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Buchmesse-Nachlese (Teil 2): Von großen & kleinen Tigern
[265]

Zwischen Tradition und Moderne

Zu den buntesten Präsentationen auf der Frankfurter Buchmesse gehörten auch in diesem Jahr die der Asiaten. China dominierte. Dessen zunehmender Erfolg in der Belletristik begann in der 1980er Jahren und hat viele Protagonisten.

Teil 2 von Hubertus Molln und Hao Feng (2007-10-22)

Seit Chinas Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) erlebt der chinesische Buchmarkt eine rasante Entwicklung. Wurden dort im Jahr 2004 rund 18 Milliarden Bücher produziert, etwa vier Milliarden mehr als im Jahr 1999, waren es im letzten Jahr bereits um 20 Milliarden. Die meisten davon Schulbücher. Über 1.300 Lizenzen verkauften chinesische Verlage seit 2002 durchschnittlich pro Jahr ins westliche, vor allem europäische Ausland, mehr als 10.000 Lizenzen kauften sie im Gegenzug pro Jahr ein.

 Im Mittel erzielten chinesische Agenten und Verlage um 5.000 US-Dollar pro Lizenz. Herausragend und auffällig war der Deal der in Wuhan, Provinz Hubei, sitzenden Changjiang Literary Art and Press mit der britischen Penguin Group.

Die Briten zahlten im Jahr 2005 für die Englischrechte des chinesischen Bestsellers The Wolf Totem von Jiang Rong, von dem bis dahin eine Million über chinesische Ladentheken gegangen waren, 100.000 Dollar.

16 Monate stand der Titel auf den chinesischen Bestsellerlisten. Sollte er zunächst 2007 in allen englischsprachigen Ländern zeitgleich auf den Markt kommen, wird es nun aller Voraussicht nach Ende März 2008 soweit sein.

Kein deutscher, britischer, französischer oder amerikanischer Verleger oder Agent geht mehr an den asiatischen Präsentationen, die über viele Jahre hinweg von den Japanern dominiert wurden, achtlos vorbei.

Vor allem an der Gemeinschaftspräsentation der Chinesen nicht, die noch bis 2003 von Mao-Schriften und Verlagsausgaben jedweder politischen Größe in allen Variationen - vom Taschenbuch bis zum in kein Buchregal passendes, umfangreich gestaltetes Großformat - und von Bildbänden geprägt waren.

 Inzwischen werden Romane präsentiert, die auch für Leser westlichen Zuschnitts geeignet erscheinen. "Wir müssen nach vorne schauen, nicht in die Vergangenheit", sagte Yan Xiaohong, Chinas Vize-Minister für Presse und Publikation, auf einem Symposium während der Buchmesse.

Sei das Publikationsgeschäft stets in den Händen der Regierung gewesen, ändere sich das längst. "Manche Verlage werden wachsen, andere schließen", so Yan. Es hat sich längst geändert, aber so deutlich mag Herr Yan das nicht formulieren.

Der chinesische Inlandsmarkt für Buchprodukte ist enorm, vor allem der für Roman- und Erzählserien, wie man sie etwa in Deutschland nur von den Groschenheften kennt. Mit dazu beigetragen haben die Literaturagenten, eine Berufsbezeichnung, die es bis Mitte der 1980er Jahre in China nicht gab.

 Zu den ersten privatwirtschaftlich operierenden Agenten gehörte Yin Mingshan. Er machte Millionen und gründete die Chongqing Lifan Industry Group, eines der größten privaten Unternehmen in China, das Motorräder, Busse, Kleinlastwagen und Motoren produziert, in 14 Ländern Produktionsstätten und weiteren 64 Staaten Verkaufsbüros unterhält. Mit Büchern hat Yin nur noch peripher zu tun. Das Unternehmen hat eine Vielzahl an Schulen eingerichtet und sponsert Kulturprojekte.

Nicht alle hatte der chinesische Buchmarkt in jenen Jahren reich gemacht, aber doch sehr viele, vor allem die Agenten der ersten Stunde, die anfangs gar keine waren. Sie waren Autoren, die sich in den Metropolen abseits von Beijing und Shanghai zu Teams formierten und Geschichten schrieben, meist unter Pseudonym.

Ihr Zentrum war die Gegend um den Wusheng Road Culture Market im Zentrum Wuhans. Aus Changsha (Provinz Hunan), Zhengzhou (Henan) und Chengdu (Sichuan) seien hunderte Autoren und Literaturagenten in die Metropole am Yangtse geströmt, wie Joel Martinson in seinem Blog Danwei erzählt. Sie erfanden Geschichten in Serie, zu deren berühmtesten, nicht in Wuhan entstandenen, die Xue Mili-Romane zählten.

 Xue Mili war das nach Hong Kong verortete, weibliche Pseudonym einer Autorengruppe aus Chengdu, deren Mitglieder bis dahin von ihren mit seriösem Buchwerk erzielten Autorenhonoraren kaum leben konnten.

Ende 1987, Anfang 1988 kamen ihre ersten Romane unter dem Titel Nu dai jia (etwa: 'Kurierinnen'), Nu te jing ('Geheimpolizistinnen') und Nu lao ban ('Chefin') auf den Festlandmarkt Chinas. Sie verkauften sich rasch jeweils mehr als 100.000 mal.

Von literarischer Qualität waren sie nicht, aber sie enthielen Sex, Rotlicht, Kriminalität, Elemente des Thrillers und brachten die Zensoren des seinerzeitigen noch extrem an Prüderie leidenden Chinas aufs Parkett.

Vom sogenannten etablierten Literaturbetrieb wurden sie verachtet. Nach knapp zwei Jahren, im Mai 1989, waren die Autoren enttarnt und mußten Abbitte vor der "gesamten Nation" leisten, so Yunshan Ye¹ vom Dickinson College in Carlisle, Pennsylvania.

 Die Autorenteams in Wuhan hingegen brachten ihre Romane in Kleinstauflagen in örtlichen Buchhandlungen unter und stellten rasch fest, daß eine große Nachfrage an Geschichten bestand. Mit Manuskripten und Visitenkarten bewaffnet wurden sie bei Verlagen vorstellig, die ihnen die Seiten geradezu aus den Fingern rissen.

So auch der Verleger An Min. Der "Xue Mili-Zwischenfall" (Yunshan) hatte gezeigt, daß eine enorme Nachfrage nach Populär-, Abenteuer- und Spannungsliteratur, nach Verruchtem und verborgenen Realitäten in China bestand.

Im Umkehrschluß: die vor allem jungen, alphabetisierten Leute waren es leid geworden, sich weiterhin mit der bis dahin vorherrschenden lieblichen Romanesque und Poesie und den staatlich gelenkten Publikationen zufriedenzugeben. Darauf reagierten die Verlagshäuser in den folgenden Jahren.

Es galt nicht mehr, nur Hochliteratur zu verlegen, sondern auch dem Mainstream etwas Neues anzubieten. Was wiederum die etablierten Autoren des Schöngeistigen die Nase rümpfen ließ. Sie fanden es degoutant, "für Geld" (Yunshan) zu schreiben. Klar, ihre Publikationen wurden ja staatlich gesponsert.

Hatten die Xue Mili-Autoren eine Tür geöffnet, die sich nach der öffentlichen Abbitte fast schon wieder zu schließen drohte und Belletristik-Verlage an den Rand des Ruins brachte, stieß der Autor und Lektor An Boshun plötzlich eine Pforte auf. Weniger verrucht, dafür gesellschaftlich breiter angelegt, kamen 1993 unter dem Cloth-Tiger-Label (Bu lao hu) Bücher auf den Markt, die sich millionenfach verkauften.

 Zuvor hatte An erkannt, daß die chinesische Leserschaft geradezu nach Geschichten dürstete, die sie in andere Welten eintauchen ließ. Vor allem das neu entstehende Bürgertum in den Metropolen hatte - und hat - Bedarf an Lesestoff, der zwischen pulp fiction und Hochliteratur tariert ist.

An, wie auch andere Verleger, die auf den Zug aufsprangen, produzierte Bestseller. Damit ins Ausland zu gehen, stand lange nicht zur Debatte, da der Inlandsmarkt groß genug ist.

Kein Wunder also, daß China noch im Jahr 2004 laut Yunshan Ye gerade einmal zu 14 (!) Titeln die Englischrechte an die USA verkaufen konnte, bei gleichzeitigem Kauf von 4.068 amerikanischen Lizenzen. Spannende, auch politisch motivierte chinesische Titel von Exil-, Taiwan- oder Hong Kong-Chinesen waren für westliche Verlage interessanter.

Inzwischen hat sich das Bewußtsein auf beiden Seiten verändert. Solange es nicht gegen die kommunistische Partei Chinas oder gegen die Nation geht, können chinesische Autoren - beinahe - schreiben, wonach ihnen der Sinn steht.

Davon machen sie vor allem im Historischen Roman Gebrauch. Man hat erkannt, daß man diesen, wie auch den Gegenwartsroman, nicht mehr nur Amerikanern, Australiern, Briten oder auch Deutschen überlassen kann.

 Wie etwa dem Investmentbanker Eliot Pattison (auf Deutsch erschienene Titel: Der Berg der toten Tibeter, Der fremde Tibeter, Das tibetische Orakel, Der verlorene Sohn von Tibet), David Ball (Nacht über dem Yangtse) oder Maureen F. McHugh (China Mountain Zhang).

Belletristisches, auch über die nationalen Grenzen hinaus, kann China mittlerweile auch im Hard- und Tradecover selbst. Zu den erfolgreichsten Autoren ist Yu Hua zu zählen. Dessen in zwei Teilen publizierter Roman Brothers (in China erschienen im Juli 2005) wurde zum Bestseller.

So gilt für westliche Verlage und Agenten nicht mehr nur die bereits seit Jahren erfolgreiche Strategie, wissenschaftliche Publikationen, Bildbände und Reiseliteratur zu kaufen und auf die jeweiligen heimischen Märkte zu bringen, sondern neuerdings auch Unterhaltungsliteratur.

Was bisher galt - Lizenzen nach China zu verkaufen -, wird auch weiterhin gelten. Allerdings unterliegt auch das Buchgeschäft einem Wandel, der voll im Fluß ist. Denn je mehr sich das Land nach außen öffnet, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß etwas nach innen fließt.

So ist es bereits in der Architektur und Stadtplanung, findet es beim Einsatz neuer Technologien statt und wird kaum bei der Kultur haltmachen. Chinesische Regisseure, Schauspieler und Filme begeistern seit einigen Jahren selbst in Hollywood. Chinesische Autoren plotten - wenn auch noch zaghaft - schon jetzt international.

 Auch hat sich das Präsentieren in Frankfurt gewandelt. War der Gemeinschaftsstand chinesischer Provinzen bislang noch wenig einladend, stattdessen aber schnell zu durchlaufen angelegt, wurden zur diesjährigen Messe offenbar Designer und Messebauer engagiert, die Tradition und Moderne in Einklang zu bringen vermochten.

Neben allerlei Buntem und der darin dominierenden Farbe Rot, konnte man auch lichtdurchlässige Auslagen bestaunen, und einige Porzellankreationen gleich mit.

Anders als das in den von deutschen Verlagen dominierten Hallen 3 und 4 bevorzugte Sofa-Ambiente, umrahmt von Furnierholz-Messeverschlagen, setzten die Chinesen wesentlich auf einen Mix aus Traditionellem und Modernem.

Im Vergleich zu 2003, als die Gemeinschaftspräsentation Chinas bald die Fläche einer viertel Halle beanspruchte, aber langweilig wie eine deutsche Fußgängerzone am Sonntagabend wirkte, ein Quantensprung.

Aufgelockert mit Beigaben aus der Historie, etwa Vasen, Schalen und anderen Gefäßen, die verschiedenen vergangenen Dynastien zuzuordnen sind, wagten sie sich an ein mit Glasregalen versehenes Stand-Design, das auf der Messe einzigartig war.

 Der Design-Clou gelang, fing viele Messebesucher ein, hielt sie fest. Entweder, um zu lesen, oder um zu fotografieren. Aber auch, um sich hinzusetzen und zu verhandeln. Bücher und Autoren aus Festland-China sind jetzt gefragt.

Neben dem anfassbaren Buchmarkt existiert seit zehn Jahren ein virtueller im Reich der Mitte. Nirgendwo auf der Welt wird soviel Belletristisches online gelesen wie in China.

In Dollarn gerechnet nimmt der chinesische eBook-Markt nach den USA bereits Rang 2 ein. Pionierarbeit leistete hierbei die in Shanghai als Blog begonnene, inzwischen zum Multimediaprojekt herangewachsene Literatur-Webseite Rongshuxia (nur für Mandarin-Kundige), die inzwischen 4,5 Millionen registrierte Mitglieder hat, die nichts anderes wollen als lesen und gelesen werden.

Tagtäglich werden Yunshan zufolge um die 5.000 Geschichten eingereicht, von denen um eintausend publiziert werden. Die meisten davon umsonst, nicht wenige auch zum kostenpflichtigen Download. Drei Millionen registrierte eBooks - die meisten davon Kurzgeschichten, etliche aber Romane - befinden sich im Portfolio des Portals, das sieben Millionen Page-Hits pro Tag verzeichnet.

 Obwohl sich viel Trash unter den eBooks und eTexten befindet, bietet das Portal für Printverlage eine enorme Quelle an guten Geschichten, die den Weg in die Buchhandlungen machen. Neben ungezählten unbekannten Autoren schreiben auch etablierte längst in und für Rongshuxia, manche exklusiv. Es scheint, als sei in China das Buch am Bildschirm zu lesen genauso 'normal' wie das Lesen von online bereitgestellten Nachrichten.

In einem Segment allerdings hinkt China noch deutlich hinterher, dem Comix. In diesem Genre, das auch im Reich der Mitte beackert wird, sind inzwischen Südkoreaner obenauf und haben die Japaner fast abgelöst, deren Anime-Zeichnungen - Merkmal: kleine, spitze Nasen der Figuren - außer im Internet kaum noch jemanden vom Hocker reißen.

So ganz von den mit scharfem Strich gezeichneten Stupsnasen haben sich allerdings auch die koreanischen Zeichner noch nicht verabschiedet. Aber sie erzählen rasante Geschichten, teils im Martialischen, teils im Alltäglichen angelegt. Zu den Granden der Szene gehören Hyang Woo Lee, Mi Young Kim, Da Mi Seomoon oder Myung Jin Lee - und alle deren unmittelbare Kollegen.

Denn ähnlich wie bei den Autorenteams im vergleichsweise provinziellen China der 1980er und frühen 1990er Jahre sind Südkoreas Comic-Autoren Netzwerker, arbeiten zusammen, tauschen sich aus, und zeichnen bis die Finger schmerzen. Comix haben in Asien Tradition und tragen erheblich zum Umsatz in den dortigen Buchmärkten bei.

 Anders als in den USA, Frankreich oder auch Deutschland liegt ihnen eine völlig andere Geschichte zugrunde. Während es bei den jugendfreien US-Comix - etwa denen Walt Disneys oder den Fix und Foxi-Geschichten vom Stuttgarter Ehapa Verlag in den 1960er und 1970er Jahren - ums Aufmüpfige ging, war einer der Beweggründe in den asiatischen Ländern, das gezeichnete Bild und die kohärente Geschichte in Bildern als wesentliches Äquivalent zum Buchstaben und Satz in die bildungsfernen Bevölkerungsschichten zu transportieren. Was gelang.

Südkorea wartete mit einem hellen, weitläufigen Stand auf der Messe auf. Fast ein wenig zu weitläufig, ließ er doch keine allzu gemütliche Gesprächsatmosphäre aufkommen.

Doch die Präsentation insgesamt überzeugte. Neben Bildbänden zur Kultur des Landes, Sachbüchern und Romanen fielen vor allem die Kinderbücher auf, die großenteils nicht nur universal gezeichnete Gesichter aufweisen, sondern auch fröhliche Geschichten, die universale Gültigkeit besitzen.

Sie alle - Indien, Japan, Südkorea, und weitere asiatische Länder mit kleinerem Buchmarkt - werden 2009, wenn China Gastland in Frankfurt sein wird, wieder mit dabei sein. Spätestens dann wird es im Hinblick auf China wohl auch eine Zeitenwende im Verhältnis zwischen Verkauf und Einkauf von Lizenzen geben.

¹ Yunshan Ye: New Trends in Literary Publishing in China. Dickinson College. Carlisle, USA, Mai 2006.

© Hubertus Molln, Hao Feng

© GeoWis (2007-10-22; 17:12:13)

Lesen Sie auch Teil 1: Platzhirsche, Füchse & Karnickel >>

Teil 3: Universal Soldiers >>  

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