikerin Sophie Blady, Autorin des Begleitbuches 'Manga meets Photo', und ein Vertreter bzw. eine Vertreterin der DJG Hamburg. Der Wettbewerbspreis wird durch die amtierende Hamburger 'Kirschblütenprinzessin' Annika Schulze verliehen.

 "Ganz verschiedene Brücken zwischen Deutschland und Japan" möchte die Ausstellung bauen, so die Veranstalter in ihren Mitteilungen. Unterschiedliche Kunstgattungen, Medien und Stile sollen präsentiert werden. Das ist ganz im Sinne von Horstick-Schmitt: "Künstler sollten den Anspruch haben, Menschen zusammenzuführen. Polarisieren ist dabei kein Widerspruch."  

Wie hoch angesiedelt Wettbewerb und Ausstellung von 'Photo meets Manga' sind, lässt sich auch daran erkennen, dass das japanische Generalkonsulat zu Hamburg seinen Kulturattaché Hiroyuki Yakabe zur Eröffnung entsendet und während der knapp dreiwöchigen Ausstellung auch ein Rahmenprogramm geboten wird, das sich sehen lassen kann.

Es beginnt mit einem Bildervortrag über das Land der aufgehenden Sonne von Reinhard Radtke (17. September). Geboten wird auch ein Workshop unter dem Titel 'Die Schwertkunst der Samurai' (18. September). Weitere Programmpunkte sind eine 'Anime-Filmabend', und ein Bildervortrag von Andreas Heidorn über Bonsaikunst - 'Bonsai kennen und pflegen' (beide am 23. September), sowie etliches Andere.

Die Japan-Affinität der Deutschen ist lange bekannt. Es gibt Deutsch-Japanische Gesellschaften in Düsseldorf, Frankfurt/Main, München, Berlin und einbigen anderen Städten, etwa Karlsruhe. Der Reiz ist aus deutscher Sicht ist meist ans Exotische angelehnt, das sich vom rein touristischen etwa zu Laos, Vietnam oder Thailand kolossal unterscheidet. Der Reiz Japans liegt im Kulturellen. 

 Indes, dieser Reiz wird aus japanischer Sicht in Bezug auf Deutschland nicht immer geteilt. Da bietet es sich geradezu an, dass zwei deutsche Künstlerinnen hier eine Brücke zu bauen versuchen und die DJG zu Hamburg diese außergewöhnliche Fotoausstellung ermöglicht, deren Exponate GeoWis vor einiger Zeit in einer Gesamtschau der Fotografin sichten durfte.

© Uwe Goerlitz

© GeoWis (2010-08-23)

Links

Photo meets Manga >>

Seelenreisen zweier Künstlerinnen >>

Missing Steel - Ode an den Stahl >> 

Japan-Reportage Teil 1: Hakone >>

Japan-Reportage Teil 2: Im Reich der Skulpturen >>

 

 

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