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Dortmund: Personalisierte schwarzgelbe Bahn zur Meisterschaft
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So oder so

Der BVB 09 steht kurz vor dem Gewinn der deutschen Fußballmeisterschaft und die Stadt rüstet sich bereits für den 14. Mai. Auch die BVB-affinen Dortmunder Stadtwerke, DSW21, sind dabei.

Von Uwe Goerlitz (2011-04-18)

Vier Spieltage vor Ende der Saison steht Borussia Dortmund mit 69 Punkten und acht Punkten Vorsprung zu Platz zwei vor dem Gewinn der deutschen Fußballmeisterschaft 2011. Die von Jürgen Klopp zusammengestellte, trainierte und begeisterte Mannschaft hat in der bisherigen Saison bereits einige Rekorde gebrochen und daneben auch noch ewige Rivalen wie etwa Schalke 04 oder Bayern München desavouiert. Zweimal in dieser Saison gewann sie gegen die ehemalige FCB-Louis-van-Gaal-Truppe und liegt zurzeit 14 Punkte vor ihr. Das sah in den vergangenen Jahren stets anders aus. 36 Punkte lag der BVB hinter dem FCB, als der 2008 Meister geworden war; 22 waren es in der Saison 2004/05. Gegen Stuttgart, Meister von 2007, hatten die Dortmunder zum Schluss 26 Punkte Rückstand.

 Seitdem ist viel geschehen in der Fußballmetropole Dortmund. Trainer Jürgen Klopp, vor dessen Verpflichtung GeoWis noch stark geunkt hatte, ob man mit ihm um Platz zehn oder fünfzehn spielen wolle, ließ bisher überwiegend begeisternden Fußball spielen und liegt mit dem BVB im Moment 29 Punkte vor dem Revierrivalen aus Gelsenkirchen.

Auch das erfreut jeden BVB-Anhänger. Zwar benötigt der BVB noch zwei Siege, um sicher die Schale am 14. Mai in den Händen halten zu können und mit der 7. deutschen Fußballmeisterschaft dann zu Schalke aufgeschlossen zu haben, aber niemand in Dortmund glaubt wohl, dass dies nicht gelänge.

In Dortmund laufen längst die Vorbereitungen zur Meisterschaftsfeier. Am Borsigplatz hängt ein übergroßes BVB-Banner, in sämtlichen Kleingartenanlagen der Stadt sind seit Wochen schwarzgelbe Flaggen gehisst, die Fanshops fahren prächtige Umsätze und die Hotels der Stadt sind für das Wochenende um den 14. Mai ausgebucht. Wie 1995, als der BVB die erste Meisterschaft nach 32 Jahren mit einem abschließenden 2:0 gegen den Hamburger Sportverein gewann, werden wieder zwischen 500.000 und einer Million Menschen mit BVB- und Feieraffinität erwartet.

Damals hatte die DSW21, die da noch ein rotes D mit mehreren Querstrichen als Logo trug, die Stadtbahnlinie 408 schwarzgelb einfärben lassen. "Um 17.05 Uhr, als nichts mehr anbrennen konnte, fuhr sie los", erinnert sich Hans-Peter Frittgen, Leiter Kommunikation und Information der DSW21. Frittgen saß in der völlig überfüllten Bahn. Auf die Schnelle habe man im Betriebshof noch den Gratulationsschriftzug geplottert und auf die Bahn appliziert.

 Die schwarzgelbe Bahn kam damals gut an bei den BVB-Fans. Wie auch die noch am Samstagabend erschienenen wespenfarbenen Sonderausgaben der Ruhr Nachrichten und der Westfälischen Rundschau, das in vielen Lokalen ausgegebene Freibier und so weiter. Eine ganze Stadt war besoffen vor Glück, Meistertrainer Ottmar Hitzfeld fuhr hoch auf dem schwarzgelben Wagen die Borsigplatz-Kreisverkehrsschleife und wildfremde Mädels und Jungs kamen sich spontan so nahe wie sonst nur von Weiberfastnacht bis Rosenmontag in Köln, Düsseldorf oder Mainz.

Wahrscheinlich hatte es auch Heiratsanträge gegeben, allerdings keinen so spektakulären wie 1992, als der BVB nur Vize wurde. Vier Minuten hatten zur Meisterschaft gefehlt. Der VfB Stuttgart hatte den Dortmundern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Auf dem Friedensplatz herrschte anschließend eine große innere Leere unter den Fußballbegeisterten. Doch nicht für den Fleischermeister Jörg Enseling, der seiner justamente 20 gewordenen Tanja vor knapp 20.000 BVB-lern einen Heiratsantrag machte und ein deutliches Ja erhiehlt. Danach wurde gefeiert.

1996 wurde der BVB mit einem 3:2 gegen Freiburg erneut Meister. Allerdings rollte keine schwarzgelb eingefärbte Bahn durch die Stadt. "Der Überraschungseffekt wäre nicht mehr gegeben gewesen", so Frittgen. Sechs Jahre später, als der BVB unter Trainer Matthias Sammer geradezu unvorbereitet die sechste deutsche Fußballmeisterschaft für sich einfuhr, gab es - ebenso überraschend - viele Bahngespanne mit Gratulationsaufklebern in Schwarzgelb. "Wir hatten sie damals auf die schmalen Seitenscheiben appliziert", so Frittgen.

Nun ist es wieder soweit, dass ein Gespann komplett in Schwarzgelb auf die Strecke gehen wird. Diesmal wird es mindestens eine der vor drei Jahren rechtzeitig zur Eröffnung neuer U-Bahnhöfe angeschafften Niederflurstraßenbahnen der Linien U 43 bzw. U 44 sein. Dabei fährt nicht lediglich eine schwarzgelbe Bahn mit Glückwünschen durch die Stadt, sondern eine, die mit rund 10.000 Unterschriften von BVB-Anhängern versehen ist.

 Um diese zu bekommen, gab es am vergangenen Freitag und Samstag eine erste Unterschriftensammelaktion unter dem Pylon des U-Bahnhofs Reinoldikirche in der Dortmunder Innenstadt. Auf bereits kurvenhaft zugeschnittenem gelbem Karton konnten Interessierte ihr Signum setzen und sich bei Bedarf fotografieren lassen. Gleichzeitig konnten sie, mussten aber nicht von der Möglichkeit Gebrauch machen, einen Euro für das von BVB-Libero Sebastian Kehl ins Leben gerufene Projekt Roter Keil zu spenden. Die Mehrheit tat dies.

Gut "zweieinhalbtausend" Unterschriften seien laut Frittgen an der ersten von drei Aktionen bereits geleistet worden. Zwei Termine gebe es noch (29./30. April; 6./7. Mai). Danach verbleiben den Druckern noch knappe sechs Tage Zeit, die Unterschriften auf Folien zu drucken und auf die Bahn zu applizieren. Und was geschieht mit der schwarzgelb eingefärbten Bahn, sollte der BVB nicht Meister werden? "Dann fährt sie trotzdem und wir gratulieren zur Teilnahme an der Champions League", verspricht Frittgen.

Klar dürfte schon jetzt sein, dass es vor dem Hintergrund, von, vor und in der Bahn Erinnerungsfotos zu schießen, wieder einen enormen Andrang geben wird, und das für längere Zeit, denn die schwarzgelbe Bahn wird bis Ende 2011 auf Strecke sein. Am besten als Meisterschaftsbahn.

© Uwe Goerlitz

© GeoWis (2011-04-18)

 

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