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Neue Waschmaschine?

Ein russischer Investor finanziert die Herausgabe der deutschen Version des US-amerikanischen Magazins Interview. Ob das Magazin-Projekt gelingt, wird sich zeigen, denn so manches hatte in den vergangenen vier Jahrzehnten auf sich aufmerksam gemacht und ist - selbst nach Jahren am Markt - eingestellt worden.

Von Jochen Henke (2011-08-04)

Er ist Jahrgang 1976, stammt aus dem Schwäbischen und lebt dort, wo seit den frühen 1970ern viele Schwaben leben - in Berlin. Er ist ein Szenegänger und -kenner, hat für die deutsche, längst eingestellte Ausgabe der US-amerikanischen Vanity Fair gearbeitetet, für das Magazin Focus und auch für den Musikkanal MTV.

 Im August 2010 hat er das Buch Lokalhelden veröffentlicht, ein Werk, das suggeriert, als hegte der Autor einen Alleinstellungsanspruch in den Bereichen Drogenerfahrung, Trebegang und Nightlife-Exzess. Ein Werk auch, das als "Coming-of-Age"-Roman angepriesen wird, obwohl es eine Momentaufnahme darstellt - wie sie es über die Jahrzehnte stets gab, in der wissenschaftlichen Literatur allerdings schon früh ausreichend bearbeitet wurde.

Nun soll er, Jörg Harlan Rohleder, den Start der deutschen Variante des 1969 vom 1987 verstorbenen New Yorker Werbegrafiker, Szenekenner, lausigen Siebdruckkünstler¹ und Oberausbeuter in Sachen Sex und Kunst, aber keineswegs Rock'n Roll, - Andy Warhol - gegründeten Magazins Interview vorbereiten. Für wen eigentlich?

In den vergangenen gut viereinhalb Jahrzehnten erblickten so einige interessante, durchaus auf Zeitgeist und Lifestyle abzielende Magazine mit unterschiedlichem intellktuellen Anspruch das Licht der Welt. Ob sie auf Dauer lebensfähig waren, entschieden die Leser, jene auch mittels Umfragen nur schwer kalkulierbare Spezies, die Anzeigenkunden allzu gern kalkulierbar hätte.

An den Lesern, im Print-Bereich besonders an den kaufwilligen, scheiden sich die Geister. Das kann jeder an seinem individuellen, auf Lesestoffe bezogenen Kaufverhalten halbwegs feststellen. Seit der Einführung des Internets umso mehr, denn noch immer laborieren Verlage daran, wie man ans Geld der Leser - im Netz wie am Kiosk - kommen könnte.

 Als die Magazine das da und twen² eingestellt worden waren, war der Entwicklungsbeauftragte für die nunmehr geplante deutsche Interview noch nicht geboren. Zugegeben, das da und twen waren keine Mode-Magazine, spiegelten indes den Lifestyle und Geist damaliger Individual- und Parallel-Universen. Und dass Rohleder noch nicht geboren war, ist ihm nicht anzulasten.

Zweifellos waren twen und das da nicht auf Opulenz und die wohlhabende Mittelschicht aus; bestenfalls auf die intellektuelle und politisch interessierte. Auf Anzeigenkunden aber waren sie genauso angewiesen wie jedes Blatt. Der Punkt, um den es stets ging und geht, ist: Wie viel Redaktionelles und welchen Anspruch daran baue ich um die Anzeigen?

Und wie viel Verschmelzung leiste ich mir? Blickt man in die Mode-, Wohn-, Auto- und Lifestyle-Magazine, nehmen die Anzeigenteile viel Raum ein, mitunter fünfzig und mehr Prozent. Viele Magazine sind in den vergangenen Jahren nach mehr oder weniger erfolgreicher Zeit gescheitert, weil sich Leser nicht mehr für dumm verkaufen lassen wollten oder ins Netz flüchteten. 

Bevor die kommunikative Revolution durch das Internet begann und Lifestyle andere Formen des kreativen Auslebens fand, hatten auch Wilhelm Moser und David Colby eine Idee, wie sich exklusive Fotografie, Werbung, Kunst, Gewagtes und Zeitschrift miteinander verschmelzen lassen und 1982 mit The Manipulator ein bislang nicht wieder erreichtes Blatt erstellt und unter die Leute gebracht.

"Size matters!" lautete das Motto der Zeitschrift für "Film, Fashion, Music and Design with a strong interest in Art", so ihre Gründer. The Manipulator war mit 50 x 70 cm das großformatigste Zeitschriftenprojekt, das es jemals gab. Textuell war das opulent aufgemachte Blatt, wesentlich entwickelt in der Duisburger Straße 44 in Düsseldorf-Derendorf, sparsam und nicht herausragend. Künstlerisch setzte es jedoch Akzente und sorgte für einen Aha-Effekt. In seiner Vita befanden sich Vertretungen in New York City, Mailand, Wien, London, Barcelona, Tokyo, Oslo, Vancouver, Zürich. Zum Glück nicht Kalkutta, Mumbai oder Kinshasa.

 Dort wäre der westliche Lifestyle seinerzeit ohnehin eher mäßig auf Resonanz gestoßen, der sich vor allem an den Marken-Inserenten ablesen ließ. Hugo Boss, GUESS?, Faliero, Sarti & Jigli, Francisco Valiente, Samuele Mazza, 'Emporio' Armani, Toni Gard, Harrods Knightsbridge und viele mehr setzten ihre Namen unter eine bis dahin nicht gekannte Verschmelzung von Fotografie und Werbung. Diese Aufhebung der Trennschärfe, erdacht von Moser und Colby, machte das Blatt zu einem ikonoklastischen Medium, das fortan Trends setzte.

Mit einem Kaufpreis von anfangs 15 und später 18 Mark schränkte The Manipulator, der 34 Mal bis zu seiner Einstellung 1994 erschien, seine Käuferschicht radikal ein. Zeitweise, zumindest in Düsseldorf, trugen Manipulator-Käufer das Blatt wie eine Monstranz vor sich her - auf der Straße und in der U-Bahn - oder rahmten Doppelseiten ein und hängten sie an die Wände ihrer Oberkasseler oder Lörricker Penthäuser. 

The Manipulator war in, und zwar sowas von!³ Es waren die hedonistischen 1980er, die dem politisch-radikalen Laissez-faire der 1970er und Resten der 1960er Blumenkinder die Fratze zeigten und sich damit rühmten, wer Sozialwissenschaften studiere, sei ohnehin ein Loser. Nun, die vermeintlichen Loser von damals sind heute damit beschäftigt, die Hedonisten und Burn-outs jener Zeit wieder in die Spur zu bekommen.

Lifestyle-Magazine mit textuellem Anspruch gab es dann doch noch. Der Wiener war so eins, krepierte aber nach wenigen Jahren am Kiosk; genauso wie TEMPO, das immerhin zehn Jahre durchhielt und 1996 seine letzte Ausgabe brachte. Die an gut sortierten Kiosken erhältlichen Magazine Face, BOLD, I-D Magazine, Qvest, Egoiste, Esquire oder Vibe flankier(t)en das Standardangebot.

Deutschland hatte seit der Wiedervereinigung plötzlich einen Schwall an ostdeutschen Kultur-Hungrigen, die zwar zunächst aufsaugten, was es aufzusaugen gab, dann aber einen eigenständigen Hedonismus an den Tag legten, der nicht zwingend mit den zur Verfügung stehenden Magazinen in Einklang zu bringen war. Mit der Zeit mündete der kulturelle Nukleus in Berlin-Mitte, und all jene, die im dortigen Kiez wohnen, glauben, im Nabel der Republik angesiedelt zu sein.

 Daraus speist sich seit gut 15 Jahren die deutsche Kulturdiktatur. Berlin, Berlin, Berlin ... . Dagegenzuhalten sei, dass ein Großteil dessen, was aus Impulsen im Kulturellen aus Berlin kommt, anderswo in der Republik schon längst bekannt ist und gelebt wird. Indes, es existiert nicht ein solcher Hype. Berliner und solche, die sich für Berliner halten, hat das nie interessiert. 

Was manchen Verleger trotzdem nicht davon abgehalten hat, vermeintlich hippen Journos und Schreibern Spielwiesen für teuer Geld bereitzustellen. Wie zum Beispiel in der Sache Der Freund, einem Magazin-Projekt, das im Rahmen des vom Axel Springer Verlag veranstalteten Ideenwettbewerbs SCOOP! im September 2004 begann und im Juni 2006 endete.

Acht Ausgaben der alle drei Monate erschienenen Zeitschrift - inzwischen bei Sammlern begehrt - erlaubte Springer-Chef Döpfner den Machern gemäß den SCOOP!-Richtlinien damals und stellte ein üppiges Budget bereit. Später finanzierte er das Nachfolgeprojekt Humanglobaler Zufall.

Das Freund-Projekt war von seinen Initiatoren - Christian Kracht und Eckhart Nickel - leidenschaftlich angegangen worden, was auch nicht schwer war, da Springer den Machern und Autoren großzügig Reisen und den Redaktionssitz in Kathmandu, Nepal, finanzierte und Der Freund auch als gelungenes Steuersparmodell einzuschätzen wusste. Die Redakteure machten sich also ein fröhliches Leben auf Steuerzahlerkosten, schafften es allerdings auch, mitunter höchst lesenswerte Beiträge zu bringen und interessante Autoren zu gewinnen.

 So Vladimir Sorokin (Das Bankett), Rem Koolhaas (Junkspace), Joakim Dahlqvist (I hope this will bring some comfort to you), Adriano Sack (In Manns Welt), Sonja Peters (Wie ich zum Nacktsein kam), Moritz von Uslar (Deconstructing Uslar) oder Rattawut Lapcharoensap (Fatangs). Der Freund bestach durch seine Cover-Gestaltung, durch literarische Elevation und elegant platzierte Illustrationen.

Jörg Harlan Rohleder, der durch die Redaktionen mäanderte, wandert mit der Entwicklung der deutschen Ausgabe von Interview auf einem schmalen Grad. Einerseits muss er schauen, dass er seine künftigen Leser/Käufer redaktionell überzeugt, andererseits den Grad der Verschmelzung mit Anzeigenkunden und grafischer Darbietung so hinbekommt, dass die deutsche Interview über ihre erste Ausgabe hinauskommt. Dafür hat er sich mit Moritz von Uslar und Adriano Sack zwei ehemalige Der Freund-Autoren ins Boot geholt.

Seine "größte Angst" sei es, "von klassischen Printmedien ernst genommen zu werden", gibt Rohleder im Interview mit Ingmar Volkmann im Branchenblatt journalist (August-Ausgabe 2011) zu Protokoll. Volkmann versuchte in diesem Interview dem Post-Warhol-Magazin-Protagonisten Rohleder durchaus kritisch auf den Zahn zu fühlen, erhielt jedoch weitgehend einsilbige Statements, manche davon in blasiertem Szene-Sprech.

Möglicherweise dünkt dem journalistischen Trebegänger längst, dass er sich auf einen Pakt mit dem Teufel eingelassen hat - und mit ihm sein Autoren-Team -, denn als Finanzier der deutschen Interview gilt Vladimir Doronin, Lebenspartner des ehemaligen, schlagkräftigen Top-Models Naomi Campbell. Rohleder jedenfalls äußert sich gegenüber Volkmann einigermaßen einsilbig zum Finanzier und weicht - fast verteidigend - aus, indem er fragt: "Welche Ihrer Quellen besagt, dass die Quellen von Herrn Doronins Vermögen eigenwillig sind? Rufen Sie den Mann doch einfach einmal an."

 Stellt sich die Frage, ob ein 35-Jähriger wissen muss, mit wem er sich geschäftlich einlässt. Im Prinzip ja, muss er. In diesem Alter haben die Einen bereits ihre erste Million gemacht - auch auf redlichem Wege -, die Anderen schon die vierte Pleite hinter sich oder krebsen immer noch an ihrem Hauptschulabschluss in Abendkursen herum.

Was davon auf Rohleder zutrifft, ist nicht klar. Klar aber ist, dass er einen Bedarf nach einem Lifestyle-Magazin zu wecken hat, der bereits übersättigt oder gar nicht mehr erweckbar ist. Klar ist auch, dass er, will eine deutsche Ausgabe von Interview im Markt platzieren, mehr bringen muss als bedröhnt oder nüchtern sich und seine Redakteure in bundesdeutsche Szenen zu schicken.

Klar ist auch, dass er dem Titel des Blattes gerecht werden muss und sich nicht mit beliebigen Plaudereien seiner Interview-Partner abspeisen lässt. Wenn schon, denn schon! Da müssen - will Rohlender tatsächlich ein lesenswertes Magazin machen und nicht nur als Wäschereijunge und Anzeigentransporteur fungieren - im Hinblick auf die Neugierdebefriedigung der Leser Rücksichtnahmen außer Acht gelassen werden.

Etwa: Wie läuft's konkret im Liebesleben bei Angela Merkel? Weshalb malt Gerhard Richter kein Bild, das er versteigern und den Erlös hungernden Somalis zukommen lässt? Womit beschäftigt sich Dietmar Bär am liebsten, wenn er nicht dreht oder Currywürste vertilgt? Versteht Johnny Depp die französichsprachigen Einkommensteuererklärungen und Stromabrechnungen? Vielleicht interessiert es jemanden.

Um Leser, besser noch Käufer zu finden und ans Blatt zu binden, bedarf es mehr als Plaudereien mit Leuten aus den bislang immer präferierten Szenen Berlins, Hamburgs und Münchens, zumal gerade auch in diesen Städten Stadtmagazine ein Standing haben. Ähnlich abgedeckt sind Rhein-Ruhr, Rhein-Main und Rhein-Neckar. Manche Künstler, Kulturschaffende und Stars leben natürlich auch in der Knüste, meist deshalb, weil sie das Großstadtleben satt haben.

 Wie sehr kann man ihnen per Interview auf die Pelle rücken und ihnen Aussagen entlocken, die sie so noch nicht in der Öffentlichkeit gemacht haben, Aussagen vor allem, die für Leser einen Informationsmehrwert hätten? Wie sehr kann man sich auch russischen Stars nähern, oder Regierungskritikern? Rohleder steht vor einer großen Wand und braucht Leute, die ihm helfen. Sein Rekrutierungsprogramm, das er Volkmann grob umrissen hat, deutet nicht darauf hin, dass er weiß, worauf er sich eingelassen hat.

Über künftige Mitarbeiter verät er nicht viel, kündigt aber an, dass ab 2012 "noch ein paar Namen" zu den "besten Interviewern Deutschlands" hinzukämen. Das hört sich vielversprechend an, doch ohne zugkräftige, sich dem üblichen Promo-Blabla und substanzlosen Platitüden nicht verpflichtet sehende Gesprächspartner nützen auch namhafte Interviewer wenig.

Mit einem Investor wie Doronin im Rücken, der seinen Profit mitnichten prominent im darbenden deutschen Magazin-Anzeigengeschäft erwirtschaften will bzw. kann, hingegen darin Möglichkeiten der Geldwäsche erblickt haben könnte, lässt es sich zumindest erst mal austoben in der Nacht, ausschlafen am Tag, und mitunter so tun, als arbeite man an etwas Wichtigem. Man darf gespannt sein.

© Jochen Henke

© GeoWis (2011-08-04)

¹ Bei der Warhol-Ausstellung in der Düsseldorfer Kunsthalle Mitte der 1980er Jahre zeigte sich der siebdrucktechnische Dilletantismus Warhols 

² twen erschien von 1959-71, dann von 1980-81, und kurz in 1982; das da wurde von 1973-79 verlegt.

³ Laut Auskunft der österreichischen Journalistin Uta Gruenberger gegenüber GeoWis sei für 2009/10 ein Relaunch von The Manipulator geplant gewesen. Auf Grund der im Sommer 2008 begonnenen Weltwirtschaftskrise mit direkter Auswirkung auf das Vorhaben, sei dies auf Eis gelegt, indes noch nicht beerdigt worden.

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