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Andy Warhol gilt als King of Pop Art. Vor allem seine Siebdrucke machten ihn zur Ikone moderner Kunst
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Zunehmende Betrachtungsdistanz

Am 22. Februar 1987 starb Andy Warhol. Sein hinterlassenes Œuvre besteht zu großem Teil aus Siebdrucken, mit denen er seinen Ruhm begründete und manchen zu Unsterblichkeit verhalf.

Von Uwe Goerlitz (2012-02-26)

Er hat gemalt, skizziert, gezeichnet, fotografiert, collagiert, gefilmt und nach dem Kartoffeldruckprinzip mit Gummistempeln gearbeitet, doch sein bevorzugtes Verfahren zur Erstellung eines Großteils seiner Werke war der Siebdruck. Erfunden hatte er ihn nicht. Das waren die Asiaten, wobei nicht endgültig geklärt ist, ob Japaner oder Chinesen. Überliefert ist, dass während der Tang-Dynastie (618-906 n. Chr.) der Einsatz von Schablonen zum Stofffärben als Vorläufer des Siebdrucks gilt¹, der auch als Durchdruckverfahren bezeichnet wird. Für die Herstellung des Siebes wurden Ross-, Menschenhaar oder Seidenfäden verwendet, in Kette- und Schussrichtung mit Spannkraft verwoben und an einen Holzrahmen geklebt. Als Sieb-Beschichtungsstoffe setzte man mit Chemikalien versehene organische Stärken ein.

 Auch die moderne Nutzung als Kunstdruckverfahren, die abseits des gewerblichen-industriellen Siebdrucks als Serigraphie bezeichnet wird, geht nicht auf Warhol zurück. Lange vor ihm gründete sich in den 1930er Jahren in den USA um die Künstler Anthony Velonis (1911-97), Hyman Warsager (1909-74) und Elizabeth Olds (1896-1991) im Rahmen des Federal Art Projects die Silk Screen Unit (SSU). Bis dahin war die Lithographie das bevorzugte Verfahren für Grafik- und Plakatkünstler.

Die SSU profitierte von den technischen Entwicklungen des gewerblich-kommerziellen Siebdrucks, indem sie sie - wo nötig - übernahm. Es gab bereits seit den 1910er Jahren erste Handbücher und anwendungstechnische Anleitungen. 1938 brachte Velonis ein kaum 30 Seiten starkes Manual heraus, in dem er eine Vielzahl von auftretenden Problemen und Anforderungen zum Siebdruck beschrieb, von denen einige noch heute auftreten (können).

Für den völlig abstrakten, gewissermaßen nicht auf ein geplantes Resultat zusteuernden Siebdruck sind die meisten potentiellen Problematiken eher unerheblich: Sieb nehmen und Farbe durchdrücken. Mal sehen, was dabei herauskommt. So funktioniert auch das Prinzip Farbbeutel an die Wand werfen. Etwas vorhersehbarer geht es zu, wenn das Sieb mit einer lichtempfindlichen und wasserlöslichen Emulsion beschichtet, dann getrocknet und mit einer lichtundurchlässigen Druckvorlage versehen und belichtet wird. Dort, wohin kein Licht gelangt, lässt sich die Emulsion auswaschen. Fertig ist die Schablone.

 Um gute und sehr gute Druckergebnisse zu erzielen², sind neben der Auswahl der richtigen Fadenstärke, der Spannkraft, des Rahmens (heute durchgehend aus Aluminium oder Stahl), der auf die Farbsorte abgestimmten Beschichtungsemulsion und -dicke, der Belichtungszeit, des zu bedruckenden Substrats (Papier, Kunststoff, Metall, Textil, Holz, etc.), der Rakelwahl und der Auswahl des technischen Verfahrens - manuell zu handhabender Drucktisch oder maschinelles Verfahren - noch jede Menge weitere Vorbereitungen und Unwägbarkeiten zu berücksichtigen.

Die elektrostatische Aufladung des Substrats kann zum Problem werden, ebenso die Trocknung des Bedruckstoffs; zu hohe oder zu niedrige Luftfeuchtigkeit und Temperatur im Druckraum oder Atelier; ungleichmäßige Beschichtung des Siebes; nicht richtig eingestellter Abstand zwischen Siebgewebe und zu bedruckendem Material.

Viele dieser Parameter hatte Andy Warhol nicht eingehalten, und vielen seiner Werke kann man das auch ansehen. Vom 20. November 1989 bis zum 11. Februar 1990 gab es eine große Werkschau im Museum Ludwig, Köln, zu der der von Kynaston McShine herausgegebene 480-seitige, knapp drei Kilo schwere Ausstellungskatalog Andy Warhol - Retrospektive erschien. Für Laien und Liebhaber der Warhol-Kunst war es eine herausragende Veranstaltung. Für Leute aus der Druckbranche, die im Hinblick auf die Technik genauer auf das Dargebotene achteten, mitunter ernüchternd.

Zugesuppte Raster, ungleichmäßige Farbaufträge und Unschärfen ließen sich da auf klein-, mittel- und großformatigen Werken des Pop-Art-Meisters besichtigen, dem Robert Rosenblum in seinem Beitrag für den Ausstellungskatalog Warhol als kunsthistorisches Phänomen bescheinigte, dass sich "schon auf der Ebene des Alltäglichen Zeugnisse seiner profanen Heiligkeit auf Schritt und Tritt" fänden. Warhol selbst äußerte sich zu seiner Vorgehensweise einst so: "Es geht schneller, wenn man schlampig arbeitet, als wenn man's ordentlich macht."

 Im gleichen Katalog mutmaßte Benjamin Buchloh in seinem Beitrag Andy Warhols eindimensionale Kunst: 1956-1966, dass Warhol "sogar am Beginn seiner verschiedenen Karrieren schon das Paradoxon des modernen Künstlers 'verkörperte'" und ihn in einen "Schwebezustand zwischen Isolation, Transzendenz und kritischer Negation der Hochkunst und der Industrie der Massenkultur (...)" hievte.

Das ist schon ordentliche Wissenschaftsprosa, die den späteren Meister des Delegierens und vielbesuchten Factory-Don - Jim Morrison von den Doors war auch kurz da - auf eine pseudophilosophische Ebene hebt, auf die der Geschäftsmann Warhol nicht gehört. Buchloh bestimmt den Wandel Warhols vom "Gebrauchskünstler zum freischaffenden Künstler" an den Beginn der 1960er Jahre, wobei er bemerkt, dass er die kommerzielle Werbegrafik bis 1962 weiterbetrieben habe. Im Grunde aber hat Andy Warhol zeit seines Lebens nicht aufgehört, alles, sich selbst eingeschlossen, der Kommerzialität unterzuordnen.

Das kann man mögen oder ablehnen, ändert indes nichts daran, dass er ein enorm wichtiger und großer Vermarkter dessen war, was als Pop-Art in die Kunstgeschichte eingegangen ist. Zuvor gelang es ihm, unzählige Groupies und Jünger in seiner Factory um sich zu scharen, die sich für ihn in die Farbe stürzten, weshalb ihm die mitunter desolate Druckqualität der unter seiner Supervision entstandenen Werke schwerlich anzulasten ist. Mit zunehmender Betrachtungsdistanz wirkt ohnehin alles schärfer.

"Ich lese nie, ich sehe mir nur Bilder an", soll er einmal gesagt haben. Das konnte er gut, wie sich an den vielen Portraits zeitgeschichtlicher Figuren erkennen lässt, denen er mittels Siebdruck zu Unsterblichkeit verhalf. Ob Mao, Lenin, Marilyn Monroe, Truman Capote, Dennis Hopper, Jaqueline Kennedy, Lisa Minelli, Mick Jagger, George McGovern, David Hockney, Marlon Brando, Ludwig van Beethoven, Joseph Beuys, der gut ein Jahr vor Warhol verstarb, oder Elvis Presley - er brachte sie vielfach auf Leinwand, Papier, Folie und kreierte gleichzeitig einen unverwechselbaren Stil, nachdem er eigener Aussage zufolge im August 1962 den Siebdruck für sich entdeckt hatte.³

 Anzulasten ist ihm seine Haltung gegenüber den Ausführern seiner Ideen, die etwa Marco Livingstone in seinem Beitrag Do It Yourself: Anmerkungen zu Warhols Arbeitstechniken beschreibt. Da ist zu finden, dass der Pop-Art-Papst auf dem Betonboden seiner Factory siebdruckt - ohne Halterung, mit Helfern und aus den Armgelenken heraus, und man darf sich fragen, ob er Anthony Velonis' Schrift oder andere zu jener Zeit längst verfügbare Manuals nicht gelesen hatte?

Hatte er sicherlich, doch interessierte ihn Genauigkeit selten. Es sollte ja schnell gehen, weshalb meist nicht mal das Sieb gespannt worden sei, wie Livingstone schreibt. Ungespannte Siebe haben indes den Nachteil, dass die durch sie gedrückte Farbe wie Klebstoff zwischen Bedruckstoff und Sieb wirkt, was erklärt, weshalb viele seiner Drucke so unsauber wirken.

Aber Warhols Kunst bestand nicht im Siebdrucken, nicht in der Serigraphie. Warhols Kunst bestand darin, das zu vermarkten, was unter seinem Label auf Grund seiner Ideen - und Inspirationen an andere - geschah. Als Siebdrucker war er mäßig, als Ideengeber ein Ass, als Vermarkter ein Genie. Und als Ikone der Pop Art gilt er bis heute, obgleich andere Künstler seines Genres, etwa Robert Rauschenberg oder Roy Lichtenstein, qualitativ Besseres abgeliefert haben.

¹ Kurt Friedrich Ehlers: Siebdruck. Handbuch für den Siebdrucker. Einrichtung, Werkstoffe, Technik. S. 9. 3. Aufl., Verlag Georg D. W. Callwey, München, 1980.

² Vgl. Martin J. Meder: Einflußgrößen auf den Passer im Siebdruck. Verlag Der Siebdruck, Lübeck, 1982; Schweizer Seidengazefabrik Thal (Hrsg.): SST - Handbuch für den Textildrucker. Thal, 1986.

³ Vgl. Marco Livingstone: Do It Yourself: Anmerkungen zu Warhols Arbeitstechniken. In: Andy Warhol - Retrospektive. S. 73. Prestel-Verlag, München, 1989.

© Uwe Goerlitz

© GeoWis (2012-02-26)

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