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Einmaleins des Journalismus: die korrekte - und auffindbare - Quelle. Bei Welt Online scheint man sich da mitunter nicht sicher zu sein, wie das Beispiel um einen Bericht zu Borussia Dortmunds Spieler Shinji Kagawa zeigt
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"Leider nicht gefunden"

In den vergangenen Tagen machte die Meldung die Runde, BVB-Mittelfeldspieler Shinji Kagawa habe sich in einem Interview negativ zu BVB-Stürmer Robert Lewandowski geäußert. Prominent wurde darüber in Welt Online (welt.de) berichtet. GeoWis hat nachgehakt.

Von Roman Siertes (2012-05-04)

Dass Japaner im Ruf stehen, stets höflich zu sein, gehört heute zum Allgemeinwissen. Umso erstaunlicher erschien daher jüngst ein Artikel auf Welt Online, BVB-Spieler Shinji Kagawa habe gegen Team-Kollege Robert Lewandowski und dessen "Egoismus auf dem Platz" gelästert. Als Autor des Beitrags zeichnet Sportredakteur Jörg Rößner, gelernter Politologe und Publizist. Bis zum späten Abend des 2. Mais hatten 41 Leser den Beitrag kommentiert, teils hämisch gegen Kagawa, teils plump, und großenteils der deutschen Rechtschreibung kaum mächtig.

 Zum Einmaleins des Journalismus gehört der Quellencheck, sofern man das Gespräch mit der Person, der die Äußerungen zugeschrieben werden, nicht selbst geführt hat.

Bestens hat das vor einiger Zeit Henning Joske, Wissenschafts-redakteur der Braunschweiger Zeitung, in seinem im Essener Klartext Verlag erschienenem Buch verdeutlicht.¹

Als Quelle für die Kagawa-Äußerungen gab Welt-Online-Redakteur Rößner die Webseite nikkei.com an. Eine Überprüfung der Quelle führte ins Nichts. Die Webseite des japanischen Wirtschaftsblattes Nikkei, die auch eine englischsprachige Version hat, aber keine Rubrik 'Sport', weist keinen Beitrag zu Shinji Kagawas Äußerungen auf. Bei Eingabe des Suchwortes "Kagawa" erscheint eine Seite zur Registrierung. Eine Nachfrage von GeoWis bei Welt-Online-Redakteur Rößner nach dem Link zur angegebenen Quelle brachte Erstaunliches zu Tage.

Der mit Kürzel 'jr' unterzeichnende Autor teilte mit, dass sich "die Meldung von gestern" auf einen Text von spox.com" bezogen habe. Er selbst habe bei nikkei.com die "Originalnachricht leider nicht gefunden, weil bei der Eingabe des Suchworts "Kagawa" der Verweis auf kostenpflichtige Inhalte" erschienen sei. "Wenden Sie sich daher mit Ihrer Anfrage doch bitte an die Spox-Kollegen aus München." Kein Wort davon zuvor im Beitrag auf Welt Online.

Nun kann man nicht von jedem erwarten, bei dem "schon relativ früh die Idee" entstand, "den Spaß am Schreiben und die große Neugier im Journalismus zu kombinieren" (Online-Bio des Autors bei Welt Online), dass daraus auch ein Broterwerb wird. Erwarten kann man allerdings, zumal bei einem der klickstärksten News-Portale der Republik, dass dessen Schreibknechte sich an die Grundregeln des Journalismus' halten.

 Einfach Beiträge zu übernehmen, ohne die darin angegebenen Quellen gegenzuchecken, geht nicht. Noch weniger geht, dass die Tertiärquelle einfach weggelassen wird - in diesem Fall spox.com -, so dass der Anschein entsteht, Welt Online vermeldete in Deutschland als Erster. Derartiges Vorgehen wird Erstsemestern an Journalistenschulen als Betrug am Leser attestiert. 

GeoWis hat bei spox.com um den Link zur Originalquelle nachgefragt, doch bis zum Erscheinen dieses Beitrags (16.17 Uhr) keine Antwort erhalten. Auch von Kagawa-Berater Thomas Kroth, der im Online-Portal der WAZ-Gruppe - derwesten.de - bestätigt hat, dass Kagawa nikkei.com ein Interview gegeben habe, seine Aussagen aber nicht korrekt wiedergegeben worden seien, ist auf GeoWis-Nachfrage noch keine Antwort erfolgt.

Was im vorliegenden Beispiel im Grunde als Posse erscheint, für Fußballanhänger aber - wie die Leserkommentare zeigen - nicht unbedeutend ist, hat gleichzeitig entlarvenden Charakter hinsichtlich der Arbeitsweise und der Berufsauffassung von manchen Journalisten, der Verkündungsauffassung von Zeitungen und Online-News-Portalen und von verantwortlichen Redakteuren, CvDs und Chefredakteuren. Offenbar muss schreiberisch gehurt werden um jeden Preis. Mit Journalismus hat das nichts mehr zu tun.

"Die Quellen sind für die Recherche zentral, ganz gleich, ob es sich um mündliche oder schriftliche Quellen handelt. Ohne Quellen sind Journalisten - nichts."² Allerdings muss man sie dann auch richtig benennen und nicht schlicht von anderen ungeprüft übernehmen.

© Roman Siertes

© GeoWis (2012-05-04)

¹ Henning Noske: Journalismus - Was man wissen und können muss. Ein Lese- und Lernbuch. Klartext Verlag, Essen, Januar 2012.

² Ebd., S. 35ff.

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