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Der Spiegel - 60 erfolgreiche Jahre

"Im Zweifel links"

Das deutsche Nachrichtenmagazin Der Spiegel feiert seinen 60. Geburtstag

Von Hubertus Molln (2007-01-08)

Zuerst waren es Fleischkonserven, die dem 2002 verstorbenen Spiegel-Herausgeber und Chefredakteur Rudolf Augstein der Legende zufolge das erste Gerichtsverfahren bescherten. 1949 war das. Zuvor hatte er von einer Hausdurchsuchung beim damals schon nicht mehr im Amt gewesenen schleswig-holsteinischen Landwirtschaftsminister Erich Arp (†1999) berichtet, bei dem die gehorteten Konserven gefunden worden waren. Das Verfahren endete für Augstein mit Freispruch.

Deutschlands Politiker zu jener Zeit waren es nicht gewohnt, in der Presse kritisiert zu werden. Kritik hatte noch den Geruch von Kommunismus und Sozialismus, vor allem aber zeugte sie von Respektlosigkeit gegenüber der Obrigkeit. Es herrschte ein L'Etat-c'est-moi-Denken unter Politikern und Vorstandsvorsitzenden. Artikel 5 des Grundgesetzes war noch nicht ratifiziert, die Bundesrepublik Deutschland noch nicht gegründet.

Dann war es Landesverrat, der Augstein nach der Hausdurchsuchung des Verlagshauses Ende Oktober 1962 vorgeworfen wurde und ihm drei Monate Untersuchungshaft einbrachte. Am Ende war nichts dran an der in die deutsche Historie eingegangenen Spiegel-Affäre. Verteidigungsminister Franz-Josef Strauβ (†1987) musste von seinem Amt zurücktreten, damit die Regierung Adenauer nicht kollabierte. Wurde das investigative Vorgehen der Spiegel-Journalisten und -Redakteure bis dahin bereits seit 15 Jahren bestaunt, nicht nur von Politikern, sondern auch von den für andere Medien schreibenden Kollegen, so erlebte das Blatt fortan einen fulminanten, auch wirtschaftlichen Aufstieg.

Lyndon B. Johnson auf SpiegeltitelObwohl Radio und Fernsehen bereits in berichterstatterischer Konkurrenz zum Spiegel standen und mit Peter Scholl-Latour, Gerd Ruge oder Winfried Scharlau (†2004) gute Leute international unterwegs hatte, behauptete sich das Blatt und reizte seinen Vorteil aus, seitenlange Geschichten und Hintergrundberichte auf Papier für die Ewigkeit zu verfestigen. Alles in Schwarzweiβ, bis auf manche Werbeanzeige.

Was seinerzeit allabendlich von Karl-Heinz Köpcke (†1991), Wilhelm Stöck (†1997) oder Werner Veigel (†1995) in der 15-minütigen Tagesschau zu nationalen oder weltpolitischen Themen verlesen wurde, oder von Heinz Wrobel in heute, brachte der Spiegel manchmal eher, doch wenn nicht eher, dann meist zum nächsten Erscheinungstag, dem Montag, ausführlicher.

Die Bilder des Vietnamkriegs kamen durchs Fernsehen in deutsche Stuben, O-Ton auch durchs Radio. Die Hintergründe standen bundesweit im Spiegel. Das Magazin war zu einem medialen Machtfaktor aufgestiegen und erreichte die junge, mindestens mittleren Bildungsabschluss besitzende Generation, die das Blatt unter sich zirkulieren lieβ. Einer kaufte es, drei, vier, fünf lasen es. Dann war wieder Montag.

Spiegeltitel vom 3.11.1969Das Hamburger Magazin setzte Standards. Recherche, Recherche und noch mal Recherche drang als Leitmotiv in Journalistikseminare ein. Jederzeit haltbare Quellen seien das A und O, auf die sich jeder Bericht zu stützen habe, und Informantenschutz eine Maxime, wenn der Staat oder eine seiner Behörden nach undichten Stellen suchte. Und es schuf neue Wörter, nutzte die Möglichkeiten der deutschen Sprache hinsichtlich Komposita.

Rudolf Augstein erfand 1988 im Gespräch mit der ZDF-Journalistin Beate Pinkerneil das Adjektiv "wehnerisch" in Bezug auf den SPD-Fraktionschef Herbert Wehner (†1990). Der Spiegel bildete, zum Entsetzen so manchen Wissenschaftlers, der sich bei der Publikation seiner wissenschaftlichen Erkenntnisse treu in der Tradition gestelzten Deutsches sah.

Über Jahrzehnte fürchteten Deutschlands Politiker - und je nach Weltlage und Umstand auch ausländische - den Montagmorgen. Per Express kam er in manchen Kapitalen auf die Schreibtische und war eiligst zu übersetzen. Ob in Europas Hauptstädten - ausgenommen Ost-Berlin, dort sprach man Deutsch -, oder ob in Washington, Moskau, Peking, Hanoi, Saigon, Pretoria, Teheran, Tokio oder Santiago de Chile. Wer im Spiegel stand, war wichtig.

Indes, wer in einem Artikel schlecht wegkam, dem war der Tag versaut, und nicht jeder boykottierte das Blatt derart konsequent - so die Überlieferung - wie der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl. Natürlich war er trotzdem informiert, was allmontaglich in Deutschlands meistgelesenem Nachrichtenmagazin geschrieben stand.

Spiegeltitel: Spaniens Diktator FrancoMit dem vielen Geld, das das Unternehmen Spiegel einnahm, finanzierte es ein weltweites Berichterstattersystem. Nicht in den Dimensionen der Nachrichtenagenturen Reuters oder Agence France Press, oder den deutschen Sendern ARD und ZDF, aber doch recht ordentlich.

Spiegel-Korrespondenten waren schon früh in weltpolitisch wichtigen Hauptstädten ansässig und recherchierten teils unter schwierigen, mit merklichem Aufwand verbundenen Bedingungen. Während Moskau noch vergleichsweise leicht schien - Verwanzung inbegriffen -, kann das Blatt als Meilenstein die Eröffnung einer Dependance in Peking betrachten. Mao (†1976) lebte noch, Hua Guofeng trat nach dessen Tod seine Nachfolge an, eine Zeitenwende stand bevor und wir erfuhren, dass deren Architekt Deng Xiaoping (†1997) hieß. Leicht hatten es die Spiegel-Korrespondenten in China sicherlich nicht.

Spiegel-Interview mit Chomeini in dessen Pariser ExilLegendär sind auch so manche Spiegel-Gespräche und Interviews. Meist freundlich, aber tief, so der Eindruck, bohrten die Redakteure und verleiteten nicht wenige Gesprächspartner zu Aussagen, über die man schmunzeln oder entsetzt sein konnte, manchmal auch nur erstaunt.

Auch heute noch. Als im Westen die Emanzipationsbewegungen - der Frauen - in vollem Gange war, stellte das Blatt Ägyptens damaliger First Lady, Dschihan el-Sadat, die seinerzeit der ägyptischen Delegation bei der UN-Weltfrauenkonferenz in Mexico City (1975) vorstand, teils deutliche Fragen. Antwort von Madame Sadat auf die Frage, ob die Männer also durch die Hintertür sturmreif geschossen werden sollen: "Eine Frau hat es doch gar nicht nötig, wie man bei uns sagt, durch das Fenster ins Haus zu kommen. Sie ist die Hausherrin, sie verwaltet das Haushaltsgeld, erzieht die Kinder und ist damit praktisch die Besitzerin des Hauses. Natürlich nur, wenn sie klug ist." Statement der Spiegel-Interviewerin: "Befreiung also per Kleopatra-Strategie."

Spiegeltitel zum Thema Homosexualitaet, 1969In den vergangenen 60 Jahren hat der Spiegel so ziemlich über alle wichtigen politischen, wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und heiklen Themen berichtet. Einem gewissen Selektionshabitus konnte er sich dabei nicht entziehen, hingegen musste ja auch noch etwas für andere Blätter übrigbleiben, mag man meinen.

Spiegeltitel zur AtomkraftDoch selten schrieben die anderen überregional erscheinenden deutschen Medien so flott, frech und frei wie es die Spiegel-Redakteure zu tun vermochten. Es hatte Leseerlebnis-Charakter.

Mit den Jahren änderte sich dies. Investigativ war das Blatt nach wie vor, aber es verlor an Spannungskraft, besonders nach dem Ausscheiden eines der beiden langjährigen Chefredakteure, Johannes K. Engel, 1986. Sein Partner auf diesem Sessel, Erich Böhme, ging Anfang 1990 nach Erreichen der Altersgrenze von 60.

Als eines der ganz wenigen Blätter kam der Spiegel mit nur wenigen Chefredakteuren aus. Auch seine Redakteure fluktuierten im Vergleich mit anderen Blättern seltener. Der Spiegel bedeutete für viele, journalistisch - oder in anderer Position im Verlag - angekommen zu sein.

Der Mauerfall bescherte dem Blatt einen Reigen an Titelgeschichten und Themen. Und einige neue Leser, die bis zur Währungsunion 13,50 Mark (Ost) für das Blatt bezahlten. Spiegel-TV, der televisionelle Ableger, und das Manager-Magazin, ebenfalls zum Verlag gehörend, erlebten wie das Blatt selbst steigenden Zuspruch. Junge Redakteure und Journalisten rückten nach. Während ergo das Blatt älter wurde, indes nicht alterte, nahm der Altersdurchschnitt des Personals ab.

Vierfarb-(4-c)Werbung im Spiegel, 1969Im Rückblick hat Augsteins Lebenswerk nicht nur die wichtigen Geschichten der Bundesrepublik und die einiger weltpolitischer Ereignisse zum Nachlesen hinterlassen, sondern auch interessante Entwicklungen in der Printwerbung.

In den frühen 1990ern verabschiedete sich das Blatt dann aber vom strikten Redaktions-Schwarzweiβ in Text und Bild. Durchaus ein Tribut an die von Buntem und Grafiken begeisterten nachwachsenden Leserschichten. Das Jammern traditioneller Spiegel-Leser (darunter auch einige heutige GeoWis-Redakteure) darüber war groβ, doch bald schon war der Cookie gesetzt und das alte Layout in den Köpfen altgedienter Leser vergessen. Heute gehört die Grafik-Abteilung des Blattes wohl zu den besten im deutschen News-Markt.

Mit Aufkommen des Internets besann sich das Hamburger Blatt damals ungeachtet aller Vorsicht der Konkurrenz zur Etablierung eines Online-Portals. Mit monatlich mehr als 100 Millionen Page-Impressions ist es der Primus unter den deutschen News-Portalen und kann entsprechend Werbegelder generieren. Was nichts über dessen Qualität aussagt. Doch wie kaum ein anderes Nachrichtenmagazin ist es dem Spiegel gelungen, sich der Zeit zu stellen, ohne an Meinungsmacht viel einzubüβen.

Spiegeltitel zum Terrorismus in WestdeutschlandEin journalistisch schwieriger Prozess an der Brandstwiete 19 in 22457 Hamburg setzte nach dem Angriff auf die Symbole des Kapitalismus nach dem 11. September 2001 ein. Das Blatt stellte sich einmal mehr einer neuen journalistischen Herausforderung und angesichts der Schwere des Geschehens auch einmal mehr einer beginnenden neuen Weltordnung.

Es zitterte im Innern, was sich auf Schreibe und Berichterstattung niederschlug. Nicht herausragend ausgewogen. Erstmals zweifelten Spiegel-Süchtige. Berichtet mein Blatt tatsächlich tiefenscharf? Das Thema Terrorismus an sich, wie auch im Speziellen, war schon Jahrzehnte zuvor vom Hamburger Blatt aufgenommen worden.

Meinungsprägend war der Spiegel für viele, und im Zweifel stehe er links, hatte Rudolf Augstein einst geäuβert. Aber innerbetrieblich ging es oft heterogen zu. Links, Mitte, Mitte-Rechts, Mitte-Links, Geradeaus, Schwenker. In diesem Rahmen bewegte er sich jahrzehntelang, beförderte Protagonisten neuer Politiken oder Denkweisen, und kritisierte sie hernach, wenn es opportun zu sein schien. Hingegen, eine Linie war stets sichtbar, solange Rudolf Augstein der Linienrichter war. Sie verschwomm ein wenig ab Mitte der 1990er Jahre.

Es ist Jubiläum. Es ist Montag. Es ist Geburtstagsfeier. Da fällt es im Prinzip schwer, durchgehend zu ketzern. Zu loben ist auch keine einfache Sache. Anerkennungswürdig ist, dass kein deutsches Magazin und auch keine deutsche Zeitung unterm Strich derart viel zur Meinungsbildung und Demokratiebewahrung beigetragen hat wie der Spiegel. Das kann man neidvoll anerkennen, oder neidlos. Es ist, wie es ist. Ohne den Spiegel wäre die Demokratie in Deutschland wahrscheinlich schon vor Jahren unter die Räder gekommen.

GeoWis gratuliert dem Jubilar aufs Herzlichste und wünscht ihm, sich konsequent auf die einst gesetzten Leitmotive zu besinnen. Rente mit 67 sollte es für das Flaggschiff des deutschen Investigativ-Journalismus nicht geben.

© Hubertus Molln

© GeoWis (2007-01-08)

© Fotos/Abbildungen: Der Spiegel

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